
Interview mit Thomas Birker 
 im Gespräch mit Thomas Birker

Wer bist du und was treibst du so?
Ich höre auf den Namen Thomas Birker, weil meine Eltern mir den Namen Thomas gaben und auch Birker heißen. Seit dem 10. März 1973 ist die Welt nicht mehr die gleiche wie zuvor, denn seit dem bin ich hier zu Hause. Ich bin hauptberuflich Medizinischer Angestellter und nebenberuflich Hörspielproduzent. Meine Hobbys sind Musik, Filme, mit Freunden zusammen sein, gutes Essen und (wie sollte es anders sein?) Hörspiele.
Du warst einst im Fandom. Wann bist du dazugestoßen? Wie war das so? Hast du da schon die Idee entwickelt, in dieser Richtung professionell tätig zu werden?
Ich bin noch immer im Forum, wer im Mai auf den Phantastiktreffen in Marburg war wird dies bestätigen können. Ich bin seit 1981 John Sinclair Fan (später folgte noch einiges andere) und so musste es kommen, dass ich auch irgendwann in die Szene eintauchte, auch wenn das erst zum Buchmessecon 1989 war. Damals lernte ich Dan Shocker, W.K. Giesa u.a. kennen. Zur zweiten Frage: Noch mache ich es ja eher als Hobby als professionell und mit den großen Global-Playern mithalten zu können, fehlt mir noch das nötige Kleingeld. Ich bin seit meinem 6. Lebensjahr Hörspielfan und mit 12 ungefähr kam die Idee, Hörspiele selbst zu machen.
2003 entstand dann Dreamland und heute sind wir ein kleines, aber mittlerweile angesehenes Hörspiellabel.
Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, Hörspiele zu produzieren?
Wie gesagt, ich war 12 und hörte zum ersten Mal Hörspiele, die mir nicht so gut gefielen, und ich dachte mir: Das kannst du besser. Einfacher gesagt als getan, mein erstes Hörspiel nahm ich in einer Schulprojektwoche auf, wobei ich das Hörspiellabel Tonstudio Braun kennen lernte (genauer gesagt: Max Braun, den Leiter). Das war übrigens auch 1989.
Von der Idee bis zu Verwirklichung der Hörspiele war es doch sicherlich ein schwerer Weg?
Ja, kann man wohl sagen. Aber es hat sich alles gelohnt und es macht Spaß, die Helden der Kindheit hinters Mikro zu holen und zu erleben, wie sie Figuren Leben einhauchen. Vor allem, da ich mir die Romane, die mich am meisten faszinieren, ausgesucht und rechtlich gesichert habe. H.G. Francis, A.F. Morland, Dan Shocker
und Hugh Walker sind halt die Besten.
Es gab Leute, die haben es kritisch eingeschätzt, dass du als Fan professionell Hörspiele produzieren wolltest. Was entgegnest du denen?
Die gibt es immer noch. Und mit jedem Fortschritt, den wir machen, zeigen wir, dass Fans auch gute Hörspiele machen können. Ich gehe nach der Idee an die Arbeit, was ich als Hörspielfan selbst am liebsten hören würde, und bisher sind wir so ganz gut gefahren. Und ich denke, wir haben noch nicht alle Asse ausgespielt.
Dreamland ist erst am Anfang und man wird noch von uns hören.
Wer ist für die Manuskripte zuständig?
Das ist eine Frage bei der ich ein wenig ausholen muss.
Zuerst war ich als Hauptautor zusammen mit Joschi Hajek verantwortlich.
Seit dem Start von Dreamland Grusel und Burg Frankenstein ist noch Christian Daber von Gruselromane.de mit im Team. Die Dialogbücher von „Burg Frankenstein 3 & 4“ stammen von Alexander Karth nach Wünschen und Anweisungen von mir.
Was hältst du von anderen Firmen wie z.B. WortArt oder Tonstudio Braun?
Ich kennen die meisten Kollegen mittlerweile persönlich und außer einem Herren, mit dem ich leider meine Probleme hatte, verstehe ich mich sehr gut mit ihnen und freue mich schon auf das Event im Frühjahr 2007, in dem die Szene sich mal präsentiert.
Ich finde, sie machen alle nach ihren Möglichkeiten tolle Hörspiele, die einen mehr im Hobbybereich, die anderen auf ganz hohem Niveau (das Kino nur darin nachsteht, dass das auch noch bewegte Bilder bietet). Die für mich größten sind Europa, Kiddinx (Ex-Kiosk), TSB, WortArt und Titania Medien.
Haben nur etablierte Autoren die Möglichkeit, ihre Storys zu vertonen?
Nicht unbedingt. Wir geben auch interessanten und guten Geschichten von Nachwuchsautoren eine Chance. Wie man auch bald am Beispiel des Hörbuches „Gammelfleisch“ mit Geschichten von Thomas Gus Backus hören wird.
Wer also gute Ideen und Geschichten hat, nur her damit, ich kann nichts versprechen, aber wenn’s gut ist, warum nicht?
War die Reihe Mac Kinsey dein erstes Werk?
Außer des Schulprojektes und ein paar Kinderzimmerproduktionen, ja!
War es einfach Horst Hübner und Wolfgang Rahn zu gewinnen?
Das war kein Problem, Horst war sehr offen für die Idee und ich bin ihm sehr dankbar. Ich werde daher auch mal schauen, ob es nicht eine Story von ihm gibt, die sich für „Dreamland Grusel“ eignet.
Erfüllte Mac Kinsey nicht die Erwartungen und woran liegt es deiner Ansicht nach, dass du die Serie einstellen musstest?
Wir hatten bei den ersten beiden Folgen zu viele Kompromisse mit dem alten Studio eingehen müssen, was absolut falsch war, und so wurden die Hörspiele nicht so gut, wie sie hätten werden können. Folge 3 war unserer Meinung nach wesentlich besser, aber die ersten beiden Folgen haben wohl zu viele Hörer abgeschreckt. Und für etwas Geld auszugeben, das sich nicht rechnet, kann keiner. So haben wir uns dazu entschlossen, die Serie mit Folge 3 zu beenden. Aber wir haben ja noch so viel Anderes vor und unsere neuen Serien zeigen, dass wir als reine Thomas Birker Produktion den Geschmack der Fans eher treffen.
Welche Hörspiele besitzt oder hörst du selbst?
Ich habe sie schon lange nicht mehr gezählt, aber ich besitze zwischen 2.000 und 2.500 Hörspielen. Ob „John Sinclair“ (TSB/Edition 2000), „Larry Brent“, „Macabros“, „H.G. Francis Grusel“, „Die drei ???“, „Reiterhoff Dreililien“, „Bibi & Tina“, „TKKG“, „Fünf Freunde“, „Faith – The Van Helsing Chronicles“, „Titania Medien Gruselkabinett“, „MotU“, „Jan Tenner“, „Wendy“, „Cain“, „Locke“, sie sind hier alle vollständig. Und das ist nur ein Teil der Sammlung.
Welche Romanserie/Bücher möchtest du persönlich als Hörspielumsetzung sehen?
„Vampira“, die eine meiner absoluten Lieblingsromanheftserien war, ist ja gerade gestartet und ich finde sie bei weitem nicht so schlecht, wie sie mancher machen will. Ich denke, sie steigern sich auch noch. Das tun die Geschichten ja auch.
„Tony Ballard“ ist auch ein absoluter Traum von mir und ich stehe da ja bei weitem nicht alleine, eine tolle Serie die A.F. Morland da geschaffen hat.
Bei „Star Wars“ bin ich schon sehr gespannt auf das, was wir bald zu hören bekommen.
Eine richtig gute Hörspielumsetzung von „Herr der Ringe“, „Harry Potter“, „X-Men“ und „Gepfählt“ (letzteres ist eine tolle Fortsetzung von „Bram Stokers Dracula“ und wäre vielleicht was für Titania Medien).
Wie knüpft man die Kontakte zu den Sprechern, z.B. Bernhard Hoecker?
Agenturen oder die Sprecher selbst kontaktieren. Bei Bernhard hat es sich z.B. so verhalten, dass ich mal in einem Interview hörte, dass er Hörspielfan ist, und ich finde, er ist ein toller Comedian. Als ich nun erfuhr, dass er zur Comedy Night nach Mainz kommt, fragte ich bei seinem Management an, ob er vielleicht Lust hätte. Und er hatte.
Wenn der Kontakt erst einmal geknüpft ist, wie gewinnt man die Leute? Das kann doch nicht nur Geld sein?
Ich denke es macht die Mischung aus gegenseitiger Sympathie, guten Geschichten und ein wenig wohl doch auch des Geldes.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Wie gesagt, ich bin ja in der Woche 40 Stunden lang Medizinischer Angestellter,
aber wenn ich nach Hause komme, ist Dreamland doch sehr dominant in meiner Freizeit. Es gibt immer was zu tun, Dialogbuch schreiben, abmischen, orten, koordinieren, Ware versenden, Kontakte pflegen, Pressearbeit.
Wie lange dauert eigentlich so eine Produktion?
Wenn ich alles rechne, bin ich ca. 30 - 40 Stunden mit einem Hörspiel beschäftigt, wobei unser Abmischer und Masterer Marcel Schweder auch noch dran feilt.
Wie läuft eine Produktion ab?
Ich sichte Stoffe, die als potentielle Hörspiele in Frage kommen, versuche sie mir zu sichern, wenn es noch nicht geschehen ist, und dann geht’s ans Dialogbuch schreiben. Dann wird überlegt, wer die besten Sprecher für die jeweiligen Rollen wären, diese werden angefragt und gebucht. Ist das alles unter Dach und Fach, geht es in die Tonstudios in Hamburg, Berlin und Mainz. Wenn wir dann wieder zu Hause sind, werden die Aufnahmen der Sprecher bearbeitet, dann zusammengestellt und es entsteht so langsam das Hörspiel. Wenn die Sprachaufnahmen alle richtig eingearbeitet sind, kommen die Geräusche und die Musik dazu und danach geht das Projekt an Marcel, der alles aufeinander abstimmt und mastert.
Woher bekommst du deine Musik?
Wir haben unsere beiden Hauptmusiker Tom Steinbrecher und Mario Cuneo,
die beide wirklich tolle Arbeit leisten. Weitere Musiker bewerben sich bei uns und manche haben wir für die Zukunft auch schon angefragt.
Es ist wohl so, dass Tom und Mario die Hauptmusiker von Dreamland sind und auch bleiben, dass aber vielleicht noch ein oder zwei Künstler später mal dazustoßen.
Viele der angebotenen Musiken können aber nicht mit den Werken unserer beiden Jungs mithalten.
Wie läuft der Vertrieb? Welche Wege muss Dreamland bestreiten, um sich am Markt zu etablieren?
Gute Hörspiele machen und Werbung. Mit Pängg haben wir einen guten Partner als Vertrieb an unserer Seite, außerdem sind wir bei Events dabei und man kann die Hörspiele bei uns im Shop bestellen. Mittlerweile sind wir bei allen größeren Läden erhältlich. Sollten unsere Hörspiele mal nicht in einer Filiale zu bekommen sein, einfach anfragen. In kurzer Zeit kann uns der Händler dann dem geneigten Hörer zugänglich machen.
Zurzeit läuft Burg Frankenstein und Dreamland Grusel. Sind noch andere Serien geplant? Gordon Black vielleicht? Wie wäre es mit SF, der Zeitkugel zum Beispiel? Immerhin startet Perry Rhodan mit Starbesetzung. Volker Lechtenbrink spricht den 'Erbschleicher des Universums'.
Gordon Black wird mit Sicherheit nicht kommen, sorry. Und gegen solch ein Projekt wie die neue „Perry Rhodan“-Serie könnten wir eh nicht ankommen. Wobei ich zugeben muss, dass ich „Zeitkugel“ nicht kenne. Weitere Projekte sind aber tatsächlich angedacht und werden schon im nächsten Jahr das Licht der Welt erblicken.
Wird nach Dan Shockers Ideen die Frankenstein-Serie fortgesetzt?
Ja, wir wollen fünf bis sieben Folgen produzieren. Diese werden wohl im Team Shocker, Montillon, Birker, Ehrhard erdacht und von Christian Montillon geschrieben.
Tony Ballard wäre auch ein interessantes Hörspielprojekt?
Wie gesagt: eine der Serien, die mich am meisten als Hörspielserien reizen würden.
Bisher hatte Bastei auf diesem Juwel die Hand. Ob sich das mal ändert? Gute Frage!
Das Interview wurde geführt von: Kalurac und Achim Reutlinger
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