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Interview mit Tad Williams

im Gespräch mit Tad Williams

Das Interview wurde per E-Mail in deutscher Sprache geführt. Bei den Antworten hatte Tad Williams Hilfe von seiner Deutschlehrerin, bei der wir uns unbekannterweise herzlich bedanken.


Bildquelle: Klett Cotta Verlag, mit freundlicher Genehmigung

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Bitte stelle unseren Lesern kurz den Menschen Tad Williams vor.
Tad Williams:
Ich bin in der Nähe von der San Francisco Bucht in Kalifornien groß geworden, und wohne hier fast mein ganzes Leben, obwohl ich auch in London eine zeitlang gelebt habe.

Ich bin in einer eng verbundenen Familie groß geworden und meine Brüder und Eltern wohnen noch in der Nähe. Meine Frau und ich haben zwei Kinder und ein Haus in den „Redwood“-Bäumen voller nutzlose Tiere.

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Wie bist du zum Schreiben gekommen? Stand das schon immer für dich fest oder hast du lange nach deiner Berufung gesucht?
Tad Williams:
In meiner Familie sind Bücher und Lesen schon immer beliebt. Die Geschichte war schon immer ein wichtiges Teil der Sachen, die ich gerne mache – z. B. Schauspielerei, Kunst, Musik.

Ich habe immer viel Theater mit gemacht, aber es war erst als ich älter als zwanzig war, dass ich mir überlegt habe ein Buch zu schreiben. Ich habe Glück gehabt und habe mein erstes Buch („Traumjäger und Goldpfote“) verkauft.

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Woher stammt dein Interesse für die Fantasy? Gibt es da außer der Literatur noch andere Berührungspunkte?
Tad Williams:
Als Kind, habe ich immer Fantasy gelesen. Als ich dann entschieden habe, mein eigenes Buch zu schreiben, kannte ich schon die Welt der Fantasy. Ich habe auch gemeint, dass ich eine gute Chance haben würde Leser zu finden, da ich die Fantasy-Welt schon gut kannte.
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Wie fing das genau an bei dir, wann wusstest du, dass du hauptberuflich Schriftsteller sein wirst?
Tad Williams:
Ich habe erst wirklich geglaubt, dass ich Schriftsteller war, als ich meine Bücher in Bücherladen gesehen habe.

Und ich habe erst geglaubt, dass ich ein richtiger Schriftsteller war, als Leute, die ich besonders bewunderte, schöne Sachen über meine Arbeit gesagt haben. (Und ich freue mich noch heute, wenn das manchmal passiert.)

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Hast du immer an den Erfolg deiner Bücher geglaubt und was macht eigentlich den enormen Erfolg deiner Bücher aus?
Tad Williams:
Ich glaube, die meisten Schriftsteller erwarten heimlich, dass sie viel Erfolg haben werden. Es wäre schwierig in der Freizeit einfach ein ganz langes Buch zu schreiben, wenn man nicht glaubte, dass man selbst was wichtiges sagen könnte.

Vorher und jetzt ist es mir bewusst, dass es viele gute Schriftsteller gibt, die von ihrem Schreiben nicht überleben können.

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In Deutschland kennt man dich als Autoren spätestens seit „OTHERLAND“. Gerade die Hörbuchproduktion und deren Vermarktung haben dazu beigetragen, dass sich nicht nur Fantasy- und Science-Fiction-Leser damit beschäftigt haben. Gab es da besondere und andere Resonanzen als bei den Veröffentlichungen deiner anderen Bücher? Und wenn ja, hat das Einfluss auf deine zukünftigen Pläne?
Tad Williams:
Der Erfolg meiner Arbeit auf Deutsch überzeugt mich, dass ich Lesern außerhalb der Fantasie-Welt auch was zu sagen habe. Ich habe schon immer geglaubt, dass meine Bücher vielen verschiedenen Lesern gefallen könnten und da ich in Europa viele verschiedene Leser habe, denke ich, dass ich mal richtig geraten habe und dass es sich doch lohnt, meine Bücher besser als nur Kinder-Abenteuerromane zu schreiben.
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Nun, dann sind wir schon bei OTHERLAND. Wie kam es zu dieser Idee? Gab es dafür einen speziellen Auslöser, eventuell ein „schlimmes Computererlebnis“?
Tad Williams:
Meine Idee für Otherland kam zu mir, als ich über Flüsse (eigentliche und virtuelle) gedacht habe. Ich meinte, wenn ich ein virtuellen Fluss machen könnte, der nur im Computer existierte, dann könnte alles mögliche an dem Ufer entlang sein – z. B., historische Stellen, literarische Erfindungen, und so weiter. Ich dachte, dies wäre ein guter Anfang für einen Fantasie-Roman.
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Glaubst du, dass die von dir beschriebene fiktive virtuelle Welt irgendwann so oder so ähnlich real werden könnte? Und was hätte das deiner Meinung nach für Folgen?
Tad Williams:
Zumindest die Hälfte der Sachen, worüber ich in OTHERLAND geschrieben habe, sollten soziale Satire sein, und was dabei erstaunlich ist, ist dass viele Sachen, worüber ich mich im Buch lustig gemacht habe, heutzutage war geworden sind, z. B., „reality shows“ und der Kult der Individuelle. Und einen Tag habe ich die Zeitung auf gemacht und las „Bill Gates und andere Milliardäre wollen Unsterblichkeits-Forschungsarbeit finanzieren.“
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Mit dem Zyklus OSTEN ARD hast du bewiesen, dass du im Bereich der klassischen Fantasy zu den ganz Großen gehörst. In Deutschland ist es dann so, dass alle guten Fantasy-Autoren mit Tolkien verglichen werden. Wie siehst du dich selber im Vergleich mit Tolkien? Und inwieweit haben seine Werke dich beim Schreiben beeinflusst?
Tad Williams:
Für mich ist es immer eine Ehre mit Tolkien verglichen zu werden, weil er für mich einen sehr großen Einfluss war. Man sieht diesen Einfluss am meisten in meiner Arbeit, wo ich versuche, tief in meine vorgestellte Welt rein zu gehen. Ich finde auch seine Leidenschaft für seine Arbeit toll. Ich glaube Leser merken, wenn ein Schriftsteller das was er schreibt gern hat.
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Wovon lässt du dich überhaupt inspirieren? Woher nimmst du deine Ideen?
Tad Williams:
Meine Ideen kommen von fast allem, das ich höre, lese, oder sehe. Mich faszinieren die Geschichte, die Wissenschaft, und die Kunst. Alles kommt in meinem Kopf zusammen und beeinflusst meine Fantasie. Ich liebe die Fantasie-Genre genau deswegen, weil ich keine Begrenzung habe über das, was ich schreiben darf.
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Und gibt es schon konkrete Pläne, aus welcher Idee der nächste Roman entstehen wird?
Tad Williams:
Ich habe im Moment zwei verschiedene Geschichten im Kopf.
Eine Geschichte ist eine Science-Fiction Geschichte über einen Kampf zwischen Rationalismus und Glauben, der wie ein richtiger Krieg zwischen den verschiedenen Kolonien der Welt ausgetragen wird. Die andere Geschichte handelt von einem Menschen der vom Tod zurück kommt und versucht, ein Geheimnis über das feine Gleichgewicht im kalten Krieg
zwischen Himmel und Hölle aufzudecken.
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Wie schätzt du den derzeitigen Trend der Fantasy-Literatur ein?
Tad Williams:
Ich weiß eigentlich nicht viel über die Trends in meinem Gebiet.
Es gibt in der Fantasie-Literatur einen riesigen Bereich, der einerseits sehr künstlerische und experimentale Werke umfasst, und andererseits Bücher, die extra zum Verkauf als “Komfort-Literatur” geschrieben werden. Ich glaube, dass der Verkaufsmarkt für diese “Komfort-Literatur” in den letzen Jahrzehnten gewachsen ist, während der Verkaufsmarkt für die mehr künstlerisch orientierte Arbeit ziemlich gleich geblieben ist. Ich versuche beide Seiten des Spektrums zu umfassen- und da finde ich mich oft in einer ziemlich weit gespannten Position, die nicht immer angenehm ist!
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Was liest du selbst am liebsten? Welche Bücher haben dir besonders gut gefallen?
Tad Williams:
Unter den neuen Büchern, die aber noch traditionelle Fantasie-Werke sind, gefallen mir die von George R.R. Martin und die von Patrick Rothfuss, einem neuen Schriftsteller. Mir gefallen auch die Werke von Steven Brust und China Mieville und von einigen anderen. Fantasie ist nur ein kleines Stück von dem was ich lese, also ich denke, dass es noch viele andere sehr gute Schriftsteller gibt, die ich nicht kenne.
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Der veröffentlicht unter anderem auch Geschichten von „Hobby-Autoren“. Hättest du für sie ein paar gute Ratschläge, die für das Schreiben unerlässlich sind?
Tad Williams:
Die drei wichtigsten Tipps/Ratschläge, die ich jedem jungen Schriftsteller geben kann sind:
1) Man soll regelmäßig und oft schreiben.
2) Was man anfängt, sollte man zu Ende bringen und nicht immer wieder neu versuchen, etwas ganz perfekt zu schreiben.
3) Man sollte nicht die gleiche Art an Literatur lesen, die man selbst schreibt, oder zumindest nicht viel davon.
Ich glaube es ist sehr wichtig, nicht viel Fantasie zu lesen, wenn man Fantasie schreibt, und nicht viele Kriminalromane zu lesen, wenn man einen Krimi schreibt, weil man dann anfängt, seine eigene Arbeit einem schon existierenden Modell anzupassen, anstatt frei kreativ zu sein. Somit beginnt unoriginelle Fiktion.
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Die letzte Frage kannst du selbst stellen. Es gibt bestimmt etwas, was du den Lesern sagen möchtest, was dich aber selten jemand fragt.
Tad Williams:
Ich werde nicht oft gefragt: “ Sind Sie froh, dass Sie Schriftsteller geworden sind?” Und die Antwort lautet : “Ja, ich freue mich jeden Tag meines Lebens. Ich darf Lügen erzählen und dafür danken mir die Menschen und geben mir noch Geld. Kann doch nicht besser sein, oder?”
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Ich danke dir ganz herzlich für das Interview und wünsche dir alles Gute.

Die Fragen stellte Anke Brandt.

Ein Bericht über Tad Williams in den Wunderwelten:
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