: Hallo Stephan, vor einem Jahr haben wir uns ausführlich über Die Chroniken des Paladins unterhalten, nun überraschst du deine Leser mit einem völlig anderen Thema. Grund für uns, dir zu deinem neuen Roman ein paar Fragen zu stellen. Wann kam dir die Idee für Portal des Vergessens und vor allem, was hat dich dazu inspiriert?
Stephan R. Bellem: Das kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Ich denke, der originale »Highlander« hat mich zu einem guten Teil zur Erzählweise inspiriert. Die Idee der Parallelwelt ... puh. Vielleicht reicht das sogar bis in meine Kindertage zurück. Damals romantisierte ich das Mittelalter und las viel klassische Fantasy. Heute finde ich die Vorstellung, in einer Welt ohne moderne Sanitäranlagen zu leben aber eher abschreckend.
: Stand das Konzept des »Romans im Roman« von Anfang an fest?
Stephan R. Bellem: Ja. Immerhin war es dir Grundidee. Ich wollte einen Roman schreiben, der mehrere verschiedene Geschichten, nicht bloß Handlungsstränge, ineinander verschachtelt. Man könnte Vryns Geschichte für sich allein lesen, dann wäre es klassische Fantasy. Oder man nimmt Peters Geschichte für sich, dann hat man einen klassischen Entwicklungsroman. Beide kombiniert ergeben eine neue Geschichte. Das Konzept fand ich interessant.
: Hast du beide Handlungsstränge getrennt geschrieben oder konntest du dabei problemlos wechseln?
Stephan R. Bellem: Ich habe tatsächlich einfach immer gewechselt. Und jeder Wechsel erfolgte nach meinem Bauchgefühl. Dabei stand nur das Finale in meinem Kopf schon fest. Der Mittelteil des Romans ist völlig aus dem Bauch heraus während des Schreibprozesses entstanden.
: Die Handlung kommt sehr gestrafft daher. Waren von Anfang an nur 300 Seiten geplant oder hast du am Ende noch gekürzt?
Stephan R. Bellem: Ich hatte keinen Plan für die Seitenzahl. Ich habe aber auch nicht nachträglich noch gekürzt. Ich wollte bewusst eine sehr straffe Handlung. In den Träumen springt die Handlung in Vryns Welt teilweise um mehrere Jahre oder auch nur Tage. Und ich habe dann bewusst auf eine Schilderung der »verlorenen« Zeit verzichtet.
: Die Straffheit der Handlung wird dir in einigen Rezensionen vorgeworfen. Würdest du im Nachhinein noch Szenen ausbauen oder dazuschreiben wollen?
Stephan R. Bellem: Nein. Die Antwort war knapp, wow. Soll ich das so unkommentiert stehen lassen? Ja. Also, es bleibt bei einem schlichten Nein.
: Hattest du selbst schon ähnliche Träume und glaubst du, dass es tatsächlich Parallelwelten geben könnte?
Stephan R. Bellem: Ich übersetze die Frage mal für die Leser: »Stephan, bist du verrückt?«
Spaß beiseite. Wie oben bereits gesagt, in jungen Jahren, als meine Phantasie noch unbedarft war, da hatte ich sicherlich den ein oder anderen was-wäre-wenn Gedanken. Heute sehe ich die Idee noch immer mit einer gewissen Faszination, glaube aber nicht daran, dass ich jemals eine solche Welt finden oder bemerken würde, sollte es sie tatsächlich geben.
: In Ankündigungen las ich immer wieder die Bezeichnung »Jungautor« bezüglich deiner Person. Du bist zwar vom Alter her noch jung, kannst aber unterdessen einige Veröffentlichungen vorweisen. Stört dich diese Betitelung oder findest du es eher schmeichelhaft?
Stephan R. Bellem: In gewisser Weise ist das doch toll! So habe ich noch den »Welpenschutz«. *grins*
Ich denke, wirklich über die Bezeichnung aufregen werde ich mich erst ab 40. Eigentlich finde ich es noch immer schmeichelhaft, denn ich verbinde damit keine Abwertung meiner Arbeit. Viel eher ist es ein Kompliment, wenn man genau darüber nachdenkt. Als Jungautor auf die sechste Veröffentlichung zuzusteuern, ist doch gar nicht schlecht.
: Der Wechsel von klassischer zur Urban Fantasy ist dir zumindest meiner Meinung nach gelungen. Welche Protagonisten hast du lieber erschaffen, die aus der realen Welt oder aus Fantasywelten? Ist es einfacher, einen Mensch oder zum Beispiel einen Zwerg/Elb/Ork zu charakterisieren?
Stephan R. Bellem: Das hielt sich die Waage. Jede Welt bietet ihre eigenen Herausforderungen, auf die man bei der Konzeption achten muss. Aber jeder Protagonist erfordert eigentlich die gleiche Arbeit. Ob Ork, Zwerg, Mensch oder Elf – das sind nur Äußerlichkeiten. Die Rasse macht da eigentlich keinen Unterschied. Jeder Charakter muss durch seine Erfahrungen und die daraus resultierenden Handlungen für den Leser plausibel werden, sonst funktioniert er nicht.
: Tharador hat dich dein halbes Leben lang begleitet. Peter/Vryn vergleichsweise nur eine kurze Zeit. An wem von beiden hängt dein Herz mehr?
Stephan R. Bellem: Gemeine Frage! Aber wenn ich genau darüber nachdenke, kann ich gar keine Präferenz feststellen. Jede Geschichte und ihre Charaktere fesseln mich auf ihre eigene Art. Sonst würde ich sie nicht aufschreiben. Ob sich für Vryn ein weiteres Abenteuer ergibt, weiß ich nicht. Gleiches gilt für Tharador.
: Stell dir vor, du müsstest mir das Buch empfehlen. Wie würdest du mich von Portal des Vergessens überzeugen?
Stephan R. Bellem: Das würde ich gar nicht selbst machen. Denn dafür habe ich Personal. Ich würde dich mit meinem Hund und dem Buch in einen Raum sperren. General würde dich dann einfach solange traurig anschauen, bis du es kaufen würdest.
: Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft. Was erwartet deine Leser als Nächstes und vor allem, was wünschst du dir von deinen Lesern?
Stephan R. Bellem: Als Nächstes erwarten meine Leser noch mindestens zwei Romane. Und ich habe auf der Buchmesse auch etwas von einem Anthologiebeitrag munkeln hören. Über die Romane kann ich noch nicht viel sagen, nur, dass ich einen davon bald ankündigen kann, da er schon im Herbst erscheinen wird. Der zweite ist für das Frühjahr 2012 geplant. Darüber hinaus werden schon Dinge besprochen, die aber vertraglich noch nicht festgesetzt sind.
Oh, und Freunde der Chroniken können diese bald als ebook erstehen. Für Kindle, iPad und andere Reader. Und der Preis wird deutlich unter der Printausgabe liegen.
: Ich danke dir für das Interview und wünsche dir allzeit gute Ideen für deine kommenden Projekte.
Stephan R. Bellem: Ich habe zu danken. Na, wenn du da mal kein bestimmtes Projekt im Hinterkopf hast. *kicher*
:: *grins* Oh ja, und darüber freue ich mich sehr.
Das Interview führte Anke Brandt.
Copyright © 2011 by Anke Brandt