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Interview mit Steve Salomo (Reverend Pain)

Florian Hilleberg im Gespräch mit Steve Salomo (Reverend Pain)

Florian Hilleberg: Guten Tag, Herr Salomo und vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir Rede und Antwort zu stehen.
Vorab gleich die Frage: Wie sind Sie selbst zum Schreiben gekommen und was hat Sie dazu inspiriert, eine derart kontroverse Figur wie den Reverend zu erschaffen?

Steve Salomo: Die Entstehungsgeschichte von Rev Pain war ein wenig kompliziert. Eigentlich war das Ganze als Fortsetzungsroman für eine Internet-Werbeseite geplant, aber die Ursprünge langen woanders. Mein damaliger Freund Jo Rother brachte mir einmal den Video-Film "Vampirhunter D" mit, der in einer Zukunft voller Vampire und Dämonen spielt, und ich war von der modernen Gothic-Atmosphäre sehr beeindruckt und dachte mir, da könne man mehr draus machen. Jo hatte noch andere Einflüsse auf die Serie: Bei einem Gespräch über Jedi-Ritter und Schamanentum kamen wir irgendwann auf die Idee, einen fanatischen Christen zum Helden einer Romanserie zu machen. Beeinflusst hatte mich auch das Buch zum Film "Judge Dredd", das ich zu dieser Zeit gerade las. Da war der Einfall, einen fanatischen Priester gegen Dämonen und Ungläubige kämpfen zu lassen, nicht weit: Was für Judge Dredd das Gesetzbuch ist, sollte für diesen Helden die Bibel sein. Später startete bei Dino auch die Reihe "Lobo", deren schwarzer Humor mit sehr gut gefiel; so wollte ich die Serie machen.
Aus der Internetserie wurde dann nichts, obwohl der damalige Geschäftsführer der Firma an dem Konzept der Serie fleißig mitarbeitete. Er war sehr begeistert von der Idee. Aber Miteigentümer der Firma waren, als sie die fertigen ersten fünf Teile lasen, der Meinung, diese Serie könne potentielle Werbekunden abschrecken, und so landeten die ersten siebzig Seiten zunächst mal in der Schublade.
Als dann die Möglichkeit bestand, den Roman in der damaligen Reihe "Grusel-Schocker" zu bringen, schrieb ich ihn zu Ende, änderte ihn auch noch mal komplett ab, nahm die Ideen heraus, die nicht von mir waren, und konnte ihn an Bastei verkaufen. Da der damalige Cheflektor mit dem einen Roman ganz zufrieden war, kam gleich die Idee, diese Serie mal im "Grusel-Schocker" auszuprobieren, weil es bisher noch keine Serie mit solcher Action und so krassem Humor gab. Als Co-Autor wurde auch lange Zeit besagter Jo Rother gehandelt, der aber dann doch seine Ideen zurückzog und daraus eine eigene Comicserie namens "Pater Dracula" machte, die bei Weichblech-Comics erschien und die ich hier empfehlen möchte.

Florian Hilleberg: Im GRUSEL-SCHOCKER erschienen zwischen den Jahren 1999 und 2001 insgesamt sieben Romane mit Reverend Pain. Jedes Heft bildete einen in sich abgeschlossenen Einzelroman. Es gab keinen roten Faden und die Abenteuer bauten auch nicht aufeinander auf. Gab es damals bereits ein Konzept oder galten die Romane alle als Testphase, um zu sehen, wie die Serie bei den Lesern ankam?

Steve Salomo: Das war bei mir sehr umstritten. Ich wollte eigentlich eine offene Serie wie Lassiter oder Jerry Cotton, an der möglichst viele Autoren mit vielen Ideen mitschreiben konnten, ohne sie in ein Korsett zu zwängen. Als Leser ärgere ich mich vielfach über Serien, die einen Ratenschwanz von losen Enden nach sich ziehen, die auch nach Jahrzehnten nicht mehr zusammengeknüpft werden. Ich wollte stattdessen Action, blutigen Horror und grimmigen schwarzen Humor, aber ich merkte schnell, dass die Heftromanleser auf Fortsetzungen stehen. In den Büchern bei Zaubermond soll das jetzt mehr berücksichtigt werden.

Florian Hilleberg: Die Einstellung des GRUSEL-SCHOCKERS kam ziemlich schnell und, zumindest für die Leser, sehr überraschend. Gab es da schon Pläne wie es mit Reverend Pain weitergehen sollte?

Steve Salomo: Es gab die Idee, aus Rev Pain eine eigenständige Serie zu machen, aber man entschied sich dann doch für "Torn", weil er "ungefährlicher" war. Damals befürchtete man, die religiösen Gefühle von Lesern verletzen zu können. Letztendlich aber musste man erkennen, dass sich fanatische Atheisten viel mehr verletzt fühlten. Die verstehen offenbar keinen Spaß und sind päpstlicher als der Papst.

Florian Hilleberg: Gab oder gibt es vielleicht sogar noch unveröffentlichtes Material, das nie das Licht der Romanwelt erblickte?

Steve Salomo: Es gibt noch einige Exposés und Ideenskizzen aus der Zeit, als Rev Pain als Internetserie geplant war. Da es sich um einen Kölner Internet-Verlag handelte, musste Rev Pain natürlich auch gegen einen "Geisterfahrer" aus Bergheim antreten. Aber das waren alles Ideen für Kurzgeschichten und für eine Buchausgabe zu abgedreht, weil nur noch Klamauk.

Florian Hilleberg: Im März diesen Jahres startete Reverend Pain endlich als eigene Hardcover-Serie. Mittlerweile ist bereits der zweite Band erschienen und mit Kraphumet hat bereits ein Dämon bittere Rache geschworen. Zudem endete das Buch mit einem fiesen Cliffhanger. Werden die Romane in Zukunft stärker aufeinander aufbauen?

Steve Salomo: Auf jeden Fall, das musste ich Dennis Ehrhard versprechen. Die neuen Tony-Ballard-Romane bauen ja alle sehr stark aufeinander auf und sind ein Megaerfolg. Da von zwei Romanen in einem Buch aber einer ein Nachdruck ist, werden wir hier etwas herumtricksen müssen.

Florian Hilleberg: Wird es einen richtigen roten Faden geben? Bislang fuhr Pain ja nur ziellos durch die Lande. Es wäre sicherlich reizvoll, ihm ein echtes Ziel zu geben.

Steve Salomo: Da gibt es schon mehrere Ideen, die aber noch alle nicht spruchreif sind. Zunächst ist eben die Schwierigkeit, die neuen Romane plus roten Faden in die Handlung der Nachdrucke einzubinden, ohne dass es hier zu Widersprüchen kommt.

Florian Hilleberg: Die Welt des Reverend Pain besitzt momentan nur wenig Konstanten und Anhaltspunkte. Die Handlungen der bislang erschienenen Storys könnten fast überall spielen. Die Namen lassen auf den englischsprachigen Raum schließen. Aufgrund der Tatsache, dass oft auch Sümpfe und alte Burgen drin vorkommen tippe ich auf Großbritannien. Liege ich da richtig?

Steve Salomo: Nein, es ist gewollt, dass die Handlung überall angesiedelt werden kann. Mad Mike und seine Maddrax-Autoren arbeiten ja mit einer detaillierten Weltkarte und einem Serienexposé von inzwischen weit über hundert Seiten. Ich bewundere das sehr, aber ich will das offener machen und mehr mit der Fantasie des Lesers spielen. Bei den alten Universal-Monsterfilmen weiß man auch nie so genau, wo und wann sie spielen: "Frankenstein" mit Boris Karloff handelt zum Beispiel irgendwo irgendwann in Europa, beim "Wolfsmensch" fährt man sowohl moderne Sportwagen als auch Pferdekutschen, ohne dass dies widersprüchlich erscheint. Das gibt viel Freiraum für Atmosphäre und düstere Storys; diese Filme sind in dieser Hinsicht ein Vorbild für mich. Auch bei der Westernserie "Lassiter" ist nie ganz klar, wann und wo sie eigentlich spielt. Der Held hüpft sozusagen durch alle Betten des Wilden Westens, und darin liegt der Spaß dieser Serie. SF-Serien wie "Maddrax" oder "Perry Rhodan" können sich solche Freiheiten natürlich nicht erlauben, und die Welten dort sind daher viel, viel detaillierter.

Florian Hilleberg: Existiert eventuell schon ein Konzept, wie die Welt nach der Invasion der Dämonen konkret aussieht?

Steve Salomo: Ja – alles liegt am Boden!

Florian Hilleberg: Werden in Zukunft noch mehr Reverends eine Rolle in den Romanen spielen? Bekommt Pain vielleicht sogar einen Mitstreiter oder zumindest Gefährten, die öfter mal in Erscheinung treten?

Steve Salomo: Ein Mitstreiter ist geplant, der ist aber kein Reverend und nicht mal wirklich menschlich. Das kommt aber erst dann, wenn die Zweitauflagen alle gedruckt sind. Natürlich wird Pain auch auf andere Reverends treffen, aber die Jungs sind nun mal grimmige, unleidliche Einzelgänger. Viel spannender ist es doch, wenn etwa eine protestantische Priesterin ins Spiel kommt.

Florian Hilleberg: Fahren alle Reverends Motorrad oder ist das eine ganz spezielle Eigenart von Pain?

Steve Salomo: Die wirklich guten fahren Motorrad; das Ganze ist ja eine Sache des Glaubens: Rev Pain kann Wasser in Sprit verwandeln, das können nicht alle.

Florian Hilleberg: Woher bezieht Rev Pain eigentlich seine Waffen, insbesondere so kleine Spielerein wie Blendgranaten, Munition für den Granatenwerfer, Lasermagazine und Silberkugeln?

Steve Salomo: Das wird hin und wieder am Rande der Romane erwähnt: Erstens nimmt er sich aus den Dörfern, durch die er kommt, mit, was er braucht, zweitens macht er zwischendurch Halt in Klöstern, die ja entsprechend gerüstet sind.

Florian Hilleberg: Reverend Pain ist ein eher unsympathischer, erzkonservativer Typ, den man sich nicht gerade als Beichtvater wünscht.
Wird später mal auf Pains Vergangenheit eingegangen, damit der Leser erfährt, wie aus einem Mann ein derart fanatischer Dämonenjäger werden konnte?

Steve Salomo: Der Roman ist schon so gut wie fertig und liegt in der Schublade. Aber dann gefiel er mir nicht mehr, weil es der Figur das Geheimnisvolle und Düstere nimmt, wenn man weiß, dass er ein ganz normaler Junge war, seine Familie von Dämonen umgebracht wurde und er in einem Kloster aufwuchs. Irgendwie machte das die Figur kaputt. Aber aufgrund der Leserstimmen möchte ich den Reverend in den nächsten Romanen auch etwas menschlicher zeigen; im dritten Buch schützt er sogar eine Ehebrecherin, weil ihm das Neue Testament in den Sinn kommt – ist ja schon mal ein Fortschritt.

Florian Hilleberg: Wie weit reicht die aktuelle Planung der Serie? Wird sie vielleicht ebenfalls mal im Dreimonatsrhythmus erscheinen wie beispielsweise PROFESSOR ZAMORRA?

Steve Salomo: Das entscheidet der Leser, indem er noch mehr Bücher kauft. Dennis Ehrhardt scheint mir großem Spaß am Geldverdienen zu haben.

Florian Hilleberg: Ich hoffe es gibt genügend Leser, damit die Serie noch lange Bestand hat. Besteht die Absicht die Bücher weiterhin in zwei Teilen herauszubringen, also zwei Heftromane pro Band, wenn alle Grusel-Schocker-Hefte nachgedruckt sein sollten?

Steve Salomo: Das auf jeden Fall. Vielleicht sogar bringen wir dann auch längere Storys, die sich übers ganze Buch erstrecken, so wie bei Tony Ballard, den ich sehr, sehr gerne lese.

Florian Hilleberg: In den beiden neuen Romanen merkt man deutlich, dass der Reverend noch verbohrter, noch fanatischer geworden ist. Gab es dazu schon offizielle Stellungnahmen der Kirche? Oder hat sich die Kirche überhaupt mal zu den Romanen geäußert?

Steve Salomo: Nein, hat sie nicht. Ich glaube, die nehmen uns nicht ernst oder schmunzeln eher darüber. Wie gesagt: Böse Stimmen gab es bisher nur von fanatischen Atheisten und Kirchengegnern, weil die nicht begriffen haben, dass das alles nicht ernst gemeint ist.

Florian Hilleberg: Pain wirft mit Bibelzitaten ja nur so um sich. Haben Sie die Bibel mal komplett gelesen oder liegt das Buch griffbereit neben Ihnen, wenn Sie schreiben?

Steve Salomo: Es liegt griffbereit auf der Festplatte meines Computers. Da kann man mit der Suchfunktion zu jedem Stichwort das richtige Zitat finden. Außerdem kenne ich alle Verfilmungen.

Florian Hilleberg: Noch ein paar Fragen zu Ihrer Arbeit als Autor. Haben Sie auch andere Romane außer Reverend Pain verfasst? Wenn ja, welche?

Steve Salomo: Nein. Es sind zwar andere Romane unter "Steve Salomo" veröffentlicht worden, aber das nur, weil es ursprünglich ein Sammelpseudonym war.

Florian Hilleberg: Arbeiten Sie nach einem festen Exposee oder lassen Sie sich beim Schreiben auch gerne von neuen Ideen überraschen, so nach dem Motto „mal sehen was so kommt“?

Steve Salomo: Ich skizziere den Verlauf des Romans und mache mir Stichworte, ansonsten schaue ich, was kommt.

Florian Hilleberg: Eine kleine Frage zum Abschluss: Würden Sie Reverend Isaac Pain gerne in Wirklichkeit begegnen?

Steve Salomo: Äh … auf keinem Fall unbewaffnet und allein.

Florian Hilleberg: Steve Salomo, vielen Dank für dieses Interview.

Die Fragen stellte Florian Hilleberg

 

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