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Interview mit Dr. Helmut W. Pesch

im Gespräch mit Dr. Helmut W. Pesch

Das Interview mit dem Lektor, Übersetzer und Zeichner Dr. Helmut W. Pesch führte Tommy Tohang auf der Buchmesse 2007 in Frankfurt am 12. Oktober 2007. Es wurde aufgezeichnet von Florian Kayser. Die Fotos stammen von Anke Brandt. Das Treffen fand am Stand von Bastei-Lübbe statt.

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Letzter: 25.01.12 - 21:17 Uhr

: Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst, das kleine Interview mit uns zu führen. Ja, wir bedanken uns noch mal für die „Thorak“-Karte, die du gezeichnet hast. Darum drehen sich auch die Fragen.
Aus der Sicht des Webmasters vom Geisterspiegel interessieren mich die technischen Details.
Wie entsteht eigentlich so eine Karte? Kannst du mir in von Anfang bis Ende erklären, wie das abläuft?

Dr. Helmut W. Pesch: Na gut, das müsste man eigentlich am besten natürlich zeigen.
Ich arbeite meistens mit Corel Draw. Wenn ich eine Skizze habe, dann bringe ich sie auf ein entsprechendes Format und lege sie als Ebene darunter und nehme das als Vorlage, über das ich meine Karte sozusagen lege. Ich lege das dann in verschiedenen Schichten an und in verschiedenen Ebenen, dass ich zum Beispiel für die Zeichnung und für den Text unterschiedliche Ebenen habe. Das hilft mir dann, dass ich Dinge ausblenden kann, die ich nicht brauche.
Normalerweise mache ich zuerst immer die Zeichnung. Ich habe zum Teil vorgefertigte Elemente, die ich mir selber erstellt habe, wie Berge und Bäume und dergleichen. Der Rest wird dann in der Tat mit der Hand gemacht. Ich habe mittlerweile ein Grafiktablett, habe aber auch viel mit der Maus gearbeitet. Das Schöne an den Karten, die man mit dem Computer macht, ist, man kann dann alles ein bisschen hin- und herschieben, bis es auch passt. Bis sich Text und Grafik nicht in die Quere kommen. Das ist so ein Prozess, also eine Karte zu entwerfen, je nach Komplexität dauert ein bis zwei Tage.

: Also eine komplette Karte per Hand wird eigentlich gar nicht mehr gemacht?

Dr. Helmut W. Pesch: Hab ich auch gemacht, hab ich auch in jüngerer Zeit noch gemacht. Zum Beispiel für die Romane von Alison Croggon. Da hab ich es dann so gemacht, dass ich quasi den Entwurf bzw. den Text mit dem Computer gemacht habe. Dann arbeite ich mit Transparentpapier. Dass ich mir den Text auf Transparentpapier ausdrucke und drum herum die Karte zeichne mit der entsprechenden Vorlage als Unterlage.

: Zum Thema Vorlagen: Gibt es immer konkrete Vorlagen oder ist einem da auch ein bisschen Spielraum gelassen, teilweise. Die Entfernungen zum Beispiel, wenn das im Roman nicht unbedingt genau angegeben ist, dass man dann sagt, so ungefähr oder so, dass man dann von Hand oder aus der eigenen Fantasie heraus ein bisschen zeichnen kann?

Dr. Helmut W. Pesch: Ich kann mich zum Beispiel erinnern, es gab mal eine große Weltkarte zum Roman von David Eddings und da habe ich zum Beispiel den Äquator verlegt, weil er genau durch eine Wüste führte. Man muss natürlich schon schauen, dass die Flüsse auch wirklich in den Bergen entspringen und nicht über die Berge drüber laufen. In der Fantasy ist zwar alles möglich, aber gewisse physikalische Gegebenheiten sollte man doch noch berücksichtigen. Aber das Schöne ist dabei, anders als bei einer konkreten, historischen Karte, da ist man dann von der Geografie her sehr festgelegt. Bei Fantasy kann man dann ein bisschen spielen und auch sehen, dass alles auch natürlich wirkt.
Es gibt ja einen ganz bestimmten Stil bei diesen Karten, die sind quasi dreidimensional. Das heißt, Berge und dergleichen sind als Modelle angelegt.
Ich habe von Anfang an in diesem Stil gezeichnet. Ich glaube, meine ersten Fantasy-Landkarten sind Mitte der 70er Jahre entstanden. Ich weiß gar nicht, wie viele ich inzwischen gemacht habe, aber ein paar hundert werden es schon sein.

: Ich als Grafik-Laie habe mich ja auch mal versucht, speziell an dieser „Thorak“-Karte und mein Ergebnis, dass sah ja doch ganz anders aus als nachher die fertige „Thorak“-Karte. Wie lernt man das, dieses saubere Zeichnen und wie kommt man überhaupt dazu, das zu seinem Beruf zu machen?

Dr. Helmut W. Pesch: Zunächst einmal, das ist nicht mein Beruf, das ist mein Hobby.

: Achso, ja...

Dr. Helmut W. Pesch: Ich habe immer schon gut zeichnen können, schon auf der Schule und habe also früher für Fanzines Illustrationen gemacht. Das waren so meine ersten Tätigkeiten überhaupt im Science-Fiction- und Fantasy-Fandom, dass ich Geschichten illustriert habe und Zeitschriften und so was. Das mit den Karten hat sich irgendwann mal so ergeben.
Man kann jetzt auch im Nachhinein sehen, wie auch die technische Entwicklung sich dann in den Karten zeigt. Es gibt diesen schönen Fantasy-Atlas, den Erhard Ringer gemacht hat. Das ist unter www.fantasy-atlas.org. Wo ein Grossteil meiner frühen Karten zu sehen ist. Da kann man auch sehen, was sich da alles entwickelt hat. Natürlich, mit dem Computer heute sieht alles viel perfekter aus, als früher. Das gilt ja nicht nur für solche Zeichnungen, sondern für viele andere Dinge auch. Aber letztlich ist es irgendwo immer noch Handarbeit und ein bisschen Talent muss man schon mitbringen.

: Du hast auch damals gesagt, bei der „Thorak“-Karte hast du eine neue Technik angewendet. Die sieht auch etwas anders aus, als die eigentlichen Karten, die man sonst so sieht. Etwas moderner, finde ich, sieht sie aus. Was ist das speziell für eine andere Technik gewesen?

Dr. Helmut W. Pesch: So kann man das nicht sagen. Zunächst einmal, es ist eine der wenigen Karten in Farbe, die ich gemacht habe. Bis jetzt waren die meisten Karten in schwarz/weiß. Ich bin erst in jüngerer Zeit angefangen, überhaupt mit farbigen Karten zu experimentieren. In dem Fall, wenn man jetzt zum Beispiel den Fluss ansieht, habe ich da einen Verlauf drüber gelegt und teilweise Transparenz. Mit solchen Dingen habe ich früher nie experimentiert, weil in schwarz/weiß bringt das ja nichts. Aber in Farbe kann man, habe ich festgestellt, tolle Sachen machen. Da werde ich auch sicherlich ein bisschen weiter basteln. Es macht mir jedenfalls Spaß.

: Ja, man sieht das. Die Karten sind sehr schön geworden, speziell die „Thorak“-Karte. Dafür noch mal Danke schön. Das war es eigentlich auch schon. War ja nur ein kurzes Interview und...

Dr. Helmut W. Pesch: Noch eins, es ist natürlich immer schwierig, eine Karte zu zeichnen, wenn man den Text nicht gelesen hat. Das war ja auch bei der „Thorak“-Karte der Fall. Gut, die war natürlich ziemlich grob und provisorisch, aber ich habe es eigentlich lieber, wenn ich den Text dazu habe und mir dann selber ein Bild davon machen kann, ob das alles auch meinen Vorstellungen entspricht. Sonst kommen nachher die Leser und sagen: „Da kann man aber nicht wirklich entlang reiten.“ Das habe ich auch schon gehabt, das finde ich immer toll, nur dann ist es meistens zu spät, noch was zu korrigieren.

: Ja, gut, dann bedanke ich mich für die Beantwortung und wünsche noch viel Spaß auf der Buchmesse...
Ja, das wär’s... Danke schön!!

 

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