 : Hallo Michael, zuerst an dich die übliche Frage. Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Michael Peinkofer: Ja, wie bin ich zum Schreiben gekommen? Das hat bei mir auf jeden Fall schon sehr sehr früh angefangen. Schon in früher Kindheit hatte ich das Bestreben, Geschichten zu erzählen. Sobald ich schreiben konnte, habe ich damit angefangen, fiktive Texte zu verfassen, so in der dritten, vierten Klasse mir die ersten Rittergeschichten ausgedacht. Man könnte auch sagen, dass ich damals schon im historischen Roman tätig war oder in der Fantasy, wie man will.
: Jetzt sprichst du den historischen Roman und Fantasy an. Doch deinen Namen findet man auch auf „Das große Star Trek Buch“, welches du zusammen mit Uwe Raum-Deinzer herausgegeben hast. Wie kam es denn dazu?
Michael Peinkofer: Ich war sehr sehr lange Zeit für die Zeitschrift „Moviestar“ als Redakteur tätig, seit 1993. Dieses große Star Trek Buch ist im Zuge dieser Arbeit für den „Moviestar“ und für die Schwester-Zeitschrift „TV Highlights“ entstanden. Da habe ich zusammen mit Uwe Raum-Deinzer dieses Buch geschrieben. Es hat auch sehr viel Spaß gemacht, die ganzen Folgen anzugucken. Da wir beide Trekkies sind, war es sozusagen ein Heimspiel für uns.
: Hast du da auch an anderen Star Trek Büchern einen Anteil?
Michael Peinkofer: Ich habe an allen Star Trek Büchern mitgeschrieben, die aus dem Hause MPW kamen.
: Nun zurück zu deinem allerersten Bestseller „Die Bruderschaft der Runen“, der zurecht ein Bestseller wurde. Worin siehst du bei diesem Roman das Erfolgsgeheimnis?
Michael Peinkofer: Ach, ich denke, da kam vieles zusammen, einfach dieser Schauplatz Schottland, der die Leute fasziniert. In diese Szenerie kann man einfach wunderschöne Geheimnisse einbauen. Dann diese Figur von Walter Scott, die vielleicht doch sehr faszinierend ist. Es ist einer der Schriftsteller, die mich zum Schreiben geführt haben. Die Figur Ivanhoe kennt ja auch jeder. Von daher kamen viele Sachen zusammen, die diesen Roman ganz interessant gemacht haben. Und man muss auch der Grafik-Abteilung von Lübbe ein großes Lob für dieses tolle Cover aussprechen, was sie damals gemacht haben.
: Dann erschien bei Lübbe ein zweiter historischer Roman „Die Erben der schwarzen Flagge“. Welche Gefühle hattest du, als dieser dann erschien, nach „Die Bruderschaft der Runen“?
Michael Peinkofer: Ja, „Die Erben der schwarzen Flagge“ war so ein richtiger Herzenswunsch von mir. Ich wollte schon immer mal eine so richtig tolle Piratengeschichte schreiben, mit allem drum und dran. Das war wirklich die Gelegenheit, mal so etwas zu machen. Eingebettet im historischen Kontext. Dieses Erdbeben, das Port Royal vernichtet, hat es ja wirklich gegeben. Aber dann eben so Errol-Flynn-mäßig eine schöne Piratengeschichte zu erzählen, hat mir irrsinnigen Spaß gemacht. Ich habe versucht, wirklich alles reinzupacken, was sich der Leser von so einer Geschichte erwarten würde.
 : Nun liegt der dritte historische Roman „Der Schatten von Thot“ vor. Wieder ein ganz anderes Thema. Nach welchem Aspekt suchst du dir diese historischen Themen aus?
Michael Peinkofer: Das ist schwierig zu sagen. Also, vor allem muss es mich halt ansprechen. Es muss ein interessantes Thema sein, dem ich selber was abgewinnen kann. In dem Fall die viktorianische Ära, London mit nebelverhangenen Gassen, archäologische Geheimnisse. Es war ja auch diese Zeit, in der die Archäologie überhaupt zur Wissenschaft wurde. Man hat damals im professionellen Sinne Ägyptologie betrieben. Das war eine sehr interessante Zeit. Da gab es das aufkommende Maschinenzeitalter, es gab die Dampfschiffe. Das alles macht so eine faszinierende Mischung eigentlich aus. Ja, aus diesem einen Roman zu stricken, war eine tolle Herausforderung.
: Der Klappentext von „Der Schatten von Thot“ lässt mich Parallelen zu Wolfgang Hohlbeins „Horus“ ziehen. Wie überzeugst du mich nun, genau dein neues Buch zu lesen?
Michael Peinkofer: Nun, es gibt eine tolle Heldin, es gibt ein tolles Geheimnis und es ist ein spannendes Buch. Was soll ich dazu sagen?
: Liege ich mit diesen Parallelen richtig? Kennst du das Buch „Horus“?
Michael Peinkofer: Nein.
: Schade.
Michael Peinkofer: Ich meine, fast alle Kollegen meiden es, die Bücher von ihren Kollegen zu lesen. Markus Heitz hat mal gesagt, der Autor der „Zwerge“, er will guten Gewissens schreiben. Was ich sehr gut nachvollziehen kann. Ich halte es weitgehend genauso.
: Kommen wir zu den „Orks“. Bei „Die Rückkehr der Orks“ und „Der Schwur der Orks“ brauchte mich niemand überzeugen, diese zu lesen. Das haben die ersten Zeilen von selbst getan. Wie kam es nun zu diesen Fantasy-Romanen, wo es doch von Stan Nicholls schon Ork-Romane gab? Warum hast du dich ausgerechnet den Orks gewidmet?
Michael Peinkofer: Aus mehreren Gründen. Sie haben mich einfach immer fasziniert. Und ich fand immer, bei Tolkien gibt es diesen Widerspruch, dass sie einerseits ja ziemlich einfältige Kreaturen sind, sehr kriegerisch. Und auf der anderen Seite gibt es im drittel Teil „Die Rückkehr des Königs“ diese riesigen Heermassen, die Sauron gegen die freien Völker lenkt. Für mich war eine gewisse Diskrepanz da. Kann man überhaupt so Kreaturen, die so einfältig sind, zu so großen effektiven Heereshaufen formen? Ich dachte mir: Nein, kann man eigentlich nicht. Und aus dieser Diskrepanz hat sich die Idee für „Die Rückkehr der Orks“ entwickelt. Und meine beiden Protagonisten Balbok und Rammar, ich glaube, mit denen hätte es Sauron ziemlich schwer gehabt, noch schwerer als im „Herr der Ringe“.
 : Genau diese beiden Orkhelden, die ungleichen Orkbrüder, werden sehr anschaulich von dir dargestellt und charakterisiert. Bildlich gesehen könnte man, was die beiden angeht, von Slapstick reden. Ist das Absicht? Gab es Vorbilder?
Michael Peinkofer: Ja, natürlich. Es gibt ein berühmtes Komikerduo, das mich dabei durchaus beeinflusst hat, was ich durchaus absolut liebe. Es ist als liebevolle Hommage gedacht.
: Eine Frage, die mich persönlich schon lange lange interessiert. Normalerweise ist in Fantasy-Romanen eher selten die Rede davon, dass sich die Helden auch mal erleichtern müssen. Du lässt den Helden am Anfang erst einmal hinter einen Felsen hocken und beschreibst sicher den witzigsten und längsten Durchfall der Literaturgeschichte. Was hat dich auf diese Idee gebracht?
Michael Peinkofer: Ob ich mir diesen Verdienst mit der längsten Durchfallbeschreibung verdient habe, weiß ich nicht. Aber ich dachte mir: Orks sind natürlich niedere Kreaturen. Also, wie soll ich sagen, sie sind in den grundsätzlichen fundamentalen Dingen sicher näher gestellt als etwa die Elben. Wenn ich einen Roman über Elben schreiben würde, würden solche Szenen natürlich fehlen.
: Aber die müssen doch auch...
Michael Peinkofer: Man würde dies sicherlich nicht beschreiben.
: Beim Piper Verlag liegt nun ein weiterer Fantasy-Roman „Unter dem Erlmond – Land der Mythen 1“ vor. Darin erfüllst du dir selbst einen Kindheitstraum und erschaffst einen Mythos für das Allgäu. Nur ein Traum oder möchtest du damit eigentlich viel viel mehr bewegen und erreichen?
Michael Peinkofer: Ach ja, wenn man so etwas schreibt, ist schon irgendwo der Hintergedanke, dass man so ein kleines Nationalepos für die Region verfasst. Das ist schon klar. Aber Tatsache war eigentlich: Es gibt so eine Sammlung mit alten Allgäuer Sagen, die ich irgendwann mal so mit zehn oder elf Jahren gelesen habe. Und ich war da so furchtbar enttäuscht, dass es da keine zentrale Heldengestalt gibt und auch keine große epische Handlung. Wir haben keine Nibelungensage, wir haben keinen König Artus mit seinen Rittern der Tafelrunde. Es sind halt so kleine Geschichten, wo Zauberer vorkommen, Drachen und Zwerge. Aber so dieser große epische Überbau fehlt eben. Da habe ich mir schon damals mit zehn, elf Jahren gedacht: Eigentlich müsste man daraus etwas richtig tolles Großes draus machen. Und irgendwann, 28 Jahre später, war es soweit. Es war ein schönes Gefühl.
: Aber du würdest diesen Roman trotzdem als Fantasy bezeichnen, nicht so als Sagenbuch...
Michael Peinkofer: Nein, es ist wirklich Fantasy, durchaus auch tolkieneske Fantasy mit der epischen Handlung, mit dem klassischen Figurenpersonal, das sich in den Sagen auch so findet. Nur musste man es eben modernisieren, musste es umformulieren. Und die Fantasy war genau das richtige Mittel, um aus diesen alten Sagen und Märchen eine epische Handlung zu machen.
 : Gibt es schon neue Projekte und Pläne, über die du uns schon etwas verraten darfst, kannst, möchtest?
Michael Peinkofer: Die gibt es immer. Es wird einen zweiten Teil sicherlich geben zu „Land der Mythen“. Der Titel wird sein „Die Flamme der Sylfen“ und erscheint nächstes Jahr im Sommer. Und es wird auch ein neues Abenteuer mit Sarah Kinkaid geben. Das ist das Projekt, an dem ich gegenwärtig gerade arbeite. Und es kann sehr gut sein, dass es auch mit Balbok und Rammar noch mal ein Wiedersehen gibt.
: Das wäre natürlich sehr schön. Michael, ich danke dir ganz herzlich für die Zeit, die du dir genommen hast, für dieses Interview.
Michael Peinkofer: Ich danke euch. Es war mir ein Vergnügen.
: Wir wünschen dir alles Gute, noch viele viele tolle Bücher und noch eine schöne Messe.
Michael Peinkofer: Euch auch. Danke. |