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Interview mit Patrick Hachfeld

im Gespräch mit Patrick Hachfeld

(Illustrator der Schattenchronik-Bände,
sowie der Larry-Brent- und Macabros-Bände des Blitz-Verlags)


FH: Hallo Pat, wie bist du eigentlich zum Zeichnen gekommen

PH: Also, ich bin 100% überzeugt, daß mein Onkel dafür die Verantwortung trägt! Er hat früher immer echt geile Comicfiguren gezeichnet, „Silver Surfer“, „Spiderman“, „Hulk“ usw. Und da dachte ich mir als 5jähriger: Hey, was der große Mann da kann ( Er war 17 J.), daß mußt du auch versuchen. Tja, und so kam der erste Kontakt mit diesen „langen dünnen Dingern“ zustande. Ich malte und malte... und irgendwann, nach gefühlten 80 Jahren, sind dann die ersten erkennbaren Figuren entstanden.

FH: Ist das Zeichnen Dein Hauptberuf?

PH: Mh, wenn man das, was ich mache, als Beruf bezeichnet (Beruf klingt fast immer nach ungeliebter Arbeit) kann ich sagen „Ja“. Wobei ich das Zeichnen – ob Illustration, Portrait, Wunschportrait, oder private Auftragszeichnungen – NICHT als Arbeit bezeichnen möchte. Dafür hat es für mich eine viel zu persönliche Bedeutung, und ich verdanke dem Zeichnen sehr, sehr viel!!

FH: Orientierst Du Dich beim Zeichnen an bestimmten Stilrichtungen, hast Du bestimmte Vorbilder?

PH: Als ich die Comicfiguren „im Sack“ hatte, bekam ich die erste LP von IRON MAIDEN zwischen meine Finger. Ich war ca. 11 Jahre „alt“, und das Cover fand ich einfach so hammergeil, es war der gute alte „Eddi“, daß ich den auch zeichnen wollte.
Also begann ich ihn zu zeichnen, und raffte alles zusammen was diese – für mich damals die härteste Heavy Band der Welt – so hatte. Und so entdeckte ich für mich, daß mir das Zeichnen von etwas düsteren und morbiden Bildern viel mehr Spaß machte als die „schöne heile Welt“.
Später wurde ich sicherlich von H.R. Giger und Paul Booth ( Tattoowierer aus den USA)
inspiriert.

FH:Mittlerweile bist Du wohl der produktivste Künstler, der für den BLITZ-Verlag (http://www.BLITZ-Verlag.de) arbeitet. Wie kam der Kontakt zustande?

PH: Das war eigentlich kein großes Ding. Ich habe den Suchbegriff „ Fantasie und Autoren“
eingegeben, und das Suchergebnis war dann Bernd Rothe (für Bernd habe ich auch die Fantasy-Anthologie „RATTENFÄNGER“ illustriert, sie erschien ebenfalls im BLITZ-Verlag).
Ich habe seine HP angeklickt und ihm eine e-Mail mit drei meiner Zeichnungen geschickt.
Bernd hat dann Alisha Bionda angeschrieben, ob sie noch einen Illustrator sucht. Alisha schaute sich dann auf meiner HP um, und so bin ich zu meiner ersten Buchillustration (DER EWIG DUNKLE TRAUM, Band 1 der „Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik “, die Alisha Bionda zusammen mit Michael Borlik herausgegeben hat) gekommen.

FH:Woher nimmst Du Deine Inspirationen?

PH:Wenn ich Bilder für meine „DUNKELKUNST“ (http://www.dunkelkunst.de) zeichne, diese Motive werden bald im Shop als T-Shirts erhältlich sein, kommen die Ideen ganz von selbst und aus meinem tiefen Inneren. Da die Bilder sehr „finster“, „morbid“ und „detailverliebt“ sind, und wegen der steigenden Anzahl der Aufträge, kommt es vor, daß ein Bild schon mal bis zu seiner Vollendung an die sechs Monaten dauert. Aber, wie gesagt, bedingt durch die Auftragsarbeiten habe ich für mich das letzte Mal vor ca. 2 Jahren gezeichnet.

FH:Kennst Du eigentlich die Romane, die Du illustrierst oder gibt Dir der Verlag Vorgaben, nach denen Du die Motive zeichnest?

PH:Das ist unterschiedlich. Bei den Anthologien, z.B. „DER EWIG DUNKLE TRAUM, RATTENFÄNGER, WELLENSANG (herausgegeben von Alisha Bionda und Michael Borlik, erschienen im Schreiblust-Verlag) oder aktuell eine Katzenanthologie (Hrsg Frank W.Haubold & Alisha Bionda), bekomme ich die gesamten Geschichten zugeschickt. Ich „picke“ mir dann eine Story raus, mache mir beim Lesen kleine Notizen, und meistens bilden sich dann schon die ersten Illus in meinem Kopf.
Bei den Dan Shocker Serien MACABROS und LARRY BRENT oder der Fortsetzung der WOLFGANG HOHLBEINS SCHATTENCHRONIK“ im BLITZ-Verlag bekomme ich von Alisha Bionda grobe Illustrationswünsche, die ich dann versuche umzusetzen. Und damit fahren wir eigentlich sehr gut.

FH:In wie weit läßt Dir der Verlag in der Interpretation Freiraum?

PH:Der Freiraum, den mir der Verlag (den ich aber auch brauche) läßt, ist nahezu grenzenlos!!
Ich habe festgestellt, durch die vielen Illustrationen, die ich bisher für den BLITZ-Verlag erstellt habe, daß ich mit Alisha, bezogen auf die Bilder, geschmacklich sehr nahe beieinander liegen . Sie muß mich manchmal sogar etwas zügeln, weil ich sehr detailverliebt bin, und hier und dort noch eine Kleinigkeit hinzeichnen möchte.

FH: Wie auf Deiner Homepage zu lesen ist, zeichnest Du auch Portraits und nimmst Auftragsarbeiten an. Dagegen wirken die Illustrationen zu LARRY BRENT und MACABROS recht surreal.
Welche Motive zeichnest Du am liebsten?

PH: Das ist das faszinierende an Kunst!! Man kann „düster“,“morbide“ und „hart“ zeichnen, je nach Vorlage der Geschichte, oder von den Serien, und seiner Fantasie freien Lauf lassen. Wobei es mir sehr sehr wichtig ist, daß die Illustrationen NICHT „billig“ und „flach“ wirken. Ich versuche also immer „noch einen Hauch“ Ästhetik mit einfließen zu lassen.
Und dazu steht dann das Portraitzeichnen im krassen Gegensatz. Alles sehr feine Linien und sehr weiche Übergänge.
In mir ist die Frage aufgetaucht ob ich nicht meinen Stil, also das „düstere“ in die Weichheit des Portraitzeichnens einfließen lassen kann.
Und dadurch bin ich auf die Idee des „Wunschportraits“gekommen.
Das heißt, z.B. wenn jemand Fan, egal ob Weiblein oder Männlein, des Fantasiespiels WARHAMMER ist, und so wie eine Figur aus dem Spiel gezeichnet werden möchte, dann zeichne ich den Auftraggeber so.
Aber auch als verführerische Hexe, oder als Zombie.
Entscheidend dabei ist allerdings, daß der, der sich portraitieren lassen möchte, seiner Phantasie freien Lauf läßt!! Da bin ich dann sogar etwas „abhänig“ von der Vorstellungskraft meines Auftraggebers!
Daher: Ich bin immer bestrebt mich zeichnerisch weiterzuentwickeln, so dass ich nicht sagen kann welche Motive ich am liebsten zeichne.

FH:In welchem Umfeld arbeitest Du am liebsten?

PH: Am liebsten zu Hause. Ich habe mir im Dachgeschoß unserer Maisonettewohnung einen kleinen Platz geschaffen, wo alles in meiner Nähe ist, was mir wichtig ist – meine Verlobte Angie, unser grüner Leguan Jabbe, die Musikanlage (ohne Musik geht echt nix!!, ich liebe „System of a Down“, „Slipknot“, „Rammstein“ usw.) und natürlich Fernseher.

FH:Gibt es bestimmte Tageszeiten in denen Du besonders kreativ und produktiv bist?

PH: Ich muß sagen, daß ich am produktivsten in den frühen Morgenstunden bin. Soll heißen, dass ich gegen 6.00h. aufstehe, nach oben gehe, mir meinen frischen „Guten Morgen-Kaffee“ schnappe, ins Wohnzimmer wanke, mir eine Zigarette drehe (Kaffee und Zigarette gehören zusammen), den Fernseher anschalte um Nachrichten ( Euro News) zu sehen, und beginne, so gegen 6.30h. mit dem Zeichnen, was ich dann zwei bis drei Stunden um Stück mache.

FH:Was für Projekte hast Du für Deine nähere Zukunft geplant?

PH: Neben dem Wunschportrait, was sehr gut angenommen wird, arbeite ich (hier allerdings reines Portraitzeichnen) seit neustem mit Schauspielern aus einer TV-Serie, die auf RTL im Vorabendprogramm ausgestrahlt wird, zusammen. Sie schicken mir ihre Fotos zu, welche ich dann auf DIN A3 zeichne. Bis jetzt ist das ziemlich interessant und aufregend für mich, weil es absolutes Neuland, bezogen auf das Zeichnen von Schauspielern aus dem TV, ist.
Dann illustriere ich die Horroranthologie BLUTMOND (wo ich auch Mit-Herausgeber bin) für Bernd Rothe. Die Katzenanthologie FENSTER DER SEELE mit Alisha Bionda läuft auch noch zeitgleich. Die beiden Serien LARRY BRENT & MACABROS für den BLITZ-Verlag. Hier und da private Auftragszeichnungen ( vor kurzen einen japanischen Drachen auf DIN A3 für ein Geburtstagsgeschenk), oder ein schönes Familienportrait. Und bald starten auch die Illustrationen für die nächsten SCHATTENCHRONIK-Bände.

FH: Lebst Du vom Zeichnen oder hast Du noch einen Brotjob?

PH: Ich denke ich kann sagen „Ja, ich lebe davon“, zwar noch sehr wacklig, aber es geht. Es müssen halt mehrere „Zahnräder“ ineinandergreifen: Portrait, Wunschportrait, Buch und Romanillustrationen, Auftragszeichnungen z.B. Tattooflash`s entwerfen.

FH: Da Du durch die enge Zusammenarbeit mit Alisha Bionda und dem Blitz-Verlag, ja im groß literarische Projekte illustrierst, drängt sich die Frage auf: Was liest Du? Welche Autoren bevorzugst Du?

PH: Also, ich lese sehr gerne John Grisham und Brad Meltzer. Ich mag ihre Schreibweise. Ich finde es sehr gut, das bei John Grisham ein überschaubarer Personenkreis mitwirkt, und das die Personen leicht, verständliche Namen erhalten, so daß man nicht ständig 7-10 Seiten zurückblättern muß, um nach zu lesen was, oder wer „MISTER X“ war, bzw. so gemacht hat. Ich mag sehr gerne „Thriller“ oder Geschichten die vor Gericht spielen ( „Die Jury“).
Außerdem lese ich sehr gerne historische Romane. Aktuell lese ich „Die Rächer“ von Aaron J. Klein, über das Attentat auf die Israelis während den Olympischenspiele 1972 in München. Ab und zu ziehe ich mir auch mal den guten „alten“ Larry Brent rein.

FH: Was gibt es noch über den Mensch, Patrick Hachfeld zu sagen? Was ist Dir wichtig? Welche Wertigkeiten hast Du? Welche Menschen sind Dir , neben Deinem direkten privaten Umfeld, über das Du ja schon gesprochen hast, wichtig?

PH: Mh, was gibt es über mich zu sagen?
Mir ist Ehrlichkeit sehr sehr wichtig!!
Das ich sehr viel wert darauf lege Freundschaften zu pflegen, und sei es auch nur ein kurzes Telefongespräch. Mit der Zeit hat sich auch eine freundschaftliche Beziehung mit Alisha Bionda und Bernd Rothe entwickelt, und mit Bernd habe ich mich auch schon 3-4 privat getroffen. Er lebt ja nun mal in meiner Lieblingsstadt Hameln, die ich schon von meinen früheren Besuchen auf der „Hameln-Tattooconvention“ her kenne und ihre Ruhe und ihre Altstadt sehr zu schätzen gelernt habe.

FH: Welche Projekte würdest Du gerne noch machen? Also würdest Du gerne selbst intieren?

PH: Ich möchte mich noch stärker, bezogen auf das Wunschportraitzeichnen, in die Gothic-Szene einbinden lassen. So kann ich meinen Stil mit dem Portraitzeichnen verbinden. Außerdem möchte ich mit meinen Illustrationen aus der DUNKELKUNST verstärkt wieder an Ausstellungen teilnehmen. Zwar nicht hier in Wolfsburg, sondern mehr die Richtung Ruhrpott, Gelsenkirchen, Essen usw.

FH: Gibt es dabei Menschen/Kollegen/Verlage, mit denen Du bevorzugt arbeiten würdest?
Oder zählt für Dich nur die „Auftragslage“?

PH: Abgesehen von dem Blitz-Verlag, wo ich mich sehr wohl fühle, ist es mir eigentlich (fast) egal mit welchen Verlag oder Menschen ich zusammenarbeite. Ich versuche „einfach“ jeden Auftrag so umzusetzen, daß nach Erledigung der Zeichnung die Leute oder der Verlag sagen, „Ja, war eine prima Zusammenarbeit, hat echt Spaß gemacht“. Und so baut man(n) sich gleichzeitig wieder neue Brücken.

FH:Vielen Dank für das Interview.

PH:Ich habe zu danken für die interessanten Fragen. Ich hoffe, ich habe nicht zu umfassend geantwortet. Hat mir echt großen Spaß gemacht, und wenn einer Interesse an einem Portrait, Wunschportrait oder ähnlichem hat, so kann er ganz zwanglos und locker mit mir Kontakt aufnehmen. Ich freue mich sehr!
In diesem Sinne „Mit einem Segen auf den Lippen“ – alles Gute und Danke!

Bye, Pat

Das Interview wurde geführt von Florian Hilleberg.

 

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