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Interview mit Oliver Koch
über HALLOWEEN HORROR HYSTERIA

im Gespräch mit Oliver Koch über HALLOWEEN HORROR HYSTERIA

 

1. Karlsruher Horror-Lesung

Samhain steht für die keltischen Völker als das größte und bedeutendste Fest des keltischen Jahres. Die Kelten glaubten, dass zum Zeitpunkt von Samhain die Geister der Toten in der Lage waren, sich unter die Lebenden zu mischen. Die Menschen opferten an diesem Tag Tiere, Früchte und Gemüse, um die Seelen derer, die im Laufe des Jahres starben, auf ihrer Reise in die Anderswelt zu unterstützen. Darüber hinaus brannten zu Ehren der Toten. An diesem Tag waren alle Arten von Wesen anwesend: Geister, Feen und Dämonen - sie alle sind Teil der Dunkelheit und des Schreckens.

Am 30. Oktober 2010 findet um 19.00 Uhr im Veranstaltungsraum des Speisehauses Gurke in der Augustastraße 3 in Karlsruhe die 1. Karlsruher Horror-Lesung statt.
Ein stockdunkler Raum. Die Zuhörer sehen die Hand vor Augen nicht. Sie sitzen mit den anderen Gästen in der Finsternis und fürchten sich. Denn die Autoren sitzen nicht vor, sondern hinter ihnen. Verborgen hinter einem schwarzen Vorhang, der keinen Strahl des Leselichts herauslässt. Und die Geschichten, die sie lesen, haben es in sich: Horrorgeschichten über Monster, Mumien, Zombies, Leichen, wahnsinnigen Mördern verbreiten Angst und Schrecken.
Der Geisterspiegel nutzte die Gelegenheit, um mit dem Organisator Oliver Koch über dieses Event zu sprechen.

: Halloween, Samhain, El día de los Muertos, All Saints 'Eve. Nennen wir es, wie wir wollen. Findet es bekanntlich am letzten Tag des Oktober statt und ist immer eine gute Ausrede für eine Party. Was verbindet dich mit Halloween?

Oliver Koch : Es ist der spielerische Umgang mit der Furcht und dem Grauen, der mich reizt. An Halloween wird zelebriert, was an alther-gebrachten Ängsten in uns schlummert. Ein wie ich finde notwendiges Ventil für all die Abgeklärtheit und Wissenschaftlichkeit. Dabei gehört der Umgang mit dem Unerklärlichen doch genauso dazu. An Halloween geht das, und man macht sich einen Spaß daraus.

: Was war der Anlass dafür, HALLOWEEN HORROR HYSTERIA ins Leben zu rufen?

Oliver Koch: Horror-Fan war ich schon immer, schon seit meiner frühesten Jugend. Mich brachte »Poltergeist« und »The Fog« dazu, Horror toll zu finden. Das war Anfang der 80er, ich war erst 12 und eigentlich zu jung dafür. Da begann ich auch, selbst zu schreiben, anfangs nur Horror und SF – ich bin ein riesiger SF-Fan. Das hielten alle für abseitig. Später dann widmete ich mich auch »ernsten« und »normalen« Themen. Seit ich 1999 nach Karlsruhe kam, nehme ich selbst an Lesungen teil und stelle fest, dass sich SF und gerade Horror dort sehr schlecht platzieren lassen. Vor allem Horror wird sehr viel eigentümliche Ablehnung entgegengebracht, die das Genre nicht verdient und die zahllosen Talente, die sich mit dem Genre beschäftigen, schon gar nicht. Ich bin selbst in einem Karlsruher Kulturverein und moderiere dort jeden Monat die Veranstaltungen, dort konnte ich wenigstens die Science Fiction fest platzieren – eine SF-Lesung hatten wir schon, eine weitere folgt Ende November – aber Horror will niemand machen.
Als ich dann bei www.ka-news.de einen Artikel über eine Ettlinger Firma las, die Horror-Figuren für Freizeitparks herstellt, war augenblicklich der Vorsatz da. Ich wollte eine eigenständige Horror-Lesung machen – ohne zu wissen, ob sie funktionieren würde. Mit dem Team der Gurke in Karlsruhe hatte ich begeisterte Leute, die sich sofort der Sache annahmen und ihren Raum zur Verfügung stellten und das gleich mit einer Party in Halloween verbinden wollten.
So kam es …

: Die bisherigen Meldungen über das Event sind vielversprechend. Wie sieht deine Dateline aus, um die 1. Karlsruhrer Horror-Lesung zum Erfolg zu führen?

Oliver Koch: Also zuerst mussten ein Name, ein Motiv und eine zumindest rudimentäre Organisation her. Jetzt brauchte ich Autoren, also schickte ich PR-Meldungen an diverse Karlsruher Medien. Übrigens nahmen sich bei Weitem nicht alle der Sache an und veröffentlichten meinen Autorenaufruf. Aber er kam. Ich wollte ja, dass die Lesung zweimal erscheint, einmal als Aufruf, einmal als Lesungsankündigung. www.ka-news.de fand die Sache toll und ist Mediapartner – wie jetzt ja auch der Geisterspiegel.
Jetzt habe ich schon einmal 4 Autoren dabei, deren Namen ich nennen kann. Daraus mache ich dann ein Plakat, verschicke entsprechende PR-Mitteilungen, setze sie auf den Blog und bei Facebook (ja, bitte Fan der Facebook-Seite von Halloween Horror Hysteria werden!) und werde dann auch Plakate in der Stadt verteilen. Allerdings mache ich mir da keine Illusionen: Das werden nicht alle nehmen oder aushängen. Wir werden nun auch verstärkt auf die geplante Party danach hinweisen. Jetzt, 1,5 Monate davor, muss ich den »Vertriebsdruck« erhöhen . Reservierungen werden gut sein, da die Plätze begrenzt sind.
Es wird Büchertische geben, und daher werde ich auch kleine Genre-Verlage anschreiben, ob sie auch Info-Material über sich schicken wollen. Denn ich will schon, dass Halloween Horror Hysteria eine feste Institution wird, mit ein oder zwei Lesungen im Jahr.

: Autoren werden gesucht, die ja bei einer Lesung nicht fehlen sollten. Wie gehst du bei der Auswahl der eingereichten Manuskripte vor?

Oliver Koch: Zunächst bin ich überrascht über die Qualität der Texte. Ich gebe zu, auch mit Einsendungen gerechnet zu haben, die sprachlich und konzeptionell nicht geeignet sind. Das jedoch ist überhaupt nicht passiert. Durch meine vielen Jahre, die ich selbst Lesungen mitmache, bin ich schon oft geschockt worden von Texten, die niemals die Öffentlichkeit hätten erreichen dürfen.
Hier aber könnte man jedes nehmen.
Nun sollte es halt zusammenpassen. Eine gewisse Länge sollte nicht überschritten werden. 20 Minuten pro Autor, vielleicht etwas darüber, sind vorgesehen. Und länger als ca. 1,5 Stunden sollte die Lesung auch nicht gehen. Abwechslungsreich sollte es sein, auch überraschend. Und, ganz klar: Es darf heftig werden. Die Lesung ist als Erwachsenen-Veranstaltung geplant. Dieses Versprechen muss ich erfüllen, so war dem Gore-Gehalt keine Grenze gesetzt. Aber es war klar, dass nicht jede Geschichte ein blutiges Schlachtfest werden darf. So ist tatsächlich sehr Heftiges dabei. Und auch vergleichsweise Harmloses. Aber das ist Horror ja eben: Er funktioniert mit viel Blut ebenso wie ohne.

: Ein dunkler Raum, die Autoren nicht sichtbar. Kann man HALLOWEEN HORROR HYSTERIA mit DINNER IN THE DARK vergleichen? Ein Event für die Sinne?

Oliver Koch: Ja, absolut. Lesungen sind ja immer gleich: Meist viel zu hell, man wird vom Betrachten der Dinge und der Autoren abgelenkt. Oft stört mich der Autor sogar durch seine Präsenz dabei, mich auf seinen vorgetragenen Text zu konzentrieren. So funktioniert Horror nicht, denke ich. Im Dunkeln kann man ganz andere Assoziationen aufbauen, weil gewisse störende Einflüsse ausgeschaltet sind. Man ist in einer Art Isolation, Einsamkeit. Die Dunkelheit verstört. Wenn die Stimmen dann auch von hinten kommen, weil einem die Autoren mit ihren Mördern und Monstern im Nacken sitzen, wird die Verstörung nur größer – das maximiert die Wirkung der Texte. Das Hören wird ein Empfinden. Es bringt die Sinne durcheinander und stärkt die, auf die es ankommt. Soweit jedenfalls die Theorie. Ich lasse mich überraschen, wie viel sich überhaupt darauf einlassen und wie diese dann letztlich die Lesung empfinden werden.

: Was wird der Besucher alles erleben können?

Oliver Koch: Zwei Dinge: Erst eine Lesung, dann eine Party in Halloween hinein. Der Raum, der zuvor dunkel ist, wird nach der Lesung kurz umdekoriert, weil die Stühle verschwinden müssen. Dann gibt es alles, was zu einer Halloween-Party gehört. Geplant ist so einiges, aber wenn ich das jetzt verrate und dann klappt das nicht, sind Leute enttäuscht. Nur so viel: Es wird dekoriert werden, und dazu gibt es einige Ideen. Wenn die auch wirklich feststehen, gebe ich die auch bekannt.
Es soll eine eigene kleine Karte für den Abend geben, mit Getränken und Speisen, die für diesen Abend kreiert werden. Das ist schonmal klar.
Die Autoren, die schon veröffentlicht haben, können ihre Werke auf Tischen präsentieren – es soll ja auch eine Netzwerk-Veranstaltung sein. Ein Autor kommt aus Offenbach, einer sogar aus München, kann man sich das vorstellen?
Ich hoffe jedenfalls sehr, dass die Lesung auch ihr Publikum findet und so gemocht wird, dass es im nächsten Jahr – wie sich das gehört – auch eine Fortsetzung geben kann.

Das Interview führte Wolfgang Brandt.

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