Der erste Zamorra-Heftroman des Jahres 2009 mit dem Titel »Der Schattenkelch« wurde von Oliver Fröhlich, einem ehemaligen Mitarbeiter des Geisterspiegels, geschrieben. Oliver, den meisten besser bekannt unter seinem Nicknamen Olsen, stellten wir einigen Fragen.
: Hallo Oliver, erst einmal die besten Glückwünsche vom gesamten Geisterspiegel-Team zur bevorstehenden Veröffentlichung deines ersten Zamorra-Romans.
Bereits während des BUCON 2008 hast du mir mitgeteilt, dass du für die Serie »Zamorra« schreibst.
Wie kam es denn dazu, dass du ins Team geholt worden bist?
Oliver Fröhlich: Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht so genau. Über die Mitwirkung beim Geisterspiegel und beim Zauberspiegel habe ich nach und nach die meisten Mitglieder des Zamorra-Teams kennengelernt, zum Beispiel um Interviews zu führen. Im Laufe der Monate hat sich daraus dann insbesondere mit Volker Krämer eine Freundschaft entwickelt. Irgendwann im März 2008 hat er mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mal einen Probetext für Zamorra einzureichen. Was ihn zu dieser Wahnsinnstat bewogen hat, weiß wohl nur er selbst. :-) Soweit ich das mitbekommen habe, sind Susanne Picard und er wohl auch durch den Zauberspiegel-Artikel „Die Nackten und die Doofen“ – der ja doch sehr kritisch mit der Serie umgeht – darauf aufmerksam geworden, dass ich nicht nur Interviews führe. Vielleicht hat ihnen die Schreibe des Artikels gefallen? Vielleicht wollten sie damit auch nur sagen: „Mecker nicht, sondern versuch’s besser zu machen.“ Wer weiß das schon so genau?
: Wie wurdest du im Zamorra-Team aufgenommen?
Oliver Fröhlich: Sehr gut. Inzwischen kenne ich die meisten Team-Mitglieder auch von Angesicht zu Angesicht und nicht nur über E-Mails. Die sind alle wirklich riesig nett. Sie haben es mir echt leicht gemacht. Bei der Autorenkonferenz im November hatte ich sofort das Gefühl, sie alle schon ewig zu kennen. Inzwischen gibt es sogar schon ein Verbrecherfoto, auf dem Manfred Rückert, Christian Schwarz und ich zu sehen sind. Vielleicht hätte ich auf dem Heimweg doch nicht zu schnell fahren sollen! Mein Fehler!
: Als langjähriger Kenner der Serie fiel es dir bestimmt nicht schwer, darin Fuß zu fassen. Oder doch?
Oliver Fröhlich: Na ja, wie man es nimmt. Schließlich existiert schon ein komplexes Zamorra-Universum, an das man sich zu halten hat. Sicherlich, ich habe schon etliche der Romane gelesen, aber es gibt eben auch noch genug, die ich nicht kenne. Irgendwie schwingt da immer die Angst mit, dass ich dem existierenden Universum widerspreche, ohne dass ich es bemerke. Hier konnte ich die anderen aber ständig mit meinen Fragen nerven. Insbesondere Manfred Rückert und Volker Krämer haben häufig lästige Fragemails von mir bekommen. Deshalb möchte ich ihnen auch noch einmal für ihre Leidensfähigkeit danken.
: Mit Band 903 »Der Schattenkelch« erscheint am 6. Januar 2009 dein erster Roman. Welche Schwerpunkte hast du dir darin gesetzt? Gab es dafür Vorgaben?
Oliver Fröhlich: Die wichtigste Vorgabe war, dass Zamorra am Ende des Bandes noch lebt. :-)
Nein, wirkliche Vorgaben hatte ich nicht. Wie gesagt, der Band entstand ja aus dem Probetext heraus. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt also nicht, ob er überhaupt angenommen wird oder – falls ja – wann er erscheinen wird. Wichtig war also, dass es ein Einzelroman werden würde, der unabhängig von aktuellen Entwicklungen ist. Irgendwann, es muss wohl Juni oder Juli gewesen sein, bekam ich dann das Okay, den Band zu Ende zu schreiben. Als Veröffentlichungstermin wurde etwa der März 2009 ins Auge gefasst. Ich glaube, es war von Band 907 die Rede. Im Laufe der Zeit wanderte der Roman dann immer weiter nach vorne, bis er schließlich als 903 endete. Auf der einen Seite ist es natürlich schön, den ersten Roman im neuen Jahr liefern zu dürfen. Auf der anderen Seite ist es auch der erste Roman nach einem grandiosen Dreiteiler. Ein Geheimnis möchte ich noch verraten: Auch wenn man es nicht gleich merkt, ist der Band doch nicht der typische Einzelroman, weil er später noch einmal Auswirkungen haben wird. Ich verrate aber noch nicht, wie und wann.
: Du sitzt bereits am Band 910. Wie viel Einfluss hast du auf die Auswahl der Themen, zu denen du schreibst?
Oliver Fröhlich: Bei der Autorenkonferenz im November wurde vereinbart, was als nächstes alles passieren wird und welche Themen überhaupt aufgegriffen werden. Nach Werner Giesas Tod gab (und gibt es immer noch) eine ganze Reihe loser Fäden, die so nach und nach aufgearbeitet, aber auch mit neuen Themen verknüpft werden sollen. Deshalb sollte ich natürlich nicht mit etwas völlig Neuem anfangen, sondern mich eher in dem reichhaltigen Fundus offener Fäden bedienen. Und das habe ich dann getan. Bereits in Band 906 gibt es da erste dezente (oder auch nicht?) Andeutungen.
: Bei einem relativ kleinen Zeitfenster aufgrund der Terminvorgabe musst du dir deine Zeit zum Schreiben genau einteilen. Wie bekommst du Familie, Beruf und noch laufende Projekte unter einen Hut?
Oliver Fröhlich: Ich habe einen großen Kopf und folglich einen großen Hut. Wie ich das genau mache, werde ich in der Zukunft für mich erst noch herausfinden müssen. Für Band 903 hatte ich ja Zeit, so viel ich wollte, weil er erst eingeplant wurde, als er fertig war. Band 906 habe ich dann ziemlich kurzfristig machen dürfen, was sich aber gut einrichten ließ. Ich habe das Glück, eine sehr verständnisvolle Familie zu haben, die nicht mault, wenn ich mich mal wieder an den Computer verziehe. Und wenn’s mal knapp werden sollte, muss ich mir die Zeit halt nehmen und einfach etwas weniger Zeit vorm Fernseher verbringen oder die Lektüre des einen oder anderen Buchs verschieben. Aber wie gesagt: Noch fehlt mir da die Erfahrung. Wir werden sehen, wie das wird.
: Könntest du dir vorstellen, das Schreiben zum Beruf zu machen?
Oliver Fröhlich: Och, ich könnte mir auch vorstellen Astronaut oder Königin zu sein. Die Frage ist nur, ob ich das auch will. Sicherlich hat der Gedanke einen gewissen Reiz, mit dem Schreiben seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, aber im Augenblick ist mir das Zubrot-Modell doch noch erheblich lieber. Okay, wenn ein Verlag auf mich zukäme und mich zwingen würde (mit sehr viel Geld), würde ich vielleicht schon mit mir reden lassen. :-) Nein, im Ernst: Ich bin zufrieden mit dem, wie es im Moment ist, und warte einfach ab, was so passiert.
: Wie siehst du persönlich die Entwicklung des Heftromans im Allgemeinen und die des Professors Zamorra im Besonderen?
Oliver Fröhlich: Was den Heftroman allgemein angeht, hoffe ich natürlich, dass es ihn noch recht lange geben wird. Seit ich elf oder zwölf bin, lese ich wahnsinnig gerne. Und da ich es gar nicht anders kenne, gehört für mich der Heftroman einfach dazu, auch wenn es damals für mich nur John Sinclair gab. Von anderen Serien habe ich erst viel, viel später Notiz genommen. Insofern ist mir das Seriensterben gar nicht so aufgefallen, weil ich von den ganzen Gestorbenen zu deren Lebzeiten nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Eine Literaturlandschaft ohne Heftromane ist für mich irgendwie undenkbar, weil sie dank ihres Umfangs und Formats etwas für den kleinen Lesehunger zwischendurch sind. Aber wen interessiert schon, was für mich undenkbar ist?
Eine Serie wie Professor Zamorra ist meines Erachtens ständig im Wandel, denn ist sie es nicht, wird sie langweilig. Gerade der Tod von Werner Giesa hat aber natürlich noch einmal für zusätzliche Spannung gesorgt, wenn man das so sagen kann. Wie werden die Leser die Serie nach dem Tod des Mannes annehmen, der sie über lange Jahre entscheidend geprägt hat? Wird es überhaupt Zamorra bleiben oder eine andere Serie werden, dessen Titelheld nur zufällig genauso heißt?
Ich muss sagen, dass mir die Entwicklung der Serie im letzten Jahr ausgesprochen gut gefallen hat. Sicherlich, es gab Romane, die mir nicht so zugesagt haben, oder Themen, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte. Aber es kam wieder Bewegung in die Serie. Dazu gehören auch einschneidende Änderungen, wie sie in der 900er-Trilogie geschehen sind. Man kann sich jetzt fragen, ob diese Entwicklung in Werner Giesas Sinne gewesen wäre, aber ich halte diese Frage für müßig. Auch unter ihm wurden Themen eingeführt und wieder abgeschlossen, Figuren entwickelt und wieder rausgeschrieben. Niemand weiß, welche Richtung die Handlung unter ihm genommen hätte, deshalb hat es keinen Sinn, darüber zu spekulieren.
Ich glaube aber, dass die Zukunft noch einiges Spannendes für Zamorra und seine Leser bringen wird.
: Oliver, ich wünsche dir für deine weitere schriftstellerische Arbeit innerhalb der Zamorra-Heftserie viel Erfolg. Und besten Dank für die Beantwortung meiner Fragen.
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