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Das Interview wurde auf der Leipziger Buchmesse 2008 geführt. |
Die Faszination kennt fast jeder: Sich spielerisch in eine Figur hineinversetzen, die im Rahmen festgelegter Spielregeln handelt, redet und vor allem improvisieren darf. Auf diese Faszination bauen gut erzählte Geschichten. Viele Spiele, ob handfest oder virtuell, leben davon. Gerade im Fantasy-Bereich ist die Identifikation mit Romanfiguren groß.
Erstmalig erscheint mit „Narnia – Das Rollenspiel“ ein Regelwerk für Rollenspiele in der bezaubernden Welt von Narnia. Unter der Anleitung eines Spielleiters verwandeln sich die Mitspielerinnen und Mitspieler in Figuren, die sie sich selbst ausdenken und die in der Welt von Narnia beheimatet sind. Gemeinsam erleben sie im heimatlichen Wohnzimmer Abenteuer, trotzen Unwägbarkeiten und entwickeln so ihre ganz eigene Geschichte in Narnia.
Wir trafen beide Autoren auf der Leipziger Buchmesse. Ulrich und Oliver standen uns spontan Rede und Antwort.
: Hallo, stellt uns euer Projekt zunächst einmal vor.
Oliver: „Narnia – Das Rollenspiel“, so wird es heißen. Fertig ist es noch nicht. Wir haben zwar hier einen Dummy. Der hat aber noch das falsche Titelbild. Und das Titelbild, was man momentan im Internet findet, wenn man danach sucht, ist definitiv nicht das endgültige Titelbild. Der Umfang wird wahrscheinlich um die 350 Seiten sein und wird so um die 30,00 Euro kosten, damit immer noch günstiger als andere Regelwerke. Das Rollenspiel ist durchgängig illustriert mit schönen Bildern von Kai Graf, ein junger Künstler. Die Autoren sind Ulrich Drees und Oliver Plaschka. Der voraussichtliche Erscheinungstermin wird wahrscheinlich der Mai dieses Jahres im Brendow Verlag sein. Also noch rechtzeitig zum Kinofilm. Der genaue Termin steht aber noch nicht fest. Das sind die Fakten.
: Wird sich das Rollenspiel auf die gesamte Narnia-Reihe beziehen oder auf ein bestimmtes Abenteuer?
Oliver: Wir haben im Prinzip die Timeline bis zur „The Voyage of the Dawn Treader“ berücksichtigt. Die einzigen Bücher, die keine Rolle darin spielen, sind „Der silberne Sessel“, weil der für die Welt an sich eigentlich nichts Neues bringt, außer dass der König stirbt, und „The Last Battle“, was im Endeffekt die Apokalypse der Welt ist. Diese haben wir nicht berücksichtigt. Wir haben zwei Hauptszenarien vorgesehen, in denen man spielen kann. Das eine wäre das sogenannte Goldene Zeitalter, als die Pevensies nach Narnia kommen. Das deckt sich im Endeffekt mit dem ersten Kinofilm. Das zweite Szenario ist der neue Kinofilm und der, der danach wahrscheinlich noch kommen wird. Das ist die Zeit unter der Regentschaft König Kaspians, 1000 Jahre nach dem ersten Szenario. Dies ist auch mein persönliches Lieblingsszenario. Die Spieler können sich das aussuchen, was sie für sich besser finden.
Ulrich: Mit dem Charakter der Welt ist es ja auch möglich, dass sogar, wenn die Charaktere von der Erde kommen, in beiden Hintergründen gespielt werden kann, so wie die Romanfiguren auch.
: Und wie ist das empfohlene Spieleralter?
Ulrich: Sicher das typische Rollenspieleinstiegsalter. Es richtet sich ja an Jugendliche. Die Regeln sind bewusst einfach gehalten. Wir haben versucht, so viel Kompliziertheit wie möglich herauszuhalten. Ich denke, das typische Rollenspielalter liegt so ab 13, 14, 15 Jahre.
: Und was hat euch gerade an Narnia fasziniert?
Ulrich: Das ist ganz einfach zu beantworten. Letztendlich die Möglichkeit, eine Welt, die man so genrebildend im Bereich Fantastik empfindet, zu der es noch kein Rollenspiel gibt, einfach mal anzugehen. Da ist eine ganze Menge möglich, was sonst bei gegebenen Welten so eigentlich gar nicht zu erwarten wäre. Weil eben Narnia ein Stück anders ist als die typische Fantasywelt.
: Ist Narnia vergleichbar mit Magira?
Ulrich: Das kann man nicht sagen. Magira ist doch sehr erkennbar an irdischen Kulturen ausgerichtet. Sicher erkennt man bei Narnia das Mittelalter, den Feudalismus wieder, das denk ich schon. Aber andererseits gibt es da auch sprechende Tiere, die in Wäldern leben, die kommunalähnlich organisiert sind.
Oliver: Es gibt Tausend und eine Nacht, es gibt die Riesen im vereisten Norden, es gibt Piraten. Es passt alles nicht wirklich so richtig zusammen. Ein Vorwurf, den man auch bei DSI gelegentlich gemacht hat, dass Kulturen nebeneinander säßen, die so epochal gesehen nicht so gleich waren. Die Frage hat sich übrigens für uns nie gestellt. Lewis hat einfach nach Narnia gepackt, worauf er Lust hatte.
Ulrich: So gesehen ist es eine gewisse Chance, dass man wirklich ungewöhnliche Kombinationen erlebt. Und der von Lewis beschriebene Teil auf der Weltkarte ist ja nur ein kleiner. Die Welt an sich, was sich so andeutet, ist noch bedeutend größer. Das heißt, da ist eine ganze Menge Freiheit eben auch gegeben. Und ich glaube, man kann schon sagen, dass Narnia zu spielen, für viele Rollenspieler Narnia etwas Ungewöhnliches sein wird, weil es ein bisschen mehr noch als andere Rollenspiele einen märchenhaften Charakter hat, auf den man sich auch einlassen muss. Ich denke, da entsteht dann eben auch die Spielfreude im Unterschied zum gängigen eher realismusorientierten Welthintergrund.
Oliver: Es kam grad eben die Episode auf, dass Spieler moniert haben, dass beispielsweise so ein sprechendes Eichhörnchen verglichen mit einem narnianischen Ritter ja nicht eben so mächtig wäre. Und da gibt es keine Möglichkeit, darüber wegzutäuschen. Man muss schon Spaß daran haben, auch ein sprechendes Eichhörnchen zu spielen. Wir haben zwar irgendwie probiert, dass diese nicht zu benachteiligt sind. Sie haben schon ganz gute Attribute. Aber das hat alles seine Grenzen. Das Eichhörnchen ist eben ein Eichhörnchen.
Ulrich: Ein wunderbarer Schlusssatz.
: Wir bedanken uns bei den Autoren Ulrich Drees und Oliver Plaschka für das interessante Gespräch.