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Interview mit Martin Heckmann

im Gespräch mit Martin Heckmann

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Letzter: 31.01.12 - 08:39 Uhr

: Hallo Martin,
Danke für deine Bereitschaft, uns einige Fragen, die wir an dich haben, zu beantworten.
Wer ist Martin Heckmann? Könntest du dich bitte in einer kurzen Vita mal selbst vorstellen.

Martin Heckmann: Also, ich bin von Haus aus Schauspieler. Ich habe gelernt in den Jahren 89, 90, 91. Ich habe dann über mehrere Jahre mich selbstständig gemacht als Schauspieler. Ich habe es unterm Regisseur nicht immer längere Zeit aushalten können. Und habe bis etwa 95/96 eigene Produktionen gemacht, mit denen ich dann durch Deutschland gefahren bin. Das waren szenische Lesungen und Produktionen, die mit zwei oder drei Schauspielern bestückt werden konnten. Als dann 97 meine Tochter kam, hab ich mich dann hauptsächlich aufs kommerzielle Sprechen verlegt, des Geldes wegen. Das war leichter. Habe dann viel Werbung gesprochen und Präsentationsfilme für diverse Firmen, ihre Messeauftritte usw. auf Englisch und auf Deutsch. Das ist das Kerngeschäft, was ich dann über mehrere Jahre betrieben hab. Und nachdem ich das ein paar Jahre lang hauptsächlich gemacht habe, hat mich die Sehnsucht nach der Schauspielerei wieder eingeholt. Und ich fing, Ende der 90iger war das - glaube ich - 99 etwa fing ich an, mich mit Hörbüchern zu befassen. Im Zuge dessen bin ich mit Thomas Körber zusammengekommen und habe mit ihm zusammen das Label »Opossum Hörbücher« gegründet, bei dem wir verschiedene Drachengeschichten für Kinder aufgenommen haben. Es kam dann eins zum anderen. Mit Thomas Körber habe ich dann einige Hörbücher gemacht, auch ohne Thomas, aber eben hauptsächlich mit ihm zusammen. Und ja, dadurch hab ich jetzt schon einige Hörbücher, Hörbuchproduktionen hinter mir und bin dadurch auch zu »Sherlock Holmes« gekommen.

: Ist es, was du eben gerade gesagt hast, für dich Beruf oder mehr Berufung?

Martin Heckmann: Also, Beruf ist das kommerzielle Sprechen. Ich identifiziere mich aber damit nur teilweise. Berufung ist Schauspiel. Da assoziiert die Hörbuchproduktion. Das ist für mich allemal mehr, als einen Text einzusprechen. Da kommt es mir sehr auf die Gestaltung an. Ja, das ist mir persönlich ein großes Anliegen, Texte so zu interpretieren, dass sie in all ihren Fassetten verständlich werden.

: Die Sherlock Holmes Criminal Bibliothek liegt ja bekannterweise als Paperbackausgabe beim Blitz Verlag unter Federführung von Jörg Kaegelmann vor. SDK Media produziert diese Hörbücher dazu. Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen dir und Thomas Körber speziell zur Sherlock Holmes Criminal Bibliothek?

Martin Heckmann: Das war ganz banal. Thomas Körber hat mich darauf angesprochen, ob ich Lust hätte, Sherlock Holmes zu lesen. Und da legte er mit ein Sherlock Holmes-Manuskript vor, von dem ich zuerst dachte, es wäre Conan Doyle. Und dann las ich und kam dann drauf: Nein, das kann nicht sein. Weil, es bezieht sich auf eine Geschichte, die eigentlich das Ende von Sherlock Holmes beschreibt. Und es reimte sich nicht. Da musste ich am Telefon nochmal nachfragen: Hey, was ist das für ein Manuskript? Und dann stellte sich heraus: Das war ein Autor, der in den Fußstapfen von Conan Doyle schrieb. Aber wie ich fand, durchaus nicht schlechter als Conan Doyle. Ich mochte seinen Stil sehr gerne und ich fand, dass die deutsche Übersetzung äußerst gelungen war. Und fing auch gleich Feuer. Ich fand das schon aus historischem Blickwinkel den Roman, den ich vertont hatte, äußerst interessant. Und was ich so gut fand an den Sherlock Holmes Geschichten, war, dass sie reichlich Gelegenheit boten, Personen in verschiedenen Fassetten darzustellen. Es waren alles andere als stereotype Personen. Da hab ich Feuer gefangen. Das fand ich richtig gut an den Produktionen.

: Ich kenne die Bücher, muss ich dazu sagen. Und es folgen ja noch der Roman von Roman Sander, dann von Alisha Bionda. Der Josef Preyer hat den fünften Band geschrieben. Und im September 2008 kommt – glaub ich – beim Blitz Verlag raus der von Dominik Irtenkauf. Kommen diese Autoren an den Stil von Arthur Conan Doyle heran?

Martin Heckmann: Das ist sehr unterschiedlich. Der Hardwick auf jeden Fall, finde ich. Ich mag jetzt in diesem Rahmen kein wertendes Urteil abgeben. Das ist, glaub ich, der falsche Platz dafür. Manche Autoren treten aus den Fußstapfen von Conan Doyle heraus. Ich habe jetzt, das muss ich ganz ehrlich sagen, die Namen nicht direkt parat. Die eigentlichen Aufnahmen liegen auch schon ein Weilchen zurück jetzt. Manche wagen sich in einen Fantasybereich hinein, der Conan Doyle sicherlich ferngelegen hätte. Ist aber nicht schlimm, finde ich. Denn ich finde, dass jeder Autor, der in der Serie seinen Platz hat, einen Stil gefunden hat, der Sherlock Holmes würdig ist. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Watson und Sherlock Holmes ist immer wieder ein Bereich, wo die Autoren sich wirklich reichlich austoben können. Und sie bieten einfach gute Gelegenheiten zu Interaktionen zwischen diesen beiden Figuren. Und das ist das, was diese Geschichten so reizvoll macht.

: Wenn du die Geschichten liest im Studio, bist du da mehr Sherlock Holmes oder mehr Doktor Watson?

Martin Heckmann: Das ist eine interessante Frage. Das hängt ein bisschen von der Geschichte ab. Eine Geschichte, da erinnere ich mich: Da geht es um einen alternden Sherlock Holmes, der sehr drogenverfallen ist mittlerweile. Und es ist in der ganzen Geschichte nicht ganz klar: Was ist Wirklichkeit? Was erlebt er tatsächlich? Und was ist letztlich nur seinem Drogenrausch zu verdanken? Und diese Geschichte ist sehr zentriert um die Figur des Sherlock Holmes, und ganz klar, da geht es um Sherlock Holmes selbst, mit dem Kampf mit sich selbst, mit seiner eigenen Fantasie, mit seinem Eigenwahn. Andere Geschichten, die von Watson erzählt werden, da geht’s mehr um Watson selbst. Weil, es für mich darum geht: Wie geht Watson mit seinem Übervater Sherlock Holmes um? Watson, der, der immer in dessen Schatten steht, letztlich. Wie kommt er damit zurecht? Das sind für mich menschliche Portraits, die sind reizvoll. Ja, das sind menschliche Abbilder, die da entstehen. Mit denen man sich identifizieren mag oder auch nicht mag. Aber sie gehen einen an, weil sie wirklich sehr detailreich beschrieben sind.

: Du hast bei deiner Vorstellung das Label »Opossum« angesprochen. Es ist ja ein ganz anderes Genre. Fällt es dir persönlich schwer, wenn du an einem Tag im Studio sitzt und verschiedene Produktionen hast zu unterschiedlichem Thema, umzuschwenken von einem Thema, was im Krimibereich oder Horror/Grusel-Bereich liegt, auf ein Märchenthema zum Beispiel?

Martin Heckmann: Eigentlich überhaupt nicht. Ich kann das schlecht begründen. Oder doch? Im Regelfall ist es ja so, dass ich die Geschichten auch vorbereitet habe und mich im Zuge dessen auch schon länger damit auseinandergesetzt habe. Insofern muss ich innerlich quasi das nächste Programm aufrufen. Und das flutscht dann auch. Es ist auch so, dass ich mich nur bis zu einem gewissen Grade auf Geschichten vorbereite. Wenn ich das zu gründlich tue, dann verlieren sie ihre Frische und Spontanität. Ich darf eine Geschichte immer nur so weit vorbereitet haben, dass ich ungefähr weiß, was passiert, und mir im Manuskript natürlich notiert hab, wer jetzt spricht, damit ich da nicht den Faden verliere. Aber ansonsten wird sie bei jeder Aufnahme anders. Wenn ich heute Sherlock Holmes aufnehme und die gleiche Geschichte übermorgen wieder aufnehme, dann wird das – natürlich nur in Maßen – aber es wird doch eine andere Geschichte werden. Und es ist mir in der Tat gegeben, von einer Märchengeschichte auf eine Horrorgeschichte, auf eine Sachgeschichte relativ schnell umzuschalten. Was auch Spaß macht.

: Zu einer Frage, die mich persönlich interessiert: Welche Traumsprecherrolle hättest du gern? Ich bin gemein, ich weiß es.

Martin Heckmann: Mein Gott, das ist eine schwere Frage. Aber, es gibt nicht die Traumrolle. Wenn ich ein Buch lese, das mir erst mal fremd ist, dann ist es so: Je mehr ich mich damit befasse, desto mehr mag ich auch den Menschen, um den es da geht, oder die Menschen. Und desto lieber hab ich die auch. Zum Beispiel habe ich mich mit »Simplizissimus« von Grimmelshausen auseinandergesetzt. Das war eine Geschichte, die war mir beim ersten Lesen sehr fremd, weil, es ist ein Deutsch aus dem 17. Jahrhundert. Und auch die Geschichten sind nicht unbedingt Geschichten, die unsereins so erleben würde. Aber im Lesen ist mir diese Figur immer näher gerückt, sodass ich am Schluss des Buches dachte: Das musst du vertonen. Das musst du machen. Das ist ein Beispiel für mich, dass es Figuren gibt, die erstmal aus unserem jetzigen Verständnis relativ weit hergeholt zu sein scheinen, und wo ich mich im Laufe des Lesens immer weiter annähern kann. Insofern gibt es nicht die Geschichte oder die Traumrolle, die ich anstrebe, sondern es ist fast beliebig. Es sind die Geschichten, die das Leben schreibt, die mir dann immer näher kommen, je mehr ich mich damit auseinandersetze.

: Hast du auch mal schon daran insgeheim gedacht, mal als Synchronsprecher zu agieren?

Martin Heckmann: Filmsynchronsprecher? Ja, nicht nur im Geheimen. Ich hab das auch getan, aber ich habe schnell die Finger davon gelassen. Die Branche ist dadurch gekennzeichnet, dass man gerne Sprecher hernimmt, die auch durch Film, Funk und Fernsehen schon bekannt sind. Bin ich nicht. Insofern kommt es für mich so nicht infrage. Unter uns: Die Verdienstmöglichkeiten sind auch nicht so riesig, außer man ist der Synchronsprecher von XY, nich. Ja, das habe ich in den Jahren 92 und 93 getan. Habe oft nur die Fahrtkosten wieder rausgekriegt, dafür, dass ich von Hamburg nach Berlin bin. Ist für mich kein Thema mehr.

: Eine abschließende Frage: Welche Projekte, worüber du schon sprechen kannst, stehen in Planung? Ein bisschen haben wir schon mitbekommen am heutigen Tag, aber was so in der nächsten Zukunft erscheinen wird.

Martin Heckmann: Es kommt demnächst eine nächste Sherlock Holmes Geschichte raus, deren Inhalt ich noch nicht genau kenne, aber auf die ich mich sehr freue. Dann habe ich eben »Simplizissimus« angesprochen. Das ist ein Projekt, was mit relativ großer Wahrscheinlichkeit auch rauskommen wird. Als Bühnenversion mit Sicherheit. Hörbuch ist nicht ganz gewiss. Da müssen wir mal gucken. Das wird natürlich eine gekürzte Version werden, aus naheliegenden Gründen. Das wird aber eine Bühnenproduktion mit relativ modernen musikalischen Elementen. Also, es wird mit Rhythmusbegleitung, vielleicht auch mit Rapp-Elementen sein. Kann ich nicht genau sagen. Aber ich bin da sehr gespannt drauf.

: Dann danken wir, dass du dir die Zeit genommen hast, uns diese Fragen zu beantworten, wünschen dir für deine weitere Tätigkeit alles Gute, viel Erfolg und ein bisschen mehr Bekanntheitsgrad für dich persönlich.

Martin Heckmann: Besten Dank.

 

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