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Interview mit Markus Heitz

im Gespräch mit Markus Heitz

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Letzter: 09.09.10 - 01:44 Uhr

Das Interview wurde auf der Leipziger Buchmesse 2008 geführt.
Die Fragen stellte Anke Brandt. Aufgezeichnet wurde es von Wolfgang Brandt.

: Hallo Markus, sehr schön, dass du die Zeit findest auf der Leipziger Buchmesse, um uns Rede und Antwort zu stehen. Unsere Fragen von werden sich auf dein neues Buch Das Schicksal der Zwerge beziehen. Da ist einiges, was uns und unsere Leser interessiert.
Von den bisherigen Bänden der Tetralogie der Zwerge hat es geheißen, dass es jeweils immer der letzte sei. Die Fans haben nach einem Folgeband geschrieen, du hast ihn geschrieben. Aber was war letztendlich der Auslöser für Teil 4?


Markus Heitz: Bei Teil 4 der Auslöser war, dass mir meiner Ansicht nach ein sehr guter Aufhänger dafür eingefallen ist. Wäre der mir nicht eingefallen... Das heißt, dieses Buch lebt zum einen davon, dass eine sehr lange Zeit zwischen Band 3 und Band 4 liegt. Dass viel passiert ist, wo der Leser da schon direkt überrascht wird am Anfang, wo er mitkriegt, es ist irgendwie alles ganz anders, wie ich es mir vorgestellt habe. Und es lebt natürlich davon, dass es um einen Helden geht, Tungdil, von dem bis zum Ende des Buches nie genau geklärt wird: Ist es jetzt der echte Tungdil oder ist es der falsche Tungdil? Und gerade diese Konstellation, erstens vorzuspringen in der Zeit, ein völlig neues Setting herzustellen, anstatt jetzt genau da weiter zu machen, wo Band 3 aufgehört hat, und das Rätsel raten um die Identität des Zwerges, der da auftaucht, das hat mir tierisch viel Spaß gemacht.

: Einige Leser machen dir ja den Vorwurf, dass der 4. Band zwar ein Abschluss ist, aber doch sehr viele Fragen noch offen lässt. Wie stehst du zu diesem Vorwurf?

Markus Heitz: Ich seh es erstens als Hinweis oder als Meinungsäußerung. Das ist kein Vorwurf. Ich bin außerdem der Meinung, dass nicht alles, was in Büchern angesprochen wird, bis ins Letzte aufgeklärt sein muss. Der Leser darf sich auch gern selber Gedanken machen. Ich habe wirklich festgestellt, dass eben sehr viele Leser erwarten, dass alles bis ins kleinste Detail und bis ins letzte Ende aufgedröselt und aufgeschlüsselt wird. Und ich persönlich finde es spannender bei Büchern, bei Filmen, wenn einige Sachen geheimnisvoll bleiben, wenn nicht alles erklärt wird. Und das habe ich im 3. Band schon so gemacht, das habe ich im 4. Band so gemacht. Wobei ich immer sage, dass die Hauptgeschichte erzählt ist und dass das Buch an sich abgeschlossen ist. Es kann aber passieren, dass in der Albae-Serie, die es geben wird, einige Sachen natürlich angesprochen werden, die bei den Zwergen aufgetaucht sind, am Rande, nicht als Hauptmittelpunkt. Da wird es um die Albae gehen. Aber das kann schon sein, dass es da kleine Rückgriffe gibt.

: Das klingt doch schon mal spannend. Das Wiederauftauchen von Tungdil in seiner finsteren Erscheinungsform und der allgegenwärtige Argwohn von Boendils Gefährtin Goda, die gleich zu Beginn darüber sinniert, ob sich nicht das Böse selbst in die Festung eingeschlichen hätte, erinnerten einen Leser an die List der homerischen Trojaner. Gibt es da Bezüge?

Markus Heitz: Wenn man das so sehen möchte, von mir aus. Aber geplant war es natürlich nicht oder daran hab ich, ehrlich gesagt, nicht gedacht. Es sind aber eben klassische Motive, dass das Böse, falls es das Böse ist, das sei mal dahin gestellt, in diversen Formen einschleichen kann. Die Gestalten und Möglichkeiten sind da mannigfaltig. Aber direkt so geplant als das Pferd, das man abstellt? Nein, war es eigentlich nicht.

: Das Wiederauftauchen der verschollen geglaubten Feuerklinge in einem Waffenladen in der verwüsteten Stadt des Famulus Franek scheint ein bisschen an den Haaren herbei gezogen. Ein bisschen gekünstelt käme es rüber. Die Frage: war das ein Zweck, ist es gewollt oder ist es einfach so entstanden?

Markus Heitz: Nein, das war schon Absicht, so wie es entstanden ist. Was das Gekünstel angeht, man erlebt jeden Tag im Leben, dass das Leben Konstellationen hinstellt, wo man als normaler Mensch oder als Autor sagt: Das hätte ich mir nie ausdenken können und wenn ich es mir ausgedacht hätte, hätten alle gesagt: Was hat er denn da wieder erfunden?
Im täglichen Leben geschehen so viele merkwürdige Zufälle, die kann man sich nicht ausdenken. Und was hier mit Feuerklinge passiert ist, ist eigentlich geradezu logisch. Der See ist trocken gelaufen, wo die Feuerklinge drin lag. Natürlich wird sie irgendwann gefunden. Es sind 250 Zyklen. Hallo? Es sind nicht 250 Umläufe, es sind umgerechnet 400 Jahre. Was finden Archäologen heutzutage, wo kommt das Zeug hin, ja? Also find ich ganz im Gegenteil ziemlich plausibel, was da passiert ist.

: Die Zwerge sollen ja dann doch verfilmt werden. Das Werk ist sehr komplex, was Schauplätze, Figuren und und und angeht. Vor diesem Hintergrund wird natürlich der Film einiges einbüßen müssen. Inwiefern wünschst du dir Einfluss drauf zu haben und was wäre deiner Meinung nach etwas, was unbedingt aber drin bleiben muss?

Markus Heitz: Also, Einfluss habe ich insofern... keinen. Ich kriege das Drehbuch zu lesen und werde dazu meine Meinung abgeben. Und hoffe, dass die Leute dann darauf hören. Es ist völlig klar, dass Sachen umgeschrieben werden müssen, dass es Anpassungen gibt. Allerdings wird das Ganze so geschehen, wurde mir zugesichert, dass der Leser und automatisch Zuschauer das Buch immer noch im Film erkennt. Also wird es nicht so sein, dass man denkt: ist mal ein ein schöner Fantasyfilm, hat jetzt aber mit den Zwergen, die ich gelesen habe, gar nichts zu tun. Genau das soll vermieden sein. Da habe ich auch drauf hingewiesen, dass Zwerge-Fans und Fantasy-Leser durchaus bereit sind, Gewalt anzuwenden, wenn sie merken, dass... (lacht)
Also, das Produzentenpaar weiß Bescheid und die müssen jetzt aufpassen, dass das Ganze genau so geschieht, wie sie es angekündigt haben. Dass das Buch als solches erkannt wird.
Und der andere Hinweis war was? Ah, was unbedingt drin bleiben muss. Also, auf jeden Fall Ingrimmsch muss drin bleiben. So spontan wüsste ich jetzt nichts. Es gibt ein paar Szenen, die würde ich mir wünschen, zum Beispiel die Unterhaltung unterm Baum, als Tungdil die Zwerge fragt, wie das denn so wäre auch mit Zwerginnen und Zwergen, wie man sich da so näher kommt. Das stelle ich mir halt schon sehr cool vor, allein schon von der Kameraführung. Als Autor hat man ja sowieso beim Schreiben immer die Kameraführung im Kopf. Man greift ja dann auch selber automatisch dann um die Figuren rum und das stelle ich mir schon ziemlich cool vor.

: Du hast ja vorhin die 250 Zyklen selber schon angesprochen. Tauchte vielleicht schon mal der Gedanke auf, diese 250 Zyklen zu füllen mit einem Zwergenband, der jetzt nicht unbedingt aufbaut, sondern ganz einfach ein wenig erklärt, was da alles passiert ist?

Markus Heitz: Es ist so, dass in der Albae-Serie, ich habe 3 Bücher vorgesehen, was die Albae-Serie angeht, die Idee, keine Ahnung, was kommen wird, aber wir schauen mal, die Idee ist, dass der 1. Band vor Band 1 der Zwerge spielt, damit man sieht, wo die Albae herkommen, was ihre Kultur ausmacht und wie sie in das Geborgene Land kommen oder warum sie da überhaupt rein wollen. Dass der Band 2 praktisch im Zeitraum von Band 3 und 4 spielt, damit man also sieht, was in der Zwischenzeit passiert ist, warum Tungdil einen Alb kennt und warum die sich so gut leiden können usw. usf., dass das mitschwingt, aber es wird nicht im Zentrum stehen. Dann wär es nämlich zu Recht ein 5. Zwergenband, aber den wird es nicht geben.
Aber der Leser wird da vermutlicherweise mitkriegen, was da passiert ist.
Und der 3. Albae-Band wird dann im Anschluss vermutlich an Band 4 vom Schicksal derZwerge spielen. Das ist die Idee. Ob es dann so kommt, schauen wir mal.

: Apropos Albae, wie kommt man eigentlich auf so alptraumartige Einfälle wie die Beschreibung der sogenannten Kunstwerke der Albae? Braucht man dazu selber schlechte Träume?


Markus Heitz: Kunst liegt im Auge des Betrachters und je nach dem, was man für ein Auge hat, in dem Fall aus Albae-Sicht, ist man der festen Überzeugung, dass das Kunst ist und dass es gut aussieht.
So wie ich zum Beispiel mit moderner Kunst nichts anfangen kann, sagen andere, das ist das Schönste und Großartigste, was es gibt. Und warum soll denn ein Volk einer Meinung sein, wo andere Völker sagen, um Gottes Willen, das ist einfach nur grausam, schrecklich.
Ich habe ganz normale Träume und kann mich eigentlich selten an irgendwas erinnern, was ich geträumt habe, komischerweise. Aber ich schlafe sehr gut.

: Beim Band 4 ist auffallend geworden, wie auch in deinen anderen neueren Büchern, dass du doch ziemlich blutrünstig schreibst an manchen Stellen. Also, es tauchen gerade im Schicksal der Zwerge Figuren auf, ein paar Seiten später werden sie nieder gemetzelt.

Markus Heitz: Das passiert, ja.

: Das gehört natürlich in die Fantasy rein, klar, aber es ist auch mir aufgefallen, es ist in den letzten Büchern sehr häufig blutrünstig. Warum?


Markus Heitz: Warum sind denn die Schlachten bei Herr der Ringe? Warum fährt denn die Kamera dem Schwert nach? Warum sieht man denn Leute von der Brüstung fallen und von diversen Sachen gespickt und schreiend am Boden wälzend? Könnte man ausblenden. Ich glaub aber nicht, dass das irgendjemand macht. Ich glaube, dass zwei Drittel der Kinobesucher furchtbar enttäuscht wären, wenn man nicht sieht, wie ein Schlag zu Ende geführt wird oder ein Ork mit halb abgedrehtem Kopf durch die Gegend taumelt.
Auch wenn einige Leser wohl sagen ‚Muss das sein?’, wird der Aufschrei viel größer sein, wenn solche Szenen nicht drin sind. Da bin ich mir absolut sicher. Das heißt aber nicht, dass die Gewalt im Mittelpunkt steht, sondern ich beschreibe sie so, wie sie vorkommt und wie sie normalerweise auch im Film gezeigt wird. Also, selbst bei FSK 12, man erinnere sich, Herrder Ringe hatte, glaub ich, FSK 12, als Beispiel, da geht es ordentlich zur Sache. Das nur am Rande. Ob die grün bluten oder rot macht da, glaub ich, wenig Unterschied. Bei Videospielen ja, im Film nicht, wie ich finde.
Ich denke nicht, dass es blutrünstiger geworden ist, höchstens expliziter dargestellt. Aber ansonsten ist die Gewalt im Grunde die Gleiche, wenn man so möchte.

: Kannst du, darfst du uns noch einen kleinen Ausblick geben, mal abgesehen von den Albae, was du ja schon angesprochen hast, auf Projekte, auf die wir noch gespannt sein dürfen?


Markus Heitz: Also, es wird auf alle Fälle eine Fortsetzung von Die Mächte des Feuers geben. Wann genau, weiß ich noch nicht. Aber im nächsten Jahr könnte in Sachen Fantasy viel passieren, da schauen wir mal. Da muss ich erst noch in mich reinlauschen, was da als nächstes geplant wird. Entweder die Albae zuerst oder die Mächte des Feuers, schauen wir mal und ansonsten ist ja damit, was ich vorhin schon gesagt habe... allein die Albae habe ich angedacht für 3 Bände. Das ist ja schon wieder Stoff für locker anderthalb bis zwei Jahre, locker. Und darüber hinaus habe ich mir da noch keine Gedanken gemacht.

: Gut, Markus, ich danke dir für die Bantwortung der Fragen. Hat Spaß gemacht und ich wünsche dir noch einen schönen Aufenthalt auf der Messe.

Markus Heitz: Ja, den habe ich hoffentlich noch.

 

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