 : Hallo Jörg, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns unsere neugierigen Fragen zu beantworten hier auf der Frankfurter Buchmesse.
Fangen wir auch gleich an. Zu Beginn bleibt auch dir die Frage nicht erspart, die am Anfang eines Interviews fast immer gestellt wird.
Wie bist du zum Schreiben gekommen und wann wusstest du, dass Schreiben dein Beruf wird?
Jörg Kastner: Ich habe schon immer gern geschrieben, wie es wahrscheinlich auch viele Autoren hier schon gesagt haben, also auch schon in der Schule. Ich hab mich irgendwann hingesetzt, da war ich so 18, da hatte der Goldmann-Verlag einen Edgar-Wallace-Preis ausgeschrieben für deutschen Kriminachwuchs, und habe meinen ersten Kriminalroman - zumindest vom Umfang her, vielleicht nicht von der Qualität her – geschrieben. Damals noch mit Kugelschreiber auf drei Schreibblocks und dann auf mechanischer Schreibmaschine abgetippt hinterher. Hab das Ding natürlich zurück bekommen.
Dann hat im nächsten Jahr der Heyne-Verlag einen ähnlichen Wettbewerb ausgeschrieben, da hab ich den zweiten geschrieben, hab beide hingeschickt und beide zurück bekommen.
So ging es dann langsam los.
Dass ich weiß, dass ich Schriftsteller werde, das ist so in den neunziger Jahren entstanden, als meine ersten Bücher gelaufen sind. Da wusste ich, das wird mein Beruf.
Vorher hab ich lange Zeit Sachen eingeschickt und auch zurück bekommen.
: Gab es ein bestimmtes Buch, wo du gesagt hast: Und jetzt will ich davon leben?
Jörg Kastner: Es ging eigentlich schon mit dem ersten Buch los, damals bei Goldmann „Das große Raumschiff-Orion-Fanbuch“, dass ich gesehen habe: Hoppla, es geht ja doch. Man kann Bücher in Verlagen verkaufen und man bekommt sogar Geld dafür.
Da war der Wunsch schon da.
Und dann kam nachher der Kontakt mit meinem zweiten Buch, dem „Großen Karl-May-Buch“, zum Bastei Lübbe Verlag und darüber dann eben auch der Kontakt zum Heftromanbereich Jerry Cotton und Co., wo ich auch eine Zeit lang fleißig mitgeschrieben habe.
Da habe ich dann gesehen, man kann mit Schreiben auch auf regelmäßiger Basis Geld verdienen und das hat so meinen Entschluss gestärkt, es nach dem 2. Staatsexamen erstmal zu versuchen, ob es wirklich auf längere Sicht klappt. Und jetzt mach ich das schon ungefähr seit 17 Jahren hauptberuflich.
: Deine Frau Corinna schreibt ebenfalls. Hast du da nachgeholfen?
Jörg Kastner: Bei der Neigung zum Schreiben habe ich nicht nachgeholfen. Sie hat vorher schon geschrieben. Wir haben uns ja auch über die Deutsche Sherlock Holmes Gesellschaft kennen gelernt, die Corinna mitbegründet hat, in der ich dann Mitglied geworden bin.
Das heißt, die Neigung war schon da, es waren auch schon erste Manuskripte da. Wo ich mitgeholfen habe, das sind dann die Verlagskontakte und der Kontakt zu meinem Agenten.
 : Wie ist das bei euch, verarbeitet bei euch jeder seinen eigenen Ideen oder erarbeitet ihr Manuskripte auch gern zusammen?
Jörg Kastner: Wir haben ja einen Fantasyroman zusammen geschrieben, „Die Steinprinzessin“, der bei Überreuter erschienen ist und jetzt bei rororo als Taschenbuch. Da haben wir zusammen gearbeitet.
Ansonsten macht jeder, sag ich mal, sein Ding. Es ist aber schon so, dass, wenn einer Fragen hat oder Klärungsbedarf ist, sich einer an den anderen wendet und immer wenden kann. Und es ist auch so, dass Corinna meine erste Testleserin und meine erste Lektorin ist und dass ich ihr erster Testleser und erster Lektor bin.
: Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei dir aus?
Jörg Kastner: Also, ich hab ein Büro in dem selben Haus, in dem auch unsere Wohnung ist. Das heisst, ich gehe zwei Treppen runter in mein Büro, fahr den Computer hoch, im Winter schmeiß ich noch die Heizung an, gieß mir was zu Trinken ein und dann kommen erst einmal die üblichen Sachen. Natürlich heutzutage immer wichtig: E-Mails abfragen, Spam ausfiltern, was man halt so macht.
Und dann kommt es darauf an, in welcher Arbeitsphase ich bin. Also es gibt halt so die Recherchephasen bei mir, das heisst, da sitz ich dann auch manchmal wochenlang am Schreibtisch und lese Bücher und Bücher, mache mir Notizen auf Karteikarten, ordne die, schichte die hin und her, streiche Sachen aus. Und dann gibts natürlich die Arbeitsphasen. Klingt so langweilig, aber so ist es. Da setze ich mich morgens an meinen Text und schreibe, mache eine Mittagspause, wo ich dann in die Wohnung hoch gehe und mir was zu Essen mache und mir die Nachrichten im Mittagsmagazin ansehe. Und dann gehe ich bis abends weiter schreiben.
: Du schreibst historische Romane, Thriller, Fantasy, also alles Mögliche.
Wie erfolgt die Auswahl so eines Themas, warum gab es dieses Jahr ausgerechnet einen historischen Roman?
Jörg Kastner: Ich bin ja beim Knaur Verlag unter Vertrag und da haben wir so einen Modus gefunden, der hat sich so eingespielt und den haben wir auch so abgesprochen, dass ich abwechselnd einen historischen Roman mache, der im Hardcover erscheint, und einen thrillermäßig veranlagten Stoff, der als Originalausgabe im Taschenbuch erscheint. Deshalb war ganz einfach in diesem Modus der historische Roman dran.
: Ich bin auf den Autor Jörg Kastner durch das Buch „Die Nebelkinder“ aufmerksam geworden. Leider ist es derzeit nicht lieferbar. Ist das der Grund, warum es nicht schon längst wieder einen weiteren Fantasyroman in dieser Form von dir gibt?
Jörg Kastner: Ja, also die Erfahrung, die ich gemacht habe, ist, wenn man sich in diesem Sektor Fantasyroman wirklich als Autor etablieren will, dann darf man, glaube ich, nicht nur mit einem einzigen Roman versuchen zu reüssieren, sondern man muss wirklich mit einem großen Werk sag ich mal, heutzutage üblich eine Trilogie, eine Serie, oder mit etwas wirklich an die Verlage rantreten, was die auch längerfristig im Programm haben. Ich denk, da verankert man sich auch bei den Käufern und dann ist es auch längerfristig lieferbar.
Und insofern hast du recht. Es hat zur Zeit keinen Sinn, weil ich ja noch viele andere Sachen schreibe, jetzt einfach mal zwischendurch einen Fantasyroman zu schreiben, weil ich denke, der würde dann auch in dem betreffenden Verlagsprogramm untergehen.
 : In „Die Nebelkinder“ hast du ja auch ein Stück Geschichte verarbeitet. Warum wurde aus diesem Stück Geschichte Fantasy und kein historischer Roman?
Jörg Kastner: Der Ansatz war umgekehrt. Ich habe Gespräche mit Überreuter geführt und die suchten einen Fantasystoff. Das heisst, ich wollte gar keinen historischen Roman schreiben, sondern mein Auftrag in diesem Sinne war, einen Fantasyroman zu schreiben.
Mich hatte es jetzt aber nicht gereizt, die fünhunderttausendste Welt nur mit Drachen und Elfen in einem Fantasiereich zu bevölkern, sondern weil ich mich in Historie gut auskenne, habe ich mir ein Thema gesucht, wo eigentlich ein möglicherweise historischer Fakt, nämlich: es soll ein kleinwüchsiges Volk mal gegeben haben, auf Fantasyweise mit Elben vermischt wird und dadurch erklärt wird. Das fand ich besonders reizvoll an der Geschichte.
: Wo hört denn dann tatsächlich die Geschichte auf in diesem Roman? Sind die Namen der Könige authentisch?
Jörg Kastner: Die Namen der Könige sind authentisch. Es hat auch das Kloster am Mondsee gegeben. Was eigentlich ganz witzig ist, ich habe ursprünglich einfach nur einen Ort gesucht, der toll klingt. Und habe dann im Atlas auf der Österreichkarte plötzlich den Mondsee entdeckt. Da hab ich gedacht: das klingt ja klasse. Da sollte man was ansiedeln. Auf einmal hab ich festgestellt, da gab es wirklich diese Abtei und es gibt wirklich eine Chronistenlücke in der Überlieferung der Abtei gerade in den Jahren, in der meine Geschichte spielen sollte. Und so hat sich quasi der Stoff den historischen Hintergrund selber gesucht und der hat dann auch gepasst.
: „Die Nebelkinder“ erschien ja zuerst beim Überreuter-Verlag, dann als Heyne Taschenbuch. Überreuter hat das Buch noch mit einem ansprechenden, verlagstypischem Cover versehen, das Taschenbuch bei Heyne hatte ein Bildchen drauf, was mit der Geschichte nicht viel zu tun hatte, wie ich finde. So ein düsteres Bild mit einer verworren aussehenden Frau.
Ich behaupte jetzt einfach mal, ich habe es erlebt, dass so viele Käufer vorm Kauf zurückgeschreckt sind, dass es einfach daran gescheitert ist, dass dieses Buch noch auf dem Markt ist. Wie siehst du das selbst in diesem speziellen Fall und wie siehst du den Einfluss des Covers im Allgemeinen auf das Kaufverhalten der Leser?
Jörg Kastner: Also, was den speziellen Fall meines Buches betrifft, da gebe ich dir vollkommen recht. Es ist halt so gewesen, dass ich in Frankfurt auf der Buchmesse vor Jahren vom zuständigen Fantasylektor bei Bastei angesprochen wurde, ob man ein anderes Cover nehmen könne, weil sich das Hardcover-Bild für die Taschenbuchausgabe nicht gut eignen würde. Und man würde mir das Taschenbuchcover auch nochmal zeigen. Da hab ich dann ja gesagt.
Ich hab’s dann, wie es immer so ist im alltäglichen Geschäftsverlauf, vorher nicht mehr gesehen, sonst hätt ich vielleicht noch ein Wort dazu gesagt.
Nun ist das Buch nun mal mit diesem, ich sag mal, Mitternachtsroman-Cover erschienen und ich konnte es nicht mehr ändern.
Ob es sich auf den Verkauf ausgewirkt hat, das mag durchaus sein. Das ist ja nicht das typische Fantasy-Cover. Ich denke mal schon, wenn ich so Diskussionen verfolge, grad auch im Internet in Bücherforen, dass Covergestaltung auf die Leute großen Einfluss hat. Es ist ja heutzutage auch schon so, es gibt so viele hundert Bücher, die im Buchhandel ausliegen, man muss ja erstmal die Aufmerksamkeit des potentiellen Käufers erregen. Und da ist das Cover schon ein wesentliches Signal, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen und anzugucken.
 : Jetzt können wir nur hoffen, dass „Die Nebelkinder“ doch noch mal eine Neuauflage erleben. Mit einem ansprechenden Cover und einem dementsprechenden Verkauf.
Kommen wir nun doch zu deinen anderen Büchern. Bei einem breiten Publikum wurdest du bekannt mit der Engelstrilogie. Soweit ich weiß, hast du sonst alles Einzelromane geschrieben. Gab es Besonderheiten beim Schreiben dieser drei Bücher, Vorteile oder Schwierigkeiten?
Jörg Kastner: Also erstmal darf ich dich korrigieren. Ich hab nicht nur Einzelromane geschrieben, sondern ich habe zum Beispiel schon in den neunziger Jahren bei Lübbe eine fünfbändige Saga über die alten Germanen geschrieben, beginnend mit „Thorag oder die Rückkehr der Germanen“ und dann noch zwei Romane über das Kölner Mittelalter, die auch zusammen gehören, „Anno 1074“ und „Anno 1076“.
Es gab für mich beim Schreiben der Engelstrilogie erstmal keine Besonderheiten, weil es nicht als Trilogie geplant gewesen ist. Ich habe im Jahr 2000 den „Engelspapst“ veröffentlicht und das war für mich erst einmal eine abgeschlossene Geschichte, die auch auf einem tatsächlichen Sachverhalt beruht. Nämlich dem Mord am Kommandanten der Schweizergarde Ende der neunziger Jahre und seiner Frau und die ich da in fiktiver Form verarbeitet habe.
Dann war das Buch aber so erfolgreich und auch die Anfragen nach weiteren Abenteuern mit den Helden so groß, dass ich dann, als zweiten Roman nicht geplant, den „Engelsfluch“ geschrieben habe. Und als die Anfragen nach einer weiteren Geschichte immer noch groß war, habe ich dann noch den „Engelsfürst“ dazu geschrieben. Es war nie so, dass eine Fortsetzung geplant war beim Schreiben des jeweiligen Werkes.
Der Vorteil ist natürlich immer, wenn man eine Trilogie oder eine mehrbändige Serie schreibt, dass man sich ein bisschen Rechercheaufwand erspart, weil, wenn man Rom schon erkundet hat und man mit den Figuren vertraut ist, muss man nicht mehr so tief einsteigen, als wenn man jetzt einen komplett neuen Kosmos oder einen komplett neuen historischen Hintergrund erforscht.
: Vor Jahren hast du, wie viele deiner Kollegen, Heftromane geschrieben. Du warst Autor bei „Trucker King“ und „Jerry Cotton“ und hast sogar eine eigene Heftromanserie konzipiert und geschrieben. Woran erinnerst du dich besonders gern, wenn du an die Zeit als Heftromanautor zurück denkst?
Jörg Kastner: Im Nachhinein hat man immer so eine gewisse Verklärung. Ich seh das heute so ein bisschen als die goldene Zeit des Schreibens. Nicht, was den finaziellen Reichtum angeht, aber man hatte so eine gewisse Lockerheit. Das ist damals so gewesen, dass ich im Verlag nicht groß darum ringen musste, ob man meine Stoffe nimmt, sondern ich konnte wirklich einen Roman schreiben und hinschicken. Und damals war es noch so, alle 10 Tage wurden Schecks geschrieben, am 5., 15. und 25.. Man konnte sich relativ gut ausrechnen, wenn ich jetzt meinen Roman hinschicke, krieg ich in 2 Tagen meinen Scheck. Und dadurch, dass ich auch in vielen Genres mitgeschrieben habe, wie eben Jerry Cotton oder Trucker King oder !Amerika!, meine eigene Serie, hatte ich eben auch die Gelegenheit, mich in vielen literarischen Genres auch einfach mal auszutoben und zu probieren, ob’s mir Spass macht. Das wurde auch noch bezahlt.
Ich finde, eine bessere Schule des Schreibens kann es nicht geben.
: Und was war weniger schön?
Jörg Kastner: Da muss ich jetzt aber ganz stark überlegen, was weniger schön war. Ja gut, es gibt immer natürlich, grad bei Serien, die einen festen Helden haben, gibt es gewisse Einschränkungen, die man machen kann oder die man nicht machen kann. Da muss man sich schon nach den Vorgaben des Redakteurs richten. Wenn man zum Beispiel Jerry Cotton ein bisschen zu brutal vorgehen lässt, dann steht im Heftroman natürlich immer der Jugendschutz dahinter, da muss man wieder etwas ändern.
Es waren also keine schwerwiegenden Sachen, sondern es waren so Sachen, wo man auch darüber schmunzeln kann. Zum Beispiel wurde mir bei Jerry Cotton mal gesagt vom damaligen Taschenbuchlektor, den ich sehr geschätzt habe, der inzwischen leider verstorbene Hans-Ulrich Steffan, dass – das war wohl noch Maßgabe des Jugendschutzes – Mr High, der Chef des FBI, einen aufgeräumten Schreibtisch haben müsse. Weil, ich hatte geschrieben: „Er hatte ganz viele Unterlagen auf seinem Schreibtisch liegen.“
Da hab ich mir in dem Roman den Spass daraus gemacht, die blitzblanke Schreibtischplatte von Mr. High zu erwähnen.
: Stell dir vor, du bekämst die Möglichkeit, nochmal an einer Serie mitzuschreiben. Welche wäre das?
Jörg Kastner: Ja, vielleicht würde ich meine eigene Serie „!Amerika!“ gern nochmal auflegen in der einen oder anderen Form. Muss nicht im Heft sein, kann auch im Taschenbuch sein. Dann könnte ich mir auch vorstellen, Fortsetzungen zu schreiben.
Ansonsten hab ich immer schon mal angeregt, dass man mal ehemalige Jerry-Cotton-Autoren, die sich durchaus weiterentwickelt haben – es gibt ja auch Drehbuchautoren, Uwe Erichsen, die Cotton geschrieben haben – vielleicht mal die Möglichkeit geben sollte, im Taschenbuch oder im Hardcover längere Jerry-Cotton-Geschichten zu schreiben, die ein bisschen aus dem Rahmen des üblichen Serienkonzeptes rausfallen. Also auch bei der Charakterentwicklung der Figuren. Aber gut, sowas muss der Verlag wollen, weil Jerry Cotton ist die Figur des Verlages. Das können keine Autoren bestimmen.
: Zu deinem aktuellen Buch. In zahlreichen Romanen, Dokumentationen und Filmen wie zum Beispiel „Königreich der Himmel“ wird der Mytrhos des wahren Kreuzes aufgegriffen. Was hat dich dazu bewogen, diesen Mythos in deinem Roman „Das wahre Kreuz“ zu nutzen?
Jörg Kastner: Ich beschäftige mich in meinen Romanen ja sehr viel mit religiösen Symbolen, religiöser Thematik. Eben auch in den drei Engelsbüchern, weil ich finde, dass unsere Welt ja sehr stark von Religion, auch gerade in der jetzigen Zeit, dominiert wird. Und den Zwist zwischen Religionen und auch, dass dadurch auch die Religion Einfluss auf Menschen hat.
Und da sind natürlich Reliquien, die im Mittelalter als Vermittlung der Religion an den Menschen genutzt worden sind, ein wichtiger Punkt. Und da kam mir auch das wahre Kreuz unter. Mich hat auch immer schon, weil ich ein großer Napoleon-Fan in Anführungszeichen bin, weil ich mich sehr dafür interessiere, für die Geschichte, auch Napoleons Ägyptenfeldzug interessiert, und das kam dann zusammen in meiner Geschichte.
Interessanterweise hatte ich „Königreich der Himmel“ vorher gar nicht gesehen und hab dann erst im Laufe meiner Recherchen festgestellt, dass der Film vor dem selben Hintergrund spielt wie mein Roman. Den Film habe ich mir inzwischen auch angesehen, aber das war nicht der Auslöser für meine Geschichte.
: Mit Bastien und Ourida stehen sich zwei Protagonisten mit unterschiedlicher Religion und Weltanschauung gegenüber. Vergleicht der Leser die Handlung des Romans mit der heutigen Zeit, fallen Parallelen auf. Wolltest du genau das erreichen oder wolltest du überhaupt etwas erreichen und bewirken damit?
Jörg Kastner: Nein. Ich wollte eigentlich nur einen unterhaltsamen, spannenden Roman schreiben, der so ein bisschen was über die Geschichte dem Leser mitteilt und habe selber erst beim Schreiben gemerkt, dass es eigentlich ein hochaktueller Stoff ist, den ich da schreibe. Nämlich die Geschichte einer oder zweier Abschnitte sogar – es gibt ja eine Handlungsebene im Mittelalter zur Zeit der Kreuzzüge und eben die Handlungsebene zur Zeit von Napoleons Ägyptenfeldzug.
Dass es eigentlich genau dieselbe Geschichte ist, die wir heute, jetzt gerade, wieder erleben, wie nämlich eine westliche Macht im Nahen Osten einfällt und Krieg führt, um dort seine Interessen und seine Vorstellungen, wie es dort auszusehen hat, durchzusetzen und den dort lebenden Menschen aufzupfropfen. Und insofern habe ich nach dem Schreiben des Buches festgestellt, du hast nicht nur einen historischen Roman geschrieben, sondern auch ein hochaktuelles Werk.
: Für das nächste Frühjahr ist dein neuer Roman „Teufelszahl“, ein Vatikanthriller, angekündigt. Darfst du darüber schon etwas verraten?
Jörg Kastner: Das weiß ich nicht, aber ich tu es jetzt einfach mal. In „Teufelszahl“ geht es diesmal um die Jesuiten. Mein Held ist ein Jesuitenbruder, kein Pater. Es gibt einen Unterschied bei den Jesuiten zwischen den Padres, also den Klerikern und den Laienbrüdern. Laienbrüder unterliegen aber denselben Verpflichtungen wie auch die Priester, haben also auch dieses Keuschheits- und Armutsgelübde usw. abgelegt. Und es geht diesmal eben wieder um eine Mystery-Verschwörungs-Geschichte in Rom, wo aber diesmal nicht der Vatikan so sehr – der spielt auch eine Rolle – aber mehr die Jesuiten und ihre Geschichte und ihr Orden im Mittelpunkt stehen.
: Klingt interessant. Wir freuen uns auf das neue Buch und ich danke dir nochmal ganz herzlich für das Interview im Namen von .
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