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Interview mit Jürgen „Geier“ Speh

im Gespräch mit dem Comic-Zeichner und Illustrator Jürgen „Geier“ Speh

Als Sohn deutscher Eltern in der Schweiz geboren, schlug Speh eine Karriere als Colorist und Zeichner von Comics ein. Nach ersten Gehversuchen im berüchtigten, aber vielfach preisgekrönten Undergroundmagazin Menschenblut bekam er im Jahr 2000 beim Independent-Verlag Schwarzer Turm die Chance, eine eigene Comicreihe herauszugeben. Gemeinsam mit Rochus Hahn erarbeitete er die humoristische Erotikserie Horst, die sich als großer Erfolg erwies und mittlerweile mehr als ein Dutzend Ausgaben umfasst. 2004 begannen er und Hahn mit der Arbeit an einer weiteren Erotikreihe, der mit vielen Elementen der ägyptischen Mytholgie verwobenen Serie Arsinoe.

Die biografischen Daten über Speh sind widersprüchlich, auf seiner Website verbreitet er absichtlich Falschinformationen, gibt sich unter anderem als "Spross eines anonym gebliebenen Botschafters und einer einheimischen Schamanin der hinteren Mongolei" aus.

 

GS: Der Internationale Comic-Salon 2006 in Erlangen hat seine Pforten geschlossen. Welche Eindrücke bringst du für dich mit?

Geier: Erstmal, dass wesentlich weniger Publikum als in den letzten Jahren da war, dann, dass der "klassische" frankobelgische Albenmarkt zu einem Sammlermarkt mutiert ist, als Massenmedium gibt es Comics nur noch als Strips. Die Mangas dominieren zwar gerade alles, aber sie erreichen kaum die üblichen Leser; das ist ein Markt für sich. Kunstcomics sind überrepräsentiert im Verhältnis zur Leserschaft und grafisch zum größten Teil Müll.
Wirklich interessant finde ich nur die Fanszene, die freilich qualitativ den Großverlagen nichts schenkt.

GS: Wie werden sie sich auf deine zukünftige Arbeit auswirken?

Geier: Ich werde mich wieder mehr bei den Kleinstverlagen einbringen, da sind noch Leute mit Spaß an der Sache am Werk und viele hervorragende Nachwuchszeichner, denen ich noch etwas beibringen kann.

GS: Wie bist du zum Zeichnen gekommen? Wer hat dich inspiriert, zu zeichnen?

Geier: Halbwegs konzentriert habe ich erst angefangen, nachdem ich "Zack" und "Primo" entdeckt hatte, das wollte ich auch versuchen; ziemlich frustrierend, weil ich keine Ahnung hatte, dass da die Besten abgedruckt wurden.

GS: Wenn du dich an deine Kindheit erinnerst, wer war damals dein Held unter den Comic-Zeichnern?

Geier: Als Kind kein bestimmter, mir hat fast alles gefallen und über die Zeichner habe ich mir überhaupt keinen Kopf gemacht. Ich dachte ja auch, dass es normal wäre, so zeichnen zu können - ich bin erst ziemlich spät darauf gekommen, dass das nicht der Fall ist.

GS: Was ist das Charakteristische deiner Zeichnungen?

Geier: Ist da was charakteristisch? Ich glaube nicht, weil ich den Stil meist der Story anpasse.

GS: Wie würdest du deine Zielgruppe definieren?

Geier: Leute die Spaß an "altmodischen" Geschichten haben und Comics nicht nur als "Kunst" ansehen.

GS: Hast du Vorbilder? Wenn ja, welche?

Geier: Niemand konkreten, jeder ist auf seine Art gut und man kann von jedem etwas lernen.

GS: Wie sieht dein Zeichner-Alltag aus?

Geier: Aufstehen und Kaffee. Bis zum Spätnachmittag mit dem PC colorieren und Sachen bearbeiten. Abends zeichnen, vielleicht ’ne DVD reintun. Schlafen ...

GS: Welche Techniken verwendest du bei deiner Arbeit?

Geier: Den guten, alten Pinsel zum inken und den PC für die Farben - das ist alles.

GS: Was bedeutet für dich Qualität im Bezug auf deine Arbeit?

Geier: Ich bemühe mich, so gut wie möglich zu sein, für mich selbst und weil ich denke, dass die Leser einen Anspruch darauf haben, wenn sie schon dafür zahlen. Wenig Verständnis habe ich für die Zeichner, die sich keine Mühe geben bzw. sagen: Für das bisschen Geld lohnt es sich nicht, sich anzustrengen.

GS: In welche Comic-Figur würdest du selbst gern schlüpfen und warum?

Geier: Klaas Klever, da bräuchte ich mir keinen Kopf ums Geld zu machen und hätte auch was davon - im Gegensatz zu Dagobert.

GS: Mit „Der Ring des Meisters“ 2000 und „Horst“ 2001 hast du zwei ICOM-Independent-Preise erhalten. Welchen Stellenwert haben diese für dich?

Geier: Ziemlich hoch, zum einen, weil meine Sachen damit endlich mal Anerkennung erfahren haben, und zum Anderen, weil da eine Jury am Werk war, die auch Ahnung hatte bzw. nicht versucht hat, zu beweisen, dass sie intellektuell ist.

GS: Schon sind wir bei “Horst“. Wie ist dieses Projekt entstanden?

Geier: Eher durch Zufall, Robi und Mille hatten gerade den Schwarzen Turm gegründet und Robi fragte mich, ob ich mal etwas Erotisches machen wolle. Ich hatte gerade die "Kriegsfunnies" für Gringo fertig und der Funnystil hat mir gefallen, so haben wir das einfach kombiniert - realistisch gezeichnet würde "Horst" auch nicht funktionieren.

GS: Der Verlag „Schwarzer Turm“ wartet mit einem Programm für Liebhaber subtiler Erzählkunst auf. Wie gestaltet sich für dich die Zusammenarbeit mit Robi?

Geier: Er schlägt mir Projekte oder Storys vor und schreibt die Geschichten auf - und ich zeichne sie dann. Wir kennen uns lange genug, da brauchen wir uns nicht mehr groß abzusprechen, weil jeder weiß, was er von dem anderen hat.

GS: Gibt es für dich neue Projekte? Wenn ja, welche sind es?

Geier: Momentan bin ich ziemlich ausgelastet, da ist kaum noch Luft drin. In absehbarer Zeit werde ich nichts Neues anfangen.

GS: Könntest du dir vorstellen, eigene Comics ins Internet zu stellen oder einen Comic ausschließlich fürs Internet zu gestalten?

Geier: Können könnte ich, das Internet wird auch bald wichtiger sein als der Fachhandel, aber ich habe nicht die Zeit dazu...

GS: Herzlichen Dank, dass du dir trotzdem Zeit für dieses Interview genommen hast. Für deine weitere Tätigkeit wünschen wir dir einen „kreativen Pinsel“.

Das Interview wurde geführt von Copolymer

Website von Geier: www.geierheim.de

 

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