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Interview mit Birgit Jaeckel

im Gespräch mit Birgit Jaeckel

: Hallo Birgit, schön, dass wir zu dir nach Erlangen kommen konnten. Du hast hier mitten im Wald eine schöne Keltenausgrabungsstätte uns gezeigt. Wir sitzen hier und möchten mit dir über dein Buch »Die Druidin« sprechen. Aus deiner Vita entnehme ich, dass du schon frühzeitig mit dem Schreiben von Geschichten begonnen hast, aber bis zum Erscheinen deines Debütromans noch keine von diesen veröffentlicht wurden. Woran lag dies?

Birgit Jaeckel: Es lag mit Sicherheit daran, dass sie einfach zu schlecht waren. Und es war ein Fantasyroman, den ich zuerst geschrieben hab. Damals war ich 14 Jahre alt. Und der Zweite - das war ein Jahr später - das war ein historischer Roman zur Zeit der Kimbern. Und als ich dann angefangen hab, um Vor- und Frühgeschichte zu studieren und ich gesehen hab, was ich allein schon an Literatur über Heitero habe, also eine Wikingersiedlung damals, und mich daran erinnert habe, mit was für Kinderbüchern ich damals meine Recherche betrieben habe, dann hat es mich nicht mehr gewundert, dass ein Verlag meinte, dass der Schilderung der Zeit der Wikinger doch noch etwas Bildhaftigkeit fehlte. Also, insofern. Vielleicht gehe ich nochmal irgendwann zu dem Roman zurück, aber …

: Und die liegen im Schubfach?

Birgit Jaeckel: Die liegen … ja. Den Fantasyroman, den kann man ziemlich vergessen. Das ist eine Jugendsünde. Aber der Wikingerroman, vielleicht schreibe ich den irgendwann neu.

: Für »Die Druidin«, dein Debütroman, hast du dir ein nicht ganz einfaches Genre des historischen Romans ausgesucht. Was bewegte dich dazu, die Handlungsstränge in die Zeit um 120 vor Christi zu legen?

Birgit Jaeckel: Also, 120 vor Christus deshalb, weil: Ich hab wie gesagt Vor- und Frühgeschichte studiert und dann meine Abschlussarbeit an der Universität über eine kleine keltische Siedlung in Süddeutschland geschrieben, in der Nähe vom Altmühltal. Und da kannte ich mich mit der Zeit ja ziemlich gut aus. Und als mir dann klar wurde, ich möchte jetzt einen Roman schreiben, lag das natürlich nahe, um ein wenig Recherche zu sparen. Und da hatte ich die Zeit, darüber zu schreiben.

: Die Kelten waren ein sehr geheimnisvolles Volk. Worauf beruhen sich deine Recherchen für den Roman?

Birgit Jaeckel: Also, aus der Zeit der Kelten haben wir eigentlich überhaupt keine schriftlichen Quellen. Das liegt daran, dass die Kelten selber nicht geschrieben haben. Sie haben keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Und die wenigen schriftlichen Quellen, die wir haben, die stammen also aus römischen und griechischen Quellen. Aber natürlich auch nur in den Augenblicken, wo es einen Kontakt zwischen den Völkern gab. Bei den Römern natürlich immer erst bei Schlachten und später natürlich in der Zeit Caesars. Das bedeutet, dass wir um die Zeit 120 vor Christus nur die Archäologie haben. Also, die Kultur, die materielle Kultur, die sich im Boden erhalten hat und die die Archäologen ausgraben. Und das macht es natürlich ein bisschen schwerer oder ein bisschen ungewohnter vielleicht auch für den Leser, der es gewohnt ist, dass er klare historische Fakten hat: …, dass Heinrich VIII. um soundso viel Hundert das und das tat oder diesen Vertrag unterschrieb. Und das gibt es halt einfach nicht bei den Kelten um meinige Zeit. Da haben wir die materielle Kultur im Boden. Und das war’s im Großen und Ganzen.

: Also nur auf archäologische Funde, die man halt in den Wirkungsstätten der Kelten ausgegraben hat, sei es Skelette, sei es Grabbeigaben, Münzen, Schmuck. Ja, genau dann, zumindest von der heutigen Situation gesehen, von den heutigen Möglichkeiten, fast genau datieren kann aus welcher Zeit sie stammen.

Birgit Jaeckel: Hauptsächlich archäologische Funde. Und natürlich, ein paar historische Quellen haben wir. Und man kann auch ein paar Rückschlüsse ziehen. Gerade aus späterer Zeit, wenn Caesar irgendetwas geschrieben hat über die Druiden. Muss man aber mit Vorsicht genießen, weil die Römer nicht immer die Wirklichkeit abgebildet haben 1:1, wie sie damals war. Sondern sie hatten ja auch eine politische Motivation hinter allem, was sie schrieben. Vor allem Caesar hatte das. Insofern muss man die schriftlichen Quellen natürlich auch noch mit Vorsicht genießen.
Und ansonsten gibt es noch ein paar Rückschlüsse. Die mag man noch ziehen können, wenn man in den Bereich Großbritannien geht. Da haben die Kelten ja viel länger gehalten. Und ihre Sprachen, Überreste zumindest, gibt es ja immer noch dort. Und da kann man dann sich auch nochmal umgucken, wobei ich das wenig getan habe.
Also, für mich war klar: Das wird ein archäologischer Roman. Es gibt halt kein Genre des archäologischen Romans. Es ist ein historischer Roman mit fantastischem Einhauch.

: Schwerpunkt des historischen Hintergrundes, über den wir bisher gesprochen haben, bildet der keltische Stamm der Vindeliker. Diese siedelten im nördlichen Alpenvorland zwischen Bodensee und Inn. Was ist das Besondere an diesem Stamm? Wie würdest du diesen beschreiben?

Birgit Jaeckel: Also, dieser Stamm ist was Besonderes, weil er in einem Bereich … (überlegt). Es war eine sehr gute verkehrsgeografische Lage. Und es war eine Lage, in der wir immer noch so viel Import aus dem mediterranen Raum haben. Gerade Alte-Stadt, das Zentrum der Vindeliker, ist auch eine Fundstelle, die so gut ausgegraben ist, wie fast keine andere in Deutschland, keine andere keltische Fundstelle. Das macht es natürlich allein von der Quellenlage her zu etwas Besonderem. Und das andere ist, dass zum Beispiel mit Alte-Stadt .. da der Import mit den Amphoren zum Beispiel auf. Die Boier im Osten, die hatten so etwas schon gar nicht mehr. Und das macht es natürlich etwas besonders. Und da liegt es noch ein bisschen näher an Frankreich ran, das heißt, man kann davon ausgehen, da gab es noch ein bisschen mehr Einfluss. Also, da gibt es mehrere Gründe. Und natürlich auch, dass ich einfach in Süddeutschland studiert habe.

: Ja, kann man halt sagen, dass die Vindeliker im Zentrum dieses Bereiches Süddeutschland bis hin Böhmen/Mähren oder dann westlicherseits bis hin in Richtung Frankreich lagen?

Birgit Jaeckel: Also, die keltische Welt spannte sich ja von Spanien bis nach, ja bis nach Ungarn. Und da ist natürlich Süddeutschland eine zentrale Region. Aber wie gesagt: Das hängt natürlich ganz stark an der Quellenlage. Solche Fundstellen wie Alte-Stadt - oder wie Manching - das gibt es woanders nicht so.

: In deinem Roman wählst du Talia als Hauptprotagonistin. Wie charakterisierst du diese? Wie war die Stellung der Frau zu dieser Zeit?

Birgit Jaeckel: Also fangen wir mit der Rolle der Frau an. Die Rolle der Frau bei den Kelten, die war für die damalige Zeit relativ gut. Also, relativ, weil man sie natürlich mit den Griechen und den Römern vergleichen muss. Und da stand die Frau ziemlich unter den Pantoffeln.
Die Keltinnen und Germaninnen hatten dafür sehr viele Rechte. Darüber haben sich die Römer sehr muckiert. Bei ihnen war es ganz seltsam, dass eine Frau so viel tun durfte und dass sie sich sogar in Krieg einmischt. Und wir kennen gerade auch aus frühkeltischer Zeit, also aus der Zeit um 500 vor Christus, sehr reiche Gräber. Da wurden ganz mächtige Frauen bestattet und mit Beigaben, die denen der Männer in gar nichts nachstanden. Das sind so genannte Fürstinnengräber. Und da gibt es zu Beispiel ein Grab, da vermutet man von den Beigaben: Das könnte sogar so eine Art Druidin gewesen sein. Man weiß es natürlich nicht, aber man weiß auf jeden Fall: Es gab ganz mächtige Frauen. Die waren die Ausnahme. Aber es gab sie. Zum Beispiel so eine Frau wie die Roueca im Roman. Also, da kann man davon ausgehen, so was gab es.
Bei Talia ist es natürlich so: Sie ist das einzige Kind, das einzige erwachsene Kind eines sehr, sehr mächtigen Mannes. Und sie ist natürlich noch eine besondere Frau, weil sie eine besondere Gabe hat. Sie kann die Seelen der Menschen sehen. Und das gibt ihr natürlich nochmal eine besondere Stellung. Und sie wird dann also hineingezogen in die Intrigen, in die Intrigen der keltischen Aristokratie, in die Intrigen der Druiden, die diese Gabe ja vor allem meiden. Und sie will das ja eigentlich gar nicht. Am Ende muss sie auch fliehen. Also, sie wird ja nicht akzeptiert, zumindest nicht von den Druiden, weil sie eine gewisse Macht hat, eine Gefahr für sie selbst.

: Beim Schreiben hast du ein bisschen Talia in dir selbst gesehen?

Birgit Jaeckel: Oh ja, also, ich glaub: So ganz rausnehmen kann man sich sowieso nicht. Und ich fürchte, dass es dann doch das eine oder andere Mal eingeflossen ist.

: Die Frage kam jetzt spontan von mir. Am Anfang ist Talia ängstlich, zurückhaltend. Sie weiß nicht, wie sie sich gegenüber ihrem Vater auftreten soll, ob sie ihm verzeihen soll oder ihm weiterhin Gram an den Tag legen soll.
Vielleicht ein bisschen Angst deinerseits: Wie wird der Roman? Wie wird der Roman angenommen?

Birgit Jaeckel: So hätte ich das nicht gesehen. So mag man s gar nicht sehen. Das liegt ja frei beim Leser.
Also, für mich war wichtig bei Talia, dass ich eine Entwicklung hab von einem Mädchen zu einer Frau. Da ist das Mädchen im ersten Teil. Sie ist ja keinem der Männer in ihrem Leben gewachsen. Sie ist im Grunde genommen Atharic nicht gewachsen, sie ist ihrem Vater nicht gewachsen. Und das ändert sich im zweiten Teil. Und das war mir wichtig, diesen Unterschied aufzuzeigen.

: Die Gabe, Seelen der Menschen zu sehen und sie vor Unheil zu bewahren, interessiert die Druiden um Ientus ungemein. Der ganze Roman ist voll von seinen Intrigen, von seinen Ränken, die er schmiedet, nur um diese Gabe, die Talia besitzt, selbst nutzen zu können. Liefen sie nicht Gefahr, dass Talia an Stärke und Ansehen sie nicht überflügeln würde?

Birgit Jaeckel: Natürlich liefen sie Gefahr. Und deswegen hassten sie sie eigentlich auch. Sie wollten sie ja nicht da haben. Sie wollten diese Macht für sich selbst benutzen. Und sie wollten schon gar keine Frau. Im Grunde ist es ja die wahre Macht, die sie hat. Die Druiden, die haben ihre zwanzigjährige Ausbildung. Die kennen die Riten. Das kennt Talia alles nicht. Sie ist ja keine »Druidin« im klassischen Sinne. Aber sie ist die, die die eigentliche Macht hat. Und das ist natürlich eine Gefahr. Für mich war da sehr wichtig, darzustellen, dass die Druiden eben keine netten, Misteln suchende, auf Bäumen hockende alte Männer mit weißen Rauschebärten waren. Sondern es waren Machtpolitiker. Das muss man sich vorstellen wie die Kirche im Mittelalter. Und die haben diese Macht dafür groß ausgenutzt. Es war ja nicht nur eine »geistige Macht«, die sie hatten. Denn sie waren auch Rechtsprecher, sie waren Ärzte. Und da hatten sie einen unglaublichen weltlichen Einfluss. Man hatte überhaupt nicht getrennt zwischen Weltlichem und Geistlichem damals. Das war eine Errungenschaft der Aufklärung. In dem Sinne, denk ich, muss man die Druiden als Machtpolitiker sehen. Und das habe ich versucht, in der Form von Ientus rüberzubringen.

: In den ersten Kapiteln des Romans lernt Talia erstmals in ihrem jungen Leben die so genannten Nordmänner - für unsere Begriffe die Germanen - kennen. Über ihre Könige und Kriege wissen wir ja einiges, nichts aber über das Leben der Kimbern in diesem konkreten Fall, ihr Leid, ihre Hoffnung, ihr Schicksal. Wir wissen wenig über ihre zwanzigjährige Wanderschaft durch ganz Europa, angefangen von Jütland bis hin in den Voralpenraum und darüber hinaus. In deinem Roman greifst du die Suche der Kimbern nach neuen Siedlungsgebieten auf, schilderst aus meiner Sicht schriftstellerisch gekonnt die Schlacht bei Noreia. Die keltischen Stämme mobilisieren alles, die ja an ihren Wegen liegen, um einer möglichen Gefahr während des Durchzuges der Kimbern durch ihre Gebiete entgegenwirken zu können. Glaubten die Stammesfürsten und Krieger, dass der Tross von dem Fürsten Boiorix so blutrünstig sei?

Birgit Jaeckel: Also, für die Kelten musste das damals eine Riesengefahr gewesen sein, diese gewaltige Menschenmasse an Germanen. Nordmänner im Roman ja deshalb, weil Germanen ein Begriff aus der Zeit von Caesar ist, also jüngeren Datums. Und für die muss das … das muss man sich wie heute vorstellen. Man kann sich ja ausrechnen, wie die Reaktion der Deutschen wäre, wenn wir plötzlich …
Ja, damals - ich sag mal, es waren 100.000 Kimbern alles in einem. Nehmen wir die Zahl mal 20. Man sagt: So ungefähr 1/20-igstel der heutigen Bevölkerung gab es damals. Da kann man sich ausrechnen, wie die Deutschen reagieren würden, wie viele Dänen da plötzlich durch ihr Gebiet ziehen würden. Also, das wäre eine Katastrophe. Und in der damaligen Zeit erst recht, weil es einfach die Ressourcen des Landes ja auch belastet hat.
Und wir müssen davon ausgehen, dass die Kimbern geplündert haben. Und das ist auch ein sehr alter Streit in der alten Geschichte. Waren die Kimbern jetzt Opfer der Geschichte, weil sie auf Landsuche waren? Oder waren es Räuber?
Die Römer haben sie als Räuber gesehen. Die Kelten, die Opfer waren, haben sie natürlich auch als Räuber gesehen. Aber es gibt starke Stimmen in der alten Geschichte unter den Wissenschaftlern, die sagen, dass es eigentlich ein schon tragisches Volk war, das 20 Jahre lang in der Welt, in ganz Europa von Spanien bis hin ins ehemalige Jugoslawien, bis schließlich nach Italien gezogen ist und ständig eigentlich auf der Suche waren nach einem Ort, wo sie sich niederlassen konnten.
Und diesen Kampf so ein bisschen zwischen diesen unterschiedlichen Forschermeinungen kann man auch versuchen, so ein bisschen reinzubringen. Das ist ganz spannend.

: Geht man aber von der heutigen Zeit aus: Die vielen Jahre, die die Kimbern unterwegs waren, um ein neues Siedlungsgebiet für sich zu finden; rein logistisch gesehen ist ja das ein riesengroßer Kraftakt. Man kann ja, sagen wir mal, aus dem Raum Jütland nicht so viel an Verpflegung, an Dingen des täglichen Bedarfs mitnehmen.

Birgit Jaeckel: Wir wissen, die hatten schon Vieh dabei. Aber das hat natürlich nicht gereicht. Sie haben ja nicht ihre Äcker mitnehmen können. Man kann ja kein Gerstenfeld mitnehmen. Und man muss das nicht so romantisch sehen. Sie haben mit Sicherheit geplündert bis zum Gehtnichtmehr. Oder dann halt durch Handel usw.
Sie haben sich als Söldner verdingt. Also, gerade, als die Kimbern dann nach Frankreich kamen, da ist es eigentlich ziemlich sicher, dass sie gerufen worden sind von keltischen Stämmen, die die Germanen - die Kimbern - als Söldner im Kampf gegen andere keltische Stämme verwendet haben. Und dann kam halt irgendwann: Die Geister, die ich rief, wird ich nicht mehr los! Und da haben die Kelten, die Gallier auch festgestellt: Na ja, so toll ist das ja doch nicht, wenn die Kimbern da sind. Die futtern uns ja wirklich alles weg.
Und dann haben sie sich ja wieder gegen die ehemaligen Verbündeten gewandt. Und da mussten die Kimbern wieder weiterziehen.

: Eine Stelle, die mir gerade einfällt: Der keltische Fürst von Alte-Stadt Caran zieht natürlich gegen die Kimbern mit allen Fürsten, die sich ihm anschließen. Und es kommt zu der Begegnung zwischen ihm und natürlich dem Fürsten der Kimbern. War es bewusst, dass dieser fast tödliche Pfeil, der für Caran bestimmt war, aus den eigenen Reihen kam?

Birgit Jaeckel: Ja, das ist … Man möchte nicht zu viel verraten. Aber es passiert ja gleichzeitig noch etwas in Alte-Stadt. Und das hängt natürlich zusammen.

: Auf den letzten Seiten deines Romans erkennt man, dass sich Talia und Atharic entschließen, Alte-Stadt zu verlassen, um den Ränken und Intrigen von Ientus zu entkommen. Aus meiner Sicht schreit das förmlich nach einer Fortsetzung. Wird es diese geben und wo wird sie angesiedelt sein?

Birgit Jaeckel: Also, es wird sie geben. Ich arbeite fleißig daran. Und es wird also eine Generation später spielen mit Talias Tochter, zumindest als tragende Person.

: Sumelis hattest du ja eingeführt als neue Protagonistin, als Tochter von Talia und Dago - Dago ist ja auch so ein bisschen zwielichtig -, deren Gabe weitaus stärker ist als die von Talia selbst. Worauf begründest du diese?
Talia sagt immer zu ihrer Tochter: Mach das nicht. Ich habe dort die und die Erfahrung gemacht. Ich möchte nicht, dass du deine innewohnenden Kräfte an den Tag bringst und diese anwendest.

Birgit Jaeckel: Also, es ist ein Unterschied zwischen Talia und Sumelis.
Talia war 13 - 14 Jahre alt, als sich die Gabe zum ersten Mal bei ihr zeigte. Und das kam natürlich als ungemeiner Schock, weil es eine sehr schlechte Erfahrung war, als sie sich zeigte Sie konnte halt das Leid der Leute um sie herum ja gar nicht mehr ertragen. Sie hatte keine Chance, sich dagegen zu wehren.
Und bei Sumelis ist es so: Sie ist damit aufgewachsen. Und es fällt ihr einfach unglaublich leicht. Und es fällt ihr natürlich auch leicht, eine Wand hochzuziehen und sich halt von allem Möglichen abzuschirmen, an Gefühlen, an schlechten Gefühlen, was sie nicht mitbekommen will. Insofern hat sie da halt, ja, die Unbekümmertheit der Kindheit, was Talia natürlich nicht hat. Und davor muss sie natürlich auch geschützt werden, weil: Ein Kind sieht nicht die Gefahren, wie ein Erwachsener das sieht, was das bedeuten kann.

: Also wird Sumelis in dem zweiten Roman, den Fortsetzungsroman, die tragende Rolle spielen.

Birgit Jaeckel: Ja, Talia und Atharic spielen auch noch mit. Aber Sumelis wird die eigentliche Hauptperson sein.

: Der Roman ist ja seit Februar dieses Jahres im Handel erhältlich. Erste Stimmen wurden schon laut, sei es positiv oder auch negativ. Wie gehst du als Autorin damit um?

Birgit Jaeckel: Ja, positive Kritik macht immer mehr Spaß als negative. Das ist ganz klar. Es gehört dazu. Ich denk, das ist ein ganz gutes Training. Da muss man lernen, damit umzugehen.
Und es gibt einfach Kritik, die ist zwar negativ, aber konstruktiv. Oder man denkt mal darüber nach, wenn zum Beispiel was über die Art des Schreibens, über den Schreibstil gesagt wird. Da denkt man schon mal darüber nach. Manchmal greift man auch Dinge auf, die gesagt werden.
Dann gibt es Kritiken, na, gut, manche Sachen sind halt Geschmackssache. Ich hatte auch schon ganz harsche Kritiken von Leuten, die das rein als historischen Roman gelesen haben, auch nicht gemerkt haben, aus irgendwelchen Gründen. Obwohl es auf dem Klappentext recht deutlich wird, dass es ein Genremix ist, dass auch ein leichtes phantastisches Element mit drin ist. Und die sich da halt fürchterlich darüber aufregen, weil sie Fantasy überhaupt nicht abkönnen. Das ist halt Geschmackssache. Na gut, da kann ich auch nicht helfen.
Und dann gibt es Kritik, die ist einfach unglaublich dumm, sag ich mal. Das sind dann so Sachen, wo dann die »Pseudokeltenkenner« kommen und dann so ein paar Fakten anzweifeln und dann irgendwelche Gegenargumente aufstellen.
Also, ich hatte letztens eine, die hatte geschrieben, dass das halt historisch ein bisschen langweilig ist und das schon mal besser gelesen hätte. Und man sollte mal dieses Buch lesen, ich glaub, das hieß »Denn sie brachten der Welt das Licht«. Das wäre viel besser. Dann bin ich der Sache nachgegangen. Und dann war es ein Buch über Etrusker. Und da steh ich da und denk mir: Es tut mir leid, dass ich kein Buch über die Etrusker geschrieben habe. Das ist so, wie wenn man sagen würde: Du willst einen guten Roman über die Deutschen lesen. Also ließ mal hier dieses Buch über die Italiener.
Und das sind dann so Sachen, die ärgern einem natürlich. Aber man kann da auch nichts machen.

: Da kann ich nur sagen: Man steht über den Dingen.

Birgit Jaeckel: Ja, das muss man aber lernen.

: Und seit Langem ist mit der »Druidin« ein neuer, für mich interessanter Roman auf den Markt gekommen, der das Thema Kelten anspricht, der über die Kelten, ihre Lebensweise ein bisschen was ans Licht bringt. In der Vergangenheit habe ich bei Recherchen feststellen müssen, dass es nur zum größten Teil Sachbücher auf dem Markt gibt.

Birgit Jaeckel: (wirft ein) oder aus Großbritannien.

: oder genau .. für uns fremdsprachige Literatur. Aber der erste Roman hat mir gefallen.

Birgit Jaeckel: Das freut mich.

Birgit Jaeckel liest aus ihrem Debütroman »Die Druidin«.

»Gedankenverloren fuhr sich Talia durch das Haar, während sie weiterschlenderte und sich den Ständen mit den Waren aus den südlichen Ländern näherte. Sie sah zweihenklige Weinamphoren, die ihren Weg aus Italien über die Länder und Flüsse im Westen bis nach Alte-Stadt gefunden hatten, schwarz glänzende Keramik, in allen Farben schillernde Mosaikgläser und bronzene Eimer, in denen der Wein gemischt wurde. Ein Mann pries lauthals seine Fischsaucen an, und Talia reckte neugierig den Hals, obwohl sie wusste, dass sie sich diese Saucen niemals leisten konnte. Sie stammten ebenfalls aus dem Süden und reisten zusammen mit dem Wein zu den Reichen und Mächtigen der keltischen Stämme.«

: Birgit, ich danke dir, dass du Zeit für uns genommen hast, dass wir bei dir hier in Erlangen weilen durften, für dieses Interview. Es hat sehr Spaß gemacht. Und wir werden sehen, wie dein Folgeroman wird. Ich bin schon heute darauf gespannt. Vielleicht könnten wir für den Geisterspiegel - das müssen wir aber dann mit dem Verlag abstimmen, mit dir dann abstimmen - vorab eine Leseprobe bekommen.

Birgit Jaeckel: Von mir aus gern. Das können wir gerne abstimmen.

: O. k. danke schön.

Birgit Jaeckel: Ich danke auch.

 

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