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Interview mit Michael Girbes

im Gespräch mit Michael Girbes

: Hi, Michael. Es ist nicht mehr lange hin, dann öffnen sich die Pforten der 32. Leipziger Buchmesse. Auf über 140 Quadratmetern werden sich im Ausstellungs- und Eventbereich der Hörspiel-Gemeinschaft mehr als zwei Dutzend Produzenten aus der Hörspielszene versammeln. Bist du aufgeregt? Wie ist der Stand der Vorbereitung auf das Novum der Präsentation während der Buchmesse? Mit welcher Erwartungshaltung fährst du nach Leipzig?

Michael Girbes: Danke, Wolfgang, für die Möglichkeit zu diesem Interview. Ja, es ist nicht mehr lange hin bis zur Verleihshop.de-Hörspiel-Arena im Rahmen der Leipziger Buchmesse. Aufgeregt bin ich noch nicht. Dafür sind noch so viele Dinge zu erledigen und zu steuern, dass man für die große Aufregung noch keine Zeit hat. Das Lampenfieber macht sich langsam bemerkbar, und ick freu mir wie Bolle. Aber das ist auch gut so, denn wie du schreibst, haben wir ein Novum geschaffen. Nach der HÖRSPIEL haben wir es nun geschafft, in Leipzig eine eigene Arena für das Hörspiel zu installieren – mit 26 Ausstellern, 20 Bühnenpunkten, und das auf 143 m² Fläche. Dazu haben wir es beispielsweise auch geschafft, das erste Mal Label wie EUROPA auf eine Buchmesse zu bekommen. EUROPA war beispielsweise bis dato noch nie auf einer Buchmesse vertreten. Dazu haben wir wieder einige Verlage gewonnen, die eigentlich gar nicht mehr auf die Messe wollten oder schon lange nicht mehr dabei waren. Es ist eine Menge Arbeit in diesem Projekt, aber das macht uns auch sehr stolz. Es ist aus unserer Sicht der erste große Meilenstein in der noch kurzen Geschichte der Hoerspiel-Gemeinschaft e. V.

: Vielen Hörspielfreunden bist du vom Hörspieltalk bekannt. Nun bist du seit der Gründung der Hoerspiel-Gemeinschaft e. V. am 18. Juni 2010 erster Vorsitzender des Vereins. Woraus resultierte die Idee, eine Hörspielgemeinschaft zu bilden?

Michael Girbes: Die Idee stammt eigentlich von René Wagner, der mich vor zwei Jahren nach der Leipziger Buchmesse 2009 gefragt hat, ob ich mir einen Gemeinschaftsstand von Webseitenbetreibern oder ähnlichen auf der LBM 2010 vorstellen könnte. Da mir das für die HÖRSPIEL im Kopf herum schwebte, waren wir natürlich schnell einig. Hier haben uns die Leipziger Buchmesse und das Magazin »hörBücher« sehr tatkräftig unterstützt. Wir sind auf die Messe gegangen, mit dem Sprechercasting, welches ebenfalls ein voller Erfolg war. Sogar der MDR hat über uns berichtet. An einem der Abende war dann unter den Teilnehmern die Diskussion, wie wir mit der Hörspiel-Gemeinschaft weitermachen. Kommerziell oder gemeinnützig. Und so wurde das nächste Projekt »gemeinnütziger Verein« geboren. Also habe ich Satzungen studiert und eine für den Verein geschrieben. Mittlerweile sind wir in der 3. Fassung, da das Registergericht und das Finanzamt Änderungen haben wollten. Hier muss man aber auch sagen, dass Dr. Martin Bahr, der Justiziar des Vereins ist, tatkräftig mitgeholfen hat. Aktuell ist er auch mit der Kassenprüfung für die kommende Mitgliederversammlung beschäftigt. Bei ihm in der Kanzlei fand am Abend vor der HÖRSPIEL auch die Gründungsversammlung der »Hoerspiel-Gemeinschaft e.V.« statt. Neben dem Beirat, der die Projekte des Vereins mit steuert (Olaf von der Heydt und Anke Bokelberg), wird der Verein vom Vorstand gelenkt. Der Vorstand besteht aus René Wagner als 2. Vorsitzenden, aus dem Kassenwart Günter Rubik und meiner Wenigkeit. Neben dem Hörspieltalk, den ich damals aus dem Boden gestampft habe, ein sehr ehrgeiziges Projekt, welches sehr viel meiner Freizeit in Anspruch nimmt. Seit Anfang 2011 sind wir nun auch als gemeinnütziger Verein anerkannt. Die Ziele des Vereins sind die Pflege und Förderung des Kulturgutes Hörspiel. Wir wollen das Hörspiel nicht retten, aber wir wollen etwas dafür tun, dass es weiterhin existent bleibt!

: Wie seid ihr an die Gewinnung von Mitgliedern und Partnern für den Verein herangegangen?

Michael Girbes: Eigentlich noch gar nicht. Wir haben, da die Formalien für den Verein noch nicht alle erledigt waren und wir noch nicht wussten, was wir dürfen und was nicht, noch nicht gewagt, auf aktiven Mitgliederfang zu gehen. Durch die Arena und auch durch den Versandrabatt beim DPD haben wir natürlich Zuwachs bei den Verlagen/Labeln vermelden können. Der Verein hat aber auch Sprecher und Fans in seinen Reihen. Und ich hoffe, dass wir mit den nächsten Konzepten, die wir teilweise bereits intensiv im Beirat und mit den Mitgliedern diskutieren, auch noch an Fans, Sprecher, Seitenbetreiber etc. herankommen.

: Sieht man sich die bisherige Liste der Vereinsmitglieder an, so sind in dieser kleine und große Label vertreten. Welches positive, aber auch negative Feedback habt ihr bei der Gewinnung von Mitgliedern bekommen?

Michael Girbes: Wie gesagt, wir haben noch keine aktive Mitgliederakquise gemacht. Das Feedback, das wir bisher allerdings auf die Vereinsarbeiten bekommen haben, ist durch die Bank positiv. Das bestärkt uns in unserer Arbeit. Man muss aber auch sagen, dass wir aktuell bereits fast 50 Mitglieder haben und dem leider auch schon ein Austritt zum Ende des letzten Jahres entgegen steht. Da sind die Interessen/Gedanken sehr weit voneinander entfernt gewesen.

: Der Jahresbeitrag von 60 Euro für die Mitgliedschaft ist auch für ein kleines Label finanzierbar. Worin bestehen aus deiner Sicht weitere Vorteile, um Mitglied in der Hörspiel-Gemeinschaft zu werden?

Michael Girbes: Es gibt zum Anfang nur die Vorteile, dass die Mitglieder die Elemente in der Verleihshop.de-Hörspiel-Arena günstiger bekommen haben. Des Weiteren haben wir für die Verlage auch den günstigen Versand über den DPD. Es gibt auch ein sehr günstiges Angebot für Hörspiel-Apps für iPhone & Co. Weitere Diskussionen/Gespräche laufen bereits. Dazu aber immer erst Details, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Der Verein versteht sich aber nicht nur für die Label/Verlage, sondern als Verein für das gesamte Medium. Also planen wir beispielsweise auch einen Hörspielclub. Man wird sehen, was das Jahr 2011 so nach der Buchmesse Leipzig bringen wird.

: Was erwartet den Hörspielfreund während der Leipziger Buchmesse? Welche Top-Highlights wird es geben, die man nicht versäumen sollte?

Michael Girbes: Das ist eine schwere Frage für mich. Die Verleihshop.de-Hörspiel-Arena ist natürlich ein absolutes Highlight. Und welche Sachen dort nicht versäumt werden sollten, soll jeder für sich entscheiden. Da sind die Geschmäcker zu verschieden. Aber es gibt natürlich auch noch den gesamten Hörbuchbereich in Halle 3 und die Hörbuchausstellung in der Nähe der Arena.

: Hörspiele/Hörbücher sind auf dem Markt gefragter denn je. Die Hörergemeinde wird immer größer und damit verbunden auch der Verkauf der Produkte. Welche Tendenzen siehst du persönlich für die weitere Zukunft des Hörspiels/Hörbuchs?

IMichael Girbes: ch habe immer gedacht, dass die Hörspiele ein wenig abnehmen. Ich bin einer derjenigen, die immer auf den großen Knall und damit auf die Marktbereinigung warten. Aber es sprießen immer wieder neue Label aus dem Boden. Ja, natürlich gehen auch Label/Verlage. Aber die neuen nehmen aus meiner gefühlten Sicht doch etwas überhand. Alle wollen natürlich etwas von dem großen (Käufer-)Kuchen abhaben. Das macht es nicht einfacher für die Label. Es gibt die ersten Label/Verlage, die nur per Download ihre Produkte anbieten. Ich denke, dass dies langfristig der marktbeherrschende Umsatzbringer für die Verlage sein wird.

: Die Produktion von Hörspielen und Hörbüchern ist nicht gerade eine preiswerte Angelegenheit. Sprecher- und Herstellungskosten wollen erst einmal erwirtschaftet werden, und das Budget kleiner Label ist gering. Welche Möglichkeiten der Hörspiel-Gemeinschaft siehst du, gerade diese Label unterstützen zu können?

Michael Girbes: Man kann Hörspiele doch nicht mit Lesungen vergleichen. Hörspiele sind die Königsklasse des Hörbuchs. Ein Hörbuch, genauer: Eine Lesung liest einer allein ein. Das Hörspiel mit seinen ganzen Sprechern und Geräuschen muss es schaffen, ein Kino im Kopf zu erzeugen. Und das ist mit wesentlich höheren Kosten verbunden. Das ist eines der aktuellen Gespräche, die wir als Verein führen. Ein Verlag mit eigenem Studio hat angeboten, mal ein paar Konzepte zu erstellen für die Label der Hoerspiel-Gemeinschaft e. V. Beispielsweise von der reinen Studiovermietung bis hin zur kompletten Betreuung eines Hörspiels mit allem drum und dran. Das sind die Synergien, die in einem solchen Projekt wie die Hoerspiel-Gemeinschaft e. V. herumkommen müssen!

: Recht herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen. Das Geisterspiegel-Team wünscht dir und der Hörspiel-Gemeinschaft während der Leipziger Buchmesse Erfolg bei der Präsentation und natürlich viele Interessenten und Besucher.

Michael Girbes: Ich danke dir! Auch für die Möglichkeit zu diesem Interview, und ich freue mich, dich in Leipzig treffen zu dürfen.

Das Interview führte Wolfgang Brandt per E-Mail.

Bildquelle: www.hörspiel-gemeinschaft.de

Copyright © 2011 by Wolfgang Brandt

 

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