: Hallo Holger. Mit den bisher im Acabus Verlag erschienenen zwei Bänden der »Eiswolf-Saga« – Brudermord und Irrwege – begibst du dich trotz deines Fable für SciFi auf historisches Gebiet. Was war für dich der ausschlaggebende Punkt, die »Eiswolf-Saga« gerade in diesem Genre anzusiedeln?
Holger Weinbach: Mit SciFi bin ich aufgewachsen. Isaac Asimov hat mich in meiner Kindheit und Jugend ebenso begleitet wie die erste Star Wars Trilogie. Doch ein zweites Genre hielt schon bald Einzug in mein Bücherregal: Fantasy. Begonnen hat es mit Tolkiens »Der kleine Hobbit«, worauf natürlich »Der Herr der Ringe« folgte. Diesem Genre fühle ich mich ebenfalls verbunden und daher war die »Eiswolf-Saga« ursprünglich auch als Fantasyreihe geplant. Doch nach einigen Überlegungen schien mir die Geschichte um einen Jungen in einer fantastischen, magischen Welt zu nahe an der Harry Potter Reihe, die sich damals auf dem Erfolgszenit befand. Zu groß wähnte ich die Gefahr, von Verlagen als »Trittbrettfahrer« abgelehnt zu werden. Daher suchte ich nach einem alternativen Setting und fand es im Mittelalter. Das fiel mir nicht schwer, denn ich beschäftige mich auch privat mit dem Mittelalter und besuche entsprechende Märkte, etc. Da ich etwas Mystik und nordische Mythologie einfließen lassen wollte, stand für mich auch ziemlich schnell die Zeitspanne fest. Die Wikingerstadt Birka spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Nachdem ich die historischen Gegebenheiten auf den Plot hin untersucht hatte, stellte sich heraus, dass beides wunderbar zusammenpassen könnte.
: Logischer Aufbau der Storyline, detailgetreue Beschreibungen sowie Schreibstil lassen vermuten, dass sich hinter Holger Weinbach ein professioneller Autor verbirgt. Wie bist du zur Schriftstellerei gekommen?
Holger Weinbach: Im Endeffekt durch einen Scherz meiner Frau. Eine längere Geschichte, mit der ich hier nicht langweilen möchte, die allerdings darin resultierte, dass ich das Manuskript eines Kinderbuches verfasste, welches allerdings nie veröffentlicht wurde. Aber die Wurzeln der Schriftstellerei liegen sicher tiefer als dieser Scherz. Er war nur der Auslöser, den eigentlichen Wunsch, das Geschichtenerzählen, zutage zu fördern. Ursprünglich hatte ich diesen Wunsch als Regisseur umsetzen wollen, musste aber beim Reinschnuppern in die Filmwelt feststellen, dass es nicht mein Weg ist, das Kinopublikum zu begeistern. Es hat dann noch etwa zehn Jahre gedauert, ehe ich das Publikum für das Kopfkino entdeckte, obwohl ich selbst gerne lese …
: Was inspiriert dich beim Schreiben?
Holger Weinbach: Das ist ganz unterschiedlich. Oft ist es Musik, die mich in die notwendige Stimmung versetzt. Dann kann ich mich in entsprechende Emotionen begeben, und die Protagonisten beginnen in meinem Kopf zu handeln. Diese Bilder muss ich dann nur noch in Text umsetzen. Hört sich einfach an, kann manchmal aber recht schwer sein, bis es soweit ist. Manchmal inspirieren mich aber auch Kleinigkeiten, die ich häufig in der Natur finde. Stimmungen und Emotionen, die ich dadurch bekomme.

: Nahezu die Hälfte der Regierungszeit Ottos I. war mit mühevollen Versuchen, die Macht- und Herrschaftsverhältnisse im Reich zu klären, ausgefüllt. Was war für dich Anlass, deine Pro- und Antagonisten in diese Zeit anzusiedeln?
Holger Weinbach: Wie schon erwähnt, spielen das schwedische Birka und die Wikinger eine Rolle. Und gerade zur Zeit der Ottonen hat sich viel im Deutschen Reich getan. Nachdem die Ungarn vertrieben waren, gab es für Otto I. nur ein Ziel: Kaiserwürde. Und er tat alles, diese zu erlangen und noch mehr, um sie zu behalten, bzw. zu vererben. Viele dieser Gegebenheiten sind dokumentiert und lassen sich gut recherchieren. Aber diese Zeit hat noch einen weiteren Reiz für mich: Sie lässt einen großen Spielraum für Interpretationen, da die Dokumentationen auch Lücken aufweisen. Dies kommt meinem Wunsch nach Mystik und Mythologie entgegen, die ich so besser einfließen lassen kann, ohne den historischen Fakten zu widersprechen.
: Ein Autor muss sehr viel Zeit investieren, um einen Roman schreiben zu können. Ruhe, Konzentration und Verständnis sind dabei vonnöten. Wie gelingt es dir, Beruf, Schreiberei und Privatleben unter einen Hut zu bringen?
Holger Weinbach: An erster Stelle steht für mich natürlich die Existenzsicherung der Familie. Da über die Literatur momentan noch zu wenig Geld in die Kasse fließt, nimmt die Architektur natürlich die meiste Arbeitszeit in Anspruch. Die Zeit zum Schreiben nehme ich mir meist vormittags, wenn die Kinder in der Schule bzw. im Kindergarten sind. Oder eben spät abends. Das Verständnis seitens der Familie ist da, sofern die Kinder verstehen können, was es bedeutet, ein Buch zu schreiben. Meine Frau sorgt dann aber schon dafür, dass ich ungestört schreiben kann, und hält mir den Rücken frei. Ebenso unterstütze ich sie, wenn sie beruflich eingespannt ist. Es ist gerade diese gegenseitige Unterstützung und das Verständnis, die man in einer Familie benötigt. Das trifft vielleicht noch stärker zu, wenn beide Elternteile selbstständig sind und je nach Auftragslage auch mal am Wochenende oder abends arbeiten müssen.
: Vergleiche ich deine zwei Romane mit denen von Bestsellerautorinnen wie Iny Lorentz oder Sabine Ebert, komme ich zu der Ansicht, dass sich die »Eiswolf-Saga« durchaus mit ihnen messen kann. Wie siehst du diesen Vergleich?
Holger Weinbach: Der Vergleich schmeichelt und es freut mich natürlich, dass man mich mit erfolgreichen und gern gelesenen Kolleginnen in einem Atemzug nennt. Allerdings bin ich auch froh, dass meine Bücher sich sowohl äußerlich wie auch inhaltlich deutlich von diesen Werken unterscheiden. Wichtig war mir deshalb auch die Gestaltung des Buches. Das Cover sollte nicht wie das typische historische Cover der großen Publikumsverlage aussehen. Von diesem Einheitsbrei halte ich nicht viel und wenn ich die Cover der oben genannten Kolleginnen nebeneinanderlege, so ist die Ähnlichkeit zu groß. Signifikanz und Eigenständigkeit sind mir wichtiger. Inhaltlich ist es natürlich schwierig, Vergleiche zu ziehen. Sicher gibt es hier und da Parallelen, denn die Geschichte um Faolán und Svea beinhaltet viele bekannte Themen, die auf ähnliche Weise schon einmal niedergeschrieben worden sind. Dennoch hoffe ich, dass sich meine Geschichte von anderen unterscheidet.
: Heutzutage ist es schwer, einen ansprechenden Autorenvertrag zu bekommen. Wie bist du an die Suche nach einem passenden Verlag für deine Stories herangegangen?
Holger Weinbach: Ich beschritt den üblichen Weg: Exposé erstellen und Verlage anschreiben. Mit Agenturen stand ich ebenso in Kontakt wie mit freien Lektoren. Doch alle lehnten das Manuskript ab. Die Gründe hierfür waren unterschiedlich, doch das Ergebnis stets das Gleiche. Als unbekannter Autor ist es ohnehin sehr schwer, bei einem größeren Publikumsverlag unter Vertrag genommen zu werden. Im Nachhinein wundert es mich aber nicht, dass ich über einige Jahre hinweg nur Absagen bekam, denn mein Schreibstil war damals noch nicht sonderlich gut. Seither hat sich aber einiges getan. Das Manuskript und die gesamte Geschichte haben sich weiter entwickelt und meine Schreibe ist eine völlig andere.
: Der Acabus Verlag ist offen für Belletristik neuer Autoren. Das Verlagsteam hat sich dazu entschlossen, die »Eiswolf-Saga« zu veröffentlichen. Was waren aus deiner Sicht die Beweggründe dazu und wie schätzt du die Zusammenarbeit mit dem Verlag ein?
Holger Weinbach: Dass ich am Ende beim Acabus Verlag veröffentlicht habe, ist eine interessante Geschichte. Zumal der Verlag zu einem Zeitpunkt auf mich zukam, da ich ohnehin für eine neue Verlagssuche bereit war. Und Acabus war auf der Suche nach Autoren. Natürlich war ich zunächst skeptisch, denn Verlage, die auf Autoren zukommen, sind meist Dienstleister und Druckkostenzuschussverlage. Mit diesen schwarzen Schafen der Branche habe ich auch schon Bekanntschaft schließen dürfen. Der Acabus Verlag stellte sich aber als seriös heraus und so kam es zu einer Zusammenarbeit, die ich oft als sehr konstruktiv betrachte. Sicherlich ist die Zusammenarbeit mit einem kleinen Verlag eine andere als mit einem großen Publikumsverlag, denn die Mittel sind sehr begrenzt. Das schließt vor allem das Budget für die PR etc. ein. Doch darin liegt auch in gewisser Weise der Reiz der Sache. Ich habe meinem Verleger zu Beginn unserer Zusammenarbeit das Ziel bzw. die Chance einmal so definiert: Gemeinsam groß werden. Sowohl ich als Autor wie auch der Verlag. Und daran glaube ich nach wie vor.
: Detailreichtum und exakte Formulierungen sind wichtige Aspekte eines historischen Romans, damit sich der Leser die Zeit, in welcher sich die Storyline bewegt, bildlich vorstellen kann. Dazu sind umfangreiche Recherchen notwendig. Welche Mittel nutzt du für deine Recherchen?
Holger Weinbach: Die schnellste und komfortabelste Form der Recherche bietet das Internet mit Wikipedia & Co. Doch die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen. Meist greife ich doch zur Fachliteratur, um aus einer sicheren Quelle Informationen zu bekommen. Und die reicht bei mir von Fachzeitschriften bis hin zum großen, mehrbändigen Lexikon des Mittelalters. Aber die liebste Form der Recherche findet noch immer vor Ort statt. 2008 war ich in Schweden auf der Insel Björkö, um dort Informationen und Eindrücke zu Birka zu sammeln. Ein Besuch, der sich gelohnt hat. Dennoch lasse ich meine Manuskripte von Fachleuten und einem Historiker noch einmal prüfen, damit die eingeschlichenen Fehler korrigiert werden können. Das ist vor allem bei den politischen Wirren jener Zeit wichtig, aber auch für das alltägliche Leben im Mittelalter.

: Bisher sind die ersten zwei Teile der »Eiswolf-Saga« erschienen. Was kannst du deinen Lesern verraten, wie es mit Faolán (Rogar) weitergehen wird?
Holger Weinbach: Zumindest so viel, dass es weiter geht, und zwar für vier geplante Bände. Aber mehr kann ich wirklich nicht sagen, außer dem Offensichtlichen. Faolán wird in den Norden gebracht, womit das Setting des dritten Bandes hauptsächlich Birka und Umgebung sein wird. Aber natürlich werden die anderen Charaktere nicht vergessen. Svea, Konrad, Brandolf, Drogo und Rurik werden ebenso zu Wort kommen wie Degenar, Walram, Ivo und Ering, Faoláns unscheinbarster Freund.
: Stell dir vor, dass du einen Wunsch freihättest. Welcher wäre dies?
Holger Weinbach: Wie, nur ein Wunsch wird mir gewährt? Jede halbwegs anständige Fee kommt ja mit den üblichen drei Wünschen daher … Naja. Nur einen Wunsch zu haben ist natürlich knifflig. Wäre es ein persönlicher Wunsch oder ein kollektiver? Ich würde mich wahrscheinlich für den kollektiven entscheiden. Doch ich glaube, der müsste sehr ausgeklügelt und detailliert formuliert sein, wie beispielsweise: Ich wünsche mir … dass alles gut ist! Oder so ähnlich. Würde das funktionieren? Ich bin mir da nicht ganz sicher …
: Besten Dank für dieses Interview, Holger. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei der Fortsetzung der »Eiswolf-Saga« und eine große Fangemeinde deiner Stories.
Holger Weinbach: Vielen Dank und weiterhin viel Spaß mit der Eiswolf-Saga.
Das Interview führte Wolfgang Brandt per E-Mail.
Bilder: www.holger-weinbach.de

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