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Ingo Blisse: Hallo zusammen. Was soll ich denn groß über mich erzählen? Vielleicht, dass ich als gebürtiger Berliner inzwischen in meiner neuen Lieblingsstadt Köln heimisch geworden bin und hier meinen Stützpunkt gefunden habe, um den Rest der Welt unaufgefordert mit bösartiger Literatur zu bombardieren. Oder dass ich es in einundvierzig Jahren noch immer nicht geschafft habe, kurz etwas über mich zu erzählen…? Es ist schwierig, einfach etwas über sich selbst zu sagen. Fragt mich doch lieber.
Ingo Blisse: Im Nachhinein betrachtet war das Interesse bei mir schon immer vorhanden, begonnen mit der Pubertät, als ich meinen Angebeteten eher Liebesbriefe schrieb, als ihnen persönlich etwas über die tiefgehenden Gefühle eines Halbwüchsigen zu beichten. Wahrscheinlich war der Grund hierfür, dass ich so nicht von Angesicht zu Angesicht rot werden konnte.
Ingo Blisse: Die Grundidee zu „Das Testament“ geisterte schon lange durch meinen Kopf. Es fehlte allerdings eine glaubhafte Hintergrundgeschichte. In einem abendlichen Gespräch in einem griechischen Café lieferte mir ein Einheimischer genau diesen Hintergrund, als er über die Besetzung Kretas durch die deutschen Truppen im 2. Weltkrieg berichtete. Es war wie der fehlende Deckel zu dem in meinem Gehirn befindlichen Topf.
Ingo Blisse: Die Grundidee bekam ich, nachdem ich den Trailer für eine neue Realityshow gesehen habe, die noch härter und schonungsloser sein sollte, als alles zuvor. Ich fragte mich, was noch kommen kann.
Ingo Blisse: Die Zukunft hat bereits begonnen. Wenn man einige Tage durch die Fernsehsender zappt, kann man problemlos feststellen, wie die Formate die Grenzen der Perversität immer weiter verschieben. Dies soll allerdings kein Vorwurf sein, denn sie bedienen lediglich die Gelüste von uns Zuschauern. Unser Voyeurismus ist die Antriebsfeder der Fernsehmacher.
Ingo Blisse: Kein Autor ist wirklich neutral. Allerdings halte ich nichts davon, dem Leser eine Meinung aufzudrängen. Es ist wesentlich eleganter, neutral zu erzählen und durch die Vorkommnisse im Plot zum Nachdenken anzuregen oder die Meinung unterschwellig zu beeinflussen. Ich habe oft das Gefühl, dass manche Autoren ihre Leser für dumm verkaufen – und das halte ich für einen riesigen Fehler. Der Respekt vor dem Leser und dessen Fähigkeiten sollte über allem stehen.
Ingo Blisse: Das Problem war weniger die Begeisterung, sondern der momentane literarische Trend. Leider besitze ich keinen skandinavischen Namen und schreibe weder Sachbücher noch seichte Ruhrpottkomödien mit Selbsterkenntnisfaktor. Diese verkaufen sich zurzeit am besten und es handelt sich bei Verlagen nun einmal um Wirtschaftsunternehmen.
Ingo Blisse: Tag, Nacht, bei Musik und bei Ruhe – ich schreibe immer, auch wenn neben mir eine 747 startet und hinter meinem Rücken ein Rudel Wölfe lauert.
Ingo Blisse: Meine Storys entwickeln sich im Laufe des Schreibens von allein. So beeinflusst mich das, was ich am Nebentisch eines Cafés höre, in der Bahn aufschnappe oder was mir plötzlich in den Kopf kommt. Ich finde es spannend, zu Beginn eines Manuskriptes keine genaue Vorstellung von dem zu haben, was mich erwartet. Es gibt eine Theorie, die besagt, dass man ruhig ein kleines, grünes Männchen in seine Story einbauen soll, wenn einem danach ist. Komischerweise wird genau diese Person dann im Laufe des Romans einige wichtige Rolle einnehmen. Seltsam, aber das funktioniert wirklich – und wenn nicht, dann kann man das Männchen ja wieder herausstreichen.
Ingo Blisse: Wie ein Besessener! Ich schreibe gerade an dem Manuskript über einen CIA-Informanten, der über Jahre untergetaucht war und dessen Leben durch den Geheimdienst zerstört wurde. Es hat Jahre gebraucht, bis ich den Protagonisten dieser authentischen Geschichte finden konnte. Seine Story ist wirklich unglaublich aufregend, aber auch deprimierend. Ich habe das Gefühl, dass ich ein Leben lang auf diese Geschichte gewartet habe. Oder die Geschichte auf mich.
Ingo Blisse: Natürlich versuche ich, Kritik als konstruktive Verbesserungsmöglichkeit zu sehen. Das ist, wie Du schon sagst, nicht immer ganz einfach. Wenig fundierte Kritik versuche ich zu ignorieren, so weit es möglich ist. Am einfachsten ist es allerdings bei meinem letzten Buch „Im Land der Angst“. Ich habe in keinem der Medien bisher eine negative Rezension entdeckt, obwohl es zahlreiche davon gibt – und mit einer solchen Beurteilung kann ich phantastisch umgehen.
Ingo Blisse: Ich denke, dass die Buchpreisbindung kein unbedingtes Muss ist. Warum sollten Bücher eine Ausnahmestellung in der Wirtschaft darstellen? Und diese Bindung wird ohnehin in jeglicher Form umgangen, auch hierzulande. Warum also sollte man nicht gleich die Buchpreisbindung aufheben, denn ein gesunder Wettbewerb kann dem Geschäft bestimmt nur zuträglich sein – auch wenn die Bezüge für Autoren dadurch fallen könnten.
Ingo Blisse: Zurzeit wühle ich mich durch Berge von Sachbüchern über Geheimdienste, speziell über die CIA. Dies dient der Recherche für mein derzeitiges Projekt, ist aber ohnehin spannend und aufregend.
Ingo Blisse: „Und die Eselin sah den Engel“ von Nick Cave, „Der Minus Mann“ von Heinz Sobota, „Tatort L.A.“ von James Ellroy und „Im Land der Angst“ von Ingo Blisse. Das waren vier, nicht wahr? Irgendein Buch hat sich da wohl mit reingeschmuggelt…
Ingo Blisse: Neben dem Schreiben und meiner Familie bin ich leidenschaftlicher Passiv-Fußballer mit allem, was dazu gehört: Jubel, Schimpfen und Haare raufen. Das passt nicht in das herkömmliche Bild eines Schriftstellers? Stimmt, macht aber unglaublich viel Spaß!
Ingo Blisse: 1974 vielleicht? Nein, da war ich noch zu jung. Oder 1990? Auch nicht, da wurden wir zwar ebenfalls Fußballweltmeister, aber ich begann gerade erst meine Autorentätigkeit. Also wird es wohl 2008 – da erscheint mein neues Buch und die deutsche Nationalmannschaft gewinnt die Europameisterschaft.
Ingo Blisse: Da muss ich einen Moment überlegen. Wenn es um mich persönlich geht, so habe ich Ziele, keine Wünsche. Wenn aber nun die gute Fee mit ihrem Zauberstab kommt und ich ihr antworten muss, dann würde ich mir genau dieses Glück, diese Gesundheit, ein langes Leben und viel Geld wünschen. Das sollte aber nicht nur für mich zutreffen, sondern auch auf alle anderen
Ingo Blisse: Gern geschehen. Es hat viel Spaß gemacht. |
Trailer zum Buch
"Im Land der Angst"
von Ingo Blisse
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