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Was die erste Frage angeht, im Interview mit dem Geisterspiegel, mit der Anke, hast Du gesagt ein eisernes Prinzip von Dir sei, dass Du nur schreibst, was Dir Spaß macht. Sieht man sich heute das Angebot der Buchmesse an, also gerade der jetzigen, wirkt eine solche Aussage doch sehr heroisch, zu sagen, also, ich schreibe wirklich nur das, was Spaß macht. Wie erklärst Du Dir denn Deinen Erfolg, da Bestseller doch irgendwie ähnliche Themen unterliegen? Wenn man sich jetzt ansieht Sakrileg mit Verschwörungsthrillern, gibt es doch einige, jaa ähm, wo sozusagen letztendlich doch dann ein gewisser Bedarf gedeckt wird um dann zu sagen, ja also ich schreibe nur das, was mir Spaß macht.
Wolfgang Hohlbein:
Vielleicht habe ich das Glück, dass das, was mir Spaß macht, manchmal im Trend liegt und offensichtlich anderen Leuten auch gefällt, wenn das jetzt so eine kleine Anspielung auf das Paulus Evangelium gewesen sein soll, dann kann ich das gerne erklären, die Idee dazu, die hatte ich schon vor, keine Ahnung, 10 Jahren, bin damit auch rumgelaufen wie Sauerbier und alle haben gesagt, wen interessieren denn Kirchenthriller und nach dem Erfolg von Dan Brown und ähnlichen konnte ich mir dann die Verleger aussuchen, sozusagen.
Aber ich habe es nicht jetzt nur geschrieben weil ich gesagt habe, jetzt schreibe ich auch mal einen Kirchenthriller, das ist was anderes.
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Dann eine Frage: Am 2.11. erscheint Dein neuer Roman „Unheil“. Es ist nicht der erste Vampirroman von Dir, mit der „Chronik der Unsterblichen“ hast Du ein, ja Dir selber ein hohes Maß gesetzt und dich auch seitens des Lesers eines gewissen Erwartungsdrucks ausgesetzt. Worin liegt der besondere Reiz nun für den Leser, gerade wieder einen Vampirroman von Wolfgang Hohlbein zu lesen und worin lag für dich selber der Reiz diesen zu schreiben, also wieder einen Vampirroman zu schreiben?
Wolfgang Hohlbein: Also er ist wirklich, vollkommen anders als die „Chronik der Unsterblichen“. Die Chronik ist ja mehr eine Mischung aus historischem Roman und von Fantasy, während Bücher wie „Unheil“ oder vorher auch „Dunkel“ und andere, die ich in der Art geschrieben habe, ganz moderne Romane sind, das heißt, die in der Gegenwart und auch in unserer Realität spielen und so einen leichten unheimlichen Einschlag eigentlich haben, und ich habe ja nicht umsonst früher immer gesagt, dass ich Vampire eigentlich nicht leiden kann. Das stimmt auch heute noch, also was ich nicht mag ist die so die klassische Figur des Vampirs, der also mit spitzen Zähnen rumläuft, sich nachts in eine Fledermaus verwandelt. Bei mir sind sie doch, ohne jetzt zu viel verraten zu wollen, ich glaube ich hab schon so eine eigene Art von Vampiren nen bißchen kreiert, mit der ich mich auch mehr identifizieren kann und von der ich, wenn es sie denn geben würde, auch tatsächlich auch mehr Angst hätte, als vor dem klassischen Dracula, der nachts durch mein Schlafzimmerfenster flattert.
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Sozusagen der klassische Dracula ist ein bißchen, ja wie soll ich sagen, zu stereotyp geworden.
Wolfgang Hohlbein: Da bin ich gar nicht mal sicher, ich denke mal Bram Stoker würde sich im Grab umdrehen, wenn er sehen würde, was heute unter dem Namen Darcula so alles verkauft wird. Ich glaube, dass es ganz im Gegenteil einen Schritt zurück in die Richtung dieses Archetypus geht. Das ist ja sicherlich kein Zufall, dass es so Wesen wie Vampire oder äh Wechselbälger usw., dass es die in allen Kulturen der Welt gibt, wenn man genau hinguckt. Das ist schon ne Urangst von uns Menschen, ausgesaugt zu werden, dass man uns etwas stiehlt, die Lebenskraft ist auch ein starkes erotisches Motiv dabei. Zumindest im Originalmythos. Ich habe mich eben ganz bewußt versucht dem Bild wieder ein bißchen anzunähern und kommen wir noch mal auf die „Chronik der Unsterblichen“ zurück, jetzt hätte ich beinahe Vampire gesagt (lach), da ist es ja durchaus so, dass es da ein-zwei gibt, die, die diesen Scherz mit dem Blutaussaugen und so betreiben aber ganz bewußt, sind das dann sozusagen die, die aus der Art schlagen. Die Perversen, die Verrückten unter den Vampiren.
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Ist gerade das neue Buch „Unheil“ vor dem Erscheinen, gerade auch im Zusammenhang mit dem Hörbuch als Bestseller beworben worden. Sehr stark und also auch sehr dezidiert, birgt diese besondere Strategie der Werbung nicht, ja eine gewisse Gefahr, dass dann der Leser zu hohe Erwartungen an den neuen Wolfgang Hohlbein setzt oder stellt?
Wolfgang Hohlbein:
Ja, das kann ich nicht beantworten, das müßte man einen Leser fragen. Also ich denke schon, soweit ich das beurteilen kann, dass es sicherlich eins meiner besten Bücher ist, das ich auch mit sehr großem Spaß geschrieben habe und wie es dann letztendlich beim Leser ankommt, das müssen wir einfach abwarten. Bestseller können auch nicht durch Werbung gemacht werden. Natürlich wird auch ein Verlag nicht sagen, „das ist irgend so ein komisches Buch vom Hohlbein, überlegt Euch mal ob ihr es Euch kauft oder laßt es von mir aus auch“. Das kann man wirklich nicht erwarten. Aber es gibt ja genug Beispiele dafür, dass Verlage auch mit viel viel mehr Power und auch Geld dahinter, versucht haben Bestseller zu machen. Das hat in den seltensten Fällen geklappt. Manchmal funktioniert es tatsächlich, aber ich würde sagen in 90% der Fälle, mindestens, geht das schief. Und ich bin auch ganz gespannt, was jetzt passieren wird. Die wenigen Leute, die es bisher gelesen haben, sind ganz angetan davon. Mehr kann ich nicht sagen. Da muß ich jetzt wirklich dem Leser die Entscheidung überlassen.
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Hoffen wir dann auch, dass der Leser dies dann auch so tut.
Zur nächsten Frage, vor diesem Hintergrund: „welches Buch war Dein größter Mißerfolg und bei welchem hat diese Strategie der Werbung am besten, Deiner Meinung nach, funktioniert, von den Büchern….?“
Wolfgang Hohlbein: Also mein größter Mißerfolg war ein Krimi, den ich irgendwann Ende der 80er Jahre geschrieben habe. Ich habe also auch schon bewiesen, dass ich keine Krimis schreiben kann. Ich meine jetzt die klassischen Krimis, die Detektivgeschichten. Ist auch gut so, das Buch hat es auch wirklich nicht verdient gehabt. Man muß auch mal was experimentieren, ich habe aber auch beim Schreiben schon gemerkt, dass mir auch das Thema nicht so liegt; also eben der klassische Krimi. Strategie funktioniert kann ich nicht sagen, also was ein sehr sehr großer Erfolg war, gerade hier bei Ueberreuter war vor zwei Jahren „Anders“. Diese vierteilige Reihe, was im Grunde nur e i n Roman ist, aber 1600 und ein paar Seiten, ging eben nicht unter äh zwischen zwei Buchdeckel. Da hat der Verlag viel getan, aber ich glaube beinah, der wäre auch ohne die große Werbung ganz gut angekommen, weil er eben auch mal, tschuldige das Wortspiel, auch anders ist, als die meisten anderen. Und er hat sicherlich wie manche Bücher auch mal wieder einen Nerv getroffen und hat ein Thema angesprochen, dass gerade in dem Moment aktuell war, wobei das wirklich Zufall ist. Man hat ja doch mindestens nen Vorlauf von einem halben, dreiviertel Jahr, meistens sogar ein ganzes Jahr und kann nicht sagen, oh ich glaube nächstes Jahr im Herbst werden Genexperimente und Umwelt ein Thema sein, das war genau eine Punktlandung auf dieses Thema. Da habe ich schlicht und einfach Glück gehabt. Oder der Verlag hat sich auch angestrengt, das muß man auch sagen.
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Jetzt noch ein vollkommener Themenumschwung. Und zwar, du sagst immer, dass „Hagen von Tronje“ Dein Lieblingsbuch sei, aber warum gerade dieses besondere. Das würde mich jetzt interessieren?
Wolfgang Hohlbein: Äh aus verschiedenen Gründen. Zum einen hats mir wirklich beim Schreiben den größten Spaß gemacht und zwar aus auch dass wieder, aus verschiedenen Gründen, ich habe mich dem Thema mal ganz bewußt von einem anderen Blickpunkt aus genähert und nicht Siegfried, der strahlende Held, bla bla, das ist sowieso alles Unsinn, sondern mir einen vermeintlichen Bösewicht als Helden aufgebaut und während ich recherchiert habe und also einiges an Literatur gelesen, hab natürlich auch das Original Nibelungenlied, wir waren auch in Worms und was alles so dazu gehört, glaube ich mittlerweile, dass ich eigentlich wieder ein bißchen zurück zum Thema gegangen bin. Weil, also Siegfried als unbesiegbarer Held mit Drachenhaut, da tue ich mich leicht damit den starken Max zu machen, wenn mir nix passieren kann und wenn man genau hinguckt, ist Hagen, der vermeintliche Bösewicht, eigentlich nichts anderes, als jemand der einfach treu zu seinem Wort steht. Da ist sicherlich, Stichwort „Nibelungentreue“ blabla, da ist wahrscheinlich in der Generation vor uns ein bißchen Schaden angerichtet worden. Also jetzt geht das ja wieder, aber vor dreißig Jahren hätte ich wahrscheinlich keinen Nibelungen Roman schreiben können ohne gleich so in die Neonaziecke gerückt zu werden. Gott sei Dank ist das vorbei. Ja und das andere ist, äh, ich halte es auch für eines meiner besten Bücher also auch vom Schreiben her und es hat mir auch Spaß gemacht genau den umgekehrten Weg zu gehen, eben mal nicht zu sagen, jetzt mache ich eine Fantasygeschichte, sondern jetzt versuche ich aus einem Mythos mit Drachen Zauberern und Zwergen alles was dazugehört, ich versuch die mal so zu erzählen, wie sie hätte passieren können, denn diese Nibelungengeschichte hätte sich ja wirklich so abspielen können.
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Und noch zu dem Thema „Hagen von Tronje“ eine letzte Frage. Stell Dir vor „Hagen von Tronje“ wird verfilmt. Wer sollte die Rollen des Hagen und des Siegfried spielen, einerseits und in welcher Rolle würdest Du Dich selbst sehen?
Wolfgang Hohlbein: Ja, ich sagte ja gerade, es kommen wenig Zwerge drin vor. Aber vielleicht kann ich ja den Alberich spielen (lach) Äh, nein so als kleiner Gag, wenn wirklich irgendwann mal etwas verfilmt würde, würde ich ganz gerne so eine kleine Nebenrolle spielen, wie ja viele Kollegen das machen. Stephen King zum Beispiel, der mal am Geldautomaten zu sehen ist.
Ich kann die Frage nach den Schauspielern nicht beantworten, weil leider Gottes, so meine Lieblingsschauspieler, mittlerweile entweder so langsam wegsterben oder auch zu alt werden. Also natürlich würde ich jemanden wie Sean Connery als Hagen sehen, klar, ist aber völlig illusorisch, den werden wir nicht kriegen, und beim Siegfried ist es schwierig, weil er ist zwar einerseits kein, bei mir jetzt nicht der Sympathieträger, der strahlende Held, aber sollte auch kein kleiner Giftzwerg sein, also vor zehn Jahren hätte ich gesagt, ähähäh, wie heißt dieser schwedische Schauspieler, ähm, Paul Blumquin, so etwas in der Richtung, aber auch der ist mittlerweile eigentlich zu alt dafür. Da sehe ich schon so jemanden zwischen zwanzig und dreißig, der auch eine gewisse Ausstrahlung hat. Ich laß mich mal überraschen. Gespräche gibt es immer wieder, im Moment führen wir gerade wieder eins, aber das ist schon so oft schiefgegangen, dass ich es in dem Moment laut rum erzähle, wenn ich die erste Schnittfassung zuhause liegen habe. (lach)
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Dann drücken wir die Daumen, dass es funktioniert. Wäre sehr schön. Dann danke ich ganz herzlich Dir für das Gespräch und dann noch eine schöne Buchmesse, wünsche ich.
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