: Zusammen mit Manowar entstand seit geraumer Zeit die »Asgard Saga«, ein Projekt, welches literarische und musikalische Grenzen sprengt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Wer hatte die Idee für dieses Projekt?
Wolfgang Hohlbein: Nachdem mich der Musikjournalist Ralf Buxa zu einem MAONWAR Konzert mitgenommen hatte, sprang sofort der Funken zwischen mir und dem Bandleader Joey DeMaio über. Wir hatten spontan die Idee, das ich etwas zu einem bestehenden Projekt schreiben könnte – und verwarfen diese Idee genauso schnell wieder. Der Grund war ganz simpel: Wir wollten mehr. Da wir zu dem Zeitpunkt gerade beide an der Umsetzung von Themen arbeiteten, die mit der nordischen Götterwelt verknüpft waren, lag die Themenwahl nahe.
: Wolfgang, du bist bekennender Fan von Manowar. Was begeistert dich an ihnen? Sind es vorwiegend ihre Texte, die sich auf mehreren Alben mit der nordischen Mythologie, wie z.B. bei »Goods of War« auseinandersetzen?
Wolfgang Hohlbein: Die Antwort ist eigentlich ganz profan: Es ist in erster Linie die Musik, die mich begeistert. Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der Bands wie Deep Purple, AC/DC und Black Sabbath das anstießen, was man heute als Metal kennt. Die Kraft dieser Musik hat mich von Anfang an begeistert. Bei MANOWAR stimmte für mich darüber hinaus die Gesamtmischung: Kraft und Drama, Themen, die auch Richard Wagner musikalisch umgesetzt hatte – der eine Inspirationsquelle für die Band ist – und dann auch noch der Hintergrund der nordischen Götterwelt. Und nicht zu vergessen: Bei ihren Konzerten beweist sich MANOWAR als fantastische Live Band.
: Im Juli 2009 war die musikalische Premiere der »Asgard Saga«, der Geisterspiegel berichtete über diesen Event. Du warst dabei, konntest diesen musikalischen Leckerbissen live miterleben. Inwieweit hat dich dieses Erlebnis für den Roman »Thor« noch inspirieren können?
Wolfgang Hohlbein: Auf dem Magic Circle Festival hatte die EP »Thunder in the sky« Premiere, die kurz zuvor produziert wurde. Zu jedem der Songs habe ich hier eine sehr kurze Geschichte dazugesteuert, die von meinem Roman wie auch der Musik inspiriert wurde. Inspiriert hat mich auf dem Festival vor allem der starke Auftritt der Band – und meine zweisprachig abgehaltene Lesung vor einem Riesenpublikum, die mir zeigte, wie groß das Interesse an meinen Büchern auch im Ausland ist.
: Welchen Einfluss nahmen Manowar auf den Verlauf der Geschichte um Thor? Gab es inhaltliche Absprachen, gemeinsame Ideen? Habt ihr euch da in irgendeiner Form abgesprochen? Und umgekehrt, hattest du Einfluss auf die Texte für das Album?
Wolfgang Hohlbein: Die ersten Zeilen habe ich in Englisch bereits auf dem Magic Circle Festival 2008 geschrieben, und Joey DeMaio hat sie während des MANOWAR Konzerts vor einem mehrere zehntausend Köpfe zählenden Publikum vorgetragen. Wir haben uns auch danach immer wieder gegenseitig auf unterschiedliche Weise inspiriert, aber während der jeweiligen Schaffungsphasen nicht im Kochtopf des anderen herumgerührt.
: Dem Album liegt ein Booklet mit Kurzgeschichten bei, die auf die Songtexte abgestimmt sind. Inwieweit sind diese Kurzgeschichten nun auch auf den Roman abgestimmt?
Wolfgang Hohlbein: Diese – wirklich sehr kurzen – Kurzgeschichten haben einen roten Faden mit ganz eigenem Ende. Einzelne Textpassagen entstammen dabei dem Roman – oder sind von ihm inspiriert.
: In meiner Rezension schrieb ich, dass mir deine Romane mit mythologischem Hintergrund besonders gut gefallen, weil die Themen eine gänzlich neue Interpretation erfahren. Woher rührt dein Interesse für die Mythologie im Allgemeinen und für eine Figur wie Thor im Besonderen?
Wolfgang Hohlbein: Mythologie macht wohl deshalb in vielen Menschen ein Fenster zur Seele auf, weil sie viel mit unserem Ursprung zu tun hat – und mit den großen Menschheitsfragen, die nach wie vor aktuell sind: Liebe, Hass, Verrat, Treue und so weiter.
: Wie geht es nun mit der »Asgard Saga« weiter? Und wie wird sich die weitere Zusammenarbeit mit Manowar gestalten?
Wolfgang Hohlbein: Es bleibt spannend. Für Ende 2011 ist der nächste Roman angedacht. Das nächste Asgard Highlight ist für uns das nächste Magic Circle Festival in Slowenien (www.magiccirclefestival.com/de/), das ein Riesenprogramm unter dem Motto abfeiert: Metal meets Fußball-WM-Endspiel. Mein Part wird hier Wahrscheinlichkeit nach in Lesungen etc. bestehen. Wir sind hier gerade in der Planung.
: Auf die »Asgard Saga« haben neben dir und Manowar auch die Fans Einfluss. Die Seite www.asgard-saga.com bietet den Fans eine Anlaufmöglichkeit, sich über die Asgard Saga und darüber hinaus mit dem mythologischen Hintergrund auseinanderzusetzen und auszutauschen. Gab es über diese Internetseite konkrete Vorschläge, Ideen oder Anregungen, die du in den Roman hast einfließen lassen?
Wolfgang Hohlbein: Bislang habe ich diesen Weg noch nicht intensiv genutzt. Wir sind aber gerade dabei, hier über ein Rollenspiel nachzudenken, das von einem Fan und erfahrenen Rollerspielentwickler über www.asgard-saga.com an uns herangetragen wurde.
: Wie wichtig ist dir die Meinung der Leser überhaupt? Gerade auch in der heutigen Zeit, wo der Buchmarkt geradezu überflutet wird mit phantastischer Literatur und die Leser dabei immer kritischer werden.
Wolfgang Hohlbein: Lesermeinung entscheidet. Insofern ist mir die Meinung meiner Leser sehr, sehr wichtig.
: Bei der letzten Frage fällt mir wieder die Leipziger Buchmesse ein, als zum Zeitpunkt deiner Lesung alle Exemplare von »Thor« ausverkauft waren und du aus dem Buch eines Fans gelesen hast, der es dir für die Lesung zur Verfügung stellte. Was ging da in dir vor?
Wolfgang Hohlbein: Es hat mich sehr gefreut, dass THOR auf der Buchmesse so gut angenommen wurde. Für einen Autor gibt es nichts Schöneres.
: Neben der »Asgard-Saga« vermute ich noch einige andere Projekte, die auf deinem Schreibtisch auf eine Vollendung warten. Kannst du uns darüber schon etwas verraten?
Wolfgang Hohlbein: Gerade erschienen ist WIR SIND DIE NACHT bei Heyne. Dieses Buch zu schreiben hat mir einen Riesenspaß gemacht, weil drei heiße Vampir Mädels die Berliner Szene so richtig aufmischen. Der gleichnamige Film kommt im Oktober in die Kinos. Im gleichen Monat wird auch der nächste Band der CHRONIK DER UNSTERBLICHEN erscheinen. Er wird DER SCHWARZE TOD heißen.
: Ich danke dir im Namen des gesamten Teams vom Geisterspiegel und seiner Leser für dieses Interview. Wir wünschen dir für deine kommenden Projekte viel Erfolg und warten natürlich gespannt, wie sich die »Asgard Saga« weiterentwickelt.
Das Interview führte Anke Brandt.