
Interview mit Florian Marzin 
 im Gespräch mit Florian Marzin

Florian F. Marzin ist Autor, Kritiker, Übersetzer und Lektor. Er Studierte von 1973 bis 1982 Komparatistik, Jura und Philosophie an den Universität Frankfurt und Birmingham (GB). 1982 promovierte er mit einer Gattungsstudien über die Phantastische Literatur. Lehrauftrag an der Universität Frankfurt und Lektor in Sapporo/Japan. Dozent für Literatur und Philosophie. Danach Cheflektor der Verlage Zsolnay, Hestia und Moewig. Chefredakteur der Science Fiction Serie Perry Rhodan. Herausgeber eines Bandes über Stanislaw Lem und Marion Zimmer Bradley. Autor einer Studie zu den Romanen Gustav Meyrinks. Daneben eine Reihe von wissenschaftlichen Artikeln zur Phantastik und Science Fiction in in- und ausländischen Fachzeitschriften. Beiträge zum phantastischen und Science Fiction Film. Zahlreiche Vorträge über Schriftsteller (u. a. Goethe, Heine, Thomas Mann), hellenistische Philosophie und bildende Kunst.
Seit 2005 ist Florian Marzin Lektor beim Bastei-Verlag in Bergisch-Gladbach, wo er u. a. für die Jerry-Cotton-Serie zuständig ist.

: Warum wurde die Leserseite in der „Jerry Cotton“ Heftroman-1. Auflage abgeschafft?
Florian Marzin: In den letzten Jahren hat die Kommunikation via Internet und Foren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dementsprechend haben auch die Zuschriften an die Redaktion nachgelassen. Deshalb wurde die Leserseite abgeschafft. Die Freunde von Jerry Cotton können sich über die Foren auf Bastei.de wesentlich direkter und zeitnaher austauschen. Bei einer gedruckten Leserseite lässt es sich nicht vermeiden, dass die Beiträge immer ca. 12 Wochen alt und dadurch manchmal schon überholt sind. Ich denke, mit der jetzt bestehenden Lösung ist allen gedient.
: Wird es wieder Mehrteiler in der Cotton Serie geben? Wenn ja: wann konkret? Wieso gab es seit Mai 2005 keinen weiteren Mehrteiler mehr? Zuvor gab es in regelmäßigen Abständen Mehrteiler.
Florian Marzin: Ja, es wird in ansehbarer Zeit einen Mehrteiler geben. Dieser wird zurzeit geschrieben – eingeplant ist er noch nicht, um den Autor nicht unter Druck zu setzen. Ein Mehrteiler erfordert immer einen größeren Arbeitsaufwand sowohl des Autors als auch der Redaktion. Aus diesem Grund ist auch seit 2005 kein Mehrteiler erschienen, denn erstens muss man ein Thema haben, das tragfähig ist und zweitens einen Autor, der die nötige Zeit dazu hat. Es ist ja nicht so, dass man ein beliebiges Thema einfach auf der dreifachen Seitenanzahl abhandelt. Ein solches Thema wurde mit Band 2600 entwickelt.
: Warum wird es sich beim Jubiläumsband 2600 nach bisherigen Informationen nicht um einen Mehrteiler handeln?
Florian Marzin: Genau das ist der Punkt. Warum nicht einmal etwas anderes machen? Und genau das habe ich getan. Der 2600 erscheint mit erweitertem Umfang (80 Seiten), also ein wirklicher Jubiläumsband, wie man ihn von früher kennt, als die „runden“ Jerry Cotton-Romane auch eine umfangreichere Ausstattung hatten. Das Besondere an 2600 ist auch, dass darin eine neue Konstellationen auftauchen und der Grundstein zu einer Handlung gelegt wird, die sich über einen längeren Zeitraum hinziehen wird. Aber keine Angst – es werden immer abgeschlossene Einzelromane bleiben.
: Im letzten Interview mit hieß es, man arbeite zurzeit an einem Dauergegenspieler, der sich eine zeitlang in der Serie wird behaupten müssen. Handelt es sich bei dem Gangsterboss „Senior“ um die versprochene Figur?
Florian Marzin: Siehe Anmerkungen zu Band 2600. Der Senior ist ein Teil dieser neuen Konstellation.
: Der „Senior“ erhielt in der Serie bisher ein paar Auftritte in verhältnismäßig großen Abständen. Werden die Abstände, in denen er auftritt, zukünftig geringer?
Florian Marzin: Da der Senior ein Teil dieser neuen Konstellation ist, wird er solange auftauchen, bis Jerry und Phil ihn zur Strecke bringen.
: Wann wird es den nächsten Roman mit dem „Senior“ geben? Wird dessen Hintergrund näher beleuchtet?
Florian Marzin: Der Hintergrund des Senior wird offen gelegt in dem Rahmen, wie Jerry und Phil die Machenschaften der neuen Gruppe aufdecken.
: Wieso wurden die Untertitel auf den Covers der Heftromane abgeschafft?
Florian Marzin: Titel und Untertitel waren manchmal so umfangreich, dass kaum noch etwas vom Bild übrig blieb, deshalb haben wir uns gegen Untertitel entschieden. Sie sind meist auch nicht wirklich notwendig oder hilfreich. Das geht einher mit der Entscheidung für eine mehr klassische Titelbildgestaltung und dem Verzicht auf Collagen, bei denen immer die Gefahr bestand, den eigentlichen Bildinhalt zu verwischen.
: Bekommt June Clark nach dem Tod ihrer Dienstpartnerin Annie Geraldo eine neue Partnerin oder wird sie weiterhin nur allein ermitteln? Wird sie zukünftig verstärkt mit Jerry Cotton und Phil Decker zusammenarbeiten oder zu Sarah Hunter wechseln?
Florian Marzin: June Clark wird eine/n neue/n Partner/in bekommen. Dass dies noch nicht geschehen ist liegt an Versäumnissen in der Vergangenheit. Man hatte wohl beschlossen (das ist für mich nicht mehr nachzuvollziehen, da ich damals noch nicht im Verlag war) Annie Geraldo sterben zu lassen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie bzw. durch wen man sie ersetzen will. Da ich bei der Einführung einer neuen Figur nichts übers Knie brechen will, ist eine Entscheidung in Bezug auf June noch nicht gefallen. Eine neue Figur sollte durchdacht und stimmig sein und einen eigenen Charakter, siehe Edward G. Homer, aufweisen und nicht einfach mal so eingeführt werden, ohne dass man sich Gedanken darüber gemacht hat – auch nicht, wenn viele Leser es wünschen. Wie sagt man so schön: Gut Ding will Weile haben.
: Wenn man sich die Cotton-Serie in der Vergangenheit ansieht, bekamen die G-men ständig neue Ermittler zur Seite gestellt, wenn ein anderer ausfiel oder verstarb. Wieso wurde dieses Problem in der Zwischenzeit nicht näher behandelt? Warum wurde in den Romanen kaum erwähnt, ob und wenn ja, wie June Clark um Annie Geraldo trauerte?
Florian Marzin: Will man wirklich in jedem zweiten Absatz lesen wie June, Jerry, Phil, Mr High und alle anderen Agents über den Tod von Annie trauern? Es ist klar, dass Annie bei allen eine Lücke hinterlassen hat und dass ihre Kollegen sie immer in Erinnerung behalten werden, aber den Verantwortlichen für ihren Tod hat sein Schicksal ereilt. So ist nun mal das Leben und inzwischen ist in der Welt von Jerry und Phil auch schon einige Zeit vergangen.
: Wieso werden neuerdings sowohl für Heftroman als auch für Taschenbuch Film-Covers verwendet? Die Vergangenheit zeigte, dass die Covers der ausländischen Agenturen bzw. Fotokünstler wie Johnny Cris, José Del Nido, Richard Canntown usw. bei den Lesern äußerst beliebt waren.
Florian Marzin: Siehe oben (Frage Untertitel).
: Warum werden für die 2. Auflage neue Covers verwendet? Wieso zum Teil Teile der Titel weggelassen (z. B. statt „GAME OVER – Das Spiel ist aus“ heißt es auf dem Cover der 2. Auflage von Band 2161 schlicht „Game Over“)? Wieso die Untertitel auf den Covers der 2. Auflage ganz weggelassen, anders als im Original?
Florian Marzin: Im Rahmen der oben beschriebenen Titelbildgestaltung sollen die Hefte aller Auflagen in einer gleichen Aufmachung erscheinen, deshalb fallen in der 2. Auflage die Untertitel weg. GAME OVER war eine Ausnahme. In diesem Fall erschien mir der Titel prägnant genug und der Zusatz ist eigentlich überflüssig.
: Auf einer Leserkontaktseite zur Zeit Peter Thannischs antwortete man auf eine Leser-Anfrage, man gestalte die Titel der Romane bewusst reißerisch und verwende deshalb zusätzlich die Wörter „Ich“ und „Wir“ im Titel, um so neue Käufer anzulocken. Wieso werden seit über einem Jahr keine „Ich“ und „Wir“ Titel mehr verwendet?
Florian Marzin: Ich halte die Verwendung von „Ich“ und „Wir“ im Titel nicht für geeignet einen „reißerischen“ Effekt zu erzielen. Sie sind eher ein Relikt aus der Frühzeit von Jerry Cotton und unser Held hat sich in den 50 Jahren auch weiter entwickelt.
: Wie erklärt sich die hohe Anzahl an Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehlern in den Jerry Cotton Classic-Romanen und dass offensichtliche Fehler wie „Ich wartete noch eine halbe Stunde und fuhr nach der 79sten Straße“ (Roman 45: „Blutige Dollars“) oder „In Brooklyn blüht der Galgenbau“ (Cover von Band 13: „In Brooklyn blüht der Galgenbaum“)?
Florian Marzin: Die Häufigkeit der Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler geht auf ein Problem im Produktionsablauf der Classic- Serie zurück. Da dies ein Hausinternes Problem ist, kann ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen. Aber wir haben es inzwischen abgestellt, es kann allerdings noch ein paar Wochen dauern, bis es sich in den Heften bemerkbar macht (Produktionsvorlauf). Die beiden angesprochenen Beispiele fallen aber gerade nicht darunter. Die Autoren der frühen Hefte haben häufig einen etwas anderen – damals durchaus richtigen – Sprachduktus gehabt, so z. B. dass man nach einer Straße fährt statt in.
Der Galgenbaum ist einfach durch die Korrektur gerutscht, weil Fehler, die selbst wieder einen Sinn ergeben, am schwersten zu entdecken sind. Das soll keine Entschuldigung, aber vielleicht eine Erklärung sein.
: Warum wird auf der Rota-Seite der Cotton-Classic Romane nach weit über einem Jahr erscheinen noch immer darauf hingewiesen, es handle sich dabei um eine neue Reihe (zumal Jerry Cotton keine Reihe sondern eine Serie ist)?
Florian Marzin: Das werden wir demnächst ändern.
: Was wird aus dem Cotton-Archiv auf der Bastei-Homepage? Diverse Serien haben auf der ein Archiv, in dem zahlreiche Covers älterer Romanheft-Ausgaben zu begutachten sind, auch die Classic-Serie – und das Cotton-Archiv der Heftroman-1. Auflage bewirbt man mit den Worten „Nutzen Sie auch unser Cotton-Archiv, um sich bereits erschienene Ausgaben anzusehen“, öffnen lässt es sich jedoch nicht. Wird es in absehbarer Zeit wieder zugänglich sein (zumal es, nachdem das Homepage-Design verändert wurde, für kurze Zeit sichtbar war)?
Florian Marzin: Die Betreuung der Bastei Homepage ist momentan nicht optimal – aber auch das ist durch bestimmte Umstände im Verlag bedingt, die sich dem Einfluss der Redaktion entziehen. Sobald sich die Situation geändert hat, wird auch die Jerry Cotton Abteilung der bastei.de wieder umfangreich gepflegt werden.
: Warum werden in der wörtlichen Rede die Begriffe „Mr“ und „Mrs“ ausgeschrieben, obwohl die Lautschrift des ausgeschrieben „Mistress“ „Missis“ lautet und „Mistress“ somit genauso wenig wie „Mrs“ ausgesprochen werde kann?
Florian Marzin: Zuerst einmal: Es gibt kein Missis. Ausgeschrieben steht für die Abkürzung Mrs immer Mistress. In wörtlicher Rede kann man keine Abkürzungen, wie Mr oder Mrs sprechen, genauso wenig wie Versalien oder kursiv. Nun, das ist die Regel, aber da wir inzwischen gemerkt haben, dass sich sowohl die Autoren als auch die Leser anscheinend sehr schwer damit tun, werden wir auf die ursprüngliche Handhabung zurückgehen.
: In der Vorschau zu Band 2550: „Zwölf Stunden Angst“ in den Mittelseiten von Band 2549: „Tödliche Konkurrenz“ wird auf eine neue Figur in der Cotton-Serie hingewiesen, allerdings tauchte im folgenden Band keine neue Figur auf; Edward G. Homer wurde bereits einige Bände zuvor mehrfach erwähnt. Welche Person war damit gemeint?
Florian Marzin: Die Erwähnung eines Namens ist noch nicht die Einführung einer neuen Figur. Edward G. Homer wurde namentlich schon in den Romanen davor genannt, aber als Figur selbst taucht er erst im Band 2550 auf.
: Warum wird in aktuellen Heften kein Bezug mehr zu vorangegangenen Romanen genommen?
Wieso wird, wenn auf einen älteren Roman Bezug genommen wird, auf diesen nicht explizit in Form einer Fußnote hingewiesen (in Heft 2562: „Morde ohne Motiv“ wurde beispielsweise auf Band 2550: „Zwölf Stunden Angst“ hingewiesen, allerdings keine Fußnote gesetzt)?
Florian Marzin: Ich bin ein Gegner von Fußnoten in fiktionalen Texten. Bei Jerry Cotton helfen sie auch wenig, denn bei weit zurück liegenden Heften hat der Leser, wenn er sie nicht in seiner Sammlung hat, wenig Chancen, sie zu bekommen. Ein regelmäßiger Leser wird sich auch ohne Nennung des Heftes an den Fall erinnern.
: Warum wurde die Krimiserie „Chicago“ eingestellt?
Florian Marzin: Weil sie entgegen der Erwartung des Lektorats und der Mühe, die wir hinein gesteckt haben, nicht genügen Leser/Käufer fand.
: Wie kommt es, dass im letzten Band eine Nummer 26 beworben wird?
Florian Marzin: Wir haben lange gewartet, bis wir uns schweren Herzens entschieden, die Serie einzustellen. Zu diesem Zeitpunkt war das Heft 25 – also auch die Vorschau – schon gedruckt.
: Wird es den angekündigten Band 26: „Der falsche Mann“ zum kostenlosen Download auf der Bastei-Homepage geben, wie schon bei anderen eingestellten Serien?
Florian Marzin: Wahrscheinlich nicht, da die Abteilung Chicago schon von der Homepage genommen wurde.
: Wieso wurden die Autoren der Serie nicht namentlich im Heft genannt (Heftromane, die in der Ich-Form geschrieben wurden gab es in der Vergangenheit bereits einige und trotzdem wurde ein Autor genannt)?
Florian Marzin: Es war einfach eine Entscheidung des Lektorats, keine Autoren zu nennen.

Ein älteres Interview mit Florian Marzin, siehe HIER
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