Sie sind hier: Startseite - Background - Interviews - Interview mit den Manticor-Illustratoren Elke Brandt und Maik Schmidt


Interview mit den Manticor-Illustratoren Elke Brandt und Maik Schmidt

im Gespräch mit den Manticor-Illustratoren Elke Brandt und Maik Schmidt

Elke Brandt und Maik Schmidt sind die beiden Künstler, die sich hinter Manticor-Illustrations verbergen. Ihre Bilder kennt jeder, der die Leipziger Buchmesse besucht hat. Die Drachen an der Fantasy-Leseinsel waren nicht zu übersehen. Aber auch Fantasyleser kommen an den beiden Künstlern nicht vorbei, denn sie gestalten viele Cover und haben für verschiedene Rollenspiele illustriert. Auch schmücken ihre Bilder T-Shirts etc. zu Romanen von Christoph Hardebusch, Markus Heitz, Boris Koch und anderen.
Nachdem ich Elke und Maik in Leipzig kennenlernte, wurde dieses Interview einfach notwendig, damit sie unseren Lesern selbst von sich und ihrer Arbeit erzählen können.

: Liebe Elke, lieber Maik, ich freue mich sehr, dass ihr mir für dieses Interview Rede und Antwort steht.
Stellt euch unseren Lesern doch bitte zuerst einmal kurz vor.

Elke: Hallo, ich bin Elke Brandt, Mutter dreier Töchter, Hunde- und Katzenbesitzerin, Leseratte und Kunstliebhaberin.

Maik: Hi, mein Name ist Maik Schmidt. Ich bin Illustrator und Fantasyfan.

: Wie und warum seid ihr Künstler/ Illustratoren geworden?

Elke: Na ja, ich hab immer schon gern gemalt und liebe Bilder sehr. Leider sind die schönen oft unerschwinglich. So beschloss ich eines Tages malen zu lernen, um meine Wände zu schmücken. Am Anfang war das eher ernüchternd, denn meine eigenen Werke waren noch viel schlimmer, als die erschwinglichen »Kunstwerke«. So dekorierte ich meine Wände mit alten »Ölschinken« in tollen Rahmen und lernte mit dem Airbrush und dem Computer umzugehen. Dann kam Maik dazu und schwärmte von Drachen, die ich nur aus den alten Sagen kannte. Er brachte mir die moderne Fantasy-Literatur näher und ich wurde Illustratorin.

Maik: Bei mir ging es so etwa mit 14 Jahren los. Ich las damals die Chroniken der Drachenlanze, für die Larry Elmore die Cover gestaltet hatte. Als ich die Bilder sah, dachte ich nur: Das will ich auch können. Natürlich ist der Weg dahin verdammt lang und mit Sicherheit bis heute noch nicht beendet. Ich habe dann zuerst, genau wie Elke, Desktop Publishing gelernt und machte später noch mein Diplom als Airbrush Designer. Kurze Zeit habe ich auch als Grafiker in einer Werbefirma gearbeitet, habe aber schnell festgestellt, dass das nichts für mich ist. Da ich mich aber immer mit Fantasy Illustrationen beschäftigt hatte, hatte ich ein kleines Portfolio zusammen und begann mir erste Jobs in dieser Richtung zu suchen.

: Und wie wurde aus euch beiden dann Manticor-Illustrations?

Maik: Elke und ich kannten uns ja bereits seid unserer Ausbildung und wussten, dass wir gut zusammenarbeiten. 2003 bekam ich die Möglichkeit, meine Arbeiten auf der Leipziger Buchmesse zu präsentieren, in dem damals noch neuen Fantasy Bereich. Nachdem die erste Messe für uns ein großer Erfolg war, setzten wir uns zusammen und kamen zu dem Schluss, dass wir für eine weitere gemeinsame Arbeit auch eine solide rechtliche Grundlage brauchten. So gründeten wir dann im Folgejahr die Manticor Illustrations GbR.

Elke: Genau so war’s.


Walddrache

: Ihr widmet euch fast ausschließlich phantastischen Motiven. Was reizt euch daran besonders?

Elke: Für mich ist es das Sichtbarmachen fremder Träume. Das hat irgendwie etwas Magisches.

Maik: Für mich ist es ja zuerst so eine Art Jugendtraum. Wir haben nun mal mit Dingen zu tun, die es in unserer Wirklichkeit nicht gibt, die aber dank der Vorstellungskraft der Autoren, Spielentwickler oder unserer eigenen dennoch existieren. Mit den Bildern geben wir fantastischen Wesen ein Stück Realität und machen sie auch für andere wirklicher. Wenn Bilder es schaffen, bei dem Betrachter das Interesse für die Geschichte dahinter zu wecken, oder sogar dazu bringen, sich eine eigene Geschichte »zusammenzuspinnen«, ist das großartig.

: Welches sind eure bevorzugten Motive und warum gerade diese?

Elke: Ich habe gar kein bevorzugtes Motiv. Alles, was mich berührt oder fesselt, kann zu einem Bild werden. Meist schleicht sich beim Lesen etwas hartnäckig in meinen Kopf, und wenn es lange genug dort verweilt oder ein lieber Mensch mich darum bittet, wird es zum Motiv.

Maik: Nun, die meisten, die mich kennen, würden jetzt laut schreien: »Drachen!!!« Aber generell würde ich sagen, dass mich fast alle Themen aus dem fantastischen Bereich reizen. Natürlich gibt es Dinge, bei denen ich mich zeichnerisch einfach nicht so stark fühle, Einhörner wären da so ein Beispiel. Ich kann sie zeichnen, aber Elke gibt ihnen einfach mehr Leben. Wenn ich jedoch eine gute Beschreibung einer Szene erhalte, ist es fast egal, was dargestellt werden soll. Aber gut, mit Drachen kann man mich immer locken … warum … Wahrscheinlich sind Drachen für mich einfach der Inbegriff des Phantastischen. Darstellungen von Drachenformen gibt es seid Tausenden von Jahren und für mich waren sie das Erste, was ich in dem Bereich Fantasy kennengelernt habe.

: Wie sieht bei euch ein ganz normaler Arbeitstag aus?

Elke: Aufstehen, waschen, Rechner anschalten und E-Mails beantworten. Gegen 10.00 Uhr kommt Maik und wir besprechen die anfallenden Arbeiten, Ausstellungen und Projekte beim Kaffee und dann setzt sich jeder an seine Arbeit. Maik zeichnet und ich koloriere. An Kurstagen besprechen wir die Bilder unserer Malschüler und ich sage ihnen, was als Nächstes gemacht werden sollte. Wenn ich glaube, dass sie mich brauchen, bleibe ich neben ihnen sitzen und beobachte und gebe Tipps. Oft setze ich mich aber auch an meine eigenen Arbeiten und lasse sie einfach malen, bis sie Fragen haben. Ich glaube, dass es den meisten hilft, mir beim Arbeiten zuzusehen. Das nimmt die Angst vor der großen weißen Fläche.

Maik: Naja, um ehrlich zu sein, bin ich meist eine Viertelstunde zu spät …


Drachenreiterin Schwarz-weiß

: Wenn ihr Buchcover gestaltet, wie läuft das ab? Arbeitet ihr dann nur nach Vorgaben und hat der Autor ein Mitspracherecht?

Elke: Ich würde am liebsten eng mit den Autoren zusammenarbeiten. Leider ist das nicht so oft möglich, wie ich es mir wünschen würde. Die Verlage lassen den Autoren in Hinblick aufs Cover wenig Spielraum. Wenn mir eine Geschichte gefällt, male ich Bilder dazu und zeige sie auf Messen und Cons. Die Resonanz ist Klasse und tröstet mich über die immer schludriger gestalteten Bücher hinweg. Wenn ich durch Buchhandlungen streife, denke ich oft, dass die Verlage wollen, dass mehr E-Books gelesen werden sollen. Manche Bücher sind so lieblos gemacht, dass ich sie nicht gern mit nach Hause nehmen möchte. Dann tun die Autoren mir immer leid.

Maik: Genaue Vorgaben können sehr hilfreich sein. Wenn ich sehr detaillierte Angaben erhalte, also die Beschreibung der Szene, Format und nach Möglichkeit sogar noch einen Styleguide, brauche ich mich »nur« darauf zu konzentrieren, alles möglichst cool darzustellen. Schön sind natürlich auch die Fälle, in denen man völlig freie Hand hat und nur das Format und ein Thema steht. Wenn man sich als Künstler frei »austoben« kann, kommen meist die besten Ergebnisse zustande. Hart wird es immer dann, wenn nur vage Vorstellungen bestehen, bzw. diese nicht richtig zur Sprache kommen. Meist arbeitet man dann und erhält immer zur Antwort: »Ja, so in etwa, aber kannst du vielleicht noch …«, oder » Ich hatte noch eine völlig andere Idee …« Natürlich sind dies dann auch die Fälle, in denen man auch nach dem 10ten Nachfragen keine Antwort auf den Abgabetermin erhält und dann ganz überraschend alles zwei Tage später fertig sein soll. So etwas macht den Job erstaunlicherweise nicht gerade leichter und kommt viel häufiger vor, als man vielleicht annimmt.

: Welchen Einfluss nehmen Fantasyautoren/ -geschichten überhaupt auf eure Arbeit?

Elke: Ohne sie gäbe es unsere Arbeit gar nicht.

Maik: Oft liest du eine Passage und hast sofort ein Bild dazu parat, oder es inspiriert zu einer völlig neuen Szene. Nett sind dann auch meist Reaktionen der betreffenden Autoren, wenn du Gelegenheit hast, mit ihnen darüber zu sprechen. Wenn es keine Auftragsarbeit ist, sind viele einfach sehr überrascht, dass sie dich zu einem Bild inspiriert haben und du dir die Zeit genommen hast, einfach so eine Illustration zu erstellen, nur weil dir gefallen hat, was du gelesen hast.


Drachenreiterin final

: Seit einigen Monaten arbeitet ihr nun auch digital. Warum habt ihr euch dazu entschieden? Was bedeutet es euch?

Elke: Seit mein Rechner macht, was ich will, und mein Grafiktablett fast so gut wie ein Pinsel ist, erleichtert dies das Illustrieren sehr. Ich muss nicht übers Digitalisieren nachdenken und kann einfach fröhlich vor mich hinmalen. Natürlich fehlen mir dann der Geruch von Farbe und die Bewegung. Auch ist das ewige Leuchten manchmal nicht so toll für die Augen. Na ja, jede Technik hat ihre Vor- und Nachteile.

Maik: Die digitale Maltechnik hat einfach einen enormen zeitlichen Vorteil. Dinge, die wir genauso gut an der Leinwand in einigen Stunden malen könnten, gehen am Rechner in wenigen Minuten. Du kannst auch schneller Dinge einfach mal ausprobieren. Wenn´s dir nicht gefällt, gehst du einfach zur letzten Version zurück. Das ist an der Leinwand natürlich etwas schwieriger.

: Der größte Vorteil bei der Arbeit am Rechner ist …?

Elke: Dass man überall arbeiten kann. Man braucht nur einen Laptop und das Grafiktablett und schon geht’s los.

Maik: Die Geschwindigkeit und das man keinen Qualitätsverlust durch das Digitalisieren hat.

: Und der größte Nachteil?

Elke: Die Bilder sind und bleiben platt. Man kann keine tatsächliche Plastizität am Rechner erzeugen.

Maik: Ein Original auf Leinwand oder Papier hat einfach eine andere Wertigkeit. Es ist etwas, das man tatsächlich in Händen halten kann, und ich persönlich habe dabei auch das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

: Dass euch der Nachwuchs am Herzen liegt, konnte ich während der Buchmesse miterleben. Ihr bietet auch Workshops an. Was müsste ich an Vorkenntnissen zu einem solchen Workshop mitbringen?


Fantasy-Leseinsel, Leipziger Buchmesse 2011

Elke: Gar keine. Ich habe in einer Krabbelgruppe mit den ganz Kleinen gemalt und in der Schule Kinder von der 1. bis zur 7. Klasse ans Malen herangeführt. Wichtig ist eigentlich für mich, dass du weißt, was du sagen möchtest und es mit mir besprichst, dann finden wir gemeinsam auch dein eigenes Bild und lassen es so erscheinen, wie du es magst.

Maik: Da muss ich nicht viel ergänzen. Ich denke, wenn du weißt, wie man einen Bleistift hält, reicht das erstmal an Vorkenntnissen.

: Schafft ihr es auch, in völlig unbegabten Menschen ein gewisses Talent zum Zeichnen zu wecken oder ist Talent eine Grundvoraussetzung, die vorhanden sein sollte?

Elke: Wenn Talent die Lust am Zeichnen ist, braucht sie nicht geweckt zu werden und jemand, der mit Bildern nichts am Hut hat, wird sich nicht mit dem Zeichnen beschäftigen. Aber wenn er gezwungen wäre, etwas aufs Papier zu bringen, könnte ich ihm helfen, es nach allen Regeln der Kunst zu tun, und das würde ihn stolz und in gewisser Weise auch glücklicher machen.

Maik: Prinzipiell kann jeder zeichnen oder malen, wenn er nur den Willen hat, es auszuprobieren. Ich habe in den Workshops, die wir auf Cons ab und an geben, die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die am lautesten schreien: »Ich kann das eh nicht«, mit die besten Ergebnisse erzielen. Die Frage ist, wohin die Reise gehen soll. Möchte man es auf professioneller Basis betreiben, sollte ein gewisses Grundtalent vorhanden sein, aber 80 % sind einfach harte Arbeit und Übung. Natürlich gibt es auch immer wieder Leute, bei denen man sagt, dass sie wirklich überdurchschnittlich talentiert sind. Diesen fallen viele Dinge einfach bedeutend leichter und sie lernen schneller, aber, wie in fast allen Dingen ist die Übung entscheidend.

: Als Künstler hat man immer Träume. Was ist euer größter Traum?

Elke: Ein Atelier mit Blick aufs Meer. Ich würde wohl nichts anderes tun als malen und ab und an ins Wasser springen.

Maik: Das ist für mich gar nicht so einfach … Viele Dinge, die ich an dieser Stelle noch vor einigen Jahren genannt hätte, sind mittlerweile erreicht. Ich bin in dieser Hinsicht wohl etwas pragmatischer als Elke … In erster Linie möchte ich, dass wir einfach weiter gute Arbeit machen, die die Menschen anspricht, und uns darin stetig verbessern. Aber, für ein tolles Fantasyprojekt, sei es nun Romanreihe oder Spielwelt, maßgeblich für die Illustrationen verantwortlich zu sein, wäre wohl so eine Sache. Naja, einmal den Status als Illustrator zu bekommen, wie die Fantasykünstler, die mich beeinflusst haben, gehört wohl auch dazu ;)

: Und wie wird die nahe Zukunft tatsächlich aussehen? Gibt es konkrete Arbeiten, die demnächst auf einem Buch o. ä. zu bestaunen sind?

Elke: Ich kümmere mich im Moment um Fabiennes Einhörner und zusammen geben wir dem »Riesen von Buer« eine Gestalt. Die Einhörner werden eine Anthologie schmücken und der Riese wird in Gelsenkirchen in einem kleinen Museum zu bestaunen sein. Dann arbeiten wir natürlich an den neuen Bildern für die RPC und du, Anke, hattest mir ein Foto versprochen

Anke: Oh ja, und es ist auch schon unterwegs zu dir

Maik: Das Museumsprojekt ist nun erstmal die nächste große Herausforderung. Danach stehen erstmal ein paar Buch- und Spieleprojekte an. Auch im CD Sektor werden wir einige Sachen machen. Ein wenig blicken wir auch über den deutschen Tellerrand hinaus, aber da laufen noch Gespräche - mal sehen, wie sich das entwickelt.

: Ich danke euch ganz herzlich für das Interview, wünsche euch für eure Arbeit weiterhin viel Erfolg und dass euch niemals die Ideen ausgehen mögen.


Maik und Elke an ihrem Messestand Manticor-Illustrations, Leipzig 2011

Die Fragen stellte Anke Brandt.

Die Illustrationen wurden dem Geisterspiegel freundlicherweise von Manticor zur Verfügung gestellt und unterliegen dem Copyright von Manticor.

Copyright © 2011 by Anke Brandt

 

© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox