Sie sind hier: Startseite - Background - Interviews - Oliver Döring


Interview mit Oliver Döring

im Gespräch mit Oliver Döring

Oliver Döring

: Hallo Oliver, unser Online-Magazin beschäftigt sich im Bereich Phantastik unter anderem auch mit dem Genre Hörspiel. Wir freuen uns, dass du dir für die Beantwortung unserer Fragen ein wenig Zeit nimmst. Kommen wir gleich zur ersten:

Der Name Oliver Döring hat sich zu einer nicht mehr wegzudenkenden Größe im Hörspielbereich entwickelt. Wie kam es dazu, dass du dich dem Hörspiel widmest?

Oliver Döring: Über Umwege. Als Kind habe ich jede Menge Hörspiele gehört und oftmals auch den Ton spannender Spielfilme aus dem Fernsehen mit dem Kassettenrekorder aufgenommen (Video-Rekorder gab's damals noch nicht). Später habe ich dann für das Radio gearbeitet und merkte, daß ich irgendwie ein Händchen für aufwendig inszenierte Comedy besaß. Daraus entstanden dann die "Retter", eine Comedy-Serie, die sehr erfolgreich bei Eins Live (WDR) lief. WortArt kam damals auf mich zu und schlug vor, die Serie auf CD auszuwerten. Die Zusammenarbeit war toll. WortArt hatte inzwischen auch den Zuschlag für die Hörspieladaption der Sinclair-Romane bekommen, und so stand einer Weiterarbeit nichts im Wege.

: Ist es für dich Beruf oder mehr Berufung?

Oliver Döring: Eine Berufung ist es sicher nicht, denn dann würde ich das Hörspiel als eine Art Lebensaufgabe ansehen. Für mich ist das Hörspiel ein zum Beruf gewordenes Hobby.

: Welches war deine erste Hörspielproduktion?

Oliver Döring: Die erste veröffentlichte Produktion war die CD-Auswertung der "Retter" mit einem 45-minütigen Hörspiel. Die CD gibt's inzwischen aber nicht mehr im Handel. Mein zweites Hörspiel war dann direkt "Im Nachtclub der Vampire". Das hätte es allerdings nie ohne meine jahrelange Arbeit beim Rundfunk gegeben. Bei den Rettern zum Beispiel war jede Folge ein knapp 2-minütiges Mini-Hörspiel. Alleine von den Rettern gibt es über 200 Folgen. Und die wiederum hätte es nicht ohne die unzähligen Comedy-Beiträge aus den Jahren davor gegeben.

: Vom Drehbuch bis zur fertigen Scheibe ist es bestimmt ein langer Weg. Kannst du uns diesen kurz beschreiben?

Oliver Döring: Nach dem Erstellen des Manuskripts werden die einzelnen Rollen separiert und deren Wortanteil ausgerechnet. Dann werden die einzelnen Rollen gecastet. Danach werden Schauspieler und Studio gebucht. Nach den Aufnahmen werden die einzelnen Takes vorbereitet, d.h. sie werden nach dem Manuskript aufgeschlüsselt vorgeschnitten, und schließlich in der Post-Produktion mit Sounds und Musik abgemischt.

: Bekannte Stimmen aus Film, Funk und Fernsehen hauchen den Protagonisten Leben ein. Wie erfolgt die Auswahl der Sprecher?

Oliver Döring: Meistens habe ich schon beim Verfassen des Manuskripts eine bestimmte Stimme im Kopf. Es ist immer spannend, für den jeweiligen Charakter die passende Besetzung zu suchen. Da gibt es auch kein Schema für. Allerdings buchen wir überwiegend Synchronschauspieler.

: Hast du schon einmal daran gedacht, auch Sprecher von Tonstudio Braun wie zum Beispiel Peter Bongartz, Erwin Scherschel oder Helmut Winkelmann zu verpflichten?

Oliver Döring: Nein.

: Das Drehbuch stellt einen gewissen Extrakt zum Roman dar. Welchen Einfluss übt der Autor auf die Produktion des Hörspiels aus?

Oliver Döring: Bei Sinclair und Psycho-Cop liest Jason Dark jedes meiner Manuskripte gegen. Zu meinem Glück hat er aber bisher nie groß was daran auszusetzen gehabt. :-) Wer die Hörspiele mit den Romanen vergleicht, wird natürlich Abweichungen feststellen. Das ist auch nicht zu umgehen, zum einen, weil die Sinclair-Romane modernisiert werden mußten (inzwischen gibt's ja Internet, Handys - und auch Video-Rekorder), zum anderen, weil das Hörspiel anderen dramaturgischen Grundregeln unterliegt als ein Roman.

: Wie ist die Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Autor?

Oliver Döring: Jason Dark ist ein toller Kollege! Er weiß genau, daß ich bei der Adaption seiner Vorlagen immer 100% gebe - und er freut sich über gute Folgen. Für mich ist dieses Vertrauen nicht selbstverständlich. Mit den Autoren anderer Stoffe habe ich natürlich nicht diesen engen Kontakt, da ich von keinem anderen Autor eine Serie adaptiere. So habe ich zum Beispiel Wolfgang Hohlbein nur einmal getroffen - einige Wochen vor den Aufnahmen zu "Als der Meister starb". Er war sehr nett und fand das Manuskript gut.

: Und wie viele Folgen sind geplant?

Oliver Döring: Mein Vertrag verpflichtet mich dazu, Sinclair bis einschließlich Folge 46 fertigzustellen. Wie es danach mit Sinclair weitergeht, steht noch völlig in den Sternen.

: Mit "Der Anfang" und "Der Pfähler" sind in der Sonderedition bisher 2 Hörspiele auf dem Markt. Gibt es im Team Überlegungen, diese fortzusetzen? Mit "Hexenküsse" und "Voodo-Land" gäbe es ja zwei Themen.

Oliver Döring: Da die Situation nach Folge 46 völlig ungeklärt ist, stellt sich mir diese Frage zur Zeit nicht.

: Mittlerweile sind in der Hörspielreihe "Gespenster-Krimi" 6 Folgen im Handel. Welche Gründe gab es, dass nach Folge 4 "Das Dämonenhaus" sehr viel Zeit verging, bis die Folgen 5 und 6 erschienen?

Oliver Döring: Es gab Klärungsbedarf zwischen WortArt, mir und Lübbe Audio. Daher mußte die gesamte Produktion - auch für Sinclair - leider für einige Zeit komplett heruntergefahren werden.

: Die bisherigen Folgen basieren auf den Romanen Nr. 26, 567, 3, 46, 147 sowie 27. Warum habt ihr euch gerade für diese Titel entschieden?

Oliver Döring: Ein alter Freund von mir kennt sich mit den GKs ganz gut aus, und er hat mir einige der Folgen empfohlen. Andere Folgen wurden von den jeweiligen Autoren (Gerry Streberg und Martin May) ausgesucht. Nur der "Hexer" war von Anfang an klar - diesen Roman angemessen zu vertonen war ein lang gehegtes Wunschprojekt meinerseits.

: Das jüngste Projekt, zu welchem du die Drehbücher schreibst, ist die neue Mystery-Thriller-Serie "Don Harris Psycho-Cop". Was spielte sich in deinem Inneren ab, als Jason Dark auf dich zukam und dir das Angebot machte, fast zeitgleich die Welt des Psycho-Cop zu vertonen?

Oliver Döring: Nun, es war die berühmte Zusammenlegung von Weihnachten und Geburtstag auf einen Tag. Jason meinte, daß nur ich für die Vertonung seines Psycho-Cops in Frage käme. Das war natürlich eine Riesen-Ehre für mich!

: Neue Serien rufen Kritiker auf die Tagesordnung. Einige äußerten sich bereits, dass sie der neuen Serie eine geringe Chance auf dem Hörspielmarkt geben. Wie gehst du mit solchen Meinungen um? Welche Überlebungschance räumst du persönlich dem Protagonisten Don Harris ein?

Oliver Döring: Im Prinzip sehr gute. Immerhin ist Don Harris so etwas wie eine Nachfolge-Serie von John Sinclair. Und Sinclair ist nach wie vor die Nummer 1 in dem Segment. Aber es stimmt, daß sich zur Zeit sehr viele Serien auf dem Markt tummeln. Fakt ist, daß wir fast ausnahmslos positive Kritiken zu Psycho-Cop erhalten, besonders auch deshalb, weil diese Serie kein Sinclair-Abklatsch ist. Die ersten beiden Folgen waren zudem nicht überall erhältlich. Inzwischen hat sich aber einiges getan, so wurden zum Beispiel die Cover der Erstauflage komplett überarbeitet. Die Qualität von Don Harris spricht sich gerade erst herum. Im nächsten Jahr werden vier weitere Folgen erscheinen. Ich gehe davon aus, daß der Run auf diese neuen Folgen erheblich größer sein wird als noch bei den ersten beiden Pilot-Folgen.

: Im Exklusiv-Interview sagst du, dass im Gruselbereich der Markt gesättigt sei. Was würdest du machen, wenn dir für den Krimi/Thriller-Bereich die Vertonung der "Jerry Cotton-Classics" angeboten wird?

Oliver Döring: Ich würde ablehnen.

: An dieser Stelle hast du die Möglichkeit, den Lesern und Hörern das zu sagen, was du nie gefragt wirst.

Oliver Döring: Och, wenn die Leute es mich nicht fragen, wird es sie auch nicht interessieren. ;-) In diesem Sinne hoffe ich einfach, daß meine CDs den Hörern auch weiterhin so gut gefallen.

: Vielen Dank für dieses Interview, Oliver, und viel Erfolg für deine Projekte.

Oliver Döring: Danke dafür und ebenfalls viel Erfolg dem Geisterspiegel!

Das Interview wurde von Wolfgang Brandt geführt.

Besonderer Dank gilt Frau Carolin Hornauer von WortArt, welche den Kontakt zu Oliver Döring herstellte.

 

© by 2007
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox