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Interview mit Mark Z. Danielewski

im Gespräch mit Mark Z. Danielewski

Das Interview mit dem Autor Mark Z. Danielewski führte Rebecca Hagelmoser auf der Buchmesse 2007 in Frankfurt am 12. Oktober 2007. Es wurde aufgezeichnet von Wolfgang Brandt. Die Fotos stammen von Tommy Tohang. Das Treffen fand am Stand von Klett-Cotta statt.
Das Interview wurde in englischer Sprache geführt. Die -Datei ist auf englisch.

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Letzter: 21.01.12 - 06:11 Uhr

: Also: Mark Danielewski, danke, dass du dir Zeit genommen hast.
Mark Z. Danielewski: Bitte schön!

: Glaubst du, dass es eine gute Errungenschaft ist, im Eigenheim zu leben?
Mark Z. Danielewski: Es ist sicherlich eine Art von Errungenschaft. Ich nehme an, es schlägt das Leben auf dem Bürgersteig, wenn es kalt und eisig ist. Ich denke … ah … ich denke, ich denke in einem Haus zu leben, ist immer eine interessante Erfahrung.

: Also hast du keine Angst, in einem Haus zu leben – du verbindest damit nichts Schlechtes?
Mark Z. Danielewski: Oh nein, ganz im Gegenteil. Ich mag…ich mag - je älter und gespenstischer ein Haus ist, umso besser!

: Macht dich das in einer Weise kreativer?
Mark Z. Danielewski: In einem Haus?
: Nein, die gespenstische Atmosphäre.
Mark Z. Danielewski: Nein, weil ich die gespenstische Atmosphäre überall finde. Sie existiert sicherlich auch in diesem komischen Kubus hier. Wer weiß, was hier aus der Ecke gekrochen kommt?

: Auf deiner Homepage heißt es, dass du ungefähr zehn Jahre an deinem Buch geschrieben hast.
Mark Z. Danielewski: Richtig!

: Warum hast du so lange gebraucht? Und was war das Schwerste beim Schreiben?
Mark Z. Danielewski: Wie meinst du das, warum habe ich so lange gebraucht? [Andere Autoren würden fragen] warum ich keine 20 Jahre gebraucht habe! Es war ein sehr langer Prozess. Es fing als einer Serie von Fragmenten, Skizzen einer Familie, Skizzen eines jungen Generation X-lers, Nichtstuers, wie immer man es nennen mag. Einer Reihe von Essays darüber, wie ich Text in filmischer Art und Weise benutzen kann, Gedichte, das ganze Arrangement verschiedener Karten… und kurz, nachdem mein Vater 1993 starb, hatte ich diese Idee von einem Haus, das innen ein viertel Inch [0,63cm, Anm.d.Übers.] größer ist als außen. Und zuerst wusste ich nicht, was ich daraus machen sollte – vielleicht nur eine Fußnote, ein Gedicht, oder eine Kurzgeschichte? …Und plötzlich wurde mir klar, dass dies das Konzept war, das alles miteinander verband: Die Familie, über die ich geschrieben hatte, lebte in dem Haus. Der junge Mann entdeckte das Haus.

Die Essays ermöglichten mir, Text auf eine cineastische Art und Weise zu benutzen. Die Grundlage war, was das Haus tat: sich verändern. Und, und dann waren es nur sieben Jahre harte Arbeit des Zusammenfügens und Erkennens, weißt du, auf all die Details zu achten, die Feinheiten der Gedanken, die [Variationen] der Stimmen, das war eine Menge Arbeit.

: Gut. Es gibt auch einen Haken in der Art der Darstellung der Geschichte. Es ist eine, wie du gesagt hast, sehr cineastische Art der Darstellung. Denkst du, dass es zum Schreiben eines modernen Romans gehört, verschiedene Medientypen mit einzubeziehen (mit Radiokassetten, mit wissenschaftlichen Essays…) - und all dies zusammenzubringen eine Entwicklung des modernen Romanschreibens ist, der man folgen muss?

Mark Z. Danielewski: Zu einem gewissen Grad, ja. Ich denke auch, dass es auf bestimmte Art eine alte Tradition ist. Wenn man sich Milton anschaut, sieht man einen gewissen wissenschaftlichen Einfluss. Wenn man Goethe liest, gibt es Geschichte, gibt es Wissenschaft - es gab immer den Versuch in den größeren literarischen Werken, die neuesten Einflüsse der Zeit zu enthalten. Und wir leben sicherlich in einem Zeitalter, in dem verschiedene Arten von Medien, verschiedene Formen der wissenschaftlichen Entdeckungen, von Ausdruck ein Teil dessen ist, was wir sind.
Dies von sich zu weisen wäre für den Roman also, sich seiner eigentlichen Möglichkeiten zu beschneiden, in der Freiheit, dies zu enthalten. Sicherlich gibt es auch Werke die gegen alles, was um sie herum passiert, resistent sind. An diesen Büchern haftet etwas nostalgisches, sie versuchen, älteren Romanen nachzueifern. Aber ich bin ein Autor, der in die Zukunft blickt und darauf achtet, was jetzt gerade passiert. Und ich bin davon beeinflusst, zumeist weil ich das sehr mag. Ich bin begeistert von allem, was passiert. Ich mag das web, ich mag die neueste Technik. Ich hätte dieses Buch oder mein neuestes Buch „Only Revolutions“ nicht schreiben können ohne Technik: ohne zu Recherchezwecken online zu sein, die Möglichkeit zu haben das Oxford English Dictionary online zu nutzen, Zugang zu historischen Momenten zu haben, bestimmte Software zu finden, um das Layout des Buches zu bewältigen… Ich meine, an all dem habe ich gearbeitet. Mein Verleger hat gelegentlich vielleicht andere Schriftarten vorgeschlagen, aber ich war verantwortlich dafür, dass jedes einzelne Wort auch da auftaucht, wo ich es will.

: Das ist auch ziemlich nötig, denn die Form ist manchmal einem Gedicht sehr ähnlich – was auch eine kleine Herausforderung für den Leser ist, es aber auch sehr interessant macht vorwärts zu kommen, denke ich.
Mark Z. Danielewski: Durchaus.
: Und sich zu entscheiden, wie man sich durch den Irrgarten arbeitet, ist eine Art…
Mark Z. Danielewski: Ein Labyrinth!
: Ja, man findet das Haus im Text wieder, das ist sehr gut, finde ich.
Mark Z. Danielewski: Oh, danke Rebecca!

: Deine Schwester ist Sängerin und Songwriterin…
Mark Z. Danielewski: Sie ist ein Rockstar!!!
: Oh, Entschuldigung – Sie ist ein Rockstar! Sie hat eine CD herausgebracht, die „Haunted“ heißt, wie ich gehört habe. Sie hat darauf Lieder, die sie zu deinem Buch verfasst hat. Wie kam es zu diesem gemeinsamen Unternehmen?
Mark Z. Danielewski: Nun, sie war schon immer meine Komplizin. Wir haben schon immer angehört, was der andere gerade geschrieben hat, musikalisch oder literarisch. Das Wichtige daran ist, dass die Lieder nicht nach dem Buch herauskamen. Ich habe Lieder gehört, die sie schrieb, während ich das Buch geschrieben habe, also haben mich diese Lieder beeinflusst. Und ich habe ihr Kapitel gegeben, sie hat sie gelesen und das hatte sie dann beeinflusst. Und das ging dann auf die Weise wieder hin und her. Tatsächlich hat jeder den anderen beeinflusst, sie [die Projekte anm.d.Übers.] entwickelten sich zur selben Zeit. Die CD kam ein Jahr später heraus, das lag wirklich mehr daran, wie das Marketing von Atlantic Records aufgestellt war und wie Random House „House of Leaves“ herausgebracht hat. Aber geschrieben wurden sie tatsächlich zur selben Zeit. Das ist der Zeichnung von Escher sehr ähnlich: Die beiden Hände, die sich gegenseitig malen: die eine Hand malt die andere Hand, die die eine Hand malt, die die andere Hand malt und so weiter. Und so war die Beziehung. Dasselbe gilt auch für das neuere Buch.

: Ok. Dein neuestes Buch heisst?
Mark Z. Danielewski: Only Revolutions.

: Ok, das kommt gerade in Amerika heraus?
Mark Z. Danielewski: Das kam letztes Jahr schon als Taschenbuch heraus. Und es ist eine andere Art Reise. Während es in „House of Leaves“ um das Innere, die Schatten geht, ist „Only Revolutions“ im Kern ein Roadmovie, recht ähnlich wie „Badlands“ oder „True Romance“. Eine Geschichte von zwei Kindern, die quer durch die Vereinigten Staaten rasen. Und obwohl meine Schwester momentan keine CD herausbringt, habe ich Lieder gehört, die sie gerade geschrieben hat, die „Only Revolutions“ beeinflusst haben. Und dann hat sie Teile von „Only Revolutions“ gelesen, die sie beeinflusst haben. Und obwohl es unwahrscheinlich ist, dass sie eine CD herausbringt, die einen direkten Bezug zu dem Buch haben wird – „Haunted“ hatte einen direkten Bezug zu „House of Leaves“ so wie „House of Leaves“ einen direkten Bezug zu „Haunted“ hatte – wird ihre nächste CD nicht „Dizzy“ heißen oder so ähnlich. Aber es wird Lieder enthalten, die mein Schreiben beeinflusst haben und anders herum auch beeinflusst waren von „Only Revolutions“.

. Gut,deine Schwester nennt sich Poe…
Mark Z. Danielewski: Ja.
:…und du schreibst ein Buch über ein sehr mysteriöses Haus. Es ist augenscheinlich, dass du von Schauerromanen, Schwarzer Romantik und ein wenig auch vom Symbolismus beeinflusst bist. Ist das ein Familien-Ding?
Mark Z. Danielewski: Es ist so offensichtlich, das muss so sein! Ich denke, das ist jetzt ein bisschen schräg, sie und ich waren immer schon gute Freunde von Danny Elfman, dem Komponist. Und immer wenn wir zu ihm gehen – was ziemlich oft ist, weil er wunderbare Filmnächte veranstaltet und so weiter- sein Haus ist voll von Schrumpfköpfen und Skeletten, und ich fühle mich da so ziemlich wie zu Hause und meine Schwester fühlt sich wohl, es fühlt sich alles sehr nett an. Aber ich erinnere mich, dass wir einmal eine Freundin mitgenommen haben, und ihr hat das total Angst gemacht, für sie war es sehr beunruhigend. Für sie war das keine nette Umgebung, sie wollte nicht auf einen Schrumpfkopf oder ein Skelett schauen. Also gibt es eine Art „seltsamen Geschmack“ in der Familie. Und ich bin ein Freund von Dingen die –vielleicht- ein wenig Angst einflössend sind.

: Unsere Homepage wird oft von jungen Autoren besucht- kannst du denen einen Rat geben?
Mark Z. Danielewski: Durchaus!

: Was ist das Wichtigste, wenn man ein Buch schreiben will?
Mark Z. Danielewski: Das Wichtigste? Ich sag dir zwei Dinge: Das Wichtigste ist, dass du schreibst, was du liebst. Denn das wird dich durch die harten Zeiten bringen und uns alle durch die guten. Und das Zweite ist: Wenn du ein Buch schreibst, schreib es zu Ende, bevor du versuchst es zu veröffentlichen. Gänzlich fertig. Denn ein Verleger will nichts außer einem fertigen Buch, dem er ein Stück Pappe und ein Cover hinzufügt, um es in die Welt zu schicken. Also musst du absolut glauben, dass dieses Buch fertig ist.

: Ok, danke dafür. Gibt es denn ein Buch, welches du gerne geschrieben hättest?
Mark Z. Danielewski: Ääääh……Nein.

: Das ist Klasse…Nein, wirklich. Was sind also deine Pläne für die Zukunft?
Mark Z. Danielewski: Ich schreibe gerade schon etwas anderes, von dem ich noch nichts erzählen werde. Daran arbeite ich jetzt seit einem Jahr. Meine Schwester hat schon 500 Seiten davon gelesen. Und sie ist sehr genervt davon, dass ich in Deutschland bin, weil sie wissen möchte, wie es weiter geht und möchte, dass ich weiter schreibe.

: Das könntest du ihr ja vielleicht am Telefon erzählen.
Mark Z. Danielewski: Genau.

: Gut, dann vielen Dank für das Interview.
Mark Z. Danielewski: Vielen Dank.

: Ich hoffe, du hast noch eine schöne Zeit in Deutschland.
Mark Z. Danielewski: Ich habe bereits eine sehr schöne Zeit hier, danke. Ich finde übrigens dein purpurnes Ding hier schön. [Anm.d.Verf.: Er meint meine Strümpfe]

: Aha! Danke!
Mark Z. Danielewski: Das ist die Farbe von Pelafina, weißt du, sie ist die Mutter, die die Briefe am Ende von „House of Leaves“ geschrieben hat. Also ist Purpur eine wichtige Farbe. Und dann werden Purpur und Violett auch wichtige Farben in „Only Revolutions“- also…
: Jaha, sie hat die purpurnen Nägel, gell?
Mark Z. Danielewski: Hat sie, ja.

: Dann habe ich noch eine letzte Aufgabe für dich: Signiere mein Buch!
Mark Z. Danielewski: Ok, ich werde das sogar in Purpur machen, weil ich heute Purpur mitgebracht habe.
: Tolle Sache, das!

Rebecca Hagelmoser: Interview, Transkription und Übersetzung
Tommy Tohang: Bilder
Wolfgang Brandt: Aufnahme

 

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