
Interview mit Christian Montillon

 im Gespräch mit Christian Montillon
Geboren 1974, verheiratet, 2 Kinder.
Nach einer eher theoretischer Beschäftigung mit Literatur (Germanistikstudium und Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft für eine Doktorarbeit auf dem Gebiet der Kirchenliedforschung) veröffentlichte er seinen ersten Roman Ende 2004 beim Zaubermond-Verlag (Coco Zamis-Serie).
Seitdem arbeitet er bei zahlreichen Romanserien des Bastei Verlags mit:
Aktuell für „Professor Zamorra“ (seit Heft 790 bzw. Hardcover 9) und „Jerry Cotton“ (seit Heft 2469 bzw. Taschenbuch 538).
Bis zur Einstellung der Serie trug er etliche Kurzromane für das „Schattenreich pulp magazine“ bei.
Bei „Maddrax“ und „Sternenfaust“ sind jeweils zwei Gastromane erschienen.
Darüber hinaus führt er in enger Zusammenarbeit mit Michael J. Parrish seit Anfang 2006 die ehemalige Bastei-Serie „Torn“ bei Zaubermond fort.
Und „last not least“ ist er festes Mitglied im Autorenteam der „Atlan“-Serie (Verlangsunion Pabel-Moewig).
(Quelle: www.bastei.de)
GS: Zunächst einmal vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, dem nach Information hungernden Volk (also insbesondere mir) einen kleinen Blick in dein Autorenleben zu gestatten.
In Perry Rhodan 2346 „Chyndors Weg” ist ein Autorenportrait von dir enthalten. Könntest du den zwei oder drei Lesern des Geisterspiegels, die nicht auch Perry-Rhodan-Leser sind, noch einmal in Kurzfassung erzählen, wie du zum Schreiben gekommen bist? Interessieren würde mich hier vor allem, wie du zum Zaubermond-Verlag gekommen bist. Hattest du damals schon im Hinterkopf, Autor werden zu wollen?
CM: Die Kurzfassung – ich war Korrekturleser für Zaubermond und plauderte munter mit meinem dortigen Chef Dennis Ehrhardt, plapperte ihm sozusagen das Email-Postfach voll, bis er mir anbot, einen Coco-Zamis-Roman zu schreiben. Nachdem das klappte, wandte ich mich in Eigeninitiative an Bastei, dann an VPM…
Wie ich zum Zaubermond-Verlag kam? Nun, daran ist letzten Endes mein Doktorvater Schuld. Es war die Zeit, als sich abzeichnete, dass ich die Möglichkeit bekommen könnte, ein Stipendium für eine Doktorarbeit (Germanistik) abzusahnen, und als ich mit meinem Doktorvater darüber sprach, wie ich mich zwischenfinanzieren könnte, meinte er, er kenne einige, die mit Korrekturlesungen ein paar Euro verdienen.
Da dachte ich mir – nun gut, schreib mal Zaubermond an. Den Verlag kannte ich freilich als Heftromanfreak. An alle: nein, mit Korrekturlesen wird man NICHT reich, und man wird schon gar nicht notgedrungen Autor . Das auch zu deiner letzten Frage: nein, damals hatte ich absolut nicht im Hinterkopf, Autor werden zu wollen. Das kam viel später. Und auch dann war es mehr eine fixe Idee; ich glaubte nicht recht dran, dass das tatsächlich klappen könnte.
GS: Vor der Karriere als Autor hast du ja aber wohl eine Karriere als Fan hinter dich gebracht. Warst du aktives Mitglied im Fandom oder nur schweigender, aber genießender Leser?
CM: Hier ein klares „schweigender Leser“, wenn man von diversen Leserbriefen absieht. Aber in meiner „jugendlichen“ Leserphase war ich auf keiner einzigen Veranstaltung; erst in meiner zweiten Leserphase begann das, kurz vor meiner Autorenkarriere (Buchmessecon).
GS: 2003 schriebst du deinen ersten Coco-Zamis-Roman. Was hat Dennis Ehrhardt damals veranlasst, dich zu fragen, ob du einen Roman schreiben willst? Hast du vorher mehrfach verlauten lassen: „Das kann ich auch?“ Oder wie ist das abgelaufen?
CM: Siehe oben, ich habe über Wochen und Monate kluge Anmerkungen gemacht, die aufzeigen sollten, dass ich was von einer „Story“ und wie sie aufgebaut ist, verstehe.
Irgendwann sagte Dennis: „Ick hör dir trapsen“ und fragte, ob ich mich mal an einem Roman versuchen wolle.
GS: Hm, vielleicht wollte er dich damit nur zum Schweigen bringen? Zu unserem Glück ist ihm das nicht gelungen.
CM: Tja, das wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Oder du fragst Dennis. Jedenfalls hat er, nachdem ich den Roman fertig hatte, lange mit mir gesprochen, mich auf dutzendfache Fehler hingewiesen, den Roman überarbeitet und er ist dann unter unser beider Namen erschienen. In der Urfassung war er kaum lesbar .
GS: Wie oft und wie lange hast du vorher schon für die Schublade geschrieben? Auf wie vielen Manuskripten bist du sitzen geblieben?
CM: Ha! Ich bin auf keinem einzigen Skript sitzengeblieben. Bis heute nicht.
GS: „Christian Montillon“ ist ein Pseudonym. Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf ein doch verhältnismäßig unspektakuläres Pseudonym, das so klingt, als könne es auch ein realer Name sein?
CM: Wie schon an anderen Stellen erwähnt, ist „Montillon“ der Mädchenname meiner Frau. Er klingt gut, oder nicht? Ansonsten ist mein realer Vorname „Christoph“, und der ist nur aufgrund besseren Klangs abgewandelt.
Freilich hätte ich für Gruselromane „Dwight Bloddspritzer“ wählen können und für Krimi „Killmi Ra Tatat“, oder für SF „Fjutscher Startrekian“, aber ich denke, etwas „Unspektakuläres“ tut’s auch.
GS: Völlig richtig. Aber warum hast du dich überhaupt für ein Pseudonym entschieden, statt unter deinem echten Namen zu schreiben? In diesem Zusammenhang nutze ich die Gelegenheit für etwas Werbung und weise ohne die Spur eines schlechten Gewissens auf die Werkstattberichte unserer Serie „Der Hüter“ hin, insbesondere auf den mit dem bedeutungsschwangeren Titel „Was ist eigentlich eine Bescheidenscheid?“, der sich mit diesem Thema befasst.
CM: Das ergab sich, weil ich der Öffentlichkeit nicht zeigen wollte, dass ich plemplem bin . Zum einen schrieb ich eine germanistische Doktorarbeit, zum anderen einen SCHMUDDELROMAN?!?! Zum Glück schreibe ich heute nur noch Schmuddelromane.
GS: Ist der Beruf des Autors für dich ein Traumberuf oder eher ein Fluch? Warum?
CM: Traumberuf. Wenn auch bisweilen arg stressig, bis genug Geld auf dem Konto ist. Aber das ist in meinem Fall in den letzten Monaten viel leichter geworden; steigende Honorare und so.
Aber ich bin mein eigener Chef, kann Kreativität ausleben und das tun, was ich schon immer tun wollte, ohne es für möglich gehalten zu haben, dass ich es tatsächlich können könnte. ( Satz verstanden?!)
GS: Selbstverständlich habe ich diese Krönung schöngeistiger Formulierungskunst verstanden. Sie zeigt, warum du dort stehst, wo du stehst, ohne jemals vorhergesehen zu haben, dich einmal dort stehen sehen zu können, verstehst du? (Der war aber auch nicht schlecht, oder?)
Steigende Honorare? Weil du mehr veröffentlichst, oder weil Christian Montillon inzwischen bekannt genug ist, um ihm auch etwas mehr Geld anvertrauen zu können?
CM: Unterschiedliche Serien – unterschiedliche Honorare. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass ein Perry-Rhodan-Roman eine größere Auflage hat als sonstige Serien und der Autor dementsprechend merklich mehr Geld erhält. Nein, Summen nenne ich nicht … (GS: Ich hätte auch gar nicht gefragt! Ganz ganz ehrlich!) Ansonsten ist die Varianz innerhalb der Serien sehr gering. Aber dann gibt es ja Hardcover, die anders bezahlt werden als Heftromane, etc. etc. pp.
GS: In deiner Autorenvorstellung auf www.perry-rhodan.net schreibst du, du hättest dich nach deinem Coco-Zamis-Roman gleich für Jerry Cotton und Professor Zamorra beworben. Wie muss man sich diese Bewerbung vorstellen? Hast du Proberomane geschrieben und gesagt: „Wie wär’s?“
CM: So ähnlich. Ich wählte den Standardweg – verfassen eines Romananfangs und eines Exposes, und dann ab an den zuständigen Lektor.
GS: Hat dir dieser Weg nur die Tür zu den Serien geöffnet oder durftest du dann auch genau diese Romane schreiben?
CM: Ich habe genau diese Romane geschrieben.
GS: Du hast dich in Professor Zamorra eines Handlungsstrangs angenommen, der schon weit vor deiner aktiven Zeit Thema war. Wie sorgfältig musstest du dich darauf vorbereiten? Wie viele alte Zamorra-Romane hast du gelesen, bis du dich sicher genug in der Materie gefühlt hast?
CM: Ich kannte damals schon die Serie ziemlich gut. Die Unsterblichkeit durch die Quelle des Lebens sah ich als eine Art Hauptthema der Serie an, und dann kam mir die Idee mit Andrew Millings. Damit bewarb ich mich dann bei WKG; vor dem Zyklus kamen dann zwei Testromane, und das war’s.
GS: Obwohl du uns ja erst seit 2004 mit deinen Veröffentlichungen erfreust, scheinst du mir heutzutage einer der meistbeschäftigten jungen Autoren zu sein. Wie lange am Tag schreibst du? Schreibst du zuweilen auch mehrere Romane gleichzeitig? Gibt es bei dir einen „typischen Arbeitstag“ oder sehen die je nach Lust/Laune/Geldbedarf/Wetter unterschiedlich aus? Falls es einen gibt, wie etwa sieht der aus?
CM: Es gibt Tage, da schreibe ich wenig, dann wieder sitze ich ewig am Bildschirm. Aber der „Standardtag“, den es meistens als Arbeitstag gibt, hat etwa Bürozeiten, wobei ich ein bissle später anfange und dafür auch ein bissle später aufhöre.
Meist ist die Mittagspause und der Abend heilig, damit ich Zeit mit meinen Kindern und meiner Frau hab. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Zwei Romane gleichzeitig hab ich noch nie geschrieben; jetzt gerade das erste Mal, wobei der „unterbrochene“ Roman vom Aufbau her ein Zweiteiler ist, nach dessen ersten Teil ich aufgehört habe, um einen Perry zwischenzuschieben.
Im Prinzip arbeite ich von Montag bis Freitag, manchmal auch Samstag, aber ziemlich oft fällt dann ein halber/ganzer Werktag weg (da gibt es tausend private Gründe), wofür ich dann auch mal abends sitze, um die Zeit wieder aufzuholen… Hach, freie Zeiteinteilung ist schon gut.
GS: Fällt es dir nicht schwer, heute mit einem Kugelraumer durchs All zu rasen, morgen Zamorra in den Schwefelklüften beizustehen, übermorgen einen Gangster durch New York zu hetzen und in drei Tagen Dorian Hunter auf Dämonenjagd zu schicken?
CM: Nein … es fällt nicht schwer, im Gegenteil. Ich brauche Abwechslung. Wobei ich ja nicht mehr auf allen Hochzeiten tanze – das wäre wirklich zu viel. Manche Serien begleitete ich nur kurz, etwa Maddrax (vgl. auch anderswo in diesem Interview). Ich arbeite aktuell an … naja … weniger Serien. Immer noch genug, möchte mancher sagen. Mir gefällt’s, auch wenn notgedrungen das Engagement an mancher Stelle absinken muss. Rhodan, Torn und Zamorra lasten mich stark aus, zumal es noch „Einzelaufträge“ gibt. Im Dorian-Hunter-Universum beschränke ich mich auf hin und wieder einen Beitrag zu „Coco Zamis“ (weil ich dieses Spinn-Off reizvoller finde als das Original …). Auch bei Cotton schreibe ich bei weitem nicht mehr so viel wie früher.
GS: Siehst du deine Tätigkeit als „Heftchenautor“ nur als Übergang? Ist das Ziel irgendwann einmal entweder eine eigene Serie oder gar der Buchmarkt?
CM: Mein Ziel ist in gewissem Sinn schon der Buchmarkt … was aber nicht notwendig heißt, dass ich dann keine Heftromane mehr schreibe. Beides ist ja möglich, wenn auch freilich die Anzahl der Serienpublikationen sinken müsste.
Sehr konkrete Schritte in Richtung „Buchmarkt“ sind übrigens bereits getan. Frag mich in einem Jahr noch mal.
GS: Worauf du dich verlassen kannst!
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Michael J. Parrish für „Torn“? Bist du jetzt fester Bestandteil im Torn-Team? Auf Torn-HC 16, der im Dezember 2006 erscheinen wird, ist - wenn das Titelbild bei www.zaubermond.de schon das endgültige ist - gar nur dein Name als Autor auf dem Cover vorhanden. Ist das so richtig? Heißt das etwa, dass du die Serie übernommen hast?
CM: Du beobachtest genau … Es ist so, dass ich von Anfang an, seit ich an der Serie beteiligt bin, die Romane alleine schreibe – allerdings auf Expos von MJP hin, das heißt, er verantwortet die Haupthandlung. Wobei ich natürlich etliche Details in Eigenverantwortung entwickle.
Das war bislang so, und es wird auch auf absehbare Zeit so bleiben. MJP lektoriert die „fertigen“ Romane dann, ehe sie ein zweites Mal lektoriert werden, von Michael Jurisch.
Wenn also auf den Büchern steht „von MJP und CM“, dann heißt das: „nach einem Expo MJPs von CM geschrieben“. Das würdigt den Anteil, den MJP nach wie vor hat und der sehr wichtig ist. Außerdem ist es ein „gleitender Übergang“ zwischen ihm und mir. Aber ja, im Prinzip kann man sagen, ich habe die Serie übernommen.
Wie kam es zur Zusammenarbeit? Ich hörte trapsen, dass MJP einen Co-Autor sucht (im Werkstatt-Hardcover, Nummer 10), also schrieb ich ihm eine unverfängliche Email … schwuppdiwupp. Ganz zufällig halt. Ich hörte hinterher, er habe sich mit Dennis Ehrhardt köstlich amüsiert über diesen „Zufall“. Aber er schrieb zurück („ich wollte mich sowieso mal bei dir melden, weil …“), und … naja. Ich schrieb ein paar Testszenen, und das war’s.
GS: Wie läuft die Arbeit an einem Buch eigentlich grundsätzlich ab, wenn mehrere Autoren beteiligt sind? Schreibst du an einer Szene, während der andere Autor gerade eine andere Szene schreibt? Oder ist es eher wie beim Tennis, also einer schreibt, spielt den Ball dem anderen zu, der schreibt weiter, spielt wieder zurück etc.? Oder ist es völlig anders?
CM: Wie gesagt, bei Torn schreibt MJP die Expos, ich die Romane.
Bei anderen Romanen habe ich wirklich mit anderen Autoren gleichzeitig an derselben Story geschrieben, etwa mit Dario Vandis (bei Coco Zamis), mit Peter Morlar (bei Dorian Hunter) und zuletzt mit Christian Schwarz (bei Zamorra). Das lief jedes Mal anders ab.
GS: Und wie ist es mit Perry Rhodan? Da feiertest du gerade deinen Einstand und das gleich mit einem Doppelband. Gehörst du jetzt fest zum Team?
CM: Ja. (Kurze Antwort, gell?)
GS: Beinahe schon wortgewaltig! Wie werden bei Perry Rhodan und anderen Serien die Romane verteilt? Wer nicht schnell genug wegschaut, muss ihn schreiben? Oder wer zuerst den Finger hebt, darf ihn schreiben? Wie läuft das ab?
CM: Meine Erfahrung ist noch nicht allzu ausgedehnt, aber bislang galt in etwa: Email ins Postfach mit „Christoph, kannst du Nummer XXXX schreiben?“
Ansonsten hat Klaus Frick in der Redaktion wohl die tolle Aufgabe, freie Kapazitäten der Autoren mit Abgabeterminen zu kombinieren, gleichzeitig Vorlieben der Autoren zu berücksichtigen etc.etc.
GS: Wie viele Perry-Rhodan-Romane hast du selbst gelesen? Wer war/ist bisher dein Lieblingsautor bei PR? Gibt es auch einen, mit dessen Romanen du wenig anfangen kannst oder konntest?
CM: Schätze, ich habe so etwa 1000 Perry-Romane gelesen.
Lieblingsautor ist Ernst Vlcek, der ja leider ausgeschieden ist (aus Altersgründen, und das hat er sich verdient!).
Und ja, es gibt auch Autoren in der ganzen Seriengeschichte, mit denen ich nix anfangen kann. Überhaupt nix. Namentlich zwei. Aber diese Namen nenne ich nicht.
GS: Professor Zamorra, Coco Zamis, Dorian Hunter, Jerry Cotton, Maddrax, Schattenreich, Atlan, Perry Rhodan, Torn - hab ich eine Serie vergessen, bei der du schon beteiligt warst? Wie bekommst du das alles unter einen Hut? Wirst du weiterhin für all diese Serien schreiben (können)? Wenn du einmal so viele Angebote bekommst, dass du unmöglich alle annehmen kannst (außer die Bundesregierung führt den 36-Stunden-Tag ein), wonach wählst du dann aus, was du machst und was du ablehnst?
CM: Wie gesagt, überall bin ich ja nicht mehr dabei – aus verschiedenen Gründen. Mal hat was nicht geklappt, mal haben Serien das Zeitliche gesegnet.
Und ja … ich habe mehr Angebote, als ich annehmen kann. Ich wähle danach aus, was ich persönlich als meinen Schwerpunkt ansehe. Auch finanzielle Gründe spielen freilich eine Rolle.
GS: Wenn du vom (gerade von mir erfundenen) „Gesetz zur Beschränkung der Beteiligung von Autoren auf höchstens zwei Serien“ gezwungen würdest, dich für zwei Serien zu entscheiden, an denen du nur noch mitarbeiten kannst, welche würdest du nehmen und warum?
CM: Zum Glück gibt’s dieses Gesetz nicht. Har, har!
GS: Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit für Perry Rhodan von der z.B. für Professor Zamorra?
CM: Das ist etwas völlig anderes, Apfel und Birnen, halt. Zamorra schreibe ich frei, nach meinen Ideen, ohne mich genauestens mit dem Vor- und Nachband auseinanderzusetzen etc.
Bei Rhodan gibt’s – das ist ja kein Geheimnis – ausführliche Exposes, die die Autoren umzusetzen haben. Kein Rhodan-Schreiben ohne intensiven Austausch mit Vor- und Nach-Autoren wegen irgendwelchen Details, ohne Technikfragen etc.
Was NICHT heißen soll, dass man sich bei PZ und anderen Serien nicht auch um die Kollegen kümmern muss und wissen muss, was die so treiben, aber das Maß ist ein ganz anderes. Vgl. etwa Jerry Cotton – unglaublich, aber wahr: da weiß ich nicht mal die Namen aller Serienautoren.
GS: Vor allem in den PZ-Romanen finden sich häufig Erwähnungen der letzten Abenteuer, die in der Regel von anderen Autoren stammen. Stellst du diese Bezüge selbst her oder werden sie vom Redakteur oder von WKG nachträglich eingefügt?
CM: Solche Übergänge/Reflektionen am Romananfang stammen von WKG. Ich baue ihm gern ein goldenes Brücklein, etwa indem ich schreibe: „Zamorra war noch völlig erschöpft von seinem letzten Abenteuer, in dem XXX“, und da ergänzt Werner dann.
GS: Was ich schon immer mal wissen wollte (aber nicht dringend genug, um selbst mal nachzuzählen): Ist ein Perry-Rhodan-Manuskript länger als eines für z.B. Professor Zamorra? Oder haben die etwa gleich viele Anschläge? Wie viele sind das? Da geistern ja die unterschiedlichsten Zahlen durch die Gegend. So habe ich in einem Forum mal was von 160.000 gelesen, auf irgendeiner Leserkontaktseite aber mal was von ungefähr 200.000 – 220.000. Oder stimmen beide Angaben, nur dass in der einen die Leerzeichen mitgezählt werden und in der anderen nicht?
CM: Einen Heftroman mit 200000 Anschlägen wirst du nicht finden. Je nach Serie bzw. Druckgröße sind das 160.000 bis 180.000 Anschläge, Wordzählung incl. Leerzeichen. Höhere Angaben basieren wahrscheinlich auf der alten Zählung aus der Zeit vor Computern, wo die Standardmanuskriptseite angeblich 1800 Anschläge hatte (30 Zeilen a 60 Anschläge). Da freilich nicht jede Zeile gefüllt ist (Absätze), macht das aufs Ganze gesehen eine Menge aus.
Ich liefere gerade einen Perry mit fast 190.000 Anschlägen ab … das ist aber auch das absolute Maximum, das nicht in jedem Roman untergebracht werden könnte.
GS: Kannst du dich an einen Roman erinnern, der dir so überhaupt nicht aus den Fingern fließen wollte? Was tust du in so einem Fall?
CM: Verzweifeln und trotzdem schreiben… Es muss irgendwie gehen. Freilich läuft es dann langsamer und zäher, aber das heißt nicht, dass das Endergebnis schlechter sein muss. Solche Phasen gibt’s immer mal wieder, bei vielen Romanen; nur wenige fließen bei mir durchgängig „einfach so“ raus.
GS: Wie kamst du auf die Idee, mit dem Hardcover „Todesflüsse“ für Professor Zamorra eine reine Kurzgeschichtensammlung zu schreiben? Musstest du entscheidungserhebliche Leute (wer auch immer die sein mögen) für diese Idee erst erwärmen, oder waren die gleich Feuer und Flamme?
CM: Die Idee kam mir einfach so, nach der Einstellung von Schattenreich. Es machte mir immer Spaß, Kurzgeschichten zu schreiben. Und das HC bot die Möglichkeit, diese auch noch in beliebiger Länge zu verfassen. Ist doch prima!
Dennis Ehrhardt als Entscheidungsträger bei Zaubermond war sofort angetan, auch der Lektor (Peter Thannisch). Es war halt mal was ganz anderes, das den üblichen Rahmen sprengte.
GS: Wie wird entschieden, was Thema eines Zamorra-Hardcovers ist? Wie frei bist du als Autor hier in der Themenwahl? Inwieweit bist du bei den Hardcovern W.K. Giesa, dem Chefautor der Heftserie, verantwortlich?
CM: Mit der Themenauswahl bin ich völlig frei. Natürlich muss es mit der Heftserie konform gehen – ist ja klar. Ich vertiefe am liebsten Themen, die ich selbst in der Serie entwickelt habe bzw. fortführe. (Unsterblichenthema in HC 15 mit Andrews Vergangenheit, ein Buch das so gut wie überall begeistert aufgenommen wurde; HC 19 mit … naja, lass dich überraschen.)
GS: Werde ich tun. So lange ist es ja Gott sei Dank nicht mehr hin. Lief die Arbeit für „Todesflüsse“ anders ab, als für andere Hardcover oder Heftromane? Sind die Geschichten nacheinander entstanden, oder hast du dazwischen andere Sachen geschrieben?
CM: Ja, das war etwas ganz anderes. Ich schrieb ohne auch nur im Geringsten auf die Länge zu achten – ein Luxus, den es im Serienbereich praktisch nicht gibt. Da hab ich mir diese Möglichkeit selbst erschaffen
Die Geschichten entstanden weitgehend nacheinander, aber einige hab ich auch im Vorfeld geschrieben, neben anderen Romanen her. Die „berühmt-berüchtigte“ Punktgeschichte stand ganz am Anfang. Manche lieben sie, manche hassen sie. Ich finde sie nach wie vor mit das beste, das ich je geschrieben habe. Eine einmalige Idee, die sich weder kopieren noch wiederholen lässt.
GS: Wie kritikfähig bist du? Wie reagierst du beispielsweise darauf, wenn ein Rezensent bei www.gruselromane.de schreibt, mit „Todesflüsse“ gar nix anfangen zu können (Ja, ich gestehe! Dieser Rezensent war ich!)? Was trifft dich härter: gerechtfertigte oder ungerechtfertigte Kritik?
CM: Zum Glück ging praktisch alle „negative“ Kritik, die ich für Todesflüsse erhielt, dahin, dass die Leser sagten, sie könnten mit der Form „Kurzgeschichte“ nichts anfangen – nun, daran kann ich nix ändern. Freilich ist das schade … aber das ist eben so. Viele bescheinigten mir, dass die Storys klasse waren, vor allem – tja, das ist halt wichtig – der Lektor.
Aber Deutschland ist ein Land, in dem sich Kurzgeschichten ganz schlecht verkaufen lassen … und das ist tatsächlich so, keine Übertreibung. Mit dieser Form kann man in diesem Land offenbar wenig anfangen. Schade. Ich liebe sie.
Zu deiner anderen Frage – ich denke schon, dass ich kritikfähig bin, wobei ich nicht alle Kritik akzeptiere … da bin ich krass. Das auch zu deiner Frage – ungerechtfertigte Kritik trifft mich nicht. Und ungerechtfertigte Kritik gibt es immer. Freilich gibt’s auch oft gerechtfertigte Kritik, und die ärgert zwar, spornt aber vor allem an. Ohne Kritik wäre ich nie soweit gekommen, wie ich gekommen bin. Und ich will noch weiter .
Es gibt Leute, die es besser wissen, die mehr Erfahrung haben, die Texte von außen sehen (by the way: manche Fehler, die ich mache, lektoriere ich bei Romanen von anderen gnadenlos raus --- nur sehe ich die bei meinen Texten nicht. Das ist ein schwieriger Lernprozess!). Oder auch Leser, die vielleicht weder mehr Erfahrung haben, noch es besser wissen … aber die es aus dem Bauch raus spüren, wo es hapert, ohne es vielleicht genau benennen zu können. Auch das ist für mich als Autor sehr wichtig, und ich lese alle Foren/Kritiken/Rezis, die ich zu Gesicht bekomme.
GS: Du lektorierst auch noch? Mit wie viel Schlaf kommst du eigentlich aus? Kannst du vielleicht mal ein oder zwei Beispiele für typische Fehler nennen, die du rauslektorierst?
CM: Oh, ich brauche leider viel Schlaf. Ich lektoriere nicht viel, immer mal wieder ein bisschen was. Typische Fehler sind Unnötigkeiten („sagte er“, wenns eh klar ist, dass er es sagt) oder so was wie ständig „sein“ („er schlug SEINE Hände zusammen“, „er lief auf SEINEN Füßen“ --- ja, von wem sollen sie sonst sein?).
Sowas halt. Das geht jedem Autor mal durch.
GS: Wie heftig (oder überhaupt?) wird unter Kollegen Kritik geübt?
CM: Wenig. Eher unter den Kollegen, die gleichzeitig „Freunde“ sind. Wobei ich das auf Autoren beziehe – ein Lektor (zumindest ein guter Lektor) wird Fehler benennen und Hinweise geben, wie sie zu vermeiden sind. Zumindest ich hab das Glück, von vielen Lektoren, mit denen ich zusammengearbeitet habe, vieles gelernt zu haben. Ohne Hilfe von außen geht’s nicht.
GS: Von welchem deiner Werke bist du auch heute noch richtig begeistert? Und welches gefällt dir gar nicht mehr?
CM: Meine Maddrax-Romane waren nicht das Wahre, und schon gar nicht mein erster Coco-Roman in der Urfassung. Auch der eine oder andere Cotton war eher durchschnittlich, aber nicht wirklich schlecht
Zu meinen besten zähle ich PZ 815 (Die Schlangenschwester) und Atlan 51 (Vorstoß in die Intrawelt), sowie PZHC 15. Auch andere Sachen find ich prima , etwa mein erstes Cotton-Taschenbuch (bissle naiv, aber superfetzig).
Das mögen andere ganz anders sehen.
GS: Gibt es für dich als Autor etwas, das du unbedingt noch machen willst? Gibt es eine Serie, bei der du noch gerne mitschreiben würdest? Oder hat sich mit Perry Rhodan dein größter Wunsch erfüllt?
CM: Perry ist die Spitze des Heftmarkts. Das sehe ich als gewaltigen Erfolg an, und da werde ich in Ruhe meine Arbeit vertiefen in den nächsten Jahren.
Ansonsten schiele ich freilich nach dem serienunabhängigen Buchmarkt. He, Mann, wer würde nicht ganz gerne den neuen Harry Potter schreiben, Millionen Exemplare verkaufen, Belegexemplare aus aller Welt erhalten, für die Filmrechte Millionen kassieren etc.?
GS: Gibt es eine Serie, die dich so wenig reizt, dass du es ablehnen würdest, daran mitzuarbeiten?
CM: Ja.
GS: Bleibt dir bei den vielen Serien, an denen du mitschreibst, noch genügend Zeit, selbst zu lesen? Falls ja, welche Heftserien liest du? Welche Bücher?
CM: Ich lese leider recht wenig (da ich mich den ganzen Tag mit Texten beschäftige), aber es ist mir immer noch sehr wichtig.
Momentan v.a. Stephen King. Auch hin und wieder Heftromane, die ich nicht lesen „muss“ (also aus Serien, an denen ich nicht mitarbeite) – das sind Dan-Shocker-Romane, die ich nach wie vor klasse finde; außerdem Tony Ballard – für mich entspannende Lektüre, die sich in einem Rutsch durchlesen lässt. Ballard mag Trash sein oder ganz der 80er-Jahre-Stil auch in den neuen Hardcovern, aber das find ich hin und wieder prima. Da spielt auch sicher Nostalgie eine Rolle. Aber A. F. Morland hat was, das kein anderer hat.
GS: Worauf könntest du eher verzichten: aufs Lesen oder aufs Schreiben?
CM: Aufs Lesen.
Nein, aufs Schreiben.
Aufs Lesen.
Nein …
GS: Aufs Lesen oder aufs Fernsehen?
CM: Aufs Lesen.
Nein, aufs Fernsehen.
Aufs …
Hier kann ich aber auch eine ernsthafte Antwort geben: aufs Fernsehen. Schaue ich kaum. Ich gucke mir hauptsächlich Serien an, und das vor allem auf DVD, ist ja kein Fernsehen … *räusper*
GS: Auch an dich als abschließende Frage: Welche Frage würdest du gerne einmal beantworten, nur ist sie dir bisher leider noch nie gestellt worden? Wie lautet die Antwort auf diese Frage?
CM: Wie schafft es Olsen, sich so viele Fragen auszudenken? Und welches dunkle Geheimnis verbirgt Olsen? Und die Antwort darauf lautet … na los, Olsen, antworte! Sonst hetz ich dir die Negasphäre auf die Fersen, dazu noch Stygia und Mathrigo!
GS: Wen interessiert schon mein dunkles Geheimnis? Mich kennt doch keiner! Außerdem hab ich auch gar keines. Na ja, außer vielleicht, dass ich mir dauernd zwanghaft irgendwelche Fragen ausdenken muss, mit denen ich dann unbescholtene Autoren belästige. Aber wie auch immer: Hab vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit genommen hast, auf alle (... äh ... fast alle) Fragen so ausführlich zu antworten. Es hat mir viel Spaß gemacht.
Siehe auch "15 Fragen"
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