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Interview mit Bernd Tezeden über Black Jericho

im Gespräch mit Bernd Tezeden über Black Jericho

: Hallo Bernd,
am 28. Mai geht deine neue Serie »Black Jericho« an den Start. Im Vorfeld gab es schon hitzige Diskussionen um deine ganz spezielle Art von Autorensuche. Da die Serie nun erscheint, gehe ich davon aus, dass du Autoren gefunden hast, die mit deinen »Bedingungen« einverstanden waren. Bist du mit der Wahl deines Autorenteams zufrieden und wie sieht die Zusammenarbeit untereinander aus? Inwieweit haben sich die anderen Autoren schon in die Serie einbringen können?

Bernd: Hi Anke,
die Zusammenarbeit mit den Autoren läuft erstaunlich gut. Besonders möchte ich da Aldo Luburic hervorheben, der nebenbei noch das Lektorat mit mir übernimmt und den Aufbau einer Datenbank in Angriff genommen hat. Aline Sauvage und Ion Kolczàn haben jeweils ihren Erstling abgegeben; beide Werke müssen noch korrigiert und lektoriert werden.

: Der Pilotroman stammt aus deiner Feder, ich habe ihn gelesen und rezensiert. Es ist unschwer zu erkennen, dass mir die Story gut gefallen hat. Unterhaltungslektüre mit einem sehr ernst zu nehmenden Hintergrund. Sex und Gewalt sind zwar genauso vordergründige Elemente, reichen aber mit Sicherheit nicht aus, um Leser für sich zu gewinnen. Habe ich da zu viel hineininterpretiert oder war das genau so beabsichtigt?

Bernd: Allein auf Sex und Gewalt können wir keine Serie aufbauen, auch wenn die Bewerbung als Trash-/Exploitation-Reihe darauf schließen lässt. Es wird schon noch mysteriöse Hintergründe geben, spannende Konflikte und bunte Charaktere. Aber Jericho ist nun mal eine Figur, die querschießt, nicht in die Normen passt und nichts so ernst nimmt, als dass er nicht einen makabren Scherz darüber machen könnte. Die Gewalt, die er verbreitet, ist schon so absurd, dass jeder sie als übertrieben erkennt.

: Bitte schildere uns doch den Hintergrund für »Black Jericho« aus deiner Sicht. Gab es einen bestimmten Grund, dass du dich für eine solche Welt voller Genmanipulationen und Menschenverachtung entschieden hast?

Bernd: Black Jericho spielt in einer Welt, von der uns gerade einmal 40 Jahre trennen. Oberflächlich betrachtet mag sie sich spürbar verändert haben, doch die Probleme sind immer noch dieselben, die wir aus unserem Alltag kennen. Jericho Blane ist jemand, der unorthodoxe Methoden zur Bewältigung dieser Probleme einsetzt, wozu nun auch der Einsatz roher Körperkraft und großkalibriger Waffen zählt. Er ist schließlich kein Detektiv und auch kein Denker. Sein Lebensmotto könnte man durchaus in dem Slogan »Sex, Drugs and Rock’n’roll« zusammenfassen. Da er einige Erlebnisse hinter sich hat, die seine Gefühlswelt arg ins Wanken gebracht haben, scheint seine gegenwärtige Einstellung recht verständlich.
Was die Genmanipulation angeht, fand ich das Thema einfach interessant. Das Herumpfuschen am Erbgut von Menschen, Tieren und Pflanzen wird seine tatsächlichen Auswirkungen erst nach Jahrzehnten zeigen. Menschenverachtung hingegen ist ein Aspekt, den wir heutzutage an jeder Ecke finden – schön verschleiert und manchmal auch sehr offensichtlich. Bei Black Jericho werden die Tücken einer nach außen hin sozialen Gesellschaft aufgegriffen und in überspitzter, ja parodistischer Weise aufgearbeitet.

: Wie entstand eigentlich die Idee für die Serie?

Bernd: Das ist so banal, dass ich es einfach loswerden muss: Die Idee kam mir beim Ausprobieren neuer Software. Ich habe mit ein paar Personen herumexperimentiert, die äußeren Formen verändert – und plötzlich stand Jericho Blane vor mir!

: Wer macht die Cover?

Bernd: Die mache ich selbst und nenne mich dann Digital Art. Sie entstehen mit der oben beschriebenen Software und zwei Bildbearbeitungsprogrammen für Effekte und Composing.

: Wie lange dauerte es von der Idee bis zum Druck des ersten Bandes?

Bernd: Angefangen zu schreiben habe ich am 19. März. Anfang April ging es ins Romantruhe-Korrektorat und gleichzeitig zu Aldo Luburic, der den Roman wie ein Gänseblümchen zerpflückt hat. Mitte April ging es an die Leserseite, und Ende April sind die Daten an die Druckerei gegangen. Also kann man generell von etwa sechs Wochen Produktionszeit für einen Roman ausgehen. Das ist kein Widerspruch zur monatlichen Erscheinungsweise, da sich die Produktion an der nachfolgenden Nummer mit der aktuellen überschneidet.

: Wer zeichnet für das Lektorat und Korrektorat verantwortlich?

Bernd: Bei der Romantruhe kümmert sich wie gehabt Uwe Köhl ums Korrektorat, während mein Co-Autor Aldo Luburic sich mit mir das Lektorat teilt. Für seine Hinweise bin ich sehr dankbar, weil er mit detektivischer Präzision Ungereimtheiten aufdeckt. Das abschließende Lektorat mit Stilkorrekturen übernehme dann ich. Leider stimmt es, dass man trotz sorgfältiger Bearbeitung immer noch den ein oder anderen Rechtschreibfehler übersieht. Umso ärgerlicher, wenn er einem gleich beim ersten Öffnen des Belegexemplars in die Augen springt …

: Auf dem Geisterspiegel erscheint die kostenlose Null-Nummer zu »Black Jericho«. Warum eine Null-Nummer und diese dann nur digital?

Bernd: Tja, die Null-Nummer war nicht einmal meine Idee, sondern stammt von der Agentur chichili, die das Marketing im Bereich Mobile Book übernimmt. Man war der Meinung, zur Nummer 1 einen Band herauszubringen, der einige Hintergründe der Serie erklärt und sich durch die kostenlose Verteilung offen der Leserschaft präsentiert. Wer will schon die Katze im Sack kaufen, nicht wahr? Dasselbe Konzept hat chichili übrigens auch bei der Asgard-Saga von Wolfgang Hohlbein verfolgt, zu der es einen digitalen, 70-seitigen Einstiegsband gibt.

: Bekommt man den kostenlosen Download außer beim Geisterspiegel auch woanders?

Bernd: Beim Geisterspiegel gibts die PDF-Version, bei beam e-books erhält man PDF, EPUB und Mobipocket, und auf den Portalen von Android Marketplace, Vodafone, Jamba und einigen anderen wird es die Mobile-Book-Version, etwa fürs Handy, geben.

: Wie weit hast du die Serie geplant und welche Freiheiten dürfen sich deine Mitautoren nehmen?

Bernd: Die Serie ist nicht weit vorausgeplant, maximal drei Hefte. Die Co-Autoren sind völlig frei bei der Handlungsgestaltung, solange sie sich am Background orientieren und dem Slogan Trash/Exploitation gerecht werden. Und sollte es damit mal hapern, schreibe ich die Szenen selbst rein.

: Wird das Geheimnis um die Pseudonyme der anderen Autoren irgendwann gelüftet werden? Gab es einen bestimmten Grund, dass alle Autoren unter Pseudonym schreiben?

Bernd: Kann gut sein, dass die Autoren sich irgendwann mal der Öffentlichkeit als die präsentieren, die sie sind, aber momentan möchten sie das nicht. Was die Pseudonyme generell angeht, finde ich, dass die bürgerlichen Namen irgendwie das Thema verfehlen. Earl Warren passt auch besser auf einen Western als Walter Appel. »Die große Gruselserie von Helmut Rellergerd« hört sich jetzt auch nicht so richtig gruselig an. Daher haben wir für Black Jericho ein englisches Pseudonym, ein französisches und zwei, die irgendwo aus Transsylvanien zu stammen scheinen …

: Wenn du den Lesern noch etwas sagen möchtest, dann kannst du es an dieser Stelle einfach mal tun.

Bernd: Kauft Black Jericho – oder verreckt im Staub!

: Ich danke dir für das Interview und wünsche dir alles Gute. Zunächst natürlich viele interessierte Leser, die hoffentlich genauso ihren Spaß am »Massaker in den Leichenminen« haben wie ich.

Bernd: Demnächst als Pflichtlektüre an den Grundschulen!
Danke dir für deine Zeit und die guten Wünsche. Ich kann sie brauchen, falls die Kultusministerien meinen Vorschlag ablehnen …

Das Interview führte Anke Brandt per E-Mail

Eine erste Rezension gibt es HIER

Copyright © 2010 by Anke Brandt

 

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