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Interview mit Bernd Tezeden alias Des Romero zum Projekt BLACK JERICHO

im Gespräch mit Bernd Tezeden

Sein Lieblings-Horror-Regisseur ist George A. Romero. Der Vorname ist eine Leihgabe des Großvaters mütterlicherseits, wohingegen der Nachname von seinem Vater aus dem vorderasiatisch-syrischen Raum importiert wurde. Bernd Tezeden wurde am 15. Juli 1964 in Heinsberg, NRW, geboren.
Schon während seiner Schulzeit beglückte er seine Mitschüler mit selbst angefertigten Comiczeichnungen und Romanheftchen, bis im Sommer 1985 der HÖLLENJÄGER das Licht der Welt erblickte.
In Zusammenarbeit mit ROMANTRUHE wird es im Mai 2010 die neue Reihe BLACK JERICHO geben.


Homepage von Bernd Tezeden: www.hoellenjaeger.de

: Hallo Bernd, den Lesern des Geisterspiegels bist du natürlich bekannt als Autor der Serie HÖLLENJÄGER. Nach 12 Bänden endet diese Serie, doch deine Arbeit als Autor scheint nun erst richtig anzufangen. Mit BLACK JERICHO startest du ein Projekt, das es in dieser Form wohl eher selten gibt in Deutschland. Die Ausschreibung zu BLACK JERICHO ist gestartet, und wie es nun einmal so ist, wenn etwas Neues beginnt, es stößt nicht nur auf Zustimmung.
Wir wollen dir mit diesem Interview die Gelegenheit geben, einige aufgeworfene Fragen und Kritikpunkte zu beantworten bzw. richtig zu stellen.
Doch zunächst interessiert uns noch einmal genau, wie es zur Idee für das Projekt kam.

Bernd Tezeden: Nun, Anke, ich wollte etwas Freakiges, Flippiges machen. Etwas, bei dem ich die Sau rauslassen kann, über die Stränge schlage und trotz aller Absurdität liebenswerte Figuren schaffe. Diese Figuren sollen all das machen können, was sich ein jeder von uns gerne wünscht: Ausbrechen aus dem Korsett der Normalität und einfach sie selbst sein. Der HÖLLENJÄGER bietet mir aufgrund der konsistenten Storyline und den Tonnen an Exposévorgaben keinen Freiraum für derartige Experimente. Und da die Geschichte jetzt abgeschlossen ist, habe ich im März bereits begonnen zu experimentieren. Zuerst war es ein Schriftzug im PhotoImpact, dann ein Name. Plötzlich tauchte diese Software namens iClone auf, und der Name bekam ein Gesicht: BLACK JERICHO war geboren.

: Wer außer dir und Joachim Otto von der Romantruhe arbeitet noch mit?

Bernd Tezeden: Joachim Otto hat sich spontan bereiterklärt, die neue Serie unter seine Fittiche zu nehmen, sprich: zu publizieren. Dafür ein großer Dank an ihn. Außer mir als Autor arbeitet Greg Sutton an der Serie mit. Er schreibt die ersten drei Romane und ist das zweite Pseudonym von Bernd Tezeden. Alles klaro?

: An wen richtet sich die Ausschreibung, hattet ihr da eine bestimmte Zielgruppe vor Augen?

Bernd Tezeden: Vornehmlich Hobby-Autoren und Menschen, die gerne in ihrer Freizeit schreiben. Unser Test-Exposé soll sicherstellen, dass dem Bewerber der Stoff auch liegt und er sich nicht hindurchquälen muss. Das wäre sicher keine erstrebenswerte Basis für eine Zusammenarbeit.

: Ihr prüft die eingehenden Manuskripte u.a. nach Formulierungen, Tempo, Ausdruckssicherheit und Beherrschung der Szene. Was passiert mit der Analyse, werden die jeweiligen Autoren über eure Meinungen informiert, damit sie wissen, was gut oder weniger gut geschrieben war?

Bernd Tezeden: Auf jeden Fall! Wir haben bestimmte Vorstellungen von der Umsetzung. Da wir nur im Umfang eines Heftromans erscheinen, muss mit wenigen Worten viel gesagt werden. Es soll keine ausufernden Beschreibungen von Locations und Personen geben. Wir müssen schnell zur Sache kommen. Gegenüber dem HÖLLENJÄGER wird BLACK JERICHO leichte Feierabendkost sein. Das sollte jeder Schreiber berücksichtigen. Zwei Rückfragen von Contest-Teilnehmern zielten genau in diese Richtung, da das Mini-Exposé durchaus Stoff für mehrere Seiten bieten würde. Das A und O jeder Erzählung sind die Dialoge. Darauf werden wir verstärkt bei den Einsendungen achten. 08/15 ist da nicht gefragt.

: »Betrachte deine Leistungen als Teil deiner persönlichen, schriftstellerischen Entwicklung«, so eine Formulierung der Ausschreibung.
Könnte man das Projekt im weitesten Sinn dann als eine Art Schreibschule betrachten?

Bernd Tezeden: So weit würde ich keinesfalls gehen. Jeder, der uns schreibt, bekommt eine korrigierte Fassung seines Manuskripts retour. Wenn wir mit dem Stil nun gar nichts anfangen können – was lediglich bedeutet, dass er nicht unseren Geschmack trifft – werde ich dies umgehend mitteilen. Zur persönlichen und schriftstellerischen Entwicklung zählen immer auch die unerfreulichen Begebenheiten. Aber das ist kein Weltuntergang, sondern ein Ansporn.
Noch einmal ganz klar: Abgelehnte Manuskripte sind nicht zwangsläufig schlecht. Jeder Verlagslektor hat seinen persönlichen Geschmack – da fallen halt viele durchs Raster ...

: Du schreibst klar und deutlich, dass es keine Verträge und damit auch kein Honorar geben wird. Genau das wird heftig kritisiert. Was sagst du dazu?

Bernd Tezeden: Der Diomedes Verlag ist – auch wenn es sich nicht danach anhört – ein Eigenverlag. Finanzielle Mittel sind da keine vorhanden. BLACK JERICHO ist auch für mich eine unbezahlte Fingerübung, für die ich meine Belegexemplare als Honorar bekomme. Die Produktionskosten einer Kleinauflage sind im Vergleich zu den auflagenstarken Romanen von Bastei und Kelter geradezu astronomisch. Vielleicht liegt es an meinem Bestreben, den Diomedes-Printprodukten ein professionelles Äußeres zu verleihen, dass man mich gleich in die Schublade mit den»Großen« geschmissen hat. :-)

: In der Ausschreibung vergleichst du ein Extrem, nämlich keine Bezahlung, mit dem anderen Extrem, Druckkostenzuschuss. Auch das war ein Aufhänger für Kritik. Ich muss gestehen, dass ich diesen Vergleich auch unglücklich gewählt finde. Es hört sich ein wenig danach an, als gäbe es nur diese beiden Möglichkeiten, um als neuer Autor einen Verleger zu finden, der meinen Namen auf einem Buch abdruckt. Warum kam es zu diesem Vergleich?

Bernd Tezeden: Der Vergleich mit den DKZ-Verlagen kam nicht von ungefähr. Vor zwei Jahren etwa habe ich – ohne es zu wissen – einen solchen Verlag angeschrieben, um die Veröffentlichung des HÖLLENJÄGERs prüfen zu lassen. Zwei Wochen darauf kommt ein äußerst positives Schreiben von einem begeisterten Lektor zurück. Ein Vertrag ist dem Schreiben ebenfalls beigefügt – samt Rechnung über 5.900 EUR. Das hat sich bei mir festgesetzt, und daher wollte ich die Extreme des »unbezahlten« und »ausgenommenen« Schreibers gegenüberstellen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit – wie bei euch – eine Online-Serie mitzuschreiben, Kurzgeschichtenwettbewerbe der gestandenen Verlage wahrzunehmen oder auf gut Glück seine Manuskripte einzusenden. Wer bei BLACK JERICHO mitschreibt, soll Spaß daran haben – der Fun-Faktor ist wichtig. Schließlich schreiben wir alle in unserer Freizeit. Die bezahlte Arbeit bringt doch schon genug Stress mit sich.

: Es steht nirgends geschrieben, ob der Autor Freiexemplare erhält. Habt ihr das einfach vorausgesetzt, vergessen oder gibt es tatsächlich keine Freiexemplare?

Bernd Tezeden: Ich hab echt vergessen, es reinzuschreiben. Irgendwo hab ich es als selbstverständlich angesehen und mir keine weiteren Gedanken gemacht. In eurem Forum ist das ja bereits richtiggestellt worden.

: Wie ist das Casting bisher angelaufen? Gibt es schon Bewerber, die auf einen Erfolg der Serie hoffen lassen?

Bernd Tezeden: 21 Bewerbungen sind bisher eingegangen. Darunter zwei von »Professionellen«, die – ich war selbst überrascht – ohne Honorar arbeiten würden. Ich möchte die Namen noch nicht nennen, bevor ich eine wasserdichte Zusage habe. Arbeitsproben habe ich aber bisher noch nicht erhalten. Ist ja auch noch sehr früh.

: Was wird aus deiner Sicht den Erfolg der Serie ausmachen, was ist das Besondere an BLACK JERICHO?

Bernd Tezeden: Schrille Typen, futuristischer Background, Horror und Science-fiction, absurde Ideen und jede Menge Action. Außerdem Blood'n'Guts sowie Sex, Drugs and Rock'n'Roll … Mit 3,95 EUR pro Ausgabe gehen wir dann sogar bis an die Schmerzgrenze.

: Bernd, ich hoffe, dass wir mit diesem Interview ein wenig dazu beitragen, dass sich einige erhitzte Gemüter abkühlen und BLACK JERICHO eine echte Chance auf dem Markt bekommt. Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast, dich unseren Fragen zu stellen. Zu gegebener Zeit werden wir bestimmt nochmals auf dein neues Projekt zurückkommen. Wir wünschen dir und allen Autoren einen erfolgreichen Start der neuen Serie.

Bernd Tezeden: Kein Problem, Anke, ich habe es gern getan. Und euch Geisterspieglern wünsche ich, dass euer Magazin noch ein paar Jährchen online zu lesen ist.

Die Fragen stellte Anke Brandt.

 

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