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Das Interview wurde auf der Leipziger Buchmesse 2008 geführt. |

: Hallo Bernhard, zuerst einmal vielen Dank, dass du dir trotz eines übervollen Terminkalenders die Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten.
Da dein Buch Nebenan Ende letzten Jahres eine Neuauflage erlebte, endlich, wie ich meine, werden sich die ersten Fragen auch überwiegend darauf beziehen. Wie beim Lesen unschwer zu erkennen ist, hast du einige persönliche Dinge von dir verarbeitet. Allerdings ist es dann doch ein sehr eigenwilliger autobiografischer Roman geworden.
Wie viel Bernhard Hennen steckt in Till Willems, dem Hauptprotagonisten? Und wie kam es überhaupt zu diesem Buch?
Bernhard Hennen: Also, Till Willems, das bin wirklich ich. Genau wie die Gruppe der Ui Talchiu, die da auftauchte, diese „Kelten-Reenacta“, die gab’s auch wirklich. Das war die Mittelaltergruppe, mit der ich lange über die Märkte gezogen bin. Und jetzt, nachdem einige Jahre seit Erscheinen des Buches verstrichen sind, haben sie mir auch vergeben, dass ich ihnen in dem Roman rosa Umhänge angedichtet habe. Also, diese Gelegenheit sei genutzt, dazu zu sagen: Nein, die Ui Talchiu haben natürlich außer in dem Roman nie rosa Umhänge getragen. Der Rest stimmt allerdings.
: Und was ist sonst noch alles wahr und wo beginnt dann in diesem Roman die Fantasy? Inwieweit hast du dich auch an persönliche und örtliche Begebenheiten in Köln so gehalten?
Bernhard Hennen: Also, den Geusenfriedhof zum Beispiel, auf dem der Roman beginnt, den gibt es wirklich. Da bin ich als Student selbst oft gewesen und habe die Ruhe genutzt, dort zu lesen oder mir einfach einen sonnigen Nachmittag zu machen. Einige meiner Professoren haben sich wiedererkannt in diesem Roman. Nicht alle waren glücklich. Einer fand’s klasse. Wer den Roman kennt, kann sich wahrscheinlich denken, wer das ist. Ein anderer Professor fand das gar nicht lustig, was ich so geschrieben hab. Trotzdem durfte ich sogar an der Uni Köln mal eine Lesung aus dem Buch halten. Und mit dem Roman Nebenan ist es so, dass gerade die Dinge, die am aller unwahrscheinlichsten manchmal erscheinen, am dichtesten an der Wahrheit sind. Denn den Bergwerkstollen unterhalb der Universität zu Köln, den gibt es zum Beispiel wirklich und der hat eine recht seltsame Geschichte. Der ist vor etwas mehr als 100 Jahren angelegt worden und nicht etwa von irgendwelchen Bergbauingenieuren oder, na, irgend einer mechanischen Fakultät. Nein, der gehörte den Betriebsmedizinern der Universität zu Köln. Und da in dieser Zeit bei den Betriebsmedizinern vor über 100 Jahren auch viele Mediziner für den Bergbau im Ruhrgebiet ausgebildet worden sind, hat irgendjemand da von den Profs mit Geld und Einfluss die Idee gehabt, dass es gut sein könnte, bevor man die dann verschickt, zu testen, ob die vielleicht Platzangst haben oder sonst irgendwelche Probleme in Tunneln bekommen. Deshalb hat man diesen Stollen unter dem Hauptgebäude der Uni erschaffen, um sozusagen schönste Unfälle des Bergbaus da fast lebensecht simulieren zu können und die jungen Mediziner da rein zu schicken und zu gucken, wer umkippt, wer schreiend wieder raus rennt und wer tauglich ist für den Beruf. Dieser Stollen ist dann in den 20er Jahren Touristen gezeigt worden. In den 30er Jahren ist er mehr und mehr in Vergessenheit geraten, bis irgendwann da ein Hausmeister die Tür abgeschlossen hat und den Türrahmen nutzte, um ein Regal rein zubauen, und all die Dinge, die man als Hausmeister nicht sofort brauchte, aber auch noch nicht wegwerfen kann, so halbleere Farbtöpfe, abgebrochene Besenstiele, solche Sachen in diesem Regal zu deponieren. Und so ist das lange geblieben, bis etwa 40 Jahre später ein anderer Hausmeister sich dachte: Ah, entrümpeln wir dieses Regal mal endlich und dann auch die Regalbretter herausnahm. Und völlig verblüfft war dahinter eine Tür zu sehen, die zu seinem Reich als Hausmeister gehörte, von der er aber nichts wusste. Dann hat er den Schlüssel dafür irgendwie aufgetrieben. Und sie ging schwer auf. Und als er dann da durchging und in einem Stollen stand, war er einigermaßen verblüfft. Allerdings hat es dann nicht ganz lange gedauert, bis die Betriebsmediziner sich wieder daran erinnert haben. Sie haben diesen Bergwerksstollen wieder in Besitz genommen und auch heute gibt es so zwei oder drei Mal im Jahr noch Führungen in diesen Stollen. Also, diese etwas seltsame Lokalität aus dem Roman Nebenan, die gibt´s wirklich.
: Glaubst du an Heinzelmännchen?
Bernhard Hennen: Ach, ich wünschte, ich hätte ein paar in meinem Arbeitszimmer. Das könnte ich wirklich gut gebrauchen. Nein, mir sind sie leider noch nicht begegnet. Vielleicht habe ich irgendwann in meiner Jugend einen kritischen Fehler gemacht und die für immer vertrieben. Also, nein, ich hätte sie gerne. Also, falls jemand Heinzelmännchen antrifft, sagt ihnen, ich täte fast alles für sie.
: Und wie verbringst du heute für gewöhnlich das Samhaimfest? Und wie war das früher?
Bernhard Hennen Ja, früher war ich des Öfteren mit den Ui Talchiu unterwegs. Und auch das Samhaimfest, das in dem Roman geschildert ist, beruht, sagen wir mal abgesehen von der Begegnung mit dem Mann, der dann dort erscheint, zu neunzig Prozent auf Erfahrungen. Wir haben wirklich die keltischen Feste gefeiert als „Reenactment-Gruppe“ und da abgelegene Orte in der Eifel für gesucht. Und das waren sehr schöne Abende, die ich auch sehr vermisse. Leider ist die Zeit vorbei, also, das Samhaimfeiern. Das in ganz kleinem Kreis mal noch, aber lange nicht mehr so, wie es einmal gewesen ist.
: Und was verbindet dich persönlich mit Oswald von Wolkenstein? Siehst du dich als verwandte Seele dieses Träumers, Abenteurers und Schlitzohrs?
Bernhard Hennen: (lacht) Ja, durchaus. Also, Oswald von Wolkenstein ist eine historische Figur, die eben genau so schillernd ist, wie du ihn dargestellt hast und der unter anderem auch Autor war, aber sonst auch noch ein paar schlimme Dinge getan hat. Er war Ritter und war in diverse, ja, nicht so ganz astreine Sachen verwickelt und ist einfach eine unglaublich schillernde Persönlichkeit aus dem Mittelalter.
Es gibt auch eine sehr schöne Biografie von einem Kollegen über Oswald von Wolkenstein und die heißt „Ich Wolkenstein“. Ist zu empfehlen. Der Zugang ist ein bisschen schwierig, aber wenn man sich einmal an den Stil gewöhnt hat ein wundervolles Buch.
: Trotz allem Spaß an der Lektüre sprichst du aber auch wichtige Themen an. Nicht umsonst tritt der Erlkönig als Ökoterrorist auf und legt erst mal ein Kernkraftwerk lahm. Passte dir der Ökoterrorist jetzt einfach nur in die Handlung oder wolltest du tatsächlich auch ein gewisses Nachdenken beim Leser erreichen über Umweltprobleme zum Beispiel?
Bernhard Hennen: Ich habe einige Novellen, die im Hier und Jetzt spielen, mit phantastischem Hintergrund auch verfasst. Und immer, wenn es in der Region Köln spielt, geht es um Energiewirtschaft. Hier geht es ja auch um den Braunkohletagebau. Da kommt es ja dann noch zu dramatischen Ereignissen in diesem Sinne mit dem Sohn des Energieministers von NRW. Und ja, das ist etwas, dass mich aufwühlt. Also, wer den Braunkohletagebau zwischen Köln und Aachen mal gesehen hat, diese gigantischen Löcher, die da entstehen, die tausend Meter in die Erde gegraben werden, um diese Form des Bergbaus zu betreiben, der weiß, wie in dieser Weise die Geschichte des Landes vernichtet wird. Wie Ritterburgen verschwinden, weil der Braunkohletagebau da lang geht. Den berührt das, wenn er das so erlebt hat wie ich und Dinge, die mich berührt haben, über die versuche ich auch immer zu schreiben. Deshalb ist, wenn Romane im Hier und Jetzt spielen und in der Region Köln, dann ist der Braunkohletagebau da immer ein Thema.
: In dem Jugendbuch Alica und die dunkle Königin kehrst du ja nach Nebenan zurück. Es gibt ein Wiedersehen mit der Möwe Schnapper, mit dem Heinzelmännchen Wallerich. Und doch findet sich in diesem Buch nicht der gewaltige Wortwitz von Nebenan wieder, wie ich meine. Lag es einfach daran, dass es als Jugendbuch veröffentlicht wurde? Warum gab es nicht eine direkte Fortsetzung von Nebenan?
Bernhard Hennen: Also, es sollte als Jugendbuch einen anderen Ton haben und etwas abenteuerlicher sein. Es sollten diese oft auch mehr für Erwachsenen angelegten Witze wie in Nebenan nicht so sehr im Vordergrund stehen. Ein bisschen was ist davon noch drin, aber das Konzept was einfach ein anderes. Es ist aber auch so, dass ich seit langem über eine Fortsetzung von Nebenan nachdenke. Die würde Nebenan und Anderswo vielleicht heißen. Anderswo wäre eine Welt ganz ähnlich wie Nebenan. Aber so wie in Nebenan sich dann die literarischen Gestalten und Märchengestalten manifestieren, würden sich in Anderswo Filmgestalten manifestieren. Und diese beiden Welten würden noch einmal mit unserer Welt kollidieren und das Ganze würde, so ist der Plan, seinen Anfang nehmen in der Universitätsbibliothek zu Köln. Ich fühle mich meiner alten Uni immer noch sehr verbunden. Und würde einen Anlass haben, würde wieder etwas aufgreifen, das tatsächlich dort geschehen ist. Wie durch ein Loch in der Decke es länger hineinregnen konnte in eine Bibliothek und da würden dann auch andere Dinge in diese Bibliothek hinein fließen. Und das wäre so der Aufhänger, der Anfang von Nebenan und Anderswo. Ich hoffe, dass ich in den nächsten zwei, drei Jahren den Verlag und die Zeit finde, um dieses Buch auch noch schreiben zu können. Allerdings scheue ich auch ein bisschen davor zurück, weil nach Nebenan war ich wirklich tief erschöpft, denn nichts ist so anstrengend, wie 500 Seiten lang witzig zu sein.
: Gut, dann kommen wir jetzt noch zu den Elfen. Warum haben es dir gerade diese Geschöpfe angetan?
Bernhard Hennen: Tja, okay, ich komme einfach mit der schonungslosen Wahrheit. Also, zum einen habe ich Elfen schon immer gemocht. Wer meine Rollenspielpublikationen kennt, weiß, dass erstens, was ich geschrieben habe, war zum Entsetzen anderer DSA-Autoren eine Riesengeschichte über die Elfen des DSA-Universums. Das war bis dahin sakrosankt und weil das dem Uli Kiesow nicht ganz klar war, worauf das hinaus laufen würde. Letzten Endes hat er mir erst mal ja gesagt. Danach waren die anderen Autoren jahrelang böse, weil ich ihnen diesen Brocken weggeschnappt habe.
Und zum Roman Die Elfen ist es gekommen... Na ja, es gab das Buch Die Orks und das hatte einen großen Erfolg. Man hatte die Romane aus England gekauft. Das waren ursprünglich drei, hat ihnen einen ganz anderen Titel gegeben Die Orks und die parallel zum Erscheinen des ersten Herr der Ringe Films auf den Markt gebracht. Und dann war der Heyne-Verlag selbst einigermaßen überrascht vom durchschlagenden Erfolg dieses Buches, dass sich also wesentlich besser verkauft hat, als man in den kühnsten Verlagsträumen sich je hätte ausgemalt. Und dann kam der Kollege Markus Heitz auf die Idee, Die Zwerge zu schreiben und ich hatte davon gehört und dachte mir, okay, Die Orks, Die Zwerge, da müssen Die Elfen noch her.
Mit der Idee bin ich zum Heyne-Verlag marschiert, hab mein Exposè eingereicht und beim Heyne-Verlag hat man mir gleich gesagt: Ah, Herr Hennen, Sie sind da nicht der Erste, der auf diese Idee gekommen ist. Wir lesen das Exposè mal.
Das erste Exposè hat man dann aber in Bausch und Bogen abgelehnt, weil das viel zu radikal war. Dann habe ich noch ein zweites, ganz anderes entworfen und dann hatte ich das Glück, dass dieses zweite Exposè angenommen worden ist. Und so ist der Roman Die Elfen entstanden.
Da allerdings mittlerweile der Zeitdruck so groß geworden war, dass ich ein 900-Seiten-Buch in der vorgegebenen Frist nicht mehr hätte alleine schaffen können, habe ich mich auf die Suche nach einem Co-Autor gemacht und dazu meinen Freund James Sullivan angesprochen, der zwar schon mehrere Romane verfasst hatte, aber noch keinen Verleger gefunden hat. Und so haben wir dann gemeinsam den 1. Elfenroman geschrieben und haben es tatsächlich geschafft, halbwegs den Abgabetermin noch zu treffen.
: Der Aufbau der Trilogie um die Elfen ist ja recht eigenwillig. In Band 1 wird die Handlung abgeschlossen, Band 2 und 3 füllen Lücken, die in Band 1 entstanden sind. Klingt zunächst nach einem mächtigen Spannungskiller, ist ja aber zum Glück nicht so. Warum hast du dich genau dieser Herausforderung gestellt und gab es besondere Probleme da dann bei der Umsetzung und Spannungshaltung?
Bernhard Hennen: Also, es gab die Sorge, dass es bei den Lesern nicht so gut ankommt, weil, wie du schon gesagt hast, man weiß, wie das Ganze endet, wenn man Die Elfen gelesen hat. Aber man weiß so unendlich viele Dinge auch wieder nicht, die nur angedeutet sind und die man noch mit viel Abwechslung und vielen Überraschungen für den Leser erzählen kann. Und diese ungewöhnliche Form habe ich gewählt, weil ich als Fantasyleser nicht so gern habe, wenn ein Autor eine Trilogie schreibt oder einen großen Fantasyroman, der als ein für sich einzeln dastehendes Werk geplant war und eine tolle Geschichte ist. Dann kommt irgendwann der Verlag an und macht einem den Vorschlag, also weil das alles so prima gelaufen ist, schreiben Sie doch noch was in dieser Welt. Dann steht man als Autor gemeinhin vor dem Problem, dass man mit der Trilogie oder dem großen Roman gerade die Welt gerettet hat so in großem bauschendem Brimborium. Und man hatte zwar vielleicht ein bisschen darauf gehofft, dass man noch mal loslegen darf, aber meistens war das nicht so ganz geplant. Dann steht man davor: Was erzähl ich jetzt für eine Geschichte? Meistens wird es dann wieder die Weltenrettungsgeschichte bei vielen Kollegen. Und dummerweise taucht dann da ein noch schrecklicherer und finsterer Schurke als in der ersten Trilogie auf. Nur von dem hat man in den ersten drei Büchern irgendwie noch gar nichts gehört, weil der da noch nicht im Plan war. Da komm ich mir als Leser immer so ein bisschen abgemolken vor bei dieser Sorte Geschichte, auch wenn trotzdem sehr schöne Bücher dabei mitunter rauskommen.
Und weil ich das nicht so machen wollte, habe ich den anderen Weg gewählt, diesen etwas ungewöhnlichen Weg, mit Die Elfen die Hauptgeschichte komplett zu erzählen über 1000 Jahre und mit den Folgebänden dann Nischen dieser Geschichte zu suchen und andere Geschichten, die in der Hauptgeschichte angedeutet sind, in aller Ausführlichkeit in den nachfolgenden Bänden zu erzählen.
: Was dir ja durchaus gelungen ist. In den Elfenbüchern, auch in Elfenritter beschreibst du Kämpfe, als hättest du eine militärische Ausbildung genossen. Da ist von Arkebusen, Partisanen usw. die Rede und als Leser meint man, genau im Kampfgeschehen drin zu stecken. Woher hast du deine Kampferfahrung?
Bernhard Hennen: Das hat zwei Gründe. Zum einen interessiere ich mich seit langem für Militärgeschichte und habe viel darüber gelesen. Zum anderen war ich lange im Mittelalterreenactment. Das Ganze rührt daher, dass mir Uli Kiesow vor vielen Jahren einmal gesagt hat: Boah, Bernhard, deine Schwertkämpfe sind so gruselig, schreib das doch mal ein bisschen besser. Da hat er mich zutiefst in meiner Ehre getroffen damals. Ich muss allerdings gestehen, er hatte Recht, weil meine Kenntnisse übers Schwertkämpfen habe ich wie die meisten anderen auch zu dieser Zeit aus dem Studium diverser Hollywood-Filme gezogen. Und, ja, hm, das kommt dann oft, wenn man das ohne rechtes Wissen noch mal umsetzt in einem Fantasyroman nicht so wirklich plastisch rüber.
Von Uli aufgestachelt hab ich mich auf einem Mittelaltermarkt begeben und da Schwertkämpfern länger zugeschaut und dann mal ganz zaghaft gefragt, ob ich auch mal ein Schwert in die Hand nehmen dürfte. Und, ja, das war der Anfang, in die Mittelalterszene zu rutschen.
Ein Jahr später bin ich selbst als Schwertkämpfer auf Mittelaltermärkten aufgetreten und zu Zeiten, als meine Bücher nicht so gut gingen, war das also ein willkommenes Salär am Rande, in den Sommermonaten durch die Lande zu tingeln, auf Mittelaltermärkten als Schwertkämpfer mit aufzutreten und für etwas, was mir großen Spaß gemacht hat, auch noch bezahlt zu werden.
: Du sprachst eben an, als deine Bücher noch nicht so gut liefen. Hat der Erfolg dich oder dein Leben generell irgendwie verändert?
Bernhard Hennen: Also, ich hoffe, ich habe mich nicht so sehr verändert. Mein Leben hat sich natürlich verändert. Also, es ist ungemein angenehm, nicht dauernd ein überzogenes Bankkonto zu haben und darüber nachzudenken, wie man bloß die Miete im nächsten Monat bezahlt. Das ist ein tolles Gefühl, dass es so gut läuft, dass es jetzt seit zwei, drei Jahren nicht mehr so ist. Aber ich hab das lange anders gekannt und unglaublicherweise hat mir meine Bank, die mir sonst immer nur Rechnungen über das überzogene Konto geschickt hat sogar zu meinem Geburtstag jetzt mal einen Blumenstrauß geschickt. Die sind ganz anders als früher, aber ich hoffe, dass ich mich, mal abgesehen davon, dass ich viel ruhiger schlafe, nicht so sehr verändert habe.
: Gut. Letzte Frage. Also, Nebenan und Anderswo war ja jetzt schon im Gespräch. Kannst du uns schon was verraten, neue Projekte, auf was dürfen wir uns freuen als Leser?
Bernhard Hennen: Also, als nächstes wird der abschließende Band der Elfenritter-Trilogie kommen. Wobei der allerdings nicht im April, sondern erst irgendwann zwischen Oktober und Dezember erscheint, weil die beiden Erstbücher jetzt schon so lang geworden sind, wie eigentlich alle drei hätten sein können, sein sollen. Und damit ist dann jetzt letzten Endes der Zeitplan zum Schreiben völlig zusammen gebrochen. Also, ja, als Leser könnt ihr euch darauf gefasst machen, dass es statt der ursprünglich geplanten 1200 Seiten letzten Endes mindestens 1800 geben wird, vielleicht auch 2000. Aber in diesem Jahr wird dieser Zyklus abgeschlossen.
Dieses Jahr wird auch noch erscheinen Elfenlied. Das ist ein bisschen ein experimentelles Buch. Da werden 100 Blattgedichte drin zu finden sein. Das ist eine Form von Gedichten, die in den Elfenromanen schon vorgestellt worden sind und die, ja, ein bisschen anders sind als andere Gedichte. Die werden von den Blütenfeen auf Eichenblätter geschrieben und da die keine Interpunktion benutzen und auch nicht einfach so von oben nach unten runterschreiben, sondern sich der Verästelung der Blattadern beim Schreiben anpassen, ist es da immer etwas schwierig, sich zu entscheiden, wo fängt das Gedicht an, wo hört es auf. Deshalb gibt es zu jedem Gedicht mehrere Lesarten und eine ausführliche Einführung zu den Blattgedichten, wie die zustande kommen, wie man selber welche verfassen kann und wie man mit den vorhandenen Gedichten rumspielen kann.
Diese 100 Blattgedichte werden für sich eine Geschichte erzählen, also die kommen in einer chronologischen Ordnung und erzählen vom Leben einer der Blütenfeen. Des weiteren wird in dem Roman, in dem Buch eine Novelle enthalten sein, die, nach dem jetzigen Plan soll die etwa 100 bis 150 Seiten umfassen. Ihr werdet dann ja sehen, wie lang es geworden ist, ich sag euch mal, was der Plan ist und lass mich selbst überraschen. Das wird eine Ich-Erzählung sein und erzählen wird Ganda über ihr Leben. Ganda ist den Lesern von Elfenlicht vertraut. Eine Lutin, sie wird über ihre Liebe zu Ollowain schreiben. Sie wird darüber schreiben, warum sie Emerelle nicht so sehr mag und sie wird darüber schreiben, was denn eigentlich passiert ist, nachdem die Kobolde als Graue Eminenzen hinter dem Thron der Trolle die Macht in Albenmark übernommen haben. Wird etwas humoristisch sein, manchmal auch tragisch und im Erzählstil anders sein als meine anderen Bücher. Durch die Ich-Erzählung, denke ich, wird es noch direkter einen treffen, wenn man das liest.
: Da sind wir doch gespannt drauf. Bernhard, ich danke dir für das Interview, wünsch dir noch viel Erfolg, alles Gute und freu mich auf deine neuen Projekte.
Bernhard Hennen: Ich danke dir, Anke, und bis demnächst an einem Ort, wo es viele Bücher gibt.
Einen Beitrag über Bernhard Hennen findet ihr HIER!!