
Sie sind ein bekannter und fester Bestandteil des deutschen Fandom. Überall, wo sie erscheinen, verbreiten sie Angst und Schrecken. Angelehnt an die Offenbarung des Johannes wählten PESTILENZ, KRIEG, HUNGER und TOD ihr Outfit: Ihre Kutten sind rot, braun, grau und schwarz. In einer gar düsteren Nacht setzten sich die vier finsteren Gesellen in einer alten Marburger Kneipe zusammen und sinnten darüber nach, wie sie ihre literarischen Werke an den Mann bringen könnten. Reichlich Material hatte sich angesammelt, was veröffentlicht werden wollte. Ihr Entschluss: Gemeinsam schreiben, gemeinsam lesen und gemeinsam der Welt das Fürchten zu lehren. So ähnlich war die Geburtsstunde der Apokalyptischen Schreiber mit Volker Ilse, Stefan Fels, Thomas Backus und Ralph Haselberger.
Im Vorfeld ihrer Buchpremiere von »In Blut geschrieben« stellten sich die vier Autoren einigen Fragen des Geisterspiegels.

: Ihr seid im Fandom mit euren Horrorgeschichten bekannt, vor allem während der Cons in Dreieich und Marburg. Könnt ihr unseren Lesern etwas dazu sagen, wie die Apokalyptischen Schreiber entstanden sind?
APOS: Die Wurzeln der Apokalyptischen Schreiber liegen auf dem Buchmesse Con. Der Marburger Verein für Phantastische Literatur präsentierte sich dort mit einem Infotisch, und man fragte uns, ob wir auch einen Programmpunkt beisteuern wollten. Das taten wir mit einer Lesung, damals noch ohne Kutten, ohne unseren einprägsamen Namen und ohne unseren Krieg. Dafür aber mit umso mehr Begeisterung. Alles, was danach kam, entwickelte sich praktisch von selbst.
: Eure Storys sind skurril, blutig, vom Schreibstil sehr unterschiedlich. Was fasziniert euch am Schreiben von Horrorgeschichten?
Thomas: Die Verbindung von Alltäglichem und Phantastischem. Horrorgeschichten spielen (meist) in der Welt, die wir alle kennen - und es werden Grenzen überschritten, indem das Übernatürliche in unsere Welt Einzug hält.
Volker: Bei mir ist ja eher das »Skurrile« der rote Faden als das Blut. Von daher passt lange nicht alles, was ich als Pest verfasse, in die Horrorschublade (und hoffentlich auch oft in überhaupt keine Schublade). Immer reizt mich aber der Tabubruch (auch wenn das nicht in jede Story passt und nicht in jeder zum Ausdruck kommt), was mich durchaus in Richtung Horror treibt. Ich hoffe, dass ich gerade in dem Punkt noch sehr viel mehr leisten werde.
Ralph: Horror ist einfach faszinierend und einprägsam. Nach dem Genuss einer Horrorfiktion findet man die Realität, mit der wir uns tagtäglich herumärgern, gar nicht mehr so erschreckend. Aber einen Grund habe ich vor gar nicht allzu langer Zeit in einem Gespräch selbst erfahren. Da diskutierte ich mit einer jungen Frau darüber, warum ich dem Horrorgenre fröne. Sie war der Meinung, dass nur Perverse so etwas schreiben und lesen. Sie hingegen gäbe sich lieber den Liebesromanen hin. Um zu untermauern, dass sie wisse, worum es beim Horror geht, zitierte sie mir eine komplette Seite eines Stephen King Romans, den sie mal gelesen hatte und der ja ach so schrecklich war. Als ich sie dann fragte, ob sie auch eine Stelle aus ihren Liebesromanen auswendig könne, musste sie passen. Meine Reaktion beschränkte sich auf ein simples »Und jetzt weißt du, warum ich Horror schreibe.«
Stefan: Nun, zum einen mag ich das Genre und man schreibt ja automatisch die Geschichten, die man selbst gern lesen möchte. Und Horror ist eines der Genres mit dem größten Freiraum. Da kann man mit einer Prise SciFi oder Humor in ganz andere Richtungen gehen.
: Woher nehmt ihr die Ideen für eure Storys? So horrormäßig kann ja das alltägliche Leben ja nicht sein.
Thomas: Wann hast du das letzte Mal Nachrichten geschaut? Das Leben ist viel brutaler als unsere Geschichten!
Aber um auf die Frage zurückzukommen, Ideen gibt es überall. Man muss nur genau hinsehen und sich fragen: Was wäre wenn …
Volker: Dass die Ideen in und aus mir sprudeln, ist ja der eigentliche Grund für mich zum Schreiben. Wo sie herkommen, weiß ich selbst oft nicht. Einige der Geschichten, die mir am meisten am Herzen liegen, gehen auf einen einzigen schrägen Satz zurück, den ich morgens beim Aufwachen im Kopf hatte.
Ralph: Zum einen finde ich Albträume sehr inspirierend. Im Gegensatz zu den meisten Menschen freue ich mich regelrecht über ein schweißgebadetes Erwachen. Aber auch das Beobachten alltäglicher Dinge kann sehr anregend sein, wenn man weiß, sie entgleisen zu lassen. Sehr interessant ist auch die menschliche Psyche mit all ihren Unzulänglichkeiten. Dort kann man sich so richtig austoben.
Stefan: Eher im Gegenteil. Keine Horrorstory könnte das tägliche Leben übertreffen. Wir schreiben quasi Fluchtliteratur.
: Die Buchpremiere von »In Blut geschrieben« wurde durch den Persimplex Verlag für die Leipziger Buchmesse 2010 angekündigt. Was ging in euren Köpfen vor, als das Buch fertig gedruckt war?
Thomas: Mann, ist das geil! Noch viel geiler, als wir es uns in unseren kühnsten Träumen vorgestellt hatten!
Volker: Textlich wusste ich ja schon, was da kommt, aber vom Rest durfte ich hocherfreut feststellen, dass er rundherum gelungen ist. Und das erste Mal den eigenen Namen im Titelbild sehen, das ist schon ein im positiven Sinne mulmiges Gefühl.
Ralph: Mann, ist das Paket schwer! Doch Spaß beiseite, als ich mich durch die Unmengen von Klebeband, welches den großen Karton umgab, wie eine lebendige Fräse gekämpft hatte und endlich die Belegexemplare in der Hand hielt, war das schon ein sehr ergreifendes Gefühl. In dem Moment wusste ich, dass sich all die Arbeit dafür gelohnt hat.
Stefan: Endlich wird in Deutschland wieder Qualität gedruckt
Nein, Spaß beiseite, das war schon ein Schritt. Und für mich ist es das erste Buch.
: Was kommt mit »In Blut geschrieben« auf den Leser zu? Etwas Neues, noch nicht Dagewesenes?
Thomas: Obwohl wir Horrorgeschichten lieben, haben wir nicht einfach unsere Lieblingsgeschichten nacherzählt, sondern unsere eigenen Geschichten erzählt. Dabei haben wir (jeder) unseren eigenen Stil, es erwarten den Leser echte Originale.
Volker: Also, nie dagewesen traue ich mir nicht zu beurteilen, ich kenn ja nicht alles …
Nee, entweder gleich eine wirklich neue Grundidee/Pointe oder zumindest einen neuen Aspekt von etwas Bekanntem sollte eine Story bieten, finde ich. Das leisten wir meiner Meinung nach auch meist.
Ralph: Ich weiß zwar nicht, was schon alles dagewesen ist, aber ich weiß, dass ich wissentlich nichts kopiert habe … weißt du.
Bei den meisten meiner Geschichten ist es so, dass der Leser auch einmal darüber nachdenken sollte, was er gerade gelesen hat und die Story eventuell noch ein weiteres Mal lesen muss, um sie zu verstehen.
Stefan: Ja, das kann man schon so sagen. Natürlich gibt es viele Autoren, die Horror-Storys schreiben und natürlich auch eine Menge Horror-Anthologien. Unser Konzept als Autorengruppe zu veröffentlichen ist aber neu und erfrischend anders.
: Was könnt ihr über die Zusammenarbeit mit dem Verlag sagen? Wie war diese von der Einreichung des Manuskripts bis zu Fertigstellung des Hardcover?
Thomas: Was mir persönlich sehr gut gefallen hat, war der kreative Freiraum, den man uns ließ. Keiner sagte: Die oder die Geschichte muss raus, oder sollte so oder so umgeschrieben werden, weil sie zu blutig oder zu gemein sei. Wir konnten uns so richtig austoben!
Außerdem spornt es enorm an, die Begeisterung in der Stimme des Verlegers zu hören, wenn wir telefonieren!
Volker: Sehr zufrieden.
Wenn man als bei der breiten Masse noch unbekannter Autor gleich, schon bevor man das Manuskript einreicht, einen Lese-/Vorstellungstermin auf der Leipziger Messe versprochen bekommt, weckt das ja erst einmal eher Misstrauen - zumindest bei mir als notorischem Schwarzseher. Aber inzwischen ist doch die Überzeugung durchgedrungen, beim Verleger schon mit den Texten für »Von einigen, die auszogen ...« ausreichend Begeisterung für solches Vorgehen geweckt zu haben. Nun bin ich zuversichtlich, dass wir diese Begeisterung auch rechtfertigen können.
Ralph: Da kann ich Gus nur zustimmen. Es gab keinerlei Einschränkungen vom Verlag aus. Lediglich eine ungefähre Seitenzahl wurde uns ans Herz gelegt. Wobei ich allerdings nicht glaube, dass man uns alles hätte durchgehen lassen. Ich schätze das Lektorat war einfach rundum zufrieden mit unseren Geschichten. Selbst das Cover habe ich nach eigenem Ermessen kreiert.
Stefan: Dazu kann ich im Grunde gar nix sagen, da der Kontakt zum Verlag meistens über meine anderen drei Mitstreiter lief.
: Auf der Leipziger Buchmesse werdet ihr aus »In Blut geschrieben« lesen. Bestimmt werden jede Menge Zuhörer auf der Fantasy-Leseinsel anwesend sein. Wie bereitet ihr euch auf dieses Event vor?
Thomas: Probelesen, probelesen, probelesen - und auf keinen Fall Kutten bügeln!
Volker: Reichlich üben; das Üben ist auch mit Kameraeinsatz geplant, sodass wir uns auch einmal selbst beim Lesen zugucken können. Und ich bin schon gespannt, ob es für mich in puncto Nervosität einen Unterschied macht, wenn da mehr Leutchen im Publikum sind.
Ralph: Zuerst die richtige Geschichte auswählen und dann lesen, lesen, lesen. Und nein, meine Kutte wird auch nicht gebügelt - ich lasse gleich eine neue schneidern.
Stefan: Ralph schneidert an einer neuen Kutte
Und wir werden natürlich Probelesungen machen, damit das Timing stimmt. Diesmal erstmals auch vor Kamera.

: Habt ihr Lampenfieber, vor einem euch unbekannten Publikum zu lesen?
Thomas: Ich schon. Bei den ersten beiden Sätzen habe ich das Gefühl, dass meine Stimme genauso zittert, wie meine Hände (obwohl man mir versicherte, dass dies nicht zu sehen oder zu hören sei). Aber wenn ich erstmal in meiner Geschichte drin bin, dann entwickelt das Ganze ein Eigenleben, das äußerst kraftvoll und magisch ist.
Volker: Immer, außer wenn ich gerade sehr müde bin. Allerdings ist unbekanntes Publikum zumindest etwas einfacher als ein bekanntes.
Ralph: Wer hätte das nicht. Immerhin wollen wir dem Publikum etwas bieten. Dabei ist es allerdings egal, ob ich die Leute nun kenne oder nicht. Selbst wenn ich meiner Frau etwas von mir vorlese, möchte ich, dass es ihr gefällt.
Beim Horror ist es nun mal so, dass man die Reaktion der Zuhörer während der Lesung nur erahnen kann. Komiker haben es da einfacher. Bei denen ist jeder Lacher einem kleinen Applaus gleichzusetzen. Bei uns sind die Reaktionen eher verhalten und wir können nur bis nach der Lesung warten, ob es sich um einen Beifall aus Höflichkeit oder echter Begeisterung handelt. Es sei denn, jemand verkriecht sich angsterfüllt unter seinem Stuhl oder übergibt sich schon während der Geschichte. Das würde ich positiv werten.
Stefan: Ich persönlich nicht, schließlich sind das ja Phantastikfans. Mir würde es ehrlich gesagt schwerer fallen, vor Leuten zu lesen, die ich kenne, die ich aber vom Literaturgeschmack nicht einschätzen kann.
: Die Premiere und die damit verbundene Lesung von »In Blut geschrieben« ist neben dem Verkauf über Verlag, Amazon … der Beginn einer Vermarktung. Es obliegt auch den Autoren, mit ihrem Werk »hausieren« zu gehen. Welche Möglichkeiten seht ihr, um euer gemein-sames »Erstlingswerk« einem breiten Publikum zugänglich zu machen? Sind in der Zukunft weitere Lesungen geplant?
Thomas: Klar sind Lesungen geplant, natürlich in erster Linie in unserer Region, aber wir sind auch bereit, zu reisen. Wobei wir aber auch versuchen werden, nicht nur vor Genre-Publikum zu lesen, sondern auch anderweitig Literaturbegeisterte zu erreichen. Wie gut wir das hinbekommen, wird man regelmäßig auf unserer Homepage nachlesen können - dort kann man sich natürlich auch im Vorfeld über Lesungstermine informieren.
Vielleicht können wir ja auch den einen oder anderen Event zusammen mit dem Geisterspiegel gestalten! Auf jeden Fall schon einmal vielen Dank für euer Interesse an unseren Werken und für eure Unterstützung!
Volker: Seit es uns gibt, planen wir dauernd Lesungen. Und ab und zu finden die sogar statt. Mit dem Motivationsschub vom eigenen Buch im Rücken, nun sicher regelmäßiger.
Außerdem sind wir dabei, bei regionalen Händlern hier Verkaufsmöglichkeiten aufzutun. Wir bleiben dran!
Ralph: Lesungen sind immer wichtig. Aber auch die Möglichkeiten des WWW sollte man nicht unterschätzen. Letztlich läuft es bei der Auswahl von Büchern viel über Mundpropaganda. Ich selbst hätte so manchen Autoren niemals beachtet, wäre ich nicht von einem Bekannten darauf hingewiesen worden.
Aber abgesehen davon stehen meine Bücher nun auch schon im ortsansässigen REWE-Markt.
: Das Team des Geisterspiegels wünscht euch viel Erfolg, einen großen Zuhörerkreis auf der Fantasy-Leseinsel sowie zahlreiche Käufer eures jüngsten Werkes.

Wer die Apokalyptischen Schreiber live auf der Leipziger Buchmesse erleben möchte, sollte sich folgenden Termin vormerken:
21. März 2010, 16:30 - 17:30 Uhr, Leseinsel Fantasy, Halle 2, Stand G303