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Interview mit Andreas Schulze

im Gespräch mit Andreas Schulze

 

Seit 30 Jahren ziehen die Abrafaxe durch die Welt, um Abenteuer zu erleben. Die Abrafaxe, das sind Abrax, der Draufgänger und Abenteurer, Brabax, der unter seinem roten Schopf ein fast geniales Gehirn hat, und Califax, der Praktiker der Abrafaxe. Gemeinsam reisen sie durch Zeiten und Länder, und wo es sie auch hin verschlägt, am Ende gelingt es ihnen immer, die Situation mit Witz und ohne Gewalt zu ihren Gunsten zu entscheiden.
Die Geburt der lustigen Kobolde war einem unglücklichen Umstand zu verdanken. 1976 gab Hannes Hegen, der Erfinder der Digedags, seinen Ausstieg aus dem Magazin Mosaik bekannt. Dies war das Ende der Ära Digedags. Der Verlag Junge Welt machte sich auf die Suche nach Nachfolgern für die populären Digedags. Lothar Dräger erdachte die Abrafaxe, Lona Rietschel brachte die zeichnerischen Entwürfe. Nach der Wende drohte dem Magazin Mosaik und damit den Abrafaxen das Aus. Von der Treuhand aufgelöst, lagerten die Rechte beim Heinrich Bauer Verlag in Hamburg, bis sich Klaus D. Schleiter, Werbefachmann aus West-Berlin, sowie Anne Hauser-Thiele der Legende erbarmten, sie kauften und den Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag gründeten.
Bis heute konnten sich die Abrafaxe gegen die weltweite Comic-Konkurrenz behaupten. Inzwischen werden die Mosaik-Hefte und Alben in zahlreichen Ländern veröffentlicht, darunter Russland, Ungarn, Tschechien, Griechenland, Vietnam, Korea, China sowie Kroatien.

Während der Frankfurter Buchmesse 2006 lernte ich am Stand des Mosaik Steinchen für Steinchen Verlages über Mirko Piredda, verantwortlich für Marketing, Produktion und Vertrieb, den Zeichner und Autor Andreas Schulze kennen. Es ergab sich für mich die Möglichkeit, mit Andreas Schulze ein Interview zu führen. Am Vorabend dieses Interviews zeichnete Andreas extra für den Geisterspiegel in seinem Hotelzimmer oben eingeführte Zeichnung mit den drei Helden.

GS: Wie war Dein beruflicher Werdegang? Wie bist Du zum Zeichnen gekommen?

AS: Rein hobbymäßig habe ich schon immer gezeichnet. Gelernt habe ich Porzellanmaler mit klassischer Ausbildung in Architektur, Anatomie und andere. Danach studierte ich Philosophie.
Während des Studiums illustrierte ich nebenher eine Studentenzeitung. Darüber bin ich zu „Hahnfilm“ als Webdesigner und Hintergrundzeichner für „Asterix in Amerika“, „Benjamin Blümchen“, „Renaade“ und „Bibi Blocksberg“ gekommen. Über meine Arbeiten bei „Hahnfilm“ gelang ich zum „Mosaik Verlag“. Dort bin ich hauptsächlich mit der Gestaltung der Hintergründe und deren Entwürfe beschäftigt. Ebenso bei den Abrafax-Alben.

GS: Es gibt beim Verlag eine historische Vorgeschichte um Hannes Hegen. Wie wurdest Du beim „Mosaik Verlag“ aufgenommen?

AS: Eigentlich recht freundlich, muss ich sagen. Da ich aus dem westlichen Teil von Deutschland stamme, war mir Mosaik nicht so bekannt. Ein Kollege fragte mich, ob ich bei den Abrafaxen mitmachen möchte. Der Verlag war gerade bei der Vorbereitung des Albums „Congo“ und dort übernahm ich die Hintergrundgestaltung.
Bei den alten Heften kenne ich mich nicht so gut aus. Die Historie muss man eher mehr bei dem Zeichnen der Figuren kennen als bei den Hintergrundbildern.

GS: Mir ist bekannt, dass die Lizenzrechte der Figuren der Digedags bei Hannes Hegen liegen. Alles andere wie Gegenstände, Waffen, Hintergründe können für die Abrafaxe genutzt werden.

AS: Ja, rein Theoretisch ist dies o.k. Ich für mich habe ein Thema, zum Beispiel Japan. Da suche ich mir Fotobände raus. Höchstens wenn man die fast gleiche Thematik hat, man ziemlich nah dran ist, sind Dinge austauschbar. Von mir muss ich sagen, dass ich einen anderen Stil habe. Am besten ist jedoch, dass man für sich bei Null anfängt.

GS: Du sprichst den Stil an. Es gibt ja verschiedene Stile. Hast Du Dir einen persönlichen angeeignet?

AS: Wenn ich für mich privat oder eigene Projekte mache, da habe ich meinen persönlichen Arbeitsstil. Hier bei Mosaik gibt es vorab natürlich Absprachen. Bei meiner ersten Arbeit für den Verlag, das Congo-Album, sahen diese so aus: Sollten die Zeichnungen im Cartoonbereich liegen oder sich an den alten Mosaik-Heften orientieren? Wir fanden einen Mittelweg, an dem wir uns hielten. Natürlich kommt noch die Tagesform und Zeitdruck dazu. Das man eine typische Handschrift hat, kommt eher bei den Figuren zum Ausdruck.

GS: Du bekommst ein Script vorgegeben. Wie setzt Du dieses um?

AS: Ein wichtiger äußerer Faktor ist die Zeit. Man kann sich in ein bis zwei Tagen zur Thematik passend in Museen und Bibliotheken entsprechende Bildbände heraussuchen. Danach beginnt man mit dem Abzeichnen, überlegt, ob die Figuren entsprechend der Handlung dahin passen. Und reduziert seine Überlegungen oder denkt sich noch ein paar Sachen aus. Es geht eben hauptsächlich um die vordefinierte Stimmung, um Details. Manchmal baut man auch kleine Sachen mit Absicht ein, die eigentlich falsch sind.

GS: Wie sind die Absprachen mit dem Autor, auch hinsichtlich von Fehlern?

AS: Vorher stimmen wir uns untereinander ab. Der Autor gibt den Handlungsort vor. Da weiß ich ungefähr, welche Sachen und Bücher ich nehme, welche Vorgaben. Und der künstlerische Leiter sucht auch entsprechendes aus dem Internet heraus. Und wenn ich eine Idee habe, die nicht so recht passt, dann rufe ich den Autor noch mal an. Da der Autor mehr in literarischer Sicht denkt, überzeuge ich ihn, dass meine Idee optisch logischer ist. Es ist ein Zusammenspiel zwischen uns.

GS: Ich sehe hier am Stand den Titel „Unter schwarzer Flagge“. Diese Geschichte ist ja als Anime verfilmt worden. Warst Du daran beteiligt?

AS: Nee, keine. Der Film war ja zuerst da.

GS: Wie viele Mitarbeiter sind an einem neuen Band beteiligt?

AS: Wir haben 5 Figurenzeichner und 1 Hintergrundzeichner. Jeder Figurenzeichner hat seine bestimmte Charaktere, die er macht. Ich bekomme halt jede Seite des Bandes auf den Tisch. Wenn mal einer krank wird, dann hilft ein anderer aus. Aber da sieht die entsprechende Charaktere schon ein wenig anders aus. Die Fans sehen dies, die sich damit intensiv mit der Materie der Abrafaxe beschäftigen; andere Striche. Man schafft es kaum, einen anderen Zeichner 100% zu kopieren. Erstens wird es der Zeichner gar nicht wollen. Er hat seine eigene Sprache, die er nicht so einfach unterdrücken kann. Und andererseits ist ein Kopieren immer schlecht.

GS: Wie sieht Dein Alltag aus?

AS: Mein Alltag? Ach, der ist ganz normal. Ich fahre zur Arbeit, zeichne die 8 Stunden und fahre danach wieder nach Hause. Dort zeichne ich oft für mich persönlich weiter. Da mache ich meine eigenen Sachen, die sich von Mosaik unterscheiden. Für mich ist die Tätigkeit des Zeichnens nach der Arbeit nicht erschöpft.

GS: Hast Du eine Comic-Figur, in die Du reinschlüpfen möchtest?

AS: Überhaupt nicht. Bei mir fing Comic erst so in den 70er Jahren an wie mit Spiderman. Irgendwann habe ich dies wieder abgelegt, weil ich der Meinung war, dass ich die Comiczeit hinter mir habe. Irgendwann bin ich wieder dazu gekommen. Da dachte ich mir, dass man den Comic anders betrachten und bearbeiten.

GS: Findest Du Bruchstellen in Deiner bisherigen Entwicklung, vielleicht in Deiner beruflichen Zukunft auch mal in ein anderes Genre zu kommen? Es gibt ja im Bereich des Comics verschiedenen Facetten; Funny, Horror oder Sience Fiction.

AS: Funny-Zeichnen ist für mich o.k. Die Mosaik-Figuren liegen ja im Funny-Bereich. Ich komme ja aus der Richtung, in der Real-Figuren gezeichnet wurden. Man hat aber eine Grenze, wo man eine bestimmte Bandbreite nicht verlassen möchte. Kann man wahrscheinlich auch nicht. Man will ja auch seine eigene Sprache durchbringen. Aber vom Thema her hätte ich da ein Problem.

GS: Wie stehst Du zu Comic-Strips?

AS: Damit hatte ich bisher noch nichts zu tun. Ich müsste es probieren, ob ich dies hinbekomme.

GS: Könntest Du Dir vorstellen, in Richtung Manga etwas zu machen? Oder liegt Dir diese Richtung überhaupt nicht?

AS: Schwer. Mit dem Stil kann ich mich nicht anfreunden.

GS: Was wird es Neues geben?

AS: Ich persönlich arbeite an einem neuen Album. Ein Datum steht noch nicht fest.

GS: Wie stellt Du Dir Deine persönliche Zukunft vor?

AS: Ich möchte gerne bei Mosaik bleiben. Was mir persönlich liegt sind die Kalender wie der derzeitige Jubiläumskalender. Es macht mir Spaß, für die 12 Bilder entsprechende Themen herauszusuchen, diese zu gestalten.

GS: Für Deinen weiteren Weg beim Mosaik-Verlag wünschen wir Dir einen schnellen Stift, viel Farbe. Themen gibt es ja noch genug. Für die Abrafaxe gibt es Länder genug, wo sie noch nicht waren und sicher dorthin reisen werden.
Wir bedanken uns bei Dir für das nette Interview.

Besonderer Dank gilt Mirko Piredda vom Mosaik-Verlag, der dieses Interview mit Andreas Schulze ermöglichte.

Copolymer führte das Interview für den .

 

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