Carola Kickers: Hallo Alisha, unsere Leser kennen dich aus deinem Profil ja bereits als Redakteurin, Herausgeberin und Autorin. Erzähl uns doch, wie so dein normaler Tagesablauf abläuft. Beginnst du schon früh morgens mit dem Schreiben oder Lesen?
Alisha Bionda: Ich habe zwar einen sehr strukturierten Tagesplan, aber keine festen zeitlichen Abläufe in dem Sinne. Das richtet sich immer nach den Projekten, die aktuell anstehen. Meist ist es aber so, dass ich tagsüber nach meinem Hundegang am Meer die administrativen Dinge regele, darüber hinaus Lektoratsaufträge (das erledigt man am besten zu Anfang des Tages), meine Arbeiten als Herausgeberin, redaktionelle Dinge, die journalistischen Arbeiten und die an diversen Websites und Portalen.
Dann lege ich am frühen Nachmittag meist eine Pause von ein bis zwei Stunden ein, in denen ich mich nach draußen setze und lese – meist Rezibücher, die mich dazu zwingen, eine Zeit der Muße einzulegen, was gut ist, denn sonst würde ich dazu neigen, durchzuarbeiten, was mir auf Dauer nicht gut bekäme.
Nach dieser Pause erledige ich meist den zweiten Berg nötiger Mail-Arbeiten und fange dann an zu schreiben. Wobei das letzte gute Jahr, da vorrangig für Konzept-, Exposé- und Leserprobenarbeiten draufgegangen ist. Ich habe im Mai 2007 einen beruflichen Umbruch herbeigeführt, weil der in meinem Sinne (privat und beruflich) notwendig war, um in beständigere Gewässer zurückzukehren. Und wie immer bei Veränderungen war es notwendig, der Übergang aber schwierig. Nun zeichnen sich dieses und nächstes Jahr erste Ergebnisse ab. Von daher ist ab jetzt wieder vermehrt einiges von mir auf dem Buchmarkt zu haben – als Autorin und Herausgeberin. Und auch in meinen journalistischen Arbeiten bin ich wieder mehr zu finden, die viel zu lange brachlagen.
Zum Tagesablauf zurück: Meist beende ich meinen Tag gegen Mitternacht und gehe dann noch mal mit Jamila ans Meer. Ich bin somit einem gewissen Kreislauf unterworfen – gemäß Plato: »Alles ist bei mir wieder im Fluss«.
Mein Tagesablauf ändert sich natürlich in den Zeiten, in denen ich nicht alleine auf der Insel bin. Auch da passe ich mich immer den Gegebenheiten an.
Carola Kickers: Dein Name steht ja eng in Verbindung mit der W. Hohlbeins Schattenchronik. Könntest du dir vorstellen, wie deine literarische Laufbahn ohne dieses Projekt verlaufen wäre?
Alisha Bionda: Er steht nicht nur eng damit in Verbindung, die Serie war ja meine Idee und ich habe sie mit Marc-Alastor E.-E. gestartet und später mit Jörg Kleudgen weitergeführt. Die Rechte der Ur-Charaktere liegen auch bei mir/mir & Marc-Alastor E.-E. und ich plane eine Fortsetzung des Vampirpaares – die konzeptionellen Arbeiten laufen bereits, nachdem ich bewusst ein Jahr eine schöpferische Pause, was die Serie angeht, eingelegt habe. Das war erforderlich, da die letzten Jahre recht turbulent waren, und es musste erst wieder Ruhe eintreten und vor allem ein gutes Level erreicht werden. Das ist nun der Fall. Oder wir sind auf dem besten Wege.
Wie mein bisheriger Werdegang ohne die Serie verlaufen wäre, kann ich natürlich nicht sagen. Da fehlt mir die Glaskugel auf dem Tisch (lacht). Ich habe der Serie zwar einiges zu verdanken – auch eine zusätzliche Erkenntnis, auf wen ich mich nach wie vor immer verlassen kann und auf wen ich es nicht konnte – aber meinen beruflichen Werdegang hat sie nicht maßgeblich beeinflusst. Denn ich habe mich nie nur auf diese Serie beschränkt, von daher war sie nur ein Fragment, das ich aber nicht missen möchte. Und »Dilara & Calvin«-Bände wird es immer mal – egal in welcher Form geben. Dafür steht mit das »Vampirpaar« viel zu nah. Und ich möchte sie auch nicht mehr in ein Schema pressen oder pressen lassen.
Also die Serie ist im Grunde im Gros mein geistiges Kind, Wolfgang Hohlbein gefiel die Idee und er hat sie als Herausgeber unter seine Fittiche genommen. Er hat somit dem Vampirpaar den Weg geebnet – wofür ich ihm sehr dankbar bin. Nun werden neue Wege beschritten. Aber andere Projekte, die 2009 und 2010 starten, haben eine ebenso gleichwertige Position für meinen Werdegang – von daher würde ich das nicht an der Serie festmachen.
Carola Kickers: Gibt es eine Lieblingsfigur in der Literatur für dich?
Alisha Bionda: Nein, nicht wirklich. Es gibt eher Autoren der Gegenwart, die ich bevorzuge, weil sie darauf setzen, literarisch qualitativ hochwertig zu schreiben und sich weniger danach richten, was gerade »en voque« ist. Ich bin der Massenware ziemlich überdrüssig geworden. Es ist leider eine Zeit – in allen Medien – in der ein Erfolg sofort ausgeschlachtet und überstrapaziert wird. Wie im TV: Hat eine Kochshow Erfolg, eine Realityshow, eine Castingshow – und was auch immer – wird das bis zum Erbrechen kopiert und auf den Markt geschleudert. So leider auch in der Literatur, sodass viele Individualisten, die den Markt enorm bereichern würden, völlig unbeachtet bleiben. Dabei ist der Leser viel anspruchsvoller, als die Produzenten/Verleger glauben.
Carola Kickers: Wie und wodurch lässt du dich inspirieren, wenn du selber schreibst?
Alisha Bionda: Da gibt es keine speziellen Inspirationen, das ist meist eine Summe mehrerer Faktoren. Vorrangig Gespräche mit Kollegen und Gleichgesinnten, aber auch, wenn ich lese oder …
Wenn ich dann bereits im Schreibprozess involviert bin, ist das schon eine Stufe weiter, dann steht das Expo, und die Ideenschmiede ist schon in alle Richtungen aktiviert – aber die ist bei mir eh immer sehr rege.
Carola Kickers: Du bist viel gereist und lebst auch im Ausland. Wurden deine Bücher bereits auch in andere Sprachen übersetzt oder ist so etwas geplant?
Alisha Bionda: Leider nicht – was ich besonders hier auf der Insel bedaure. Es gibt etliche meiner mallorquinischen Freunde, die gerne etwas von mir lesen würden.
Carola Kickers: Wie sieht es aus mit Hobbys, kommt man vor soviel Lesestoff überhaupt noch zum Abschalten?
Alisha Bionda: Im Grunde nicht wirklich – aber meine Lesestunden sind mein Hobby, meine Strandgänge mit Jamila oder mir nahestehenden Menschen, ich besuche gerne Ausstellungen oder Konzerte – und auch Projekte wie LITERRA, das Literaturportal, das ich mit Michael Beyeler und Florian Hilleberg vor zwei Jahren ins Leben gerufen habe und betreibe, zählt dazu.
Aber Abschalten kann ich zu hundert Prozent nachts am Meer – das hat etwas Medidatives.
Carola Kickers: Worauf dürfen sich deine Leser als Nächstes freuen?
Alisha Bionda: Oh auf einiges.
Jetzt im März erscheinen im FABYLON Verlag mit »DARK LADIES I« und »DARK LADIES II« gleich zwei von mir herausgegebene Anthologien, in denen eine sehr illustre Autorenrunde (z. B. Christoph Marzi, Christoph Hardebusch, Uschi Zietsch, Harald Braem, Boris Koch und viele mehr) Kurzgeschichten zu Grafiken von Gaby Hylla verfasst haben.
Die Anthologie wird im März auf der Leipziger Buchmesse präsentiert. Die Messedaten (Lesungen/Signierstunden) findet man auf meiner Website in den »News«.
Dann gibt es einige neue Projekte mit dem »Sieben Verlag«.
Allen voran kommt dort im April mein All-Age-Fantasyroman »DAS REICH DER KATZEN« als Paperback heraus, was mich sehr freut und der Lesekost sowohl für Katzenfreunde, aber auch generell Phantastikleser aller Altersklassen ist.
Dann starten im selben Verlag unter meine Herausgabe dieses Jahr drei Reihen, in denen sowohl Werke/Anthologien von mir, aber auch namhaften Autoren und Newcomern erscheinen werden:
»ARS LITTERAE« – phantastische/düster phantastische Reihe
Start: im März mit dem Roman »Der schwarze See« von der österreichischen Erfolgsautorin Barbara Büchner.
»ARS AMORIS« – düster phantastische Erotikreihe, die grafisch von Crossvalley Smith betreut wird.
Start: im April mit der von mir herausgegebenen Anthologie »Schattenversuchungen«, im Herbst gibt es eine weitere, aber auch einen Roman von Karl-Georg Müller.
»SEVEN FANCY« – modern, humorige aber auch phantastische Shorties.
Start: im November mit einem humorigen Phantastik-Kurzgeschichtenband von Mark Staats über eine moderne Werwölfin mit alltäglichen Frauensorgen – und da wird es dann 2010 auch einen humorigen Kurzgeschichtenband von mir geben.
Ab nächstes Jahr gibt dann im »Sieben Verlag« noch die von mir herausgegebene Horror-Reihe »SCREAM«, (Bel Esprit bis Pulp), die Mark Freier grafisch betreut. Dort gibt es z.B. als Band 2 eine Anthologie, die ich zusammen mit Michael Krug, Verleger des Otherworld Verlag, herausgebe, und in der fünf nationale und fünf internationale Autoren vertreten sein werden, die Geschichten zu Grafiken von Mark Freier verfassen.
Jede dieser Reihen wird sich sowohl durch die Texte, als auch die Aufmachung auszeichnen – sprich jede Anthologie ist reich bebildert und jeder Roman weist zwei Innengrafiken aus.
Da lohnt sich der regelmäßige Blick auf meine Site, die täglich aktuell über alle Projekte informiert.
Bei »Serien/Reihen« findet man immer all Reihentitel (auch von den Fremdautoren) auf einen Blick.
Jeder, der sich für die Bücher interessiert, kann sich aber auch mit mir in Verbindung setzen.
Im Mai erscheint im »Otherworld Verlag« eine düster-phantastische Anthologie unter meiner Herausgabe »UNTER DUNKLEN SCHWINGEN«.
Christoph Hardebusch, Andreas Gruber, Uschi Zietsch, Barbara Büchner, Alisha Bionda, Tanya Carpenter & Mark Staats, Marc-Alastor E.-E., Mark Freier, Dominik Irtenkauf, Aino Laos und Arcana Moon zeigen auf eindrucksvolle Weise die Bandbreite des Genres - mit virtuosen Grafiken von Mark Freier versehen.
Die beiden längeren Novellen werden von Barbara Büchner und Marc-Alastor E.-E. bestritten und zeigen deutlich die Bandbreite dieser Anthologie - aber auch die weiteren Texte.
Tja, und 2010 ist auch bereits das ein oder andere geplant. U.a. auch eine Zusammenarbeit mit der »Edition Roter Drache« – aber auch andere Projekte z.B. mit Uschi Zietsch, Ascan von Bargen und anderen Kollegen. Darüber hinaus auch Romane von mir alleine.
Carola Kickers: Was wäre dein großer Traum, den du unbedingt noch verwirklichen möchtest?
Alisha Bionda: Ich möchte mit meinem Mann zusammen in Frieden auf der Insel leben, zusammen mit ihm uralt werden und möglichst viele Projekte realisieren. Jeder für sich, mit dem anderen unterstützend an seiner Seite, aber auch gemeinsame, in denen unser beider »Herzblut« einfließt – eines ist bereits ins Auge gefasst.
Carola Kickers: Herzlichen Dank, Alisha, und viel Erfolg weiterhin.
Alisha Bionda: Nichts zu danken – gerne! Und danke für deine guten Wünsche
Hier gehts zum ersten Interview mit Alisha Bionda...