Carola Kickers: Hallo Tanya, nach »Tochter der Dunkelheit« ist die zweite Folge deiner Romanserie »Ruf des Blutes« unter dem Titel »Engelstränen« erschienen. Willst du unseren Lesern dazu etwas mehr erzählen?
Tanya Carpenter: »Engelstränen« ist ja nun auch schon fast ein halbes Jahr auf dem Markt. Im Gegensatz zu Band 1, der Melissas Weg von der sterblichen Hexe zum unsterblichen Vampir beschreibt, geht es in »Engelstränen« um ihre innere Zerrissenheit nach der Wandlung. Ihre Seele ist noch menschlich, der Vampirdämon verlangt aber nach seinem Recht. Sie streift die Sterblichkeit mit der Wandlung nicht einfach ab, wie die meisten anderen Vampire. Das ist ein Charakterzug, der ihr noch lange erhalten bleiben wird. In jedem Band wird sie etwas mehr Vampir und etwas weniger Mensch. Der Leser soll ihren Reifungsprozess miterleben, sich mit ihr identifizieren können. Das ist ein roter Faden, der sich durch die Serie zieht. Für Band 1 war dies ja praktisch der einzige rote Faden. Ab »Engelstränen« gibt es aber in jedem Band auch noch einen zweiten, der den eigentlichen Plot des Romans bildet. In »Engelstränen« waren es die Engel des Lebens, die mit ihren Tränen die Weltmeere speisen. Im dritten Band werden es eine mysteriöse Mordserie und ein Dämonenring sein.
Carola Kickers: Du schreibst ja gerne in der »Ich«-Form. Identifizierst du dich mit deiner Romanfigur und würdest du ihre Abenteuer wirklich gerne mal erleben und in eine andere Welt abtauchen?
Tanya Carpenter: Ja, ich identifiziere mich stark mit Mel. Allerdings identifiziere ich mich auch mit jeder anderen Figur, über die ich schreibe. Und wenn ich schreibe, dann erlebe ich diese Abenteuer praktisch mit, wenn auch nur in meinem Kopf. Bei Melissa war die »Ich«-Form einfach passend. Es gibt allerdings keinen anderen Roman, an dem ich schreibe, der mit der »Ich«-Form arbeitet, weil das tatsächlich bei den meisten Verlagen nicht allzu gern gesehen ist. Es schränkt die Perspektive ein. In der »Ruf des Blutes«-Serie versuche ich es dadurch zu kompensieren, dass es immer wieder Zwischensequenzen gibt, die ohne Mel stattfinden und in der dritten Person spielen. Das lockert den Roman etwas auf.
Carola Kickers: Könntest du dir vorstellen, auch in anderen Bereichen zu schreiben?
Tanya Carpenter: Das tue ich sogar bereits. Unter den Projekten, an denen ich arbeite, gibt es auch Krimis, Liebesromane, Melodramen, Fantasy und inzwischen sogar Humorvolles. Wobei ich Letzteres am schwierigsten finde. Es sind ja auch einige Gemeinschaftsprojekte mit meinem Freund Mark Staats in der Pipeline, und ich merke schon, dass so eine zweite Sicht auch mir bei der Weiterentwicklung hilft. Das Einzige, wo ich mich wirklich nie heranwagen würde, ist Sci-Fi. Da hab ich einfach keinen Draht zu. Reizen würde mich noch ein historischer Roman, aber so was braucht viel Recherche.
Carola Kickers: Hattest du von vorneherein eine Serie geplant oder hat sich das erst später entwickelt?
Tanya Carpenter: Als ich den ersten Roman anfing, sollten es 150 Seiten werden. Mehr zum Spaß für mich selbst. Doch die Ideen sprudelten und sprudelten, waren bald zu viel für nur einen Roman, und ich habe mit den Folgebänden begonnen. Dann entwickelten sich die Charaktere immer mehr, sodass die ersten Überlegungen kamen, Einzelbände zu Armand, Lucien und Franklin zu schreiben. Alle Bände sind zumindest schon begonnen, und der grobe Plot steht jeweils.
Carola Kickers: Kannst du bei einem so großen Buchprojekt überhaupt noch ein Privatleben oder Hobbys haben?
Tanya Carpenter: *lacht* Man wächst mit seinen Aufgaben. Ja, ich habe noch Privatleben und jede Menge Hobbys. Das geht auch deshalb sehr gut, weil Mark ebenfalls schreibt und wir unsere Hobbys miteinander teilen. Ich habe zwei Pferde, einen Hund, Haus und Garten. Das bekomme ich alles irgendwie unter einen Hut. Mark und ich gehen gern auf Mittelaltermärkte und Liverollenspiele, machen zusammen Schauschwertkampf, lieben Filme und Musik. Das Einzige, was derzeit wirklich auf der Strecke bleibt, ist das Lesen. Da habe ich kaum noch Zeit und Muse für.
Carola Kickers: Gibt es Termine und Lesungen, wo dich unsere Leser persönlich treffen können?
Tanya Carpenter: Die letzte Lesung war auf der BuCon, am 18. Oktober. Für dieses Jahr ist erst mal nichts Weiteres geplant. Nächstes Jahr steht auf jeden Fall die Leipziger Buchmesse im März an, wo ich vermutlich eine Kurzgeschichte aus einer Anthologie von Alisha Bionda lesen werde, die zur Messe erscheint. Der Marburg Con im Mai ist geplant, FeenCon, RPC und BuCon sind noch in der Überlegung. Erste Kontakte für eine Lesung bei einem Vampire-Liverollenspiel sind geknüpft, aber da ist noch nichts fest. Termine stellen wir auf www.world-of-lunae.com online. Das ist eine Homepage, die Mark und ich zu einem unserer Gemeinschaftsprojekte ins Leben gerufen haben. Hier gibt es immer aktuelle News, Fotos und Leseproben zu einigen Projekten.
Carola Kickers: Vielen Dank für das Interview, und wir freuen uns auf Band III.
Tanya Carpenter: Hat mich auch gefreut. Dann eile ich jetzt wieder an meine Tastatur, damit Teil 3 planmäßig im Frühling 2009 erscheinen kann.

Einige Informationen über die Serie:
»Ruf des Blutes« ist eine Vampirserie mit derzeit geplanten 6 Bänden über die Prota Melissa Ravenwood. Sie zeigt die Entwicklung Mels von einer jungen, sterblichen Frau mit übersinnlichen Fähigkeiten zu einer mächtigen Vampirin. Dabei erlebt der Leser in jedem Band, wie die Wandlung weiter fortschreitet, wie sich ihre Fähigkeiten verstärken und die Menschlichkeit vor dem Vampirdämon immer mehr in den Hintergrund tritt. Sie bewahrt sich ihr Verständnis von Recht und Unrecht, doch wird sie zusehends kühler und distanzierter gegenüber Sterblichen.
Melissa ist als Vampir hin und her gerissen zwischen ihrer tiefen, aufrichtigen Liebe zu ihrem Schöpfer Armand de Toulourbet und der an Abhängigkeit grenzenden Faszination gegenüber dem mächtigen, fünftausend Jahre alten Vampirlord Lucien von Memphis. Beide lieben die junge Frau auf ihre jeweils eigene Art und Weise und versuchen, sie an sich zu binden. Wobei Lucien viel skrupelloser vorgeht, als Armand.
Aber auch andere Vampire begleiten Melissas Lebensweg und prägen ihre Entwicklung. Da ist zum einen Lemain Vitard, Armands Schöpfer, schön und eiskalt. Dann der androgyne Kindvampir Saphyro mit seinem kleinen Harem. Der boshafte und anpassungsfähige Dracon, der immer wieder Melissas Wege kreuzt. Der unsterbliche Neurochirurg Dr. Steven Blenders und nicht zuletzt die beiden Urvampire der »Nightflyer«, die Geschwister Kaliste und Tizian.
Vier weitere Vampirarten tauchen in der Geschichte auf, und jede hat ihre ganz eigene Entstehungsgeschichte. Die »Crawler« mit ihrem Fürsten Raphael al Akaban, die »Daywalker« – Mischlinge aus Vampiren und Vascazyren – einer Dämonenart, die »Realbornes« – halb Mensch, halb Vampir und die schwächste der Vampirarten, die »Nighthunter« – Dämonensöldner im Dienste der Schattenwelt die auch den irrigen Namen »Schattenjäger« tragen.
Die Geschichten sind von Abenteuer und Sinnlichkeit geprägt, wobei letztere sowohl hetero- wie homoerotischer Natur ist. Jeder Band hat einen eigenen Schwerpunkt. In Band 1 geht es um Melissas sterbliches Leben und ihre Entscheidung, Armand in die Dunkelheit zu folgen. Band 2 dreht sich um die Legende der Ewigen Nacht und die sieben Engel des Lebens, deren Tränen die Welt nähren. Der dritte Band handelt in der Hauptsache von den Crawlern und von mysteriösen Mordfällen im britischen House of Lords, die Melissa zusammen mit einem MI6-Agenten aufklären soll. Im vierten Band versucht ein Wesen aus der Unterwelt, den mächtigsten aller Dämonen aus seinem jahrtausendealten Gefängnis zu befreien und ihm die Welt zu unterwerfen. Im fünften Band muss Mel die entscheidende Schlacht zum Fortbestand ihrer ganzen Art schlagen und ihr wahres Schicksal erfüllen, das sich mit jedem Roman weiter verdeutlicht. Und in Band 6 entbrennt der Kampf der Lykaner gegen die Menschen von neuem, der Menschheit droht die völlige Vernichtung und Mel muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie und die Vampire kämpfen werden. In allen Bänden hat die Prota kleinere »Nebenabenteuer« zu bestehen oder Aufgaben zu lösen. Abwechselnd treten die beiden Vampire Armand und Lucien in den Bänden in Vordergrund.
Die Vampire in »Ruf des Blutes« sind vielschichtig, mit unterschiedlichen Charakteren, Geschichten und Fähigkeiten. Außerdem tauchen durch Melissas Arbeit beim PSI-Orden der Ashera noch viele weitere übernatürliche Wesen, okkulte Orte oder Artefakte auf, die mehr oder weniger Bedeutung für den Verlauf der einzelnen Geschichten haben. Einige Personen oder Gegenstände gewinnen auch erst in folgenden Bänden an Bedeutung.
Durch den philosophischen, gebildeten Charakter des Lucien, den nachdenklichen Saphyro und die Urgeschwister Kaliste und Tizian fließen auch immer wieder Überlegungen zu Religion, Kunst und Weltgeschichte in die Romane mit ein. Außerdem gibt es viele Legenden und Mythen, die gerade Lucien Melissa erzählt, sobald diese für sie bedeutungsvoll werden.
Es ist keine Romanserie mit beständig eitlem Sonnenschein und liebreizenden Verführern. Die Vampire sind dunkel und gefährlich, gleichzeitig sinnlich und betörend. Es gibt immer wieder Gefahren und Bedrohungen.
Sowohl die Prota als auch die Nebencharaktere haben Höhen und Tiefen zu bestehen, und der ein oder andere Charakter in der Geschichte muss auch sterben oder ein anderes schweres Schicksal erleiden.
Gerade Melissa bleibt davon nicht unberührt, und die Entscheidungen, die sie treffen muss, sind nicht immer leicht.
Zusätzlich zu den sechs Hauptteilen sind noch Einzelromane zu den Vampircharakteren von Armand und Lucien sowie des Charakters von Mels Vorgesetztem – Franklin Smithers – in Arbeit.
© Carola Kickers