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Interview mit Michael Sagenhorn

im Gespräch mit Michael Sagenhorn

: Bitte stell dich unseren Lesern doch zuerst einmal kurz vor.

Michael: Beruflich bin ich in der IT-Branche tätig. Bei dieser trockenen Tätigkeit ist die Schriftstellerei und grafisches Design, das ich zudem betreibe, natürlich ein willkommener Ausgleich. Von Natur aus bin ich ein fröhlicher Mensch. Das versuche ich auch in schlechten Zeiten beizubehalten. Ich probiere gerne Neues aus, da ich der Meinung bin, dass mit steigenden Alter auch die Erfahrung wachsen sollte. Irgendetwas Gutes muss das Älterwerden ja haben. Meine Freunde und Bekannten würden mich als still und zurückhaltend beschreiben. Da haben sie recht.

: Wie fing das bei dir mit dem Schreiben an und woher kam die Vorliebe für die Fantasy?

Michael: Da muss ich sehr weit zurückgehen. Phantastische Welten, Märchen und Träume haben schon immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt. Aber ich glaube, den Anstoß für meine Faszination hat mein Vater gegeben. Wie vielen anderen Kindern auch wurden mir oft Gutenachtgeschichten vorgetragen. Mein Vater nahm aber nicht einfach ein Buch zur Hand. Er hatte das Talent, sich Geschichten aus dem Stehgreif auszudenken, denen ich gespannt zuhörte. Mit dem Schreiben begann ich natürlich erst viele Jahre später. Die erste längere Geschichte schrieb ich mit elf Jahren. Ich habe einen Bericht über Versuchstiere gelesen und mir vorgestellt, was wohl geschähe, wenn die Tiere plötzlich zurück schlagen würden. Es entstand eine Horrorgeschichte mit einem beachtlichen Umfang von 300 Blockseiten.

: Inwieweit lässt du dich von anderen Autoren inspirieren? Wer ist dein großes Vorbild?

Michael: Ich habe kein Vorbild. Wenn es jedoch um den Schreibstil geht, habe ich großen Respekt vor Hermann Hesse und Thomas Mann. Besonders Thomas Mann fasziniert mich in dieser Hinsicht. Wenn es um Geschichten selbst geht, gebe ich dann doch Schriftsteller|innen wie Peter S. Beagle, Michael Ende oder Juliet Marillier den Vorrang.

: Kommen wir zu deinem Roman „Lauros“. Du sagst, dass du die Idee dafür selbst geträumt hast. Schildere uns das doch bitte einmal genauer.

Michael: Ich möchte natürlich nicht zuviel verraten, aber da gibt es diesen Traum am Anfang der Geschichte, der Raul eine schlaflose Nacht bereitet. Ich habe den Traum natürlich auf den Roman zugeschnitten, aber Rauls Traum kommt dem meinen immer noch sehr nahe. Ich gehöre zu jenen Menschen, die überaus lebendig träumen. Daher hat mich die Szene ungemein berührt. Der Traum ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Wer waren diese Leute? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Warum hatte man ihnen dieses Schicksal zugedacht - und wer? Wo spielt sich die Szene ab? - Und was zum Teufel mach' ich hier? All diese Fragen verlangten eine Antwort, die ich eines Tages haben wollte. Also notierte ich den Traum. Vielleicht habe ich deshalb einen Traumgott der Geschichte zugrunde gelegt.

: Und wie kam es dann zur tatsächlichen Entstehung des Romans?

Michael: Eigentlich sollte nicht Lauros mein Debütroman werden, sondern eine ganz andere Geschichte. Natürlich fand sich dafür kein Verleger. Hätte ich die Geschichte selbst veröffentlichen wollen, hätte ich sie in mindestens drei Bücher aufteilen müssen, und danach stand mir nicht der Sinn. Also brauchte ich einen neuen Handlungsstrang, der sich über wenige Seiten erstreckt, denn als ich mit Lauros begann, spekulierte ich bereits damit, sie in Eigenregie zu verlegen. Da holte ich den Zettel mit meinem Traum hervor. Nun musste ich aus einer einzelnen Sequenz die gesamte Handlung entwickeln, indem ich mir eben jene Fragen beantwortete, die ich mir damals gestellt hatte. Nachdem ich über ein Jahr lang mit einer ganz anderen Geschichte beschäftigt gewesen war, fiel es mir schwer, etwas völlig Neues zu beginnen. Trotzdem kam ich gut voran, und nach wenigen Wochen war die erste Fassung fertig. Heute sind von dieser Fassung nur noch die Schauplätze übrig, da sie überhaupt nicht wirkte. Die zweite Fassung war schon sehr schön, bot aber nichts Besonderes. Daher behielt ich nur die Abschnitte, die ich brauchen konnte und fing noch mal von vorne an. Wir sind auf einer Götterwelt. Also müssen auch dementsprechende Schauplätze her. So entstanden das ‚Nolobmys’ und ‚Der Raum mit den Fenstern zur Zeit’. Mit einem neuen Charakter, dem Zwergengott Bambadur, stellte ich der Göttin des Krieges nicht nur einen guten Freund zur Seite, sondern verband auch die Welt meines ersten Romans und der Götterwelt von Lauros. Nicht, dass das besonders wichtig für den Handlungsablauf wäre. Ich hielt es nur für eine witzige Idee.

: Deine Protagonisten hast du mit wenigen Worten sehr klar charakterisiert. Wusstest du schon zu Beginn, wie sich die Helden entwickeln oder kam das erst beim Schreiben?

Michael: Von den meisten Protagonisten hatte ich eine klare Vorstellung. Aber gerade bei Lauros gab es einige Probleme. In der ersten Fassung war Lauros ein gewöhnlicher Mensch. Dieser Charakter gefiel mir überhaupt nicht. Ich kam ganz schön ins Grübeln, denn ich wollte meinen Haupthelden eigentlich nicht zu einem Gott erheben. Auf der anderen Seite taten sich völlig neue Möglichkeiten auf, die Geschichte zu gestalten. Schließlich hat ein Gott ganz andere Probleme als ein Sterblicher. Also wurde aus Lauros der Traumgott selbst. Auch Slim und Asari brauchten eine wesentliche Charakterauffrischung, die ich ihnen in der Endfassung auch gönnte.

: In meinem Beitrag in den Wunderwelten habe ich mich sehr begeistert über deinen Sprachstil geäußert. Wo siehst du selbst das Geheimnis dafür?

Michael: Hmm ... ich weiß nicht, ob es dafür ein Geheimnis gibt. Als ich damit begann, Geschichten zu schreiben, wurde mir der Aufwand bewusst, der dahintersteckt und ich habe mich gefragt, wie Schriftsteller es fertig brächten, mit Worten so gut umzugehen. Ich habe mir damals vorgenommen: Eines Tages möchte ich auch so schreiben! Kann sein, dass es mir geglückt ist. Heute gehe ich meine Geschichten in Etappen an. Zuerst schreibe ich die Geschichte in einem Stück runter. Dann arbeite ich sie Kapitel für Kapitel aus, bevor ich ihr den letzten Schliff gebe, indem ich z.B. nach treffenderen Worten suche oder nach Wiederholungen Ausschau halte.

: Hast du in deinem Roman auch persönliche Erlebnisse verarbeitet und wenn ja, verrätst du uns da vielleicht was?

Michael: Da gibt es einiges. Ich möchte aber kein Erlebnis anführen, sondern den Umstand, dass irgendwann einmal der Zeitpunkt kommt, eine Entscheidung zu treffen, die für das weitere Leben bestimmend ist. Lauros hat im Laufe der Geschichte mehrere dieser Entscheidungen zu fällen, ebenso wie ich in der Vergangenheit.. Die meisten Menschen werden im Laufe ihres Lebens mit folgenschweren Entscheidungen konfrontiert. Leider ist es nicht immer einfach, die richtige Wahl zu treffen. Das macht sowohl die Gefahr als auch den Reiz des Lebens aus. Lauros, der Gott, hat keinen Gott, der ihm die Wahl abnehmen könnte. Wir Menschen wünschen uns oft, dass ein göttliches Wesen uns den richtigen Weg weist. Ich weiß nicht, ob es Sinn machen würde, wenn Gott uns diese Wahl abnähme. Eigene Entscheidungen zu treffen, gehört meines Erachtens mit zum Sinn des Lebens.

: Am Ende des Buches schließt sich im Prinzip der Kreis, und der Leser „erwacht“ zusammen mit dem Helden aus einem Traum. (Ich hoffe, ich verrate nun nicht zuviel, aber nein, der Träumende Gott kann mehrere Träume träumen) Das ist zwar ein Schluss, aber eigentlich doch auch ein Anfang. Wird es also eine Fortsetzung geben?

Michael: Wunderbar gesagt. Eigentlich ist die gesamte Geschichte nur ein Prolog, in dem die Leser|innen die Götterwelt und ihre Bewohner kennen lernen. Ob es eine Fortsetzung geben wird, hängt allerdings davon ab, wie die Geschichte ankommt. Ich habe zwar schon mit der Planung eines zweiten Teils begonnen, ihn niederzuschreiben macht meiner Meinung nur dann Sinn, wenn es fantasiebegeisterte Menschen gibt, die sich dafür interessieren. Bitte nicht falsch verstehen. Ich schreibe wahnsinnig gerne, und nichts würde mich mehr freuen, als erneut mit Lauros zur Götterwelt zu reisen, aber ich schreibe hauptsächlich für andere Menschen, nicht um mein Ego zu befriedigen indem ich sage: Jetzt habe ich wieder ein Buch herausgebracht.

: Dass der Roman bei Books on Demand erschienen ist, lässt vermuten, dass sich die Suche nach einem Verleger schwierig gestaltet hat. Wie waren deine Erfahrungen diesbezüglich und was konntest du daraus lernen?

Michael: Oh ja! Sehr schwierig! Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Verlage, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben, nicht wirklich an deutschen Newcomern interessiert sind. Sie haben keine Zeit, sich mit ihnen zu beschäftigen. Ich verstehe das voll und ganz. Was ich aber nicht verstehe, warum sie bei Ihren Auftritten uns Kleinen der Branche eben das suggerieren. Ich schicke meine Manuskriptvorstellung nicht an Verlage, von denen ich weiß, dass kein Interesse daran besteht. Wenn ich etwas daraus lernen konnte, dann, dass man den Glauben an sich selbst und an seine Geschichte nicht verlieren darf, so frustrierend die Verlagssuche auch ist. Dies habe ich dadurch unterstrichen, indem ich eben den Weg des Selbstverlages wählte.

: Wie zufrieden bist du mit den Verkaufszahlen und wie reagieren Leser sonst auf den Roman?

Michael: Es ist noch zu früh, um mir Gefühle wegen der Verkaufszahlen zu erlauben. Sie halten sich noch sehr in Grenzen. Es wäre auch zuviel von den Leser|innen verlangt, wenn sie mir das Buch quasi aus den Händen reißen würden. Du selbst hast ja gesagt, am Anfang warst du skeptisch. Diese Skepsis hätte ich bei einem fremden, selbst verlegten Buch auch, diese Skepsis haben natürlich auch andere. Soviel Geld für ein dünnes Buch ohne Verlag, und einem Autor den keiner kennt? Wieso sollte das Buch überhaupt etwas taugen? Diese Vorbehalte müssen erst überwunden werden. Wenn sie aber einmal überwunden sind, werden die Leser|innen feststellen, dass sie Ihr Geld für schlechtere Dinge hätten ausgeben können. Gerade beim Preis ist mir wichtig, dass der potentielle Käufer versteht, dass ich mich nicht von der Gier habe treiben lassen, sondern dass ich so kalkulieren musste. Anderenfalls hätte ich Geld bei jedem Kauf mitbringen müssen. Kleinverlage und Selbstverleger können nicht mit den Großen im Geschäft konkurrieren. Wir müssen unsere Bücher zu einem höheren Preis anbieten. Der Vorteil des Selbstverlegers ist aber, dass er den Preis selbst festsetzen kann. Es könnte gut sein, dass Lauros bei einem Kleinverlag sogar teurer gewesen wäre, da auch sie auf Gewinn verlegen müssen. Ich muss das nicht.
Soweit ich das mitbekomme, wird Lauros sehr gut aufgenommen. Den meisten geht es da wie dir: Zuerst skeptisch, aber dann angenehm überrascht. Die größte Kritik kam bisher von einem Freund, der meinte, ich hätte in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten noch viel tiefer eintauchen müssen. Er führte ‚Der Herr der Ringe’ und ‚Otherland’ als Beispiel an. In diesen Romanen ist das den Autoren hervorragend geglückt. Ich erwiderte darauf, dass diese Bücher auch ein ganz klein wenig umfangreicher wären als das meine.

: Bereust du unter diesen Umständen den Weg, den du mit BoD gegangen bist?

Michael: Ich muss zugeben, ich habe nicht geglaubt, dass es so schwierig sein würde, von manchen Redakteuren und Literaturseitenbetreibern ernst genommen zu werden. In dieser Hinsicht war ich doch sehr blauäugig der Meinung: Leistung zählt, nicht Name oder Verlag. Der Weg des Selbstverlages ist ein harter, arbeitsintensiver Weg, aber ich bereue ihn dennoch nicht. Ich habe viel über die Entstehung eines Buches gelernt. Ich hatte volles Mitspracherecht beim Lektorat, Design und der Preisgestaltung, und konnte daher das Buch genauso herausbringen, wie ich mir das vorgestellt habe. Bei einem traditionellen Verlag wäre das undenkbar gewesen. Für den ersten Roman ist BoD ein gutes Printverfahren, für den zweiten Roman sollte es aber doch ein traditioneller Verlag sein.

: Wie reagierst du auf Kritik, insbesondere auch auf negative?

Michael: Ich glaube wie jeder andere Schriftsteller auch. Ich freue mich riesig, wenn meine Geschichten gelobt werden. Dann weiß ich: Ich habe meinen Job gut hingekriegt. Zugleich ist Lob auch eine Verpflichtung. Ich enttäusche nicht gerne, wenn ich beim zweiten Versuch nicht das leiste, was ich beim Ersten erbringen konnte. Was negative Kritik anbelangt, ich versuche mit ihr zu leben und – wenn sie berechtigt ist – meine Lehren daraus zu ziehen.

: Wie sehen deine Zukunftspläne hinsichtlich des Schreibens aus und mit der letzten „Frage“ bekommst du auch die Gelegenheit, deinen Lesern einmal das zu beantworten, was du auch heute wieder nicht gefragt wurdest.

Michael: (Lächeln) Derzeit habe ich zum Schreiben kaum Zeit. Was mir die Arbeit an Freizeit übrig lässt verbringe ich natürlich mit Überlegungen, wie ich die Bekanntheit meines Romans steigern könnte. Einer der Nachtteile, wenn du selbst verlegst, ist: Das Marketing nimmt dir keiner ab. Ich hoffe das baldigst wieder zu ändern. Ich bin kein Vertreter sondern Schriftsteller. Sollten die Leser|innen Gefallen an Lauros finden, würde ich als nächstes an einer Fortsetzung arbeiten. Es gibt da auch zwei Novellen, die ich schon lange ausarbeiten wollte, zudem kitzelt es mich in den Fingern, wenn ich an meinen ersten Roman denke. Der bedarf ebenfalls noch einer Ausarbeitung. Die Kurzgeschichten, die bisher nur in Stichpunkten existieren will ich gar nicht groß erwähnen. An Stoff mangelt es mir nicht.

: Ich danke dir ganz herzlich, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast und wünsche dir alles Gute!

Michael: Vielen Dank. Auch Dir und dem Geisterspiegel das Allerbeste und noch viele tolle Artikel.

Die Fragen stellte Anke Brandt.

Einen Beitrag über Michael Sagenhorn findet ihr HIER!

 

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