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Bei meinen Vorbereitungen auf die Leipziger Buchmesse 2009 stieß ich bei einer Pressemitteilung, dass der Autor Eckard Diergarten zusammen mit den Musikern bei Pro Business die Biographie »50 Jahre The Lords« herausbrachte. Und diese Lebensgeschichte der weltweit dienstältesten aktiven Band sollte auf der Buchmesse präsentiert werden.Da ich gewissermaßen auch mit der Musik von »The Lords« groß geworden bin, reifte in mir die Idee, ein Interview mit der Band zu führen. Doch wie sollte ich dies realisieren? Einfach so auf die Musiker zugehen und sagen: »Hallo, ich bin von Am Samstag, den 14. März 2009 begab ich mich rechtzeitig zum vereinbarten Treffpunkt. Gegen 13.45 Uhr trafen auch die Musiker ein. Ein wenig machte sich innerlich der Flattermann bei mir bemerkbar. Doch Augen zu und durch! Nach wenigen Schrecksekunden stellte ich fest, dass Leo, Bernd, Jupp und Charly sehr bodenständig und zugänglich sind. War es doch für mich das erste Mal in meinem Leben, den Jungs für ca. 2 Stunden so hautnah begegnen zu können. |
Interview als Video: |
: Hallo Leo, schön, mit dir am Stand von book-on-demand zu sprechen. Ihr habt in diesem Jahr 50-jähriges Bandbestehen. Was ist das für ein Gefühl, 50 Jahre lang auf der Bühne zu stehen, Musik zu machen, Musik vom Feinsten?
Leo Lietz: Ja, es kommt einem gar nicht so lang vor, dass die 50 Jahre vorbei sind. Die Zeit vergeht wie im Fluge, wenn man tingelt und viel unterwegs ist. Und es ist ein tolles Gefühl, 50 Jahre mit erlebt zu haben, weil: Wir haben einiges erlebt in der Zeit, politisch wie auch wirtschaftlich und musikalisch. Es ist ein schönes Leben gewesen bis jetzt. Und ich glaube, es geht noch ganz gut weiter.
: Und wie habt ihr die Zeit nach 1989/1990, als die Mauer fiel, überstanden? Denn viele ehemalige Musiker aus den neuen Bundesländern waren bis 89/90 sehr weit oben und danach unter »ferner liefen«, teilweise heute wieder voll im Geschäft.
Leo Lietz: Ja, das ist auch gut so, dass die alten oder neuen Bundesländer sich an ihre alten guten Musiker wieder erinnern und die auch fördern und wieder in die Konzerte gehen. Wir haben den Mauerfall insofern ganz gut erlebt - und für uns sehr gut erlebt -, dass wir in den neuen Bundesländern sehr viel zu tun haben, mit den Menschen sehr gut zurecht kommen. Wir sind auf einer Ebene, und wir spielen eigentlich fast lieber hier im Osten als im Westen.
: Ist das Publikum, die Fangemeinde, die sich mittlerweile seit diesem Jahr 1959 gebildet hat, in den alten Bundesländern besser oder in den neuen Bundesländern? Was habt ihr da für ein Gefühl?
Leo Lietz: Man kann es nicht besser oder schlechter sagen. Es ist anders. Die im Westen haben natürlich bis dato mehr geboten bekommen als die im Osten. Also, die haben einige Weltkünstler mehr erlebt als im Osten. Aber der Osten hat sehr gut nachgezogen. Und ich muss sagen: Im Osten ist immer noch ein bisschen mehr Herzlichkeit als im Westen. Und ist sehr angenehm.
: Habt ihr zu Ostbands - ich denke da zum Beispiel an Karat, die allbekannt sind. Oder seit ein paar Jahren wieder auf der Bühne Silly mit Uwe Hassbecker als Frontsänger vornweg (Tamara Danz als Sängerin ist ja auch verstorben) - Habt ihr zu solchen Bands Kontakt, rein beruflich, aber auch ganz normal privat?
Leo Lietz: Zu Silly haben wir leider gar keinen Kontakt. Ist nie zustande gekommen. Zu den Puhdys einen sehr starken Kontakt, auch menschlich und privat. Mit denen wir uns schon öfters getroffen haben und schön gefeiert haben. Mit Karat auch einen sehr guten Kontakt, sehr angenehme Menschen. Ich muss sagen: Zu vielen Ostbands haben wir einen guten Kontakt. Ich mach mich nicht an Namen fest, aber wir treffen sie oft unterwegs und es ist ein sehr gutes Feeling unter den Bands.
: Jetzt ist hier über book-on-demand das Buch »50 Jahre The Lords« herausgekommen. Wie ist dies entstanden?
Leo Lietz: Ja, das ist so aus einer Laune entstanden, dass wir jemanden kennenlernten, der das Buch geschrieben hat als Ghostwriter, der sagte: »Mensch, mit 50 Jahren müsste man eigentlich mal ein Buch rausbringen.«
»Ja«, sagten wir ganz doof, »ja, na klar, dann mach mal.«
Und so fing er dann an zu sammeln, und es hat ein Jahr gedauert, bis die Recherchen fertig waren. Und eigentlich sind wir ganz froh darüber, dass so locker über die Bühne ging. Also, das ist nicht so, dass man sich hinsetzt und jahrelang schreibt. Es wird gesammelt, gesammelt, gesammelt … Und dann ein bisschen abgeglichen. Und eigentlich ganz locker gegangen.
: Wenn ihr auf der Bühne steht, seid ihr die Lords. Von der Bühne weg, seid ihr auch im normalen Leben Gentleman?
Leo Lietz: Oh, das glaub ich schon, dass wir nicht als Rumpler rumlaufen, oder die Leute anmachen oder anbaggern. Nee, nee, wir fühlen uns als ganz normale Menschen. Wir leben ganz normal. Wir sind verheiratet, haben Kinder und leben ein normales Leben.
: Also, sagen wir mal so, wie bei vielen anderen Bands, auch im Ausland, keine Starallüren - richtig bodenständig geblieben.
Leo Lietz: Um Gottes willen. Wir haben ja schon drei Generationen erlebt und drei Phasen mitgemacht als Band. In der ersten war es ganz schlimm, wo wir nur in die Halle rein, gespielt, aus der Halle raus unter Polizeischutz. Jetzt wollen wir es anders haben. Jetzt wollen wir es genießen und wollen uns umgucken und wollen mit den Menschen reden, und über das Buch auch natürlich reden hier auf der Messe, und wollen es einfach schön haben das letzte Quartal.
: Im April - hab ich gehört von dem Autor - kommt heraus anlässlich zum 50-jährigen Jubiläum eine neue CD von euch.
Leo Lietz: Völlig richtig.
: Gibt es da was Neues, in eine andere Richtung? Oder seid ihr eurem Stil treu geblieben all die Jahre?
Leo Lietz: Na gut, wir haben unseren Stil schon ein wenig verändert, dass wir ein wenig härter - das ist ein blödes Wort - aber wir sind deftiger geworden. Und es ist mehr Groove dabei. Es sind auch neue Lieder dabei. Und es ist alles live gemacht, alles live aufgenommen. Weil, die Leute müssen ja sehen, dass wir live sind. Die sehen das so. Wir sind eben eine Liveband. Und das mussten wir jetzt mal wirklich zu Papier bringen.
: Aber ich kann euch nicht in die sogenannte Neue Deutsche Härte hinein bringen. Abgewandelt natürlich von Neue Deutsche Welle, wie Joachim Witt zum Beispiel.
Leo Lietz: Nee, nee, das ist nicht unser Ding. Wir sind eine Rock 'n' Roll Band, eine moderne Rock 'n' Roll Band.
: : Also, mit Wiedererkennungseffekt.
Leo Lietz: Richtig.
: Für all die Fans, Generationen, überliefert natürlich.
Leo Lietz: Genau. Für die alten und auch jede Menge neue wollen wir schon was bieten. Es ist nicht so, dass wir stehen geblieben sind. Es ist schon mit Wiedererkennungswert. Es ist der deutsche Rock 'n' Roll von den Lords.
: Dann bedanke ich mich für die Bereitschaft, die Fragen uns zu beantworten.
Leo Lietz: Gern geschehen.
: Ich wünsche euch natürlich von unseren Usern, von unseren Mitarbeitern und Redakteuren alles Gute zu eurem fünfzigsten Jubiläum und hoffe, dass ihr - solange ihr noch spielt, so wie die Puhdys, bis zur Rockerrente natürlich - uns mit eurer Musik einen wahren Ohrenschmaus liefert.
Leo Lietz: Vielen Dank. Alles klar. Gern geschehen.
Mein besonderer Dank gilt den Verlagsmitarbeitern von book-on-demand und dem Autor Eckard Diergarten, die es ganz unkompliziert ermöglichten, dieses Interview führen zu können.
© Wolfgang Brandt