: Wer verbirgt sich hinter der Persönlichkeit Eveline Mattle?
Eveline Mattle: Hinter Eveline Mattle verbirgt sich eine ehemalige kaufmännische Angestellte, eine momentane Studentin und (hoffentlich) eine zukünftige Psychotherapeutin, die nebenbei als Autorin zu wirken gedenkt. Ich gehöre zu einer großen Familie, die mir unendlich viel bedeutet, bin seit drei Jahren mit meinem Freund zusammen, habe viele gute Freunde in der ganzen Welt und eine kleine Zimmertanne, die wohl leider bald das Zeitliche segnen wird (deshalb ist es vielleicht auch besser, dass ich keine Haustiere besitze) …Außerdem spiele ich Klavier, war viele Jahre im Karate und letztes Jahr habe ich das Wandern entdeckt, was sich nun immer mehr auch in der Wahl meiner Feriendestinationen abzeichnet. Ich verbringe viel Zeit in der Natur, meist zu zweit, aber ganz gerne auch mal alleine.
: Worin liegen die Wurzeln, dass du dich mit dem Schreiben beschäftigst?
Eveline Mattle: Als ich vier Jahre alt war, hat meine Schwester mir das Lesen und Schreiben beigebracht. Die Anfänge meiner Leidenschaft liegen also schon ziemlich weit zurück, denn seit ich mich erinnern kann, machte es mir Spaß, eigene Geschichten zu erfinden und sie aufs Blatt zu bringen. Ob diese dann für ein breiteres Publikum gedacht sind, oder ob nur ich selbst sie lesen werde, macht da keinen Unterschied.
: Eine junge Autorin, die Stories schreibt, ist sicherlich in der heutigen Zeit nichts Neues. Eine, welche sich einen Fantasy-Mehrteiler vornimmt, schon eher. Wie kam es dazu, dass du dieses Projekt in Angriff genommen hast?
Eveline Mattle: Wie gesagt, Geschichten geschrieben habe ich eigentlich schon immer. Nur fertig gestellt wurden sie praktisch nie. Als ich mit der „Saga von Andalaya“ begann, habe ich auch nicht gewusst, welcher Weg noch vor mir lag. Es machte mir einfach Spaß, an einem solch großen Werk zu arbeiten, und ich konnte ja auch die Geschwindigkeit selber festlegen. Ich stand nie unter Druck, etwas fertig stellen zu müssen, weshalb hat es wohl auch fast sechs Jahre gedauert hat, bis ich mit dem Ergebnis schließlich zufrieden war. Wahrscheinlich wird sich das nun ein wenig ändern, sofern es Leute geben sollte, die den zweiten Teil von Andalaya bereits sehnsüchtig erwarten …
: Du studierst zurzeit Psychologie und Englisch an der Universität Bern. Wie bringst du Studium und Schreiben unter einen Hut?
Eveline Mattle: Das Schreiben ist für mich ein Hobby – wo andere am Abend den Fernseher anschalten, setze ich mich an meine Geschichte.Wenn mir aber die Uni oder der Arbeitsplatz zeitlich mal etwas mehr abverlangt, schreibe ich einfach weniger. Außerdem ist Andalaya für mich eine Art Zufluchtsort, an dem ich abschalten kann, und der den Alltag in den Hintergrund rücken lässt.
: Was war für dich der ausschlaggebende Punkt, den Persimplex Verlag Wismar als deinen Verlag auszuwählen?
Eveline Mattle: Ich glaube eher, der Persimplex Verlag hat mich ausgewählt ;-) Was ihn für mich so sympathisch macht, ist vor allem die persönliche Betreuung, die prompte und gleichzeitig sehr sorgfältige Bearbeitung der Texte und das familiäre Klima. Ich bin wirklich sehr froh, diesen Verlag gewählt zu haben.
: Welche Leserschaft möchtest du mit deinem Roman erreichen? Was sind die Zielgruppen?
Eveline Mattle: Ich glaube, dass Fantasy-Geschichten noch immer eher Kinder und Jugendliche ansprechen, obwohl es auch immer mehr Erwachsene gibt, die daran Gefallen finden. Grundsätzlich ist der Roman für all jene Leute gedacht, denen es Freude bereitet, sich abends in eine Welt zu begeben, in der sie Abenteuer miterleben können, die in der Realität unmöglich wären.
: Du hast deinen eigenen Schreibstil. Orientierst du dich trotzdem an andere Schriftsteller? Hast du Vorbilder?
Eveline Mattle: Natürlich habe ich eine Menge Vorbilder - Conn Iggulden oder James Clemens zum Beispiel - und ich bin mir sicher, dass man unbewusst einiges davon übernimmt, was man selber liest. Ich habe aber noch nie absichtlich versucht, mich an anderen Schriftstellern zu orientieren oder sie gar nachzuahmen. Ihren Schreibstil zu übernehmen, wäre ohnehin schwierig, da ich all ihre Bücher auf Englisch lese.
: Mit »Die Saga von Andalaya – Das letzte Zeitalter« erscheint ein Fantasy-Roman auf dem Buchmarkt, der sich ein wenig an Tolkiens »Der Herr der Ringe« orientiert. Wie siehst du diesen Aspekt?
Eveline Mattle: Ich glaube, jedes Fantasy-Buch wird irgendwann einmal mit Herr der Ringe verglichen, was meist darauf hinausläuft, dass das besagte Buch schlecht abschneidet. Für mich scheint Tolkiens Ideenreichtum und seine Genialität unerreichbar zu sein, weshalb ich gar nicht erst versuche, mich an ihm zu messen. Gleichwohl komme ich nicht umhin, mich ein wenig geehrt zu fühlen, wenn ich in die gleiche Kategorie eingeordnet werde wie er.
: Mit der Sprache der Schattenjäger wählst du eine, über deren Aussprache die Leser eventuell stolpern werden. Könnte sich dies negativ auf den Lesefluss auswirken?
Eveline Mattle: Die Sprache der Schattenjäger ist nicht dazu gedacht, melodisch zu klingen. Sie soll die Lesegeschwindigkeit ruhig etwas herabsetzen, sodass der Leser selbst das Gefühl hat, an diesem düsteren Ort gefangen zu sein und ihm nicht entfliehen zu können.
: Vergleiche zu bisher erschienenen Fantasy-Romanen anderer Autoren wird es nach dem Erscheinen deiner Story geben. Wie gehst du mit diesen Vergleichen und eventuell aufkommender Kritik zu deinem Roman um?
Eveline Mattle: Ich hoffe, dass ich sie einfach gelassen hinnehmen kann. Wie gesagt, ist das Schreiben „nur“ ein Hobby. Wenn also jemandem mein Buch nicht gefällt, so nehme ich die Kritik zwar gerne entgegen; ob ich dann in der Zukunft etwas an meinem Schreibstil ändern werde, bleibt aber immer noch mir selber überlassen.
: In »Die Saga von Andalaya – Das letzte Zeitalter« gibt es verschiedene Handlungsstränge und jede Menge Protagonisten. Läufst du da nicht Gefahr, dich zu verzetteln und den Leser zu sehr zu strapazieren?
Eveline Mattle: Doch. :-) Aber es gibt einfach zu viele Ereignisse und Personen, über die erzählt werden kann. Da fände ich es oft unfair, den persönlichen Hintergrund eines Charakters nicht zu beachten, bloß weil er nicht der wichtigste Protagonist ist. Ich kann jedenfalls nur hoffen, dass meine Leser ein gutes Gedächtnis haben und sich alles Relevante merken können …
: Um nicht allzu viel über den Inhalt des Romans zu verraten: »Das letzte Zeitalter« beginnt mit einem Prolog, in welchem die Drei Fürsten ihren ersten Auftritt haben. Welche Rolle hast du diesen gegeben? Wie wirken sich diese drei auf das Gesamtgeschehen aus?
Eveline Mattle: Über ihre Rolle bin ich mir selbst noch nicht ganz im Klaren. Gewiss ist, dass sie als dunkler Gegenpol zu Myaàlej und seinen Freunden auftreten. Doch bestimmt möchte ich sie nicht bloß als naive, machtbesessene Monster darstellen, deren einziges Ziel die Vernichtung Andalayas darstellt. Sie sind überaus intelligent und gerissen, und es fragt sich nur, zu welchen Zwecken sie diese Gerissenheit einsetzen werden …
: Betrachtet man sich die illustrierte Karte von Andalaya, erscheinen dort Orte und Gegenden, die im ersten Teil deiner Story keine Erwähnung finden. Wird es weitere Bände zu »Die Saga von Andalaya« geben? Könntest du uns einen kleinen Einblick in die weiteren Geschehnisse geben?
Eveline Mattle: Ja, die Saga von Andalaya ist bestimmt noch nicht zu Ende. Wie es im nächsten Band weitergehen soll, kann ich allerdings noch nicht verraten – zum einen, weil ich dann die ganze Spannung zunichtemachen würde, zum anderen, weil ich es selbst noch nicht weiß. Oft scheinen die Charaktere ihren eigenen Willen und ihre eigenen Vorstellungen ihrer Abenteuer zu besitzen, sodass ich dann selbst überrascht bin, wie sich die Geschichte entwickelt. Das mag zwar verrückt klingen, aber irgendwie lässt sich daran nichts ändern.
: Welchen Rat kannst du als junge Autorin anderen geben. Was sollten diese beim Schreiben beachten? Welche Fehler sollten sie vermeiden?
Eveline Mattle: Das Wichtigste am Schreiben ist die Freude daran. Unabhängig davon, ob man bereits zu Beginn einen Verlag findet oder ob sich die Veröffentlichung über mehrere Jahre hinweg zieht, darf man den Spaß am Schreiben nie verlieren. Außerdem ist es sehr wichtig, Geduld zu haben. Man schreibt besser noch einen weiteren Verlag an, als gleich nach der ersten Absage aufzugeben.
: Eveline, herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen. Wir werden deine schriftstellerische Tätigkeit weiterhin verfolgen. Für die Präsentation deines Debütromans auf der Frankfurter Buchmesse 2008 wünschen wir dir und dem Verlag viel Erfolg.
Eveline Mattle: Herzlichen Dank.
Die Autorin wird am 18. Und 19. Oktober 2008 während der Frankfurter Buchmesse am Stand des Persimplex Verlages (Halle 3.1, D 136) anwesend sein.