
Interview mit Christoph Marzi 
 im Gespräch mit Christoph Marzi

Christoph Marzi, 1970 in Mayen in der Eifel geboren, studierte Wirtschaftspädagogik in Mainz. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer an einem Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium in Saarbrücken schreibt er seit vielen Jahren phantastische Erzählungen. Bekannt wurde er als Autor mit den Büchern „Lycidas“, „Lilith“ und gerade neu erschienen „Lumen“.
Die Vorstellung der drei Bücher ist HIER zu lesen!

GS: Wie sind sie zum Schreiben gekommen, gab es einen Auslöser dafür?
CM: Ich habe eines Tages einfach damit begonnen. Einen direkten Auslöser gab es nicht. Geschichten zu erzählen habe ich schon immer gemocht – und eines Tages (im Alter von 15 Jahren – oder 16 Jahren?) habe ich mit meiner ersten Kurzgeschichte begonnen. Danach ging es dann einfach weiter. Und weiter und weiter und weiter und weiter.
GS: Woher nehmen Sie Ihre Ideen, wie viel Wahres ist an den Geschichten dran?
CM: Die Ideen werden überall geboren. Oftmals fließen mehrere Ideen zu einem Roman oder zu einer Story zusammen. Wenn Wahres sich auf Biografisches bezieht, dann kann ich nur sagen, dass Geschichtenerzähler meist recht gute Lügner sind. Aber in jeder Lüge steckt, wie wir wissen, manchmal auch ein Körnchen Wahrheit.
GS: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
CM: Ich habe eine wundervolle Frau und drei tolle Töchter. Das sollte Antwort genug sein. Darüber hinaus lese ich viel. Ich schreibe, mag Filme, höre Musik. Kurzum: ich lebe.
GS: Welche Musik hören Sie gern?
CM: Um nur einige zu nennen: Bob Dylan. Hans Zimmer. Klaus Badelt. U2. Frank Nimsgern. Danny Elfman. John Williams. BAP. Rosenstolz. Jerry Goldsmith. Und unendlich vieles mehr.
GS: Worüber können Sie so richtig lachen?
CM: Monty Python.
GS: Was stimmt Sie traurig und was macht Sie so richtig wütend?
CM: Wütend machen mich Engstirnigkeit und Dummheit in jeder nur möglicher Form. Traurig? Hm, bestimmt auch einiges.
GS: Lycidas-Lilith-Lumen. Wie kam es zu diesen Büchern und welche Zielgruppe wollten sie damit speziell erreichen?
CM: Ich wollte eine Geschichte für Catharina schreiben (meine älteste Tochter). Dabei herausgekommen ist „Lycidas“. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Heyne war bereit zu zwei Fortsetzungen. Eine Zielgruppenanalyse habe ich nicht gemacht. Ich durfte die Geschichte so erzählen, wie ich sie erzählen wollte. Im Verlag hat da keiner reingeredet.
GS: Das Buch Lumen ist gerade erschienen. Wie waren die ersten Reaktionen darauf?
CM: Die Reaktionen von denen, die es richtig mögen, waren überschwänglich. Und die Reaktionen von denen, die es gar nicht mögen, vernichtend.
GS: Wie hat sich Ihr Leben seit dem Erscheinen Ihrer Bücher verändert?
CM: Der Rasen wird seltener gemäht und das Leergut stapelt sich manchmal. Davon abgesehen führe ich ein normales Leben.
GS: Hat das Schreiben der Bücher Sie selbst verändert? Sehen Sie manche Dinge nun anders?
CM: Ich kann das tun, was ich schon immer tun wollte. Und ich glaube, dass ich dies tun kann, weil ich mit meinem Leben zufrieden bin. Dass ich auf vieles gelassener reagiere als früher verdanke ich allerdings meiner Frau und den Kindern – und weniger dem Schreiben.
GS: Mit welchen Autoren würden Sie sich vergleichen und warum?
CM: Mit all denen, die eine ähnliche Sicht der Dinge pflegen. Die Werte haben, die ich teile. Und einen Schreibstil, den ich mag.
GS: Wer ist Ihr Vorbild?
CM: Charles Dickens, John Irving, T.C. Boyle, Stephen King, Nicholas Christopher, Neil Gaiman, Marcus Sedgwick, Paul Auster (und bestimmt habe ich jemanden vergessen).
GS: Welchen Roman hätten Sie gern geschrieben?
CM: „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafon, „Krabat“ von Otfried Preußler, „Es“von Stephen King
GS: Was lesen Sie gern und welche sind die 3 Bücher, die Ihr Leben bereichert haben?
CM: Derzeit lese ich „Lisey`s Story“ von Stephen King, „Herrin der Lüge“ von Kai Meyer und einige Kurzgeschichten aus der Anthologie „October Dreams“.
GS: Wie reagieren Sie auf Kritik?
CM: Wenn sie sachlich ist, reagiere ich darauf, wie jeder auf sachliche Kritik reagieren sollte: ich denke darüber nach. Wenn sie unsachlich ist, kann sie mir gestohlen bleiben.
GS: Stellen Sie sich vor, sie bekommen das Angebot, einen Roman zusammen mit Susanne Fröhlich zu schreiben. Wie würde dieses Projekt enden?
CM: Lustig. Irgendwie Douglas-Adams-mäßig. Feministisch. Bestimmt interessant.
GS: Und da der zum großen Teil auf dem Romanheft basiert, noch eine fiktive Frage: An welcher Serie würden Sie mitschreiben wollen und warum?
CM: Ich kenne mich im Bereich der Serien leider nicht so gut aus. John Sinclair ist das einzige, was mir da einfällt. Darüber hinaus würde ich gerne eine Episode zu „Star Trek – DS9“ schreiben. Hey, das wäre was. Warum? Darum!
GS: Und in welcher würden Sie auf keinen Fall mitwirken wollen und warum nicht?
CM: Diverse Edelkitsch-Arztroman-Bergwelt-Dramen.
GS: Und wie sehen Ihre wirklichen Zukunftspläne aus?
CM: Es gibt einen neuen Roman im Arena Verlag. Der Arbeitstitel (und mehr darf ich noch nicht bekannt geben) lautet „Liquido“. Der Roman wird im Januar 2007 erscheinen und ist der Auftakt zu einer Jugendbuchtrilogie. Sehr fantastisch, sehr neu. Darüber hinaus gibt es im Herbst 2007 ein neues Trade Paperback bei Heyne (was womöglich auch zu einer neuen Trilogie heranwachsen wird). Eine Kurzgeschichtensammlung und weitere Dinge sind in Planung. Mehr dazu, wenn es spruchreif ist, in meinem Journal. Derzeit arbeite ich am zweiten Buch für Arena (Arbeitstitel „Meduza“), das vermutlich im Laufe des Sommers 2007 erscheinen wird. Und vielleicht gibt es irgendwann einmal ein gemeinsames Projekt mit Susanne Fröhlich ...
GS: Und hier haben Sie die Möglichkeit, eine nicht gestellte wichtige Frage zu beantworten:
CM: Die Frage lautet: Würde Susanne Fröhlich gerne ein Buch mit mir zusammen schreiben? Und die Antwort: Keine Ahnung ...
GS: vielleicht schaut Susanne Fröhlich ja mal auf dieser Seite vorbei und lässt sich zu einer Zusammenarbeit hinreißen???
Ich danke Christoph Marzi ganz herzlich für das Interview und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner Arbeit.
Die Fragen stellte Anke Brandt.
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