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Interview mit Alfred Wallon

im Gespräch mit Alfred Wallon

Über Alfred Wallons Leben, Jahrgang 1957 (ein guter Jahrgang), hier ausführlich zu berichten, würde den Rahmen des Interviews sprengen. Seit Jahrzehnten schreibt er Western- und andere Romane bei zahlreichen Verlagen und hat bei seinen Lesern eine besondere Beliebtheit errungen. Al, wie viele ihn nennen, ist dem historischen Western angetan, was sich in all seinen Storys widerspiegelt. Alfred Wallon ist Mitglied im amerikanischen Verband “WESTERN-WRITERS OF AMERICA”.
Umfangreiche Informationen zu seiner Biographie sind auf seiner Homepage zu finden.

http://www.alfred.realxxl.de/

Hallo Alfred,
es ist für uns erfreulich, dass du dir trotz zahlreicher Termine die Zeit genommen hast, um einige uns interessierende Fragen zu beantworten.

Geisterspiegel.de: Wie bist du zum Schreiben gekommen und seit wann publizierst du?

Alfred Wallon: Zum Schreiben bin ich durchs Lesen gekommen. Mein Vater las leidenschaftlich gern Heftromane, und die habe ich mir immer dann gegriffen, wenn ich Lust hatte. Ich spürte schon sehr früh eine Faszination dafür, die noch heute anhält. Deshalb habe ich auch recht früh versucht, selbst zu schreiben. Im Alter zwischen 14 und 16 Jahren schrieb ich insgesamt 35 Erzählungen im Bereich Western. Krimi, SF, Fantasy, Abenteuer – alles mit einer holprigen Schreibmaschine und auf Zeichenblockpapier mit jeweils 32 Seiten Umfang. Das ist bis heute noch nicht veröffentlicht worden und war nur so zum Spaß. Erst 1980 wollte ich es wirklich bei Verlagen versuchen und schrieb meinen ersten historischen Western, der dann 1981 als US-Western Nr. 41 „Die Dollarwölfe von Abilene“ im Kelter-Verlag erschien.

Geisterspiegel.de: Welche markante positive aber auch negative Einschnitte gibt es in deiner Tätigkeit als Schriftsteller?

Alfred Wallon: Die erste Erinnerung war der erste Scheck, den ich bekam – für mich ein umwerfendes Erlebnis, schwarz auf weiß dokumentiert zu bekommen, dass jemand Geld für meine Ideen bezahlt. Damals war das für mich so eine Art Nationalfeiertag. Negative Erlebnisse? Nun ja, sagen wir es mal so: man gibt einigen Leuten Tipps und Ratschläge in punkto Verlegen und Verkaufen, und wenn sie diese Vertriebskanäle erst verstanden und die entsprechenden Kontakte geknüpft haben, dann vergessen sie auf einmal denjenigen, der ihnen geholfen hat...

Geisterspiegel.de: Wie beurteilst du die gegenwärtige Entwicklung des Heftromans im Allgemeinen und die des Western im Besonderen?

Alfred Wallon: Die Entwicklung ist sicher rückläufig. Als ich zur Schule ging, gab es drei Fernsehprogramme und ganz viel zum Lesen. Heute gibt es Internet, PC-Spiele und noch ganz viele andere Medien. Das merken auch die Verlage, und die Auflagen sind längst nicht mehr so hoch wie sie es mal waren. Der Western – insbesondere der historische Western - hat lange Zeit ein Schattendasein geführt. Das hat sich aber mittlerweile wieder geändert. Zum einen bringt Bastei die Western Legenden heraus, und zum anderen ist es dem mg-Verlag gelungen, mit seinem kleinen, aber sehr feinen Paperback-Western-Programm bei den Barsortimentern gelistet zu werden. Man zeigt wieder Interesse...

Geisterspiegel.de: Die Thematik des "Wilden Westens" hat ihre eigene Historie. Woher nimmst du die Ideen für deine Storys, ohne dabei schon Geschriebenes zu wiederholen?

Alfred Wallon: Das Rad werde ich mit Sicherheit nicht mehr neu erfinden und die Historie auch nicht verändern können. Ich suche mir einfach einen bestimmten Zeitabschnitt aus der Geschichte des Wilden Westens aus, den ich für interessant halte, lasse meine fiktiven Figuren mit den historischen Gestalten so agieren, ohne dass die Historie verändert wird – und schon haben wir einen Western!

Geisterspiegel.de: In deinen Western-Legenden-Romanen schreibst du detailgetreu über wahre Begebenheiten aus der Zeit des Wilden Westens – in der Masse der angebotenen Westernromanhefte eher selten. Wie recherchierst du für deine Western(-Legenden)-Romane?

Alfred Wallon: Ich gehe in meine Bibliothek, suche nach einem bestimmten Thema in meinen Büchern und recherchiere dann nach weiteren Details im Internet. Aus diesen Fakten gestalte ich dann ein Exposé – und das ist das Gerüst für den Roman.

Geisterspiegel.de: Ist die Recherche für einen Western(-Legenden)-Roman sehr aufwändig?

Alfred Wallon: Eigentlich nicht – weil ich mich ja schon auskenne. Ich muss also nicht lange suchen, wenn ich ein bestimmtes Thema gestalten möchte. Die Feinheiten machen dann das Salz in der Suppe aus, und das kostet etwas Zeit.

Geisterspiegel.de: Wie lange schreibst du an einem Western-Legenden-Roman?

Alfred Wallon: Ca. 4-6 Wochen. Das schwankt immer ein wenig.

Geisterspiegel.de: Was sind für dich Western-Legenden? Welche Personen und Orte könnten noch in den Romanen auftauchen?

Alfred Wallon: Western Legenden sind für mich Geschichten, von denen ich der Meinung bin, dass man sie erzählen sollte. Natürlich achte ich darauf, nicht Themen zu bringen, die andere Kollegen schon sehr oft genommen haben. Ich schaue mir die Nischen an – und da bieten mir meine amerikanischen Quellen jede Menge Stoff. In diesen Tagen erscheint zum Beispiel Western Legenden Nr.69 „Durch Schnee und Eis“. Das ist die Geschichte einer dramatischen Rettung in Nome /Alaska, wo eine Diphtherieepidemie ausbrach. Das dringend benötigte Serum wurde mittels eines Hundeschlittentransports dorthin gebracht, um Leben zu retten. Ursprünglich wollte ich einen Roman über den Goldrausch in Alaska schreiben. Da denken viele an Dawson City, Klondike und Jack London. Aber 1899 gab es einen weiteren Run in Nome / Alaska an der Beringsee. Das hatte ich eigentlich geplant. Aber bei diesen Recherchen stieß ich dann auf diese Sache mit der Diphtherieepidemie und fand das so interessant, dass ich in dieser Richtung weiter recherchiert habe – und das wurde dann der Roman.

Geisterspiegel.de: Wieso hast du bzw. wurden deine nur für dich selbst geschrieben Western-Romane, von denen auf deiner Homepage die Rede ist, nie veröffentlicht?

Alfred Wallon: Sie müssten redigiert werden und natürlich auch überarbeitet werden. Ich glaube, dass der Schreibstil eines damals 14jährigen Schülers ein wenig anders ist als heute...

Geisterspiegel.de: Ein anderer Held, an dem du beteiligt bist: Jerry Cotton. Wie kam es dazu, dass du dich an dieser Serie versuchst?

Alfred Wallon: Ich hatte einfach Lust dazu und habe ein Exposé und eine Textprobe eingereicht. Die wurde positiv beurteilt und dann kam der Auftrag zum Schreiben. Eigentlich ganz einfach.

Geisterspiegel.de: Schildere uns doch bitte mal aus Deiner Sicht die Entstehung eines Heftromans?

Alfred Wallon: Eine Idee muss dafür existieren, und der absolute Wille, diese Idee zu einem Roman zu machen. Als Beispiel: ich mag Ranchwestern wie Bonanza, Shiloh Ranch oder High Chaparral. So was wollte ich immer als Roman haben – nach meinen Vorstellungen. Man muss Personen erfinden, den Rahmen der Handlung skizzieren und fest legen, was man genau möchte und in welche Richtung das geht. So ist z.B. mein erster Western für Kelter entstanden, das war die Geschichte eines Viehtriebs von Texas nach Kansas. Helden der Story war ein Mann namens Tom Calhoun, der auf einer Ranch namens Rancho Bravo in Texas lebt. Dies war auch gleichzeitig die Geburtsstunde für all meine RIO CONCHO-Romane, die ja heute als eigene Serie im mg-Verlag laufen.

Geisterspiegel.de: Wie beurteilst du deine Zusammenarbeit mit den Verlagen? Wie entwickelte sich diese?

Alfred Wallon: Sehr angenehm in all den Jahren, teilweise sogar familiär. Bei den Western Legenden ist die Zusammenarbeit z.B. sehr positiv. Holger Kappel, der zuständige Redakteur und ich, haben schon so manches schöne Thema zusammen auf den Weg gebracht.

Geisterspiegel.de: In welchem Genre möchtest du gern mal einen umfassenden Roman schreiben, vielleicht als Hardcover oder Paperback?

Alfred Wallon: Das einzige Genre, das ich bisher noch nicht bedient habe, sind Arztromane. Ein Hardcover in dieser Richtung ist aber eher- sagen wir mal – unwahrscheinlich. Ich denke aber ernsthaft an Horror als Paperback. Der Roman „Das Blut der Erde“, der vor einigen Jahren im vph-Verlag erschienen ist und den ich nach einem Exposé von Thomas Knip geschrieben habe, war ein sehr engagiertes Projekt – so was würde ich gerne mal wieder machen.

Geisterspiegel.de: Welche deiner Erfahrungen als Schriftsteller würdest du jungen Autoren mit auf ihren Weg geben?

Alfred Wallon: Nicht zu viel auf andere hören, sondern den eigenen Weg gehen. Aber es hilft immer, wenn man sich in dieser Branche auskennt. Wenn ich ernsthaft plane, einen Fantasy-Roman bei einem Verlag einzureichen, sollte ich zumindest vorher heraus gefunden haben, ob dieser Verlag auch Fantasy im Programm hat und wie der Wettbewerb anderer Verlage ist.

Geisterspiegel.de: Dein Terminplaner ist bestimmt voll. Wie bringst du Berufliches und Privates unter einen Hut?

Alfred Wallon: Das frage ich mich manchmal auch. Aber irgendwie klappt es immer. Es gibt positiven und negativen Stress. Kommt ganz darauf an, wie man sich organisiert und seine Zeit plant.

Alfred, ich danke dir ganz herzlich für dieses Interview. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei der schriftstellerischen Umsetzung deiner Ideen und hoffe, dass du uns weiterhin viele interessante Storys schreiben wirst.

Das Interview wurde geführt von Wolfgang Brandt

 

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