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Interview mit Christoph Hardebusch

im Gespräch mit Christoph Hardebusch
(zum Thema "Die Schlacht der Trolle")

: Am Anfang des Buches lässt du Druan sterben, der eine Hauptrolle im ersten Buch gespielt hat. Warum?

Christoph Hardebusch: Aus dramaturgischen Gründen. Am Ende von „Die Trolle“ hat sich ein deutliches Vertrauensverhältnis zwischen Druan und Şten herausgearbeitet. Ich fand es aber spannender, die interessantere und konfliktreichere Beziehung Pard-Şten auszuloten.

: An Druans Stelle tritt nun Kerr, ein sehr junger, wissbegieriger Troll. Dass Kerr eine wichtige Rolle spielen soll, wird schnell deutlich. Wie kam es zur Charakterisierung dieses Trolls? Ging es dir nur darum, das Leben der Trolle anhand Kerrs zu veranschaulichen oder gibt es eine Person in deinem wahren Leben, der diese Figur „gewidmet“ ist?

Christoph Hardebusch: Kerr ist nicht aus dem Leben gegriffen. Zumindest nicht in dieser Welt (lacht). Ich habe lange überlegt, wie eine Figur beschaffen sein sollte, aus deren Sicht die Welt der Trolle gezeigt wird. Kerr hat sich bei meinen Überlegungen sozusagen „herauskristallisiert“. Ein anfangs etwas atypischer Troll, dessen Unbedarftheit gut geeignet ist, um Fragen über die Welt zu stellen.

: Die Veränderung Andas begründest du damit, dass sie mit dem Tod ihres Gefährten nicht fertig und deshalb empfänglich für die Eingebungen des Dunkelgeistes wurde. Warum verändert sich ausgerechnet die Trollin und nicht einer ihrer männlichen Artgenossen?

Christoph Hardebusch: Dafür gibt es keinen besonderen Grund. Pard war und ist einer meiner Lieblinge im ersten Buch und hat eine deutliche Funktion im zweiten Buch, während der Wandel bei Druan sehr unpassend gewesen wäre.

: Pard rückt im 2. Buch immer mehr in den Vordergrund und übernimmt Druans Stelle als Anführer. Letztendlich opfert er sogar sein Leben für das Leben seines Stammes. Dass sich hinter Pards rauer Schale ein guter Kern verbirgt, kam schon in „Die Trolle“ rüber, doch nun wächst er fast über sich hinaus. Wie kam es zu diesem Werdegang Pards, hast du ihn sich beim Schreiben entwickeln lassen oder war dir dieser Weg von Anfang an klar?

Christoph Hardebusch: Pard war auch im ersten Buch der eigentliche Anführer, nur hat er diese Rolle an der Oberfläche an Druan abgetreten. Seine Wandlung ergab sich ganz natürlich. Ich habe ihn schon immer als schlau gesehen, nur dazu eben dickköpfig genug, um nicht von seinem „Großer-Böser-Troll-Gehabe“ abzulassen. Aber auch im ersten Buch erkennt er bereits, dass Druan der geeignetere Anführer in der fremdartigen Menschenwelt ist, und tritt in den Hintergrund. Im zweiten Band muss er auf Druans Rat verzichten, aber er erkennt Kerrs Potenzial. Für mich war Pard schon immer weitaus klüger, als er manchmal erkennen lässt.

: Welcher historische Hintergrund stand dir bei der Ausarbeitung des Konfliktes zwischen Masriden und Wlachaken Pate und wie viel Wahrheit hast du dabei übernommen?

Christoph Hardebusch: Ich habe mich grob an Begebenheiten im Osten Europas orientiert, aber prinzipiell ist der Krieg ja etwas Allgemeingültiges, das überall auf der Welt zu allen Zeiten geschah und geschieht. Hass und das Nicht-Verstehen des Nächsten sind leider weit verbreitet. Bestimmte Ereignisse habe ich nicht übernommen, aber ich denke dennoch, dass einiges an Wahrheit in dem Buch steckt.

: Wie waren die bisherigen Kritiken zum Buch? Gab es schon einmal den Einwand, dass die Handlung zum Teil vorhersehbar ist? Und haben sich die „lauten Stimmen“ wieder gemeldet, die das erste Buch „zu wenig Troll“ fanden?

Christoph Hardebusch: Bislang waren die Rückmeldungen und Kritiken, die ich gesehen habe, allesamt sehr positiv. Es ist ja noch nicht allzu viel Zeit vergangen, aber ich freue mich sehr darüber.

: „Die Schlacht der Trolle“ ist zwar abgeschlossen, könnte aber gut die eine oder andere Fortsetzung vertragen. Flores Reise durch das Goldene Imperium stelle ich mir zum Beispiel sehr abenteuerlich vor. Gibt es in Wlachkis nun endlich Frieden, oder braucht es dafür erst einen neuen Bojaren, der da unter Vicinias Herzen wächst? Und was ist aus den Zwergen geworden?

Christoph Hardebusch: Natürlich bleiben auch einige Fragen offen. Allerdings ist für die nächste Zeit kein Troll-Buch geplant. Momentan habe ich keine wirklich zündende Idee dafür, und ich möchte ein Buch nicht ohne eine solche schreiben. Sollte mir ein passender Einfall kommen, werde ich mich mit dem Verlag zusammensetzen; bis dahin stehen andere Projekte im Vordergrund.

: Überlässt du das alles der Fantasie des Lesers oder gibt es da noch genug Stoff für weitere Bücher? Denn die von dir erschaffene Welt bietet doch durchaus Stoff für weitere Romane, die auch ohne Trolle auskommen würden. (Ich denke da gerade an MIDKEMIA von Raymond Feist.)

Christoph Hardebusch: Die Welt ist natürlich größer als das kleine Land Wlachkis. Theoretisch bietet sie mehr als genug Platz für viele Geschichten. Aber ich habe die Trolle im Laufe des Schreibens sehr lieb gewonnen und finde, dass die Welt für sie reserviert bleiben sollte. Immerhin haben sie die Bücher zu dem gemacht, was sie sind…

: Wie sehen deine Schreibpläne für die nahe Zukunft aus, gibt es da schon was neues, worauf sich die Leser freuen können?

Christoph Hardebusch: Im Augenblick arbeite ich am ersten Band einer Trilogie, die im Frühjahr 2008 starten wird. Noch kann ich nicht viel verraten, aber diesmal geht es vom eingeengten Land zwischen den Bergen auf die Weite des Meeres.

: Vielen Dank für das nun schon zweite Interview. Ich wünsche dir im Namen aller -Leser alles Gute.

Christoph Hardebusch: Ich bedanke mich. Ich hoffe, dass alle Leser ebensoviel Spaß beim Lesen haben werden, wie ich beim Schreiben.

Die Fragen stellte Anke Brandt

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