
- Exklusiv

Role Play Convention

Ein Bericht zum Samstag, den 7. Mai 2011
von Alessandra Ress
Am Mittag des 7. Mai 2011 konnte man als unbedarfter Reisender schon etwas irritiert sein auf dem Bahnhof Köln Messe/Deutz. Nicht genug damit, dass ein Riesenaufgebot an schwer bewaffneten Polizisten den halben Bahnhof abgeriegelt hatte, nein – im McDonald saßen auch noch Cheeseburger mampfende Untote und in der Vorhalle konnte man eine Elfe bewundern, die genervt in ihr Handy quatschte.
Nein, für Karneval war es noch etwas zu früh, die selbst für Kölner Verhältnisse etwas seltsam anmutenden Leute hatten einen anderen Grund – am 7. Und 8. Mai verwandelten sich zwei Hallen des Messegeländes Köln mit der Role Play Convention mal wieder in ein Mekka für Rollenspieler und andere Freunde der Phantastik.
Ehe das erreicht wurde, galt es allerdings erst mal ein paar Hindernisse zu überwinden. Dank einer Neonazidemonstration glich der Deutzer Bahnhof stundenweise einem Hochsicherheitstrakt. Züge mussten umgeleitet werden und manch ein Besucher musste so erst einmal eine Odyssee durchlaufen, ehe endlich die atmosphärische Messe erreicht wurde. Und atmosphärisch war sie wieder – die dunkle Beleuchtung, der schöne Mittelaltermarkt im Außenbereich und Areale, die ganz aus genrespezifischen Kulissen bestanden, bildeten ideale Voraussetzungen, um sich mental in die Thematik einzufinden, die dieses Jahr auch noch unter dem passenden Motto »Underworld’s Gate« lief. Das optisch Beeindruckendste aber sind die vielen Gewandeten, welche die RPC alljährlich zu einem besonderen Augenfest machen. Allerdings waren es dieses Jahr gefühlt etwas weniger, die sich in Schale geschmissen hatten – möglicherweise hatte das heiße und sonnige Wetter manch einen davon abgehalten, sich in Rüstungen und Co. zu werfen.
Das Veranstaltungsprogramm zeigte sich in diesem Jahr von der Vorstellung des ersten DSA-Previewfilmmaterials über zahlreiche Lesungen im WerkZeugs-Café bis hin zu Studieninfo-Workshops und natürlich Vorstellungen zahlreicher Rollenspiele sehr vielseitig. Weniger ließ sich das von den Ausstellern behaupten; obwohl hier mit 220 Ausstellern ein neuer Rekord verzeichnet wurde, gab es wenig Abwechslung. Wer sich mit Waffen und Gewandungen ausstatten oder sich über den neuen Trend Steampunk in allen Facetten informieren wollte, der kam zehnfach auf seine Kosten, wer aber beispielsweise auch mal rollenspielfern an phantastischer Literatur interessiert war, für den gab es nur sehr wenige Anlaufpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Raumaufteilung war insbesondere in der vorwiegend für LARP und Videospiele reservierten Halle 3.2 eher ungelungen. Manch ein kleinerer Stand ging hier verloren unter den zentralen Eventbühnen, deren Lärm einen schnell in die andere Halle 2.2 flüchten ließ. Doch auch hier gab es Probleme mit der Geräuschkulisse. Sowohl die Workshop- als auch die Lesungsbereiche waren kaum gegen den »Marktschreierlärm« abgesichert und manch ein Autor konnte das eigene Wort nicht verstehen – vom Publikum ganz zu schweigen. Schade, umso mehr, da hier die Stärken der RPC lagen. Denn Entertainer wie Tommy Krappweis (Mara und der Feuerbringer) wussten hier ebenso wie das reichhaltige Workshopangebot zu überzeugen.
Eigenartig mutete dagegen die Einbindung der Gothic-Messe Gothika an. Eigene Klamottenstände der Szene gab‘s vorher auch schon auf der RPC und die Veranstaltungen, die unter dem Gothika-Banner liefen, etwa eine Torsten-Low-Lesung, waren thematisch ebenso auf die RPC-Gänger fokussiert. Bis auf ein paar Ausnahmen (vor allem musikalischer Art) wirkte die Gothika-Einbindung so mehr als eine Marketingstrategie, um noch mehr von der »schwarzen Szene« auch in den Rollenspielbereich locken zu können.
So ist das Fazit über die Role Play Convention in diesem Jahr geteilt. Während sie nämlich einige sehr interessante Veranstaltungen zu bieten hatte und auch optisch überzeugen konnte, wäre es wünschenswert, wenn die Aussteller an Vielfalt wieder zunehmen würden. Außerdem sollte das Raumkonzept mal überdacht werden; kleinere Stände gingen im Mainstagetrubel unter und wie schon im letzten Jahr, so mussten auch dieses Mal wieder Autoren und Workshopleiter gegen nervige Musik und lautstarke Händler anbrüllen.
Quellen:
Copyright © 2011 by Alessandra Ress
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