
- Exklusiv

Philip Sayce & Band in Aschaffenburg
Ein Eventbericht von Stefan Bellack
Als ich vor einigen Wochen erfuhr, dass Philip Sayce wieder nach Deutschland kommt - nach immerhin 5 Jahren erschien sein zweites Album »Innerevolution« - war der Termin am 19. Mai 2010 im ColosSaal in Aschaffenburg absolutes Pflichtprogramm. Zählt Philip Sayce - zumindest für mich - mit zu den weltbesten Bluesgitarristen.
Bei strömendem Dauerregen fuhren wir also nach Aschaffenburg. Wahrscheinlich hielt das schlechte Wetter einige potentielle Konzertbesucher vom Kommen ab, denn so fanden sich an diesem Abend wohl nur etwas über 100 Besucher im ColosSaal ein.
Fast pünktlich begann der Konzertabend mit dem jungen Holländer Stefan Schill und seiner Band. Hier wurde mal ein Support gebucht, der hervorragend zum Hauptact passte, hat sich Stefan doch ebenfalls dem Blues und Rock verschrieben. Stolz wies er auf seine erste CD »Don`t Say A Word« hin, die in den kommenden 45 Minuten sicherlich auch komplett gespielt wurde. Stefan Schill und Band sind quasi vier Freunde, die alle nicht weit auseinander wohnen und sich durch die Musik gefunden haben.
Neben Stefan an der Gitarre und Gesang sind das Bob (Keys), Bas (Bass) und Arie (Drums). Ein Auftritt und eine Musik, die begeistern, von Spielfreude zeugen und Potential aufzeigen. Wenn Stefan so weitermacht, wird er ebenfalls in absehbarer Zukunft so den ganz Großen zählen.
Nach einer etwa halbstündigen Umbaupause kam dann ein ganz großer Künstler an der Gitarre, der Amerikaner Philip Sayce auf die Bühne. Wenn auch hier noch nicht so bekannt, hat er sich doch schon früh seine Sporen durch zahlreiche Clubtouren erworben und trat richtig in`s Rampenlicht als Gitarrist in der Band von Jeff Healey und später zusammen mit Melissa Etheridge.
Philip gibt selbst als seine größten Einflüsse Musiker wie Jimi Hendrix, Eric Clapton, B.B. King, Robert Cray, Buddy Guy und Stevie Ray Vaughan an. Mir würden spontan noch ein paar Namen mehr einfallen, wenn ich so seinem Gitarrenspiel zuhöre und -sehe, Namen wie Johnny Winter und Joe Satriani. Diese Namen sollen jedoch keinen Vergleich darstellen, auch keine Schmälerung von Philips Können, sondern nur aufzeigen, auf welch hohem Niveau sich Philip Sayce bewegt, der längst zu seinem eigenen Stil gefunden hat.
Sein Gitarrenspiel, seine Soli, sind virtuos, exzessiv und intensiv. Philip ist mit ganzer Seele dabei und geht in seiner Musik quasi völlig auf, verliert sich in ihr, wenn er da mit geschlossenen Augen seiner Fender Stratocaster oder Gibson Töne entlockt, die einen nur noch sprachlos und voll Bewunderung vor so viel Fingerfertigkeit und Gefühl zurücklassen.
Philip Sayce & Band kommen in der klassischen Dreierbesetzung auf die Bühne: Philip Sayce: Gitarren und Gesang, Joel Gottschalk: Bass, Chris Jago: Drums.
Der Set beginnt mit Songs von Philip`s erstem Album »Peace Machine«: One Foot In The Grave, Powerful Thing, Over My Head.
Aber auch das neue Material von "Innerevolution" wird natürlich zu Gehör gebracht: Changes, Scars, My Pearl u. a.
Philip Sayce interagiert mit dem Publikum, weiß kleine Geschichten zu den Songs zu erzählen und bedankt sich mehrfach für`s Kommen.
Die Band harmoniert hervorragend miteinander, Joel und Chris geben ihr Letztes, doch Philip ist die treibende Kraft, er gibt das Tempo vor. Seine Soli sind geprägt von Leidenschaft, sind energiegeladen und kraftvoll. Vergessen sollte man übrigens auch nicht sein sehr gutes Songwriting und seine ausdrucksstarke Stimme.
Auf CD ist Philips Musik schon toll, doch live ist er unschlagbar.
Nach ca. 80 Minuten ist der offizielle Set beendet, doch die Forderungen nach Zugabe bleiben nicht lange unbeantwortet und so gibt es nochmal einen 20minütigen Nachschlag. Mit der ersten Zugabe erinnert Philip an Jeff Healey, ebenfalls ein Ausnahmegitarrist, der leider viel zu früh, mit nur 42 Jahren, im Jahr 2008, verstorben ist.
Nach etwa 105 Minuten geht ein sensationelles, schweißtreibendes Konzert zu Ende, dass nur begeisterte Zuschauer zurückläßt.
Im November will Philip Sayce wiederkommen; wir werden da sein.
Quellen:
Copyright © 2010 by Stefan Bellack
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