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Lesung mit Thomas Finn im Ulenspiegel Gießen

Mysteriöse Morde, Heinrich Heine, Verschwörungen von Freimaurern schreckliche Morde, freimaurerische Verschwörungen sowie der große Brand von 1842 in Hamburg sind Hauptbestandteile des phantastischen Thrillers »Der Funke des Chronos« von Thomas Finn. Der bekannte Schriftsteller, Drehbuch- und Theaterautor las am Dienstag, den 10. Februar, um 20 Uhr im Gießener Ulenspiegel und entführte die Zuhörer auf eine Zeitreise ins Hamburg der Biedermeierzeit.

Eine Arbeitsgruppe des Seminars »Literaturpolitik, Literaturevent und Literaturereignis« unter Leitung von Dr. Sascha Feuchert, Justus-Liebig-Universität Gießen, organisierte diese Veranstaltung, um den Studenten einen Einblick in die praktische Arbeit mit Literatur zu ermöglichen. Die Studenten der Arbeitsgruppe bewerkstelligten zusammen mit dem PR-Berater Uwe Lischper - Organisator des Gießener Krimifestivals - die gesamte Organisation; beginnend mit der Festlegung von Autor, Literatur, über Veranstaltungsort, Werben von Sponsoren für die Lesung bis hin zur Arbeit mit der lokalen Presse. Ergebnis der umfangreichen Aufgabenbewältigung war die Lesung mit dem Hamburger Schriftsteller Thomas Finn.

30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung füllte sich nach und nach die Lokalität. Nicht nur Studenten der hiesigen Universität schlugen auf. Auch einige Thomas-Finn-Fans reihten sich in die »Schlange« der Wartenden ein.
Pünktlich um 20:00 Uhr eröffnete Marco Findeisen, bekannt durch seine aktiven DSA-Arbeiten, die Veranstaltung: kurze Vorstellung des Studentenprojektes, Bekanntgabe des Ablaufes und Begrüßung des Autors.

Thomas Finn gab in ca. 2 Stunden Lesung einen umfangreichen und sehr detaillierten Einblick in seinen phantastischen Thriller »Der Funke des Chronos«. Vier von ihm ausgewählte Leseproben trugen dazu bei, den Roman in seiner Gesamtheit verstehen zu können.
Während der Lesung merkte man dem Autor Zeile für Zeile an, dass er sich sehr mit seinen Protagonisten identifiziert, seien es Tobias, der Polizeiaktuar Johann Kettenburg, Caroline oder der jüdische Bankier Salomon Heine, Onkel des berühmten deutschen Dichters Heinrich Heine.

Der Roman lebt von seinem Hauptprotagonisten Tobias, ein Hamburger Medizinstudent, der von einem mysteriösen Uhrmacher eine Einladung erhält, die mit dem seltsamen Sinnspruch » Nosce te ipsum! Erkenne dich selbst!« beginnt. Kurz darauf verschlägt es ihn in das Hamburg des Jahres 1842, wo er für eine schreckliche Mordserie verantwortlich gemacht wird. Da begegnet er dem Dichter Heinrich Heine, der ein Familiengeheimnis aufzudecken versucht. Die beiden begreifen, dass sie einer gefährlichen, freimaurerischen Verschwörung auf die Spur gekommen sind. Ein Abenteuer beginnt, das schließlich im großen Brand von 1842 den Höhepunkt erreicht - jener Katastrophe, die einst ein Drittel Hamburgs zerstörte.
Thomas Finn konfrontiert mit »Der Funke des Chronos« die Leser mit vielen Informationen über das alte Hamburg. Dabei gelingt ihm nicht nur ein überzeugendes und ungemein lebendiges Porträt dieser Epoche, er lässt die kaufmännische Oberschicht der Hansestadt hochdeutsch, die einfachen Arbeiter und Mägde plattdeutsch sprechen – eine literarisch interessante Nuance.

Anhand historischer Fotos illustrierte der Autor den Zuhörern der Lesung, welche umfangreiche Recherche er für den Roman unternahm und mit welcher Detailtreue er die Hamburger Ereignisse des Jahres 1842 einfließen ließ.

Der Brand der Nikolaikirche in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai 1842

Das Einbecksche Haus mit dem ehemaligen Ratskeller in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 1842

Thomas Finn hat sich nicht gescheut, einen realistischen Roman mit phantastischen Elementen zu schreiben. Das Leben in Armut, der Besuch im Hamburger Stadtgefängnis, die tragischen Opfer des Brandes stehen im krassen Kontrast zu den reichen Villen der Kaufleute, Bankiers und Senatoren. Doch am Ende ist es ziemlich egal, ob man arm oder reich ist. Die verheerenden Flammen machten keinen Unterschied. Verbrieft ist, dass Salomon Heine bei der Bekämpfung des Notstandes, den der Hamburger Brand 1842 verursachte, durch Spenden für die Obdachlosen sowie durch Kredite an den Staat und an Firmen, die durch den Brand in Schwierigkeiten geraten waren, tatkräftig mitwirkte. Letzteren stellte er in großem Umfang Wechselkredite zum üblichen Diskontsatz von 4 % zur Verfügung; andere Bankiers folgten seinem Beispiel. An der Staatsanleihe von 32 Millionen Mark Banco, die für die Entschädigungszahlungen der Hamburger Feuerkasse aufgenommen wurde, beteiligte sich Salomon Heine mit 8 Millionen. Auf die Versicherungssumme für sein eigenes zerstörte Haus verzichtete er.

Fazit:
Thomas Finn hat es sehr gut verstanden, die zahlreichen Zuhörer auf seiner Zeitreise in das Hamburg des Jahres 1842 zu begeistern.
Die Organisation des Events war für studentische Verhältnisse perfekt.

© W. Brandt

 

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