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Judassohn - Lesetour

26. März 2010, 19:00 - 21:30 Uhr
Frankfurt a. M., Batschkapp

Wolfgang hat in seinem Eventbericht vom 23.03.2010 im Geisterspiegel bereits von der Premierenveranstaltung in Leipzig berichtet und mit Video und Interview eine hervorragende Einstimmung für die Veranstaltung am vergangenen Freitag in der »Batschkapp« gegeben.
Schätzungsweise 120 Besucher hatten den Weg nach Frankfurt gefunden, um den Worten von Markus Heitz und der Musik von »Persephone« zu lauschen.
Bierzeltbänke waren aufgestellt worden und ermöglichten es den Besuchern, der kommenden Lesung und der musikalischen Darbietung relativ entspannt beizuwohnen. Auch so hatte sich die »Batschkapp« in einen heimeligen Ort mit Kerzen und Leuchtern verwandelt, die auf das Ereignis atmosphärisch einstimmten.

Pünktlich um 19:00 Uhr waberten die ersten Nebelschwaden auf der Bühne, Markus Heitz, der bekannte Phantastik-Autor, nahm auf seinem bereitgestellten Thron platz und die Musiker der Band »Persephone« eröffneten den Abend mit der instrumentalen Version von »The Man Who Swallowed My Soul« von dem Debutalbum »Home«.
»Persephone«, benannt nach der griechischen Göttin der Unterwelt, ist das Nebenprojekt von Sonja Kraushofer, die sicherlich einigen als weibliche Hälfte des österreichischen Duos »L`Ame Immortelle« bekannt sein dürfte und die auch über die Gothicszene hinaus eine gewisse Reputation genießen (Der Song »5 Jahre« wurde seinerzeit sogar auf Sendern wie VIVA gespielt).
Doch »Persephone« ist anders, ganz anders! Das fängt damit an, dass der komplette Set rein akustisch ist. Mit Martin Hoefert, Holger Wilhelmi und Johannes Kramer befinden sich 3 Cellisten auf der Bühne sowie der ebenfalls von L`Ame Immortelle bekannte E-Bassist Francis, der hier den Kontrabass zupft und streicht. Ergänzt wird das Ensemble durch Florian C. Reithner am Piano und Tim Warweg an den Percussions. Letzterer fast unsichtbar - agiert er doch quasi hinter dem Thron von Markus und tritt eigentlich erst bei der abschließenden Verbeugung in`s Rampenlicht.
Musikalisch erwartet das gespannte Publikum eine Mischung aus Klassik, Jazz, Rock, Chanson und noch einigen anderen Stilarten.
Optisch wie auch stimmlich beherrscht Sonja Kraushofer die Bühne. Flammend rotes Haar, wallende Gewänder, eine ausdrucksstarke Stimme von einschmeichelnd, über klagend, mal am Rande der Hysterie, dann wieder weich und auch mal rockig. Sonja deckt eine breite Palette an Stimme und Gefühlen ab.

Im Wechsel zur Performance von »Persephone«, deren Programm übrigens unter dem Motto »Labyrinth Of Longings« steht, dem ersten Track des Albums »Mera Sangeet Kho Gaya« aus dem Jahre 2004, liest Markus` Passagen aus seinem brandneuen Roman »Judassohn«, der Fortsetzung zu »Kinder des Judas« des Jahres 2007.
Das fast 700 Seiten starke überformatige Paperback, das als Vampirthriller etikettiert ist, handelt von Untoten, Unsterblichkeit, Erlösung und Rache und deckt einen Handlungszeitraum von mehreren Jahrhunderten ab.
Lesung und Show sind gut aufeinander abgestimmt und greifen so gut ineinander, dass man manchmal als unbedarfter Zuschauer meinen könnte, dass Songs von »Persephone« extra für die Lesung geschrieben worden seien. Dem ist allerdings mitnichten so. Ein sehr schönes Beispiel ist hier der Titel »Magic Mirror«, ebenfalls aus dem Album »Mera Sangeet...« oder Lieder aus dem letzten Werk »Letters To A Stranger«, bei deren optischer Präsentation Sonja auch mal zu Schreibfeder und Tintenfass greift, was thematisch natürlich äußerst gut passt an diesem Abend.
Oder aber nach der gelesenen Kampfszene der Protagonistin Sia erscheint auf der Bühne die Tänzerin Asherah Latifa (Tanja Karmann), zwei Dolche schwingend und damit das soeben Gehörte nochmals bildlich unterstreichend. Auch dies ein sehr schönes Element der Gesamtpräsentation.

Persephone-Fans, zu denen ich mich auch zähle, kommen an diesem Abend jedenfalls voll und ganz auf ihre Kosten, werden doch Songs aller bisher erschienenen 4 Alben (Home, Atma Gyan, Mera Sangeet Kho Gaya, Letters To A Stranger) zu Gehör gebracht und somit die komplette Schaffensperiode seit Januar 2001 abgedeckt.
Unterbrochen werden Konzert und Lesung nach 70 Minuten für eine 20-minütige Pause. Nach weiteren 50 Minuten ist eigentlich Schluss, doch das Publikum erklatscht sich zumindest eine Zugabe und zwar »Pandora`s Calling«, eine Cover-Version des gleichnamigen Songs der Band »Whispers In The Shadow«, die mir in der Interpretation von Persephone deutlich besser gefällt. Die Band, Sonja und die Tänzerin geben noch mal alles, und um 21:30 Uhr endet, unter großem Applaus, ein Event der etwas anderen, der besonderen Art.

Egal ob man nun wegen »Persephone« oder/und Markus Heitz gekommen war, jeder der Anwesenden dürfte mit der Gewissheit am Schluss aufgebrochen sein, auf jeden Fall einem ungewöhnlichen Ereignis beigewohnt zu haben, einer wunderbaren Symbiose aus Musik, Lesung und Tanz.
Als Persephone-Fan konnte man auf jeden Fall rundum zufrieden sein. Die Tracklist bot viele Highlights aus 7 Jahren Bandgeschichte (»Letters To A Stranger«, erschien 2007) und glänzte mit Titeln, außer den bereits weiter oben erwähnten, wie The Day You Went Away, My Sweetest Pain, Merciless, Mean, La Danse Sur La Corde und Black Widow.
Auch muss erwähnt werden, dass sich Sonja Kraushofer bei ihrem eigenen Projekt natürlich viel mehr entfalten kann als bei L`Ame Immortelle. Hier steht Sonja im Mittelpunkt, singt, schreit, lacht, tanzt, windet sich am Boden und geht auch mal direkt in die Reihen des Publikums, weicht die imaginäre Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum auf. Manchmal hat sie etwas Verstörendes in ihren Augen, ihrem Blick, dann blitzt im nächsten Moment wieder ihr komödiantisches, schauspielerisches Talent auf. In jedem Fall eine vielseitige, charismatische Künstlerin, bei der es Spaß macht, ihrer Darbietung und natürlich der ihrer Band zuzuhören und zuzusehen.

Bei Markus Heitz` Lesung, verhält es sich logischerweise etwas anders. Nicht immer haben wir, d.h. meine Freundin und ich, die ausgewählten Passagen als besonders glücklich empfunden, die Markus zum Vortrag brachte. Oft bargen sie eine, wenn auch sicherlich ungewollte, Komik in sich, sei es Sias »Kampf« oder das Schmankerl mit dem Tod, der vor der Tür steht.
Aber auch wenn es um sexuelle Handlungen oder Äußerungen ging, konnte man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Markus hat seine Sache, im Rahmen seiner Möglichkeiten, sicherlich gut gemacht, doch muss ich sagen, dass seine Betonung und seine Stimme beim Lesen selten Spannung hervorrufen. Am besten war er gegen Ende, bei der »Opern-Szene« wie aber beispielsweise auch beim Vortrag der Lamenti. Diese Texte lagen Markus einfach besser, hier war seine Stimme auch kraftvoller, ernsthafter. Deshalb, wie bereits gesagt, oft mag es an den falsch ausgewählten Textbeispielen gelegen haben, dass der Vortrag stellenweise etwas belanglos rüberkam.
Noch mal Thema Oper und Leipzig, diese Passage kam richtig gut und dazu noch Persephones »The Man Who Swallowed My Soul«, einfach super.

Zusammenfassend kann man allen Beteiligten wie auch den Veranstaltern (Knaur Verlag und Orkus Magazin) nur danken für diesen schönen und interessanten Abend.
Schade war, dass nach der einen Zugabe sofort mit dem Abbau von Bühne und Merchandise begonnen werden musste, da im Anschluss, ab 23:00 Uhr, die Freitags-Disco-Party (The Zoo - Partyanimals Welcome) in der Batschkapp lief und dafür schnellstmöglich der Platz gebraucht wurde. So begann ein hektisches Hin- und Hergerenne, einzig Markus war noch für seine Fans da, signierte seine Bücher und nahm sich Zeit für kurze Gespräche. Ein Treffen mit Persephone war unter den gegebenen Umständen und der herrschenden Unruhe leider nicht möglich.

Copyright © 2010 by Stefan Bellack

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