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Der Herr des Soundtracks
Von Sascha Vennemann

Selten kommt es vor, dass ein Film so sehr mit seiner Musik in Verbindung gebracht wird, wie bei der „Herr der Ringe“-Trilogie. Was in den frühen 80ern John Williams mit seinem Soundtrack zu STAR WARS gelang, nämlich das jeder ihn bis auf den heutigen Tag fast auf Anhieb vorsingen kann, ist dem Komponist Howard Shore für die „Ring“-Filme nun auch gelungen. Der phänomenale Erfolg des Soundtracks brachte Howard Shore nicht nur einen Oscar für die beste Filmmusik ein, es eröffnete ihm auch die Chance seine Musik live vor einem größeren Publikum rund um den Globus zu präsentieren. Am Freitag, den 16. April 2004 konnte zum ersten Mal das europäische Publikum in den Live-Genuss kommen. Wer wie ich das Glück hatte noch eine Karte zu bekommen, erlebte im Sportpalais von Antwerpen in Belgien mit über 10.000 Besuchern ein klassisches Konzert der Spitzenklasse. Das Gebäude an sich ist wirklich keine Schönheit und wird auch sonst zu Eishockeyspielen genutzt – für ein Konzert, bei dem es so sehr auf die Akustik ankommt hätte man das zwar bedenken müssen, aber es kam den Veranstaltern wohl eher darauf an, möglichst viele Leute zu möglichst günstigen Preisen in den Genuss der Musik kommen zu lassen. 32 Euro in der besten Kategorie ist wirklich ein Spottpreis für ein Orchesterkonzert dieser Güte. Dafür musste man Betonoptik und Plastiksitze in Kauf nehmen. Aber wir waren ja schließlich wegen der Musik hier. Und die war allererste Sahne! Neben dem hervorragenden flämischen Radio Orchester mit einem dreigeteilten Chor (Männer-, Frauen- und Kinderchor) war Howard Shore persönlich angereist, um zu dirigieren und hatte auch die Solistin Sissel mitgebracht, die auf dem dritten „Herr der Ringe“ Soundtrack zu hören ist. In „Six Movements“ – sechs Zusammenschnitten der Musik, jeweils zwei pro Film mit einer entsprechenden Länge zwischen 15 und 20 Minuten, kamen alle Melodien unter, die einem auch im Kino im Gehör haften geblieben waren. Das Orchester und der Chor wurden über große Boxen verstärkt, was den Puristen eher stört, aber bei einem Veranstaltungsraum dieser Größe leider nicht anders zu bewerkstelligen ist. Die Solisten, sowohl die Musiker (stellvertretend sei hier der phantastische Spieler der irischen Flöte genannt), als auch die Sänger (hier vor allem die schon erwähnte Skandinavierin Sissel, die beim oscar-prämierten Titelsong zum dritten Film „Into the West“ ein derartiges Gefühl in die Stimme legte, dass vereinzeltes Schluchzen im Saal aufkam) lieferten eine qualitativ hochwertige Performance ab. Am Ende: 15 Minuten Applaus, keine Zugabe und ein Gefühl, bei etwas Großartigem dabei gewesen zu sein. Bei soviel Mühe, wie Howard Shore sie sich gemacht hat um dieses Konzert auf den Weg zu bringen, kann man auch als Erwachsener noch einmal zum Groupie werden – und mit zahlreichen deutschen, belgischen, niederländischen und französischen Fans am Hinterausgang warten, sich anfreunden und auf ein Autogramm hoffen. Die Stunden des Wartens, bis ca. 3 Uhr morgens, wurden mit Autogrammen belohnt. Es hat schon etwas für sich, einem Oscar-Gewinner die Hand zu schütteln. Da die Konzertreihe sehr begrenzt ist – und das einzige andere Konzert in Europa in London stattfand, ist es fraglich ob man als Europäer noch einmal in den Genuss dieses Sounds kommen wird. Falls es so kommen sollte, bin ich sicher wieder dabei – zusammen mit tausenden anderen Fans, die beweisen, dass klassische Musik auch heute noch viele Anhänger hat.

 

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