
- Exklusiv

Halloween Horror Hysteria
Horror-Lesung in Karlsruhe

Alternativplakat zur Lesung, mit freundlicher Genehmigung von Oliver Koch
Die Ankündigung auf dieses Leseereignis hatte es in sich und so zögerten wir vom Geisterspiegel auch nicht lange und sagten unsere Teilnahme für diesen Abend zu. Ort des Grauens war der Veranstaltungsraum hinter dem Restaurant »Die Gurke« in Karlsruhe.
Zum Gruseln hatte Oliver Koch eingeladen, der den Wahnsinn in Tüten gern mal gratis verteilt. Für die Lesung wurde dennoch ein Eintrittspreis erhoben, den die mutigen Zuhörer nach der Lesung jedoch in Form eines Cocktails erstattet bekamen.

Der Lesungsraum, noch in Licht gehüllt. Im Hintergrund der schwarze Vorhang, hinter dem die Autoren während ihrer Lesungen sitzen.
Der Lesungsraum wurde entgegen der Ankündigung, dass es stockdunkel sein würde, von flackernden Grablichtern erhellt. Die totale Finsternis hätte zwar den Gruseleffekt erhöht, aber auch das Unfallrisiko. Schließlich mussten sich zumindest der schwarzgewandete, bleichknochige Moderator und die Autoren im Raum bewegen. In totaler Schwärze eher unmöglich, wenn man sich nicht gerade in den eigenen vier Wänden befindet. Doch auch flackerndes Dämmerlicht kann Gänsehaut erzeugen, besonders dann, wenn die Stimmen aus dem Hintergrund von Zombies, leckerem Muskelfleisch, irren Busfahrern, die aus Gedärmen einen Penis formen oder von den Erlebnissen eines kleinen Mädchens erzählen, dem niemand Glauben schenkt.
Die Stimmen gehörten den Autoren Gunter Arentzen, Helmut Barz, Alfred Berger und - weil Dave Morgan nicht selbst anwesend war - dem Veranstalter und Moderator Oliver Koch, der die Geschichte von Dave Morgan kurzerhand selbst vortrug.
Zur Lesung wurden die Autoren nacheinander vom totenköpfigen Moderator in einen durch einen dunklen Vorhang abgetrennten Teil des Raumes hinter dem Publikum geleitet. Die Zuhörer wurden sich selbst überlassen und lauschten der Stimme aus dem Hintergrund. Kein Blickkontakt war möglich, keine Reaktionen ablesbar. Entsprechende Spannung breitete sich aus …

Der Lesungsraum bei Dunkelheit. Nur die Grabkerzen spenden etwas Licht.
So verschieden wie die Namen der Autoren, so verschieden waren natürlich ihre Geschichten und Vorträge. Gunter Arentzen las als Erster. In seiner Story »Mit Haut und Haar« lässt er die Zuhörer zunächst teilhaben am Besuch seines Protagonisten in einem Laufhaus. Doch dieser Besuch endet für Paul überraschend anders, als er es sich vorgestellt hat, obwohl ihm die rassige Schönheit, deren Liebesdienste er sich kauft, anfangs das gibt, was er erwartet. Allerdings nimmt sie sich dann etwas, was ihm … Nein, das wird an dieser Stelle nicht verraten. Die Story erscheint nächstes Jahr in einer Anthologie und dann kann jeder selbst lesen, wie die Sache für Paul endet.
Helmut Barz hoffte mit seiner Geschichte, dass die Zuhörer an diesem Abend alle schon gegessen hatten, denn seine Story »Immer wenn sie Zwiebeln schnitt« handelte vom Essen. In liebevollen Details beschreibt er die Zubereitung eines Gerichts, welches dem Publikum zunächst das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Doch als es an die Zutaten ging, verging den Hörern schnell der Appetit.
Alfred Berger erzählte als Vielreisender mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Geschichte über einen Busfahrer. Es kristallisierte sich heraus, dass es Busfahrer nicht leicht haben, besonders dann nicht, wenn sie pubertierende Schülerinnen befördern müssen. Aber dagegen half diesem speziellen Busfahrer die Stimme in seinem Kopf, die ihm die Lösung des Problems genauestens vorgab. Und der Busfahrer entwickelte sich zu einem wahren Künstler. Welcher Kunst er sich widmete … auch das kann man in der Story nachlesen. Doch Vorsicht, auch diese Geschichte sollte man lieber nicht nach dem Essen lesen.
Zu guter Letzt las Oliver Koch, der Veranstalter des Abends, die Story von Dave Morgan. Der Autor war selbst nicht anwesend, doch seine Geschichte blieb dem Publikum nicht vorenthalten.
Grundlage dieser Story war das Spiel mit der Angst und hier speziell die Angst eines kleinen Mädchens. Das Mädchen erlebt die Hölle auf Erden, ihr Körper beweist die Existenz dieser Hölle, doch die Erwachsenen finden immer wieder rationale Erklärungen für diese Beweise. Das Schlimme an dieser Story war wirklich, dass sie viel Wahrheit enthielt, wenn auch nicht auf den ersten Blick. Doch welcher Vater oder welche Mutter glaubt denn ihrem Kind, wenn es in der Dunkelheit Dinge sieht, die Erwachsenen verborgen bleiben?

Helmut Barz, Alfred Berger, Gunter Arentzen und Oliver Koch
Nach etwa anderthalb Stunden des Grauens hatten es die Zuhörer geschafft. Das Leben hatte sie wieder und beim anfangs erwähnten Cocktail klang der Abend in gemütlicher Atmosphäre aus.
Damit war der Anfang für eine neue Art von Lesung gemacht. Im Nachhinein waren alle um eine Erfahrung reicher, Autoren wie Zuhörer tauschten sich mit Oliver Koch über die Vorzüge aber auch Nachteile dieser Form von Lesung aus und wie nach jedem gelungenen Event wurden schon Ideen für eine nächste Lesung gesammelt. Lassen wir uns also überraschen, wenn Horror Hysteria in die zweite Runde geht.
Copyright © 2010 by Anke Brandt
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