
- Exklusiv

Das war die Frankfurter Buchmesse 2008
Eindrücke und Emotionen
Die Buchmessevorbereitungen standen in diesem Jahr unter keinem guten Stern für mich. Meine Chefin war schon seit Wochen krank und ich wusste nicht, wie lange sich das noch hinziehen würde. Es hatte sie wirklich schlimm erwischt. Die Sorge um sie und die vielen Überstunden, die dadurch anfielen, ließ mich irgendwelche Gedanken an die bevorstehende Messe zunächst verdrängen. So ganz gelang mir das natürlich nicht, denn wer mich kennt, weiß, welch hohen Stellenwert der Besuch der Frankfurter Buchmesse in meinem Leben einnimmt. Nicht nur für , sondern auch von Berufs - also mehr oder weniger auch meines Hobbys – wegen. Am 14.10. kam dann der erlösende Anruf: Chefin kommt ab 15. wieder arbeiten. Ich hätte vor Freude tanzen können. Der Fahrt nach Frankfurt am nächsten Morgen stand nun nichts mehr im Weg.
Für eine intensive Vorbereitung inklusive Terminabsprachen blieb natürlich keine Zeit mehr. Doch das stellte sich im Nachhinein als großer Vorteil heraus. Wir konnten nicht so viele Interviews wie im letzten Jahr führen, dafür hatte ich viel mehr Zeit für all die spontanen Gespräche, die sich ergeben haben. Denn eines habe ich auch in diesem Jahr wieder deutlich gespürt: Die Buchmesse ist wie ein großes Familientreffen. Man begegnet immer und überall Menschen, die eines gemeinsam haben: ihre große Leidenschaft für Bücher.
Der Mittwoch begann erst einmal ganz entspannt. Wir hatten Peter Göring, dem Verleger von Persimplex, versprochen, am Stand mit zu helfen. Alfred Wallon war ebenfalls fast die ganze Zeit am Messestand, so dass wir uns ausgiebig mit ihm unterhalten konnten. Ich war manchmal doch ein wenig erstaunt, wie sehr sich Alfred für die Belange von interessiert und uns mit Rat und Tat zur Seite steht.
Durch Peter und Persimplex hatten wir eine gute Adresse, wo es frischen Kaffee und - ganz wichtig! – Stühle gab. Letztere wurden spätestens am Nachmittag zu einem äußerst wichtigen Gegenstand.
Doch am Vormittag drehte ich zunächst eine große Runde durch die Messehallen, um mir einen Überblick über die Neuerscheinungen besonders im Bereich Fantasy und Thriller zu verschaffen. Und da gibt es einige Titel, die ich demnächst genauer unter die Lupe nehmen möchte. Was ich davon schaffe, werde ich natürlich zu gegebener Zeit auch rezensieren.
Schmachtend stand ich bei Klett Cotta vor dem Glaswürfel, unter welchem die Neuauflage von Tolkiens „Der Herr der Ringe“ ausgestellt war. Aber eigentlich gab es an fast jedem Messestand, der sich mit Fantasy befasst, irgendeine Novität, die mich interessiert hat. Genauso sah es bei den Thrillern aus. Ich hatte ein wenig das Gefühl, dass der Leseherbst ganz im Zeichen der Spannung steht.
Neben den „üblichen Verdächtigen“, die an den Messeständen ihren Dienst taten und von denen ich einige seit vielen Jahren aus einer guten Zusammenarbeit heraus kenne – ich rede natürlich von den Verlagsvertretern, mit denen ich seit vielen Jahren beruflich Kontakt habe – hielt sich der Ansturm von Gästen und Autoren noch sehr in Grenzen. Wenn ich von Autoren rede, meine ich überwiegend Autoren aus den beiden Genres, die mich besonders interessieren. Der aufmerksame Leser weiß nun natürlich, welche Genres ich meine.
Während meines Rundgangs traf ich Erik Schreiber und da ich ja keine Termine hatte, konnte ich erst einmal ausgiebig mit ihm schwatzen. Die Folge davon war, dass Erik uns regelmäßig am Persimplex-Stand besuchte und wir soviel Zeit wie noch nie zum Erfahrungsaustausch hatten. Eriks Meinung ist mir sehr wichtig, denn wer den Bücherbrief kennt, wird wissen, dass er ein echtes Urgestein im Fandom ist. Seit 30 Jahren ist Erik Schreiber in der Phantastikszene aktiv! Und seine Ratschläge haben von Anfang an direkt oder indirekt bereichert. So hatte er auch wieder ein paar wichtige Informationen für mich, die er mir, kaum dass er zuhause war, per E-Mail zukommen lassen hat. Durch Erik fand auch Hermann Ritter den Weg zu uns und wer die Beiden zusammen kennt, kann sich vorstellen, dass da dann auch viel gelacht wurde.
Auch wenn der Mittwoch ruhig begann, war der Tag doch in Null Komma Nix vorbei. Irgendwie hatte ich ganz verdrängt, dass mir Klimaanlagen normalerweise ziemlich zu schaffen machen, doch wenn man daran keinen Gedanken verschwenden kann, tränen einem die Augen nicht.
Der Donnerstag begann gleich mit einem freudigen Wiedersehen mit Helmut Pesch. Mit ihm zu plaudern, ist immer wieder eine angenehme Erfahrung. Wie Wolfgang schon schrieb, hatte Peter Göring ein paar fachliche Fragen zur Lektoratsarbeit. Während Wolfgang unterwegs war, um Peter zu diesem spontanen Gespräch zu holen, sollte ich Helmut wohl schon ein wenig auf den Inhalt des folgenden Gesprächs vorbereiten. Doch wie das nun mal so ist, wenn ich mit Helmut rede, es dauerte keine drei Worte und wir fachsimpelten über Fantasy im Allgemeinen und Tolkien im Besonderen. Ich liebe diese Gespräche, deshalb kamen Wolfgang und Peter für meinen Geschmack auch viel zu schnell dazu. Doch auch das folgende Gespräch über die Arbeit eines Lektors war sehr aufschlussreich und die Stunde viel zu schnell vorbei.
Da auch an diesem Tag keine weiteren Termine anstanden, nutzte ich den Tag, um mein Fotoalbum vom Vorjahr durch weitere Einträge derjenigen, die sich mit mir hatten ablichten lassen, zu bereichern. Einige der Autoren hatte ich in Leipzig schon darum gebeten, so Ken Follett, Thomas Finn, Iny und Elmar Lorentz oder Bernhard Hennen und nun verewigten sich in meinem Messefotobuch noch Michael Peinkofer, Klaus Bollhöfener und Alfred Wallon. Einer schrieb mir sogar was in Elbisch hinein :-)
Dieses Fotoalbum wird für mich wohl mal die schönste Erinnerung an all die wunderbaren Begegnungen auf Buchmessen sein, wenn es mir vielleicht mal nicht mehr vergönnt ist, sie selbst mitzuerleben. Doch dieser Tag ist hoffentlich noch in weiter, sehr weiter Ferne.
Und das nächste Album ist schon in Arbeit. Dafür sorgte Dr. Eckart von Hirschhausen, der sich für ein kleines Fotoshooting mit uns zur Verfügung stellte. Er ist ein äußerst sympathischer Mensch und dieses kurze Treffen hat viel Spaß gemacht.
Als ich Hape Kerkeling ebenfalls höflich um ein Foto bat, wies er mich sehr herablassend ab. Für seine Fans schien er jedenfalls nicht in Frankfurt unterwegs gewesen zu sein. Tja, da liegen eben Welten zwischen einem Bestsellerautor und einem anderen.
Am Nachmittag hatten wir noch eine kurze Begegnung mit Wolfgang Hohlbein, Dieter Winkler und ihren Ehefrauen Heike und Uschi. Leider blieb es für diese Messe bei diesem kurzen Treffen, denn im Gegensatz zu mir hatte sie einen übervollen Terminkalender.
Später begleitete ich Wolfgang in Halle 4.1, in der die Hörbücher/Hörspiele ihren großen Messeauftritt hatten. Bei dieser Gelegenheit lernte ich Thomas Birker von Dreamland-Productions persönlich kennen. Doch bei den regen Gesprächen um Hörspiele hielt ich mich lieber zurück. Hörbücher und Hörspiele sind nicht für mich erfunden worden. Naja, vielleicht komme ich ja irgendwann noch hinter das Geheimnis, warum dieses Medium so beliebt ist. Wer mich dann aus meinem Schweigen rettete, war Joachim Otto, der ebenfalls am Stand erschien. Mit Joachim habe ich immer viel zu erzählen und dieses Mal schmiedeten wir sogar eventuelle Pläne für die Zukunft. Mal schauen, wann was daraus wird. Es tat in jedem Fall gut zu wissen, dass Joachim hinter unserer Arbeit an steht.
Ja, und dann kam noch ein sehr lustiges Ereignis, was sich sehr schwer wiedergeben lässt. Man muss dabei gewesen sein und die Gesichter dazu gesehen haben. Wolfgang und ich kommen am Stand von Wortart an, da dreht sich eine junge Frau, die vor einem kleinen Schrank hockte um und begrüßt Wolfgang ganz selbstverständlich mit: „Ah, Herr Dr. Geisterspiegel.“ Die junge Frau war niemand anderes als Carolin Hornauer, Wolfgangs Ansprechpartnerin beim Verlag. Nun, damit muss Wolfgang nun wohl leben, aber ich glaube, es gefällt ihm ganz gut. Ein wenig stolz sind wir ja alle auf unsere Homepage, nicht?
Für Freitag hatte ich dann doch einige Termine vereinbart. Der Tag begann mit dem langersehnten Interview mit Sebastian Fitzek. Anfang September hatte ich sein neues Buch „Der Seelenbrecher“ gelesen und danach stand für mich fest, dass ich mehr dazu erfahren muss. Nach der Lektüre stellte sich mir sofort die Frage: Wie gesund (oder krank?) muss man sein, um so tief in die Abgründe der menschlichen Seele schauen zu können?
Voller Spannung ging ich zum Termin und wurde von einem supernetten, völlig natürlich wirkenden jungen Mann begrüßt, der bereitwillig meine Fragen beantwortete. Mir hat dieses Interview sehr viel Spaß gemacht, denn Sebastian antwortete sehr ausführlich. Doch mehr verrate ich hier nicht, denn wen es interessiert, der kann es sich ja anhören und demnächst auch lesen.
Einige Tage vor der Messe erhielt ich eine Anfrage von Natalja Schmidt von der Literaturagentur Schmidt & Abrahams GbR, ob ich nicht Lust hätte, zu einigen Autoren Kontakt aufzunehmen und sie auf vorzustellen. Natürlich hatte ich Lust und so vereinbarte ich mit Daniela Knor und Stephan Russbült jeweils ein erstes Treffen. Und wieder lernte ich zwei unglaublich nette Menschen kennen, mit denen ich für die nahe Zukunft Interviews, Buchvorstellungen, Rezensionen und auch ein Wiedersehen vereinbarte. Nun, das Wiedersehen wurde nicht vereinbart, aber es wird sich bei der nächsten Messe sicherlich ergeben und wir freuen uns drauf.
Zwischenzeitlich ging ich immer wieder mal zum Persimplex-Stand und es muss sich wohl herumgesprochen haben, dass auch der dort zugegen war. Hermann Urbanek besuchte uns und vereinbarte mit Peter die Rezensionen seiner Fantasybücher. Bei der Gelegenheit gab ich Hermann natürlich ein Exemplar unserer Anthologie „Dark Future“ mit. Ich denke, sie ist bei ihm in guten Händen.
Gegen Mittag besuchte uns ganz überraschend Thomas Jeier. Die Überraschung war so groß, dass ich ganz spontan ein Kurzinterview mit ihm führen konnte, wofür mir unser Slaterman im Vorfeld die Fragen geschickt hatte. Naja, wenigstens für Thomas war alles ganz überraschend :-)
Meine persönliche Überraschung erlebte ich dann Samstagvormittag. Iny und Elmar Lorentz waren privat unterwegs, um sich ein wenig auf dem Messegelände umzuschauen und Neues zu entdecken. Dabei entdeckten sie auch den Persimplex-Stand und blieben auf ein Schwätzchen bei uns. Und dabei entdeckten die beiden etwas ganz Neues, nämlich unsere Anthologie, die Peter am Stand mit ausgestellt hatte. Nach einigen Fragen dazu, erfuhren sie, dass auch von mir eine Geschichte in dem Buch enthalten ist. Ja, und dann war ich fällig. Elmar fragte mich, ob ich ihm ein von mir signiertes Buch für ihre Sammlung überlassen würde. Hallo? Ich sollte Iny und Elmar Lorentz ein Buch signieren? Das ist doch normalerweise immer umgekehrt. Sie sind es doch, denen die Finger weh tun vom vielen Signieren. Mit klopfendem Herzen erfüllte ich aber sehr gern diesen Wunsch und bin nun „stolz wie Bolle“, dass „Dark Future“ einen Ehrenplatz in der signierten Privatbibliothek von Iny und Elmar bekommen hat. Ich glaube, die beiden konnten gar nicht verstehen, wie sehr nun diesmal ich überrascht war und wie sehr ich mich gefreut habe und noch darüber freue.
Später trafen wir uns dann noch zu einem im Vorfeld der Messe vereinbarten Termin und sprachen über unsere Projekte. Dabei erzählte uns Elmar, wie es zur Entstehung des Buches „Die Tochter der Wanderhure“ kam, wir sprachen über ihr Fantasybuch „Der Feuerthron“ und sie interessierten sich für unsere Arbeit an . Es war wie immer eine schöne Begegnung unter Freunden.
Wolfgang hatte angekündigt, dass ich an dieser Stelle ausführlich über den Inhalt dieses Gespräches berichten werde, doch ich merke schon, dass ich damit hier den Rahmen sprengen würde. Ich lasse mir etwas einfallen, wie ich euch diese Informationen schnell zukommen lassen kann, denn wir haben einen kleinen Teil des Gespräches mitgeschnitten, sodass ich jederzeit Zugriff auf Einzelheiten habe.
Wenn man schon mal am Knaur-Stand ist, dann bleibt es meist nicht aus, dass man noch anderen Autoren begegnet. Und kaum hatten wir uns von Iny und Elmar verabschiedet, traf ich auch schon Jörg und Corinna Kastner. Auch von ihm erfuhr ich etwas über seine neuen Projekte, die mit Sicherheit zu gegebener Zeit auf vorgestellt werden.
Damit waren meine wenigen Termine für diese Buchmesse „abgearbeitet“ und meinerseits hätten wir sofort zum BuCon nach Dreieich aufbrechen können. Doch das war leichter gesagt als getan, denn unterdessen tummelten sich am Persimplex-Stand jede Menge Autoren des Verlages. Da konnten wir nicht einfach so weglaufen und als sich die Zeiger der Uhr schon gefährlich auf 16.00 Uhr zubewegten, trafen wir endlich in Dreieich-Sprendlingen ein.
Die Begrüßung dauerte etwa 2 Stunden, wobei ich schwer annehme, dass ich nicht mal der Hälfte der Leute, die ich dort kannte, Hallo sagen konnte, denn nach diesen 2 Stunden besuchte ich die Podiumsdiskussion „Quo vadis, Fantasy-Literatur?“, in der Thomas Finn, Christoph Hardebusch, Daniela Knor, Markus Heitz und Karl Heitz Witzko zur Zukunft der deutschen Fantasy-Literatur Stellung bezogen. Moderiert wurde die Diskussion von Natalja Schmidt, die ich an diesem Abend dann auch endlich mal persönlich kennen lernte.
Da ich mir einige Notizen gemacht habe, werde ich – sobald es die Zeit erlaubt – bei den Eventberichten einen kleinen Nachtrag dazu schreiben.
Die letzte Stunde, bevor wir gegen 20.00 Uhr die Heimreise antreten mussten, nutzte ich noch für einige interessante Gespräche mit Pestilenz, Tod und Hunger von den Apokalyptischen Schreibern und auch mit Markus K. Korb und vielen anderen treuen Con-Besuchern gab es ein nettes Wiedersehen.
Tja, und dann brach auch schon bald der letzte Messetag an. Ich erwartete keine besonderen Highlights mehr, denn am Messesonntag verwandeln sich die Messehallen in eine riesengroße Buchhandlung. Also dachte ich mir, dann tue ich eben das, was ich jeden Tag mache: ich verkaufe Bücher. Doch mit 5 Verkäufern an einem kleinen Messestand war ich dann doch nicht ausgelastet und drehte schon bald wieder Runden durch die Hallen. Dabei begegnete ich Florian Hilleberg und Sven Schreivogel, die gerade in einem Gespräch bei einem Verlag saßen. Nach einer herzlichen Begrüßung einigten wir uns darauf, dass sie später zu uns an den Stand kommen würden, was sie dann auch taten. Dort hatten wir Gelegenheit, uns länger zu unterhalten. Leider konnte ich Svens Einladung zur Hörbuchpräsentation nicht mehr wahrnehmen, denn um diese Zeit begannen schon die Vorbereitungen für den Abbau. Manchmal müsste man sich doch zerteilen können.
Im Nachhinein frage ich mich: Wie hätte ich eigentlich mehr Termine wahrnehmen können?
Die fünf Tage vergingen wie im Flug. Doch die Eindrücke, Informationen, Erfahrungen und Erinnerungen werden mich hoffentlich bis zur nächsten Buchmesse begleiten.
© Anke Brandt
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