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„Quo Vadis, Fantasy-Literatur?“

Podiumsdiskussion während des BuchmesseCon am 18.10.2008
Mit Thomas Finn, Christoph Hardebusch, Daniela Knor, Markus Heitz und Karl-Heinz Witzko
Moderation: Natalja Schmidt

Einer der Höhepunkte beim diesjährigen BuchmesseCon war für mich als Redakteurin der Wunderwelten natürlich diese Veranstaltung.
Der „Maschinenraum“ war bis auf den letzten Platz gefüllt, viele Besucher mussten die Diskussion im Stehen oder gar auf dem Fußboden sitzend verfolgen. Die Resonanz auf die Ankündigung zeigte schon, wie hoch die Fantasy-Literatur derzeit im Kurs steht. Das Aufgebot an Autoren, die sich hier ebenfalls versammelt hatten, trug zur Besucherzahl sicher auch nicht unwesentlich bei. Leider musste Bernhard Hennen den Termin wegen Krankheit absagen, doch dadurch bekam Daniela Knor seinen Platz auf der Couch und trug ihren Anteil zur Beantwortung der Frage „Quo Vadis, Fantasy-Literatur“ bei.
Aber auch im Publikum fanden sich noch weitere Autoren ein, so bezeugten u.a. Markus K. Korb und Oliver Plaschka ihr Interesse für das Thema.

Wohin geht sie nun, die Fantasy-Literatur?
Thomas Finn eröffnete die Diskussion mit der Feststellung, dass auch die Fantasy, wie wohl jedes andere Genre, von Wiederholungen lebt. Erfolg kann man nur haben, wenn diese gut gemacht sind. Und – jeder schreibt das, was er auch lesen möchte. Christoph Hardebusch bestätigte dies, heutzutage etwas neu zu erfinden, sei sehr schwer. Dennoch nimmt die Fantasy-Literatur durch immer wieder neue Aspekte eine positive Entwicklung. Markus Heitz meinte dazu, es gäbe 40 Elemente für eine Geschichte, bei der Entwicklung kommt es auf die Anordnung an. Thomas Finn fiel zur genannten Zahl gleich noch eine kleine Episode ein, die für einiges Schmunzeln sorgte. Bei zweitausendeins gab es mal ein Buch mit dem Titel 12 Masterplots, woraufhin Markus Heitz sich fragte, warum das kein Bestseller sei.
Dennoch wurde festgestellt, dass in der Fantasy sich doch immer wieder die klassischen Kombinationsmöglichkeiten finden lassen, so zum Beispiel das klassische Muster der Heldenreise.
Natalja Schmidt fragte nach neuen Möglichkeiten, und mit Titeln wie Ritus von Markus Heitz oder Sturmwelten von Christoph Hardebusch wurde die Frage zuerst einmal mit vorhandenen Büchern beantwortet. Christoph Hardebusch beantwortete die Frage dann aber noch ausführlicher. Er meinte, dass für den Autor genau die Mischung aus klassischen und neuen Elementen wichtig sei, dass jeder Autor Neues ausprobiert vor allem mit dem Ziel, andere Leser zu erreichen. Zu viele neue Elemente sprechen nicht unbedingt den klassischen Fantasy-Leser an. Wobei dann aber schnell festgestellt wurde, dass bei jemandem wie Markus Heitz unterdessen schon egal ist, was in einem Buch steht, die Leser kaufen alles von ihm. Das wurde dann wiederum positiv kommentiert, denn so kämen eben auch neue Themen zum Leser. Daniela Knor beleuchtete die Frage dann nochmal aus der Sicht des Autors und stellte fest, dass auch ein Autor sich schnell langweilt, wenn er immer am selben Thema festhalten müsste. Durch neue Themen und Elemente kann eben auch ein Fantasy-Autor seinen eigenen Horizont erweitern.

Die nächste Frage von Natalja Schmidt bezog sich dann auch gleich auf den letzten Kommentar von Daniela Knor. Sie wollte von den anwesenden Autoren wissen, in welchen Genres sie denn neben der Fantasy noch schreiben würden.
Christoph Hardebusch sieht sich als Autor der Phantastik in allen Facetten, könnte sich aber auch Historisches gut vorstellen. Momentan jedoch schreibt er weiter Fantasy.
Thomas Finn hat noch nie klassische Fantasy geschrieben, aber schon vieles ausprobiert. Er würde gern wieder für Erwachsene schreiben und kann sich sogar Horror vorstellen. Dennoch ist er mit seinen Jugendbüchern derzeit sehr zufrieden.
Für Karl-Heinz Witzko gibt es keine Beschränkungen. Für ihn zählt einzig die Lust auf eine Idee, und dann wird diese umgesetzt. Und wenn es ein mathematisches Thema ist, warum nicht? Zwergensudoku oder Rechnen mit Trollen hält er für denkbare Ideen. Nun, die Reaktionen darauf kann man sich sicher vorstellen, dieser Ausflug in die Naturwissenschaft sorgte für eine gewisse Erheiterung bei allen Anwesenden.
Markus Heitz kann sich beim Schreiben ebenfalls jedes Genre vorstellen. Er schreibt nach der Devise: Alles zu seiner Zeit. Dabei verwies er auf seine Homepage, wo man kostenlos zwei satirische Streitschriften von ihm downloaden kann.
Alles in allem waren das einerseits sehr aufschlussreiche Kommentare, andererseits aber auch beruhigende, jedenfalls für die Fantasy-Leser. Denn alles wies darauf hin, dass die Autoren eben diesen Lesern vorerst treu bleiben.

Der nächste Diskussionspunkt war fast zu erwarten - All Age Fantasy. Dieser Begriff spukt seit einiger Zeit durch Internet, Verlage und Buchhandlungen, doch was verbirgt sich dahinter denn nun wirklich?
Thomas Finn hat dazu die Feststellung getroffen, dass Verlage im Jugendbuchbereich wohl viel mutiger sind. Nach dem Boom um Harry Potter hatte man bemerkt, dass Jugendbücher plötzlich auch von sehr vielen Erwachsenen gelesen wurden und diese Chance nutzten die Verlage, um sehr viel Neues auszuprobieren.
Neben dem Jugendbuch würden sich aber auch Rollenspiele bestens zum Probieren eignen, um neue Aspekte in die Fantasy-Literatur einzubringen, da es in Deutschland keine oder kaum Schreibschulen für Fantasy gäbe. Zur Verteidigung dazu kam allerdings das Argument, dass die Fantasy in Deutschland auch noch sehr jung sei und sich eigentlich erst noch etablieren müsse. Christoph Hardebusch sah das etwas anders, er glaubt, dass der Anstieg des Booms seinen Höhepunkt in Deutschland erreicht hat. Daraus ergab sich dann aber wiederum die Hoffnung, dass die Phantastik sich in anderen Bereichen etabliert. Nach der klassischen Fantasy muss man nun neue Themen bringen, und mit der All Age Fantasy wurde da ein guter Anfang gemacht.
Beim Thema All Age kam aber noch ein weitere Punkt zur Diskussion. Nicht nur die Leser werden immer jünger, auch die Autoren. Dadurch wurde ein altes Vorurteil wieder aktueller denn je, nämlich dass sich Fantasy von selbst schreibt. Man bräuchte ja nicht zu recherchieren, sich an keine Fakten halten … Man merkte den Autoren ihren Ärger über dieses Vorurteil schon ein wenig an. Thomas Finn antwortete darauf zwar nicht in diesem konkreten Zusammenhang, doch eine Antwort, die er auf eine Zuschauerfrage gab, sollte auch mit diesem Vorurteil aufräumen:

Das Wichtigste, was man beim Schreiben lernen muss, ist das Handwerk. Das ist das A und O!

Und mit diesem Satz sind eigentlich alle anfänglichen Diskussionspunkte ebenfalls beantwortet, wie ich meine. Wer sein Handwerk beherrscht, wird auch Erfolg haben. Und wer es gut beherrscht, wird noch mehr Erfolg haben. Für welches Thema das Handwerk nun genutzt wird, spielt beim Leser irgendwann vielleicht keine Rolle mehr, wie am Beispiel Markus Heitz schon aufgezeigt wurde, einen guten Text wissen die Leser zu würdigen.
Auch in der Fantasy setzt sich Qualität durch, ob klassisch, All Age oder was die Verlage sonst noch für neue Untergenres erfinden. Denn auch das wurde nochmals eindeutig klargestellt: Die Verlage tragen nicht Unwesentlich zur Klassifizierung der Fantasy-Romane mit neuen Aspekten bei.

Kurz vor Ende der Diskussion sprach Markus Heitz noch ein Thema an, das ihm wohl ziemlich auf der Seele lag, da er davon schon fast ein Lied singen kann.
Fakt ist: dass Fantasy-Autoren sehr viel Feedback von den Lesern bekommen.
Fakt ist: dass die Leser von einer Serie, die ihnen gefallen hat, immer mehr wollen.
Fakt ist: Es wird keinen 5. Zwergenroman geben.

Am Ende der Veranstaltung war noch Zeit für Fragen aus dem Publikum. Es wurde kurz über die Frage, was man in einer kreativen Schreibschule lehren soll diskutiert (Antwort siehe oben) und danach meldeten sich noch einige Buchhändler zur Präsentation im Buchhandel zu Wort. Da diese Meinungen weit, sehr weit auseinandergingen, kam sogleich eine Idee für die nächste Podiumsdiskussion auf. Statt Autoren sollte man vielleicht mal Buchhändler zu Wort bitten.

Ich hoffe, dass ich anhand meiner Notizen den Inhalt und Ablauf der Veranstaltung verständlich und sinnentsprechend wiedergeben konnte. Natürlich habe ich nicht alles, was gesagt wurde, wiedergeben können, doch vielleicht habe ich es mit diesem kleinen Beitrag geschafft, ein paar wesentliche Aspekte deutlich zu machen.

Die Fantasy-Literatur geht einen vielversprechenden Weg.

© Anke Brandt

 

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