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FeenCon 2011 (Samstag, 30. Juli)
Schon gewusst, dass es unangemessen ist, auf die AnimagiC als Darth Vader zu gehen, die Ghostbusters aber in Ordnung sind?
Mit solcherlei Weisheiten wurde man von Mitreisenden konfrontiert, wenn man sich am Morgen des 30. Juli 2011 gen Bonn begab, das an diesem Wochenende gleich dreifach Anlaufpunkt für Freunde der Phantastik war. Die beliebte Anime-Convention AnimagiC lockte wieder mal Scharen von miniberockten Bunthaaren zur Beethovenhalle. Thematisch passend wurde außerdem die Ausstellung »Anime! High Art – Pop Culture« in der Bundeskunsthalle eröffnet, die man noch bis zum 8. Januar 2012 bestaunen kann.
Mich zog es allerdings ins etwas beschaulichere Bonn-Bad Godesberg, wo die vom Verein Gilde der Fantasy-Rollenspieler e.V. ausgerichtete FeenCon in der Stadthalle ihre Pforten geöffnet hatte, deren Hauptaugenmerk auf dem Rollenspiel liegt. Wer wollte, konnte sie nonstop von Samstag 10 bis Sonntag 18 Uhr besuchen – kostenlose Übernachtung im Untergeschoss inklusive.
Am Eingang bekam jeder Besucher eine FeenCon-Tasche mit allerlei Werbeinhalt geschenkt – die war auch bitter nötig, wenn man sich an die Verkaufsstände begab, die zahlreiche Fantasyromane, -zeitschriften und natürlich unterschiedlichste Spielutensilien zu teilweise vergünstigten Preisen darboten. Daneben war es natürlich möglich, zahlreiche Spiele selbst auszuprobieren – egal, ob Pen&Paper, LARP, Brett- oder Kartenspiele oder TableTop.
Aber auch, für den, der daran nicht interessiert war oder etwas Abwechslung wollte, wurde viel geboten.
In Workshops gaben beispielsweise Autoren wie Bernard Craw und André Wiesler Schreibtipps, Robert Vogel berichtete Vergnügliches zur Kultserie »Geschichten von der Raumpatrouille« und wer wollte, konnte sich sogar in der Darstellung von Besessenheit unterweisen lassen.
Die Agenturleiterinnen Julia Abrahams und Natalja Schmidt von Schmidt&Abrahams gaben interessierten Hobbyautoren Tipps, was es bei der Kontaktaufnahme zu Agenturen und Verlagen zu beachten gilt. Nach ihrem Vortrag, indem sie nicht nur die Vor- und Nachteile von Groß- und Kleinverlagen darlegten, sondern auch Einblicke in den konkreten Ablauf einer schematischen Kontaktaufnahme boten, konnte man ihnen auch noch Fragen stellen. Ebenfalls bei dem Vortrag anwesend war übrigens Autor Christoph Hardebusch, von dem man kurz zuvor auch eine Lesung erleben konnte. Neben bekannten Namen wie Fabienne Siegmund, Robin Gates, Wolfgang Hohlbein (der eine Premierenlesung zu Die Chroniken der Elfen: Elfentod zum Besten gab) oder eben Hardebusch gab es hier auch einige unbekanntere Autoren, denen eine Plattform geboten wurde.
Die gingen teilweise allerdings leider etwas unter bei der Veranstaltungskonkurrenz. So hielt Mark Staats geradezu eine Privatlesung vor gerade mal fünf Leuten ab – was natürlich für die Zuhörer seine Vorteile hatte, für den Autor aber sicher eher enttäuschend war. Staats las aus seiner humorvollen Kurzgeschichtensammlung Bettina Müller. Werwölfin mit Sexappeal, deren Heldin sich mit einer Allergie vor sich selbst herumschlagen muss und ihre Kräfte nutzt, um als Superheldin zu agieren. Leider konnte die vorgetragene Kurzgeschichte nicht recht überzeugen. Dem gewählten Ausschnitt mangelte es an Spannung, die Witze saßen nicht und wirkten erzwungen, was aber auch an der Art des Vortragens gelegen haben mag. Neben Bettina Müller las Staats zusätzlich aus einer Kurzgeschichte aus der Anthologie Unter dunklen Schwingen (Otherworld) vor, die er zusammen mit der ebenfalls auf der Con anwesenden Tanya Carpenter verfasst hatte. Wiederum wollte der Funke nicht recht überspringen. Besser lief es mit der Vorstellung seines kommenden Projekts Afaga, das 2012 im Verlag Torsten Low erscheinen soll. In der offenkundigen Parodie auf Märchen und Fantasyepen widmet sich der Autor auf unterhaltsame Art manch einem Klischee. Gute Parodien kann das Genre jedenfalls gebrauchen, und wenn auch hier manch eine Pointe etwas zu gewollt wirkte, so machte der Ausschnitt doch Lust auf mehr.
Zusammenfassend kann man sagen, dass mit den Workshops und Lesungen ein ordentliches Programm geboten wurde, das die Con auch für Nicht-Rollenspieler interessant machte. Da die Workshops und Lesungen außerdem in abgetrennten Räumen stattfanden, gab es auch keine größeren Probleme wegen Lärmstörung wie beispielsweise bei der Role Play Convention. Schade ist aber, dass den Vortragenden jeweils nur eine Dreiviertelstunde zugestanden wurde. Gerade bei einem Vortrag wie dem von Schmidt&Abrahams blieb da einfach viel zu wenig Zeit, um Fragen zu klären. Eine Verlängerung ließ der straffe Zeitplan nicht zu, denn vor der Tür wartete schon Hohlbein inklusive einer ziemlich großen Fanschar. Während dessen Lesung leerten sich die anderen Räume übrigens merklich.
Insgesamt hat die FeenCon einen recht positiven Eindruck gemacht. Sie ist um einiges persönlicher als beispielsweise die größere RPC – während man gerade ein nettes Gespräch mit einem der Stand-Inhaber führt, kann es beispielsweise leicht passieren, dass neben einem plötzlich einer der Lieblingsautoren auftaucht, um die Comics durchzugucken. Für den relativ geringen Eintritt wird außerdem ein reichhaltiges, fast schon zu dichtes Programm geboten, das die Con für zwei oder drei Stunden auch für Nicht-Rollenspieler interessant macht. Dennoch rate ich den längeren Aufenthalt vor allem für Rollenspieler, ansonsten wird einem in den Veranstaltungspausen schon recht schnell langweilig.
Wenn es auch zu einer vergnüglichen Bahnfahrt geführt hat, halte ich allerdings die Dopplung mit der AnimagiC für ungünstig. Die FeenCon hat sich in den letzten Jahren Mühe gegeben, nicht mit dem Musikfestival R(h)einkultur zusammenzufallen, in Zukunft wäre es aber auch wünschenswert, wenn es bessere Terminabsprachen mit den AnimagiC-Veranstaltern gäbe, sodass man nicht mehr die Qual der Wahl hat. Wobei es natürlich schon etwas schwer ist, mit keiner der thematisch überschneidenden Cons und Festivals im Rheinland zusammenzufallen.
Quellen:
Copyright © 2011 by Alessandra Ress
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