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Deep Purple & Die Neue Philharmonie Frankfurt

Auftaktkonzert der The Songs That Built Rock-Tour am 15.07.2011, Mainz, Zollhafen

Am Freitag, den 15.07.11 gastierten im Rahmen der Summer In The City 2011-Events Deep Purple gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Frankfurt auf dem Konzertgelände des Mainzer Zollhafens.

Die Voraussetzungen für einen gelungenen Konzertabend waren ideal: Nach dem unbeständigen Wetter der vergangenen Tage, von dem noch einige wenige Wasserlachen zeugten, stand eine wärmende Abendsonne über dem Areal, mit blauem Himmel und vereinzelten Wolkenfeldern.
Die Organisation war vorbildlich, alles verlief völlig stressfrei und ohne Zwischenfälle.
Um 18 Uhr begann der Einlass. Da wir bereits frühzeitig vor Ort waren, hatten wir noch genügend Zeit, um über das Gelände zu schlendern, an den Bier- und Essenständen zu verweilen und schon einmal den gelungenen Bühnenaufbau in Augenschein zu nehmen.
Bevor alle Besucher anwesend und alle Plätze (ja, es gab eine große bestuhlte Fläche) eingenommen waren, eröffneten The Kordz aus Beirut pünktlich um 19 Uhr das Programm. Doch irgendwie war es noch zu früh für die sechs Mannen aus dem Libanon, deren Auftritt nach genau fünf Songs und 25 Minuten Spielzeit endete.
Ihr traditioneller Rock mit nahöstlicher Prägung fand wohlwollende Zustimmung, blieb aber - zumindest meinem Eindruck nach - ohne nachhaltiges Interesse.

Kein Wunder aber auch bei dem Headliner, einer Band, die seit mehr als 40 Jahren Rockgeschichte schreibt. Deep Purple präsentieren sich seit 2002 in unveränderter Besetzung: Ian Gillan (Vocals), Steve Morse (Guitar), Roger Glover (Bass), Don Airey (Keys) und Ian Paice (Drums). Unterstützt wird die britische Band dieses Mal von der Neuen Philharmonie Frankfurt. Nicht die erste Zusammenarbeit mit einem klassischen Orchester für die Vollblutmusiker um Gründungsmitglied Ian Paice. Bereits 1969 kam es zur Aufführung des Concerto for Group and Orchestra. War dieses Werk jedoch seinerzeit extra für Rockband und Orchester von Ex-Keyboarder Jon Lord geschrieben worden, werden in Mainz die Songs der Band durch die Philharmonie quasi ergänzt, erfahren eine neue Tiefe, eine neue Interpretation. Doch eines sind sie immer: unverkennbar Deep Purple.

Um Punkt 20:00 Uhr hat das Warten ein Ende und nach dem Intro brettert der Highway Star aus den Boxen. Die Setlist besteht fast nur aus Meilensteinen der Bandhistorie und davon gibt es nicht gerade wenige: Strange Kind Of Woman, Rapture Of The Deep (ein neuerer Track), Woman From Tokyo, When A Blind Man Cries, Knockin` At Your Backdoor, Perfect Strangers, Space Truckin`.
Die komplette Band ist bester Laune, die Energiespeicher zum Tourauftakt voll aufgeladen. Ian Gillan scherzt von Anfang an mit dem Publikum, winkt und reizt sein enormes Stimmvolumen bis an seine Grenzen aus. Steve Morse ist irgendwie der Strahlemann auf der Bühne, ständig lächelt er, sucht den Blickkontakt mit seinen Fans. Sein abwechslungsreiches Gitarrenspiel begeistert die Besucher. Jeder der Musiker kommt im Laufe des Konzerts zu Soloehren, kann sein unnachahmliches Können unter Beweis stellen. Der Dirigent der Philharmoniker greift zur Geige und findet in Steve Morse und seiner Gitarre einen würdigen Partner.
Das Zusammenspiel mit dem Orchester ist absolut harmonisch, erweitert die Deep Purple-Songs um eine weitere musikalische Facette, ist dabei jedoch nie dominant, sondern bereitet eher den Boden für die Legenden des Rock.
Deep Purple waren zudem noch nie auf einen einzigen musikalischen Stil fixiert. In ihrer Musik, deren Schwerpunkt natürlich der Hard Rock ist, finden sich genauso Elemente des Progessiven wie auch von Blues und Jazz.
Als nach dem fulminanten Space Truckin` schließlich die ersten Akkorde zu Smoke On The Water erklingen, hält es kaum noch einen Besucher auf seinem Platz. Die Fans drängen nach vorne, singen den sicherlich bekanntesten Purple-Song aus voller Kehle mit. Und mit Smoke On The Water beenden Deep Purple nach genau 90 Minuten ihren offiziellen Set. Doch die Forderungen nach einer Zugabe bleiben nicht lange ungehört und so gibt es mit Hush und Black Night einen nochmals 20minütigen Nachschlag.

Ein beeindruckender, ein perfekter Konzertabend geht damit zu Ende. Wir wie auch Tausende andere zufriedene, glückliche Fans verlassen diesen interessanten, direkt am Rhein gelegenen Veranstaltungsort mit der Gewissheit, ein wirkliches Konzerthighlight erlebt zu haben.

 

Copyright © 2011 by Stefan Bellack

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