
- Exklusiv

Das war die Leipziger Buchmesse 2010
Ein Rundherum-Bericht von Anke Brandt
So langsam müsste es sich herumgesprochen haben, dass mir die Buchmessen so heilig sind wie anderen Leuten ein dreiwöchiger Urlaub in der Sonne. Meine Sonne sind die Strahler in den klimatisierten Messehallen, die Palmen sind die Bücher und den Ozean bilden all die Menschen, die mein Interesse an Büchern teilen. Dieter Winkler bezeichnete mich liebevoll als Messejunkie, womit er es irgendwie auf den Punkt brachte.
Und deshalb habe ich die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr ein wenig verlängert und schon den Tag des Aufbaus mit großem Interesse verfolgt. Möglich wurde das, weil Erik Schreiber, Rezensent, Autor und ein guter Freund von mir, Wolfgang und dem Geisterspiegel, zusammen mit dem Wunderwaldverlag einen kleinen aber feinen Stand in Leipzig gemietet hatte, um dort all seine Bücher zu präsentieren, an deren Erscheinen er maßgeblich Anteil hatte. Viel Platz nahm natürlich sein eigenes Buch »Tatort Weltraum« am Stand ein, Eriks Sammlung von Science Fiction Krimis, und die gerade zur Messe erschienene Anthologie »Geheimnisvolle Geschichten«, in der neben Erik auch Markus Heitz mit einer Geschichte vertreten ist. So durften Wolfgang und ich als Eriks »Betreuer« schon vor der eigentlichen Messe auf das Messegelände und das Entstehen einer Buchmesse einmal live miterleben.
Fasziniert waren wir von der Unkompliziertheit bei den Organisatoren. Wir konnten mit dem Auto bis an die Messehalle fahren, hätten wir es vorher gewusst, dann sogar bis an den Messestand heran. Das erleichterte die körperliche Arbeit ungemein, denn so waren die Wege kurz, und die Bücher schnell an Ort und Stelle. Die Messebauer hatten bis dahin schon die meiste Arbeit geleistet, denn die Stände waren alle soweit vorbereitet, dass die Verlagsmitarbeiter ihre Bücher eigentlich nur noch einräumen brauchten. Doch da fing das Drama schon an, wie ich schnell beobachten konnte. Einige Verlage waren in Null Komma Nix mit der Präsentation ihrer Bücher und Dekoration fertig und konnten den Rest des Tages nutzen, um sich die Gastgeberstadt der Messe anzusehen oder den Tag in einer gemütlichen Gaststätte ausklingen lassen. Doch dann gab es da immer wieder Menschen, die planlos durch die Gänge liefen, man hörte oftmals ein Fluchen, an vielen Ständen wurde gebohrt, gesägt und gehämmert, ich beobachtete, wie verschiedene Aufbauten wieder abgebaut wurden, weil irgendetwas nicht passte usw. Dabei spielte auch das Skelett, welches wir euch am Tag Null als Erik unterjubelten, eine große Rolle, denn es endete irgendwann, lange, nachdem wir das Messegelände verlassen hatten, so:
Irgendwie tat mir dieser dürre Kamerad leid, denn er musste am Tag des Aufbaus Einiges über sich ergehen lassen, um dann doch in dieser Kiste zu verschwinden.
Wir waren schon verschwunden, hatten uns in unserer Pension eingerichtet und verbrachten einen Abend in spannender Erwartung auf die Dinge, die da kommen sollten.
Der erste Messetag begann relativ ruhig, aber nur, weil wir die Messehallen schon vor der offiziellen Öffnung betreten konnten. In diesem Jahr war es auch Pressevertretern gestattet, die Messehallen vor 10.00 Uhr zu betreten. Deshalb konnte ich auch ganz genau erkennen, was sich in der Nacht in den Messehallen noch getan hatte. Nach dem doch durchaus geordneten (aber dennoch) Chaos erstrahlten die Messehallen am Donnerstagmorgen regelrecht. Bis auf ein paar Kartons, die erst am Morgen angeliefert worden waren, waren alle Aussteller der Buchmesse auf ihre Besucher vorbereitet.
Und dann ertönte der Gong und die Leipziger Buchmesse 2010 war offiziell eröffnet.
Der erste Messetag in Leipzig gehört traditionell den Schülern der Stadt. Und sie ließen auch nicht lange auf sich warten, sondern eroberten die Gänge gerade in der Messehalle 2, in der neben Erik Schreiber und dem Persimplex Verlag die Kinderbücher, Comics, Mangas und Phantastik präsentiert wurden. Das war für die Kids natürlich der Anlaufpunkt. Schon um 10.30 Uhr eroberten sie die Fantasy-Leseinsel, als Stephan R. Bellem die erste Lesung der diesjährigen Messe auf der von Werkzeugs organisierten und betreuten Fläche in Angriff nahm.
An dieser Stelle möchte ich gleich ein ganz großes Lob an das gesamte Team von Werkzeugs und allen, die daran beteiligt waren, aussprechen, denn die Autoren und Besucher wurden von der ersten bis zur letzten Lesung bestens betreut. Die Fantasy-Leseinsel war an allen Tagen ein Anlaufpunkt, den man immer wieder gern besuchte. Das Aufgebot an Autoren suchte seinesgleichen, die großzügige Fläche bot immer genug Platz für die Zuhörer und ich denke, dass sich auch alle Phantastik-Autoren wohlgefühlt haben, denn sonst hätte man sie wahrscheinlich nicht immer wieder dort angetroffen. Doch sie waren da, signierten, standen ihren Lesern Rede und Antwort und ließen sich immer wieder fotografieren. Ich weiß gar nicht mehr, welche Fantasy-Autoren alle da waren, denn mir fällt niemand ein, den ich nicht angetroffen habe
Stephan Bellem las aus seinem neuen Roman »Bluttrinker« und die relativ jungen Zuhörer klebten ihm förmlich an den Lippen. Die anschließende Signierstunde war sehr gut besucht und faszinierend fand ich, wie die Kinder und Jugendlichen den Autor dann noch interviewten. Als ich das sah, dachte ich nur, dass ich mir um die Zukunft des Geisterspiegels keine Sorgen machen muss. Da wächst jede Menge Nachwuchs ran, der sich für Fantasy interessiert und ohne Scheu mit dem Autor ins Gespräch kommt.
Anschließend hatte ich einen Termin mit Stephan Bellem. Nach meinen Rezensionen zu seinen Büchern lag das auf der Hand, denn zu den »Chroniken des Paladins« und »Bluttrinker« ist ein Beitrag für die Wunderwelten in Planung, den ich gemeinsam mit Stephan an diesem Tag vorbereitet habe. Wie dieser Artikel genau aussehen wird, weiß ich noch nicht, ich weiß nur, es soll etwas Besonderes werden. Ich lass mich einfach selbst mit überraschen …
Am Nachmittag gab es für den Geisterspiegel eine Lesung der besonderen Art.
Andreas Zwengel, der Sieger unserer Romanausschreibung las aus seinem Roman »Die Welt am Abgrund«, der am 5. Juni 2009 im Persimplex-Verlag erschienen ist. Wolfgang moderierte die Lesung und Andreas überraschte die Zuhörer mit einer sehr interessanten Lesung aus seinem Buch. Die ausgewählten Textstellen erzeugten Spannung und das Vorlesen üben hat sich mehr als gelohnt. Denn auch sprachlich wurde ich vom Autor angenehm überrascht. Er nutzte seine Stimme voll aus und zog die Zuhörer damit in seinen Bann.
Den Rest des Tages nutzte ich, um mich über Buchneuheiten zu informieren. Dabei kam es immer wieder zu Gesprächen mit Autoren, Verlegern, Freunden und Bekannten. Diese Begegnungen sind es, die das Ambiente einer Buchmesse ausmachen. Man fühlt sich irgendwie … daheim.
Dieses Gefühl konnte ich am Freitag ein klitzekleines Bisschen an meine Schwester vermitteln. Mit ihr verbringe ich in Leipzig seit einigen Jahren mindestens einen halben Tag auf der Messe. Und wie ich schon erwähnt habe, es waren wohl alle Fantasy-Autoren da, sodass ich ihr viele einfach mal vorstellen konnte. Auf Wolfgang Hohlbein war sie natürlich besonders gespannt, denn auch sie hat »notgedrungen« eine ganze Reihe seiner Romane gelesen, weil ich sie dazu »ermuntert« hatte. Naja, jedenfalls beim ersten Buch, dann kam sie von allein drauf, dass ihr die Bücher von Wolfgang gefallen. Schade, dass ich ihr Gesicht nicht sehe, wenn sie das folgende Foto von mir bekommt.
An diesem Freitag lernte ich auch einige Autoren kennen, mit denen ich bisher noch keinen Kontakt hatte, so u.a. Rebecca Hohlbein, Thomas Plischke und Frank Rehfeld. Ich denke, über alle drei wird es bald mehr auf dem Geisterspiegel zu berichten geben, auch wenn ich mich da jetzt zeitlich noch nicht festlege.
Die erste Begegnung mit Thomas Plischke war mir übrigens nicht so einerlei, hatte ich doch den Roman »Die Zwerge von Amboss« in meiner Rezension ziemlich verrissen. Nun, ich brauchte mich bei Thomas auch nicht weiter vorstellen, er wusste gleich, wer ich bin. Nun warten »Die Zombies« auf eine Rezension und wir sind so verblieben, dass ich nach der Lektüre entscheide, inwieweit wir etwas für den Geisterspiegel planen. Thomas ist jedenfalls schon sehr gespannt …
Am nächsten Tag wurde ich dann auch noch von Thomas’-Autor Ole überführt, der meinen Namen ebenfalls sofort zuordnen konnte. Aber ich hatte bei beiden das Gefühl, dass sie mich dennoch gut leiden können, denn wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Und irgendwie hatte ich sogar das Gefühl, dass sie meine Rezension gar nicht so schlimm fanden, sondern die eine oder andere Kritik als Anregung verstanden und genutzt haben. Und wenn das so ist, dann macht mir das Schreiben von Rezensionen in Zukunft noch mehr Spaß.
Rezensionen waren auch Thema in einem langen Gespräch, welches Wolfgang mit Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler führte, während ich am Samstag der Pressekonferenz des Persimplex-Verlages beiwohnte. Das Thema der Pressekonferenz passt thematisch nicht unbedingt zum Geisterspiegel, dennoch halte ich es für fantastisch genug, um darüber einen exklusiven Beitrag zu schreiben, der noch in dieser Woche online gehen wird.
Über den Samstag kann ich ansonsten gar nicht viel berichten, man muss einfach dabei gewesen sein, als sich Hunderte Mangafans verkleidet durch die Hallen und Außenflächen der Messe schoben. Es war manchmal eine Augenweide, was sich die jungen Leute bei ihren Kostümen einfallen lassen haben. Und obwohl die Messe proppenvoll war, hat es einen Riesenspaß gemacht, weil die Stimmung insgesamt sehr locker war. Viele Gespräche mit Autoren und Verlagsmitarbeitern, aber auch Freunden und Bekannten, die man auf jeder Messe trifft, rundeten den Tag ab und machten ihn zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen der Apokalyptischen Schreiber, die nicht nur zum ersten Mal die Leipziger Buchmesse besuchten, sondern auch gleich noch eine Lesung hatten. Darüber zu schreiben, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen, deshalb werde ich darüber gesondert berichten.
An allen vier Tagen genoss ich immer wieder die Gespräche mit Erik Schreiber. Ich besuchte ihn viel an seinem Stand, vertrat ihn dort, damit er Termine wahrnehmen oder einfach mal schauen gehen konnte. Wir haben viel gelacht, geredet und geplant. Es hat einfach Spaß gemacht. Ebenso wie das Wiedersehen mit Peter Göring und seinen Kollegen vom Persimplex-Verlag.
Insgesamt war die Messe wieder ein wunderschönes Erlebnis für uns Geisterspiegler. Die vielen Gespräche mit alten Bekannten, das Knüpfen neuer Kontakte, die vielen neuen Informationen über die Phantastik, die gelungenen Events und Lesungen geben mir wieder Aufschwung für das kommende halbe Jahr, im Sinne des Geisterspiegels aber auch beruflich.
Und das Ende der Messe sieht beinahe wieder aus wie der Anfang der Messe …
Zum Schluss möchte ich euch in einer Bildergalerie noch ein paar Eindrücke der Messe vermitteln, welche ich nicht in Worte gefasst habe.
© Anke Brandt
|