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Die Ausstellung Anime! High Art - Pop Culture
Zwar erfreuen sich Mangas und Animes in Deutschland schon seit einigen Jahren – um nicht zu sagen Jahrzehnten – großer Beliebtheit und sind aus den meisten Buchhandlungen ebenso wenig wegzudenken wie die Cosplayer von den Buchmessen in Frankfurt oder Leipzig. Trotzdem sind sie noch immer erstaunlich vielen Leuten kein Begriff, und wenn man mit der Erklärung japanische Comics bzw. Trickfilme ankommt, sorgt das auch nicht unbedingt für großes Verständnis.
Umso schöner ist es da, dass sich mit der Bundeskunsthalle auf der Museumsmeile Bonn eines der wohl bekanntesten deutschen Museen derzeit der Thematik widmet. Bereits seit dem 29. Juli 2011 und noch bis zum 8. Januar 2012 wird hier eine entsprechende Ausstellung unter dem Titel Anime! High Art – Pop Culture geboten, die Ästhetik, Geschichte und Produktionsweise der japanischen Animationsfilme und -serien behandelt.
Dabei sollte man den Begriff der Ausstellung nicht allzu wörtlich nehmen. Denn hier wird nicht nur ausgestellt, sondern auch ausprobiert. Bereits im ersten der weitläufigen hellen Räume, in dem auch regelmäßig Workshops stattfinden, warten zahlreiche Konsolen, an denen man munter thematisch passende Games ausprobieren oder beim selbst gemachten Daumenkino die Animationstechnik auf einfachste Weise nachvollziehen kann. Natürlich kann man sich mithilfe entsprechender Lernbücher auch am Mangazeichnen versuchen. Dazu laufen Filmausschnitte, die von Wickie und die starken Männer bis zum beeindruckenden Final Fantasy VII – Advent Children ein breites Spektrum abdecken. In einer Leseecke können außerdem Mangas von Grimms Märchen über Adolf bis hin zu Angel Sanctuary gelesen werden und in Vitrinen gibt es eine Auswahl von Merchandise zu bestaunen. Nicht zu vergessen das beeindruckende Cosplay-Kostüm zu Suzaku, das einen beim Eintritt begrüßt.
Im nächsten Raum geht es weiter mit den Kodomo No Anime, also den Anfängen des Anime, wie man ihn in Deutschland durch Serien wie Heidi oder Die Biene Maja kennt. Wiederum werden Ausschnitte und Folgen gezeigt, aber auch Originalzeichnungen lassen sich bestaunen, von den zahlreichen begleitenden Informationstafeln natürlich ganz zu schweigen.
In zwei weiteren Räumen werden Shojo Animes (= auf Mädchen ausgerichtet) und Shonen Animes (= auf Jungen ausgerichtet) behandelt. Auch hier sind neben den obligatorischen Informationstafeln und Beispieldarstellungen Cosplay-Kostüme ausgestellt, Games können ausprobiert werden und natürlich kann man sich über Filmausschnitte auch wieder selbst ein Bild von zahlreichen Animes machen. Darüber hinaus gibt es einen Bereich für die Seinen Animes, also die Animes für Erwachsene. Hier wird sich auch ein wenig den unterschiedlichen Genres gewidmet.
Wer mag, kann außerdem einen pinken ab 18-Raum besuchen, in dem sich – wie sollte es anders sein – der Pink Industry, also den erotischen Animes gewidmet wird.
Neben diesen geschichtlich-, bzw. zielgruppenorientierten Räumen gibt es zudem Bereiche mit besonderen thematischen Schwerpunkten. So ist ein Bereich dem Künstler Amano Yoshitaka gewidmet und eine Wand den Fotografien Oliver Siebers. Gerade die Werke Siebers fand ich persönlich sehr faszinierend. Dadurch, dass er Gothic-Lolitas und Cosplayer an alltäglichen Orten fotografiert hat, entsteht ein zugleich anrührender und grotesker Eindruck, der die Bilder von vielen anderen, typischeren Cosplay-Fotografien abhebt.
Den Höhepunkt der Ausstellung sehe ich allerdings im Raum 2011 – Die Katastrophe, welcher Werken gewidmet ist, die sich schon vor dem Tsunami mit verwandten Schreckensszenarien beschäftigt haben. Zu nennen ist hier etwa der Manga-Klassiker Barfuß durch Hiroshima, aus dessen erster Verfilmung auch ein Ausschnitt gezeigt wird.
Neben den Ausstellungsräumen gibt es außerdem zwei Kinosäle, in denen komplette Filme oder Teilserien gezeigt werden (einer ohne Altersbeschränkung, einer ab 16 Jahren). Da das Programm variiert, empfiehlt sich hier die vorherige Information, wann welcher Film läuft. Dasselbe gilt für das Rahmenprogramm. Beides lässt sich unter der unten genannten Internetadresse nachschauen.
Mein Fazit zum Ausstellungsbesuch:
Insgesamt ist diese Ausstellung definitiv eine Empfehlung wert. Für mich als relativen Manga/Anime-Neuling war sie sehr informativ. Vieles ist mir klarer geworden, auch zu Werken, die ich bereits gelesen oder gesehen habe, anderes hat mir Anregungen gegeben oder mich auch ganz für sich stehend beeindruckt.
Aus meiner Sicht schafft die Ausstellung es zudem gut, ein Gleichgewicht dahingehend zu finden, sowohl für Neulinge, als auch für Fortgeschrittene von Interesse zu sein. Während die allgemeinen Informationen zu Geschichte oder bekannten Vertretern (Werken, Autoren oder Studios) des Genres vor allem für weniger Informierte spannend sein dürften, sind die Ausstellungsbereiche etwa zu Oliver Sieber und Amano Yoshitaka sicher auch für solche interessant, die sich schon intensiver mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Ebenso hat die Ausstellung auch für nahezu alle Altersklassen durch die verschiedenen Ausprobier-Angebote und die thematischen Schwerpunkte etwas zu bieten.
Zeitlich rate ich dazu, für die Ausstellung an sich ca. 1 ½ Stunden einzuplanen. Will man viel ausprobieren, sich mit einem Buch länger niederlassen oder auch einen der Filme vollständig gucken, sollte man natürlich mit einem entsprechend größeren zeitlichen Aufwand rechnen.
Zahlreiche, ausführliche Informationen zur Ausstellung (Preise, Öffnungszeiten, Inhalte, …) sind auf einer eigenen Website zu finden.
Quellen:
Copyright © 2011 by Alessandra Ress
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